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Von geblümten Hunden bis zum Aufruhr Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
(Pinnow, 27.11.2026) Vom 27. November bis 4. Dezember 2026 haben wir fünf E‑Books versammelt, die auf ganz unterschiedliche Weise von Mut, Verantwortung und Erfindungskraft erzählen: ein Band voller ausgelassener Tiergedichte und schrulliger Märchen, ein Kriminalfall, der das Künstlermilieu zum Schauplatz gefährlicher Fragen macht, eine auf Gerichtsakten beruhende Erzählung über eine Frau, deren Leben von Machtverhältnissen gezeichnet ist, ein historisches Panorama, das uns ins Paris des 18. Jahrhunderts zieht und ein einfühlsames Jugendporträt eines Predigers, der zum Aufbegehren ruft. Zusammen bilden diese Titel ein Spektrum von Stimmen, die von Witz und Phantasie bis zu Wut über soziale Ungerechtigkeit reichen und uns daran erinnern, wie sehr Geschichten Gegenwart und Zukunft miteinander verweben.
Vom Freitag, dem 27. November, bis Freitag, dem 4. Dezember 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.
Der geblümte Hund und andere Tiere. Lustige Geschichten für kleine Leute von Klaus Möckel
"Im Waldsee war ein Haubentaucher/ ein ausgemachter Kettenraucher./ Statt frischen Fisch herbeizuschaffen,/ sah man im Schilf ihn Kolben paffen." So beginnt eins der Gedichte, die, vermischt mit lustigen Geschichten, in diesem Band vereint sind. Da wohnen Mäuse in einem Kanister, Hühner legen Eier in den Fluss, und ein Löwe hat einen Sonnenbrand. In den Märchen und Geschichten bewacht ein Hund mit Blumen im Fell ein Puddingfeld, der Sohn des gestiefelten Katers legt sich, genau wie sein Vater, mit einem bösen Zauberer an, ein Känguru wünscht sich einen neuen Beutel und wird von einem Betrüger hereingelegt, eine Schildkröte reist in die Stadt, um Reisbrei für ein Fest zu kaufen.
Doch der Leser bekommt es mit noch anderen Themen zu tun. Eine Hundeelf muss einen Torwart finden, aber nur eine Katze bietet sich an, ein Mann wird vorgestellt, der fünf Daumen an jeder Hand hat, der Große Popanz regiert im Tal der Porinden, wo Berge und Bäume krumm sind, und Kinder unternehmen eine Fahrt zu den Sternen.
Diese Sammlung ist voll prallen Lebens, ein bunter Strauß phantasievoller und abenteuerlicher Begebenheiten.
Gespensterschach. Kriminalroman von Klaus Möckel
Dieser dritte Fall Kreys führt ins Künstlermilieu. Eine Malerin wird vermisst, und der Detektiv soll Nachforschungen anstellen. Doch seine Fragen passen manchen Leuten nicht in den Kram, so dass er begreifen muss, dass er sich wieder mal auf ein gefahrvolles Spiel eingelassen hat. Ein Toter taucht auf, Fälscher und Hehler versuchen das große Geld zu machen. Zusammen mit seiner Freundin Jeanette, die ihm helfen will, gerät er in höchste Lebensgefahr, doch er wäre nicht Krey, wenn er deshalb aufstecken würde.
Hausteins Marja. Erzählung, frei nach Gerichtsakten von 1799 von Elke Nagel
Hausteins Marja wird beschuldigt, ihr neu geborenes Kind getötet zu haben.
Marja ist eine Leibeigene; sie ist eine Sorbin in einem sorbischen Dorf, dessen Herrschaft, Amtsgewalt und Regierung deutsch sind; sie ist zu naiver, mit Aberglauben verwobener Frömmigkeit erzogen und sie ist eine Frau in einer von Männern beherrschten Welt. So trägt sie vierfache Fesseln.
Die Autorin nimmt uns mit auf Spurensuche: Was steht in den Akten, den Kirchenbüchern, den Zeitdokumenten? War diese Frau eine Mörderin? Wie ist es gewesen wie könnte es gewesen sein?
Und wenn auch die Spuren wie Irrlichter sind, unstet und widersprüchlich, wenn sich auch Marjas Spur schließlich am Horizont verliert: Es bleibt das Bild einer starken, tapferen Frau, die versucht hat, ihre Fesseln zu lösen.
Die Druckausgabe erschien 2009 bei BS-Verlag Rostock. Das E-Book enthält außerdem die Biografie von Elke Nagel mit Foto und kompletter Bibliografie sowie die Übersicht der E-Books von Elke Nagel (Elke Willkomm).
Leben aus dem Schatten. Die Memoiren von Cartouche, dem Meisterdieb und Templermeister, Teil 2 von Arnold Hiess
Der Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise ins 18. Jahrhundert und erschuf gleichzeitig ein detailgetreues Paris der damaligen Zeit, in das man beim Lesen nahezu völlig eintaucht. Im vorliegenden zweiten Teil erzählt Arnold Hiess die wahre Lebensgeschichte des Meisterdiebs zu Ende und lässt dabei das damalige Leben und die dramatischen Ereignisse wieder auferstehen. Mit vielen fesselnden Elementen und historisch korrekten Facetten ausgestattet, wird es dem Leser hierbei nahezu unmöglich gemacht, vor dem Ende der Geschichte in sein eigenes Leben wieder zurückzufinden.
Dabei lässt Arnold Hiess die Welt der Tempelritter wieder aufleben, die bis zu ihrer Verfolgung und Auslöschung ihr Hauptquartier in Paris hatten, und forscht nach all ihren Geheimnissen und Schätzen. In brillant erzählten Abenteuern und Zeitreisen erlebt der Leser Geschichte seit der Templerzeit und viele spannende Geschehnisse.
Cartouche stellt auf seinem Lebensweg die Liebe in drei speziell gedachten Facetten immer mehr ins Zentrum seines Denkens und entwickelt sich im Alter fast zum Philosophen.
Das Buch kann dadurch auch als spektakuläre Lebensanleitung für unser heutiges modernes Leben verstanden werden ganz abseits herkömmlicher Religionen
Was wirklich zählt im Leben, sind die eigenen Träume und deren Umsetzung auch gegen den Widerstand vieler Konventionen.
Und was wirklich zählt im Leben, ist die Liebe zu einem besonderen Menschen: Wer dieses Glück in sich trägt, sieht mit dem Herzen bereits die neuen Blumenwiesen auch hinter dem Tod
Rebell mit Kreuz und Schwert. Das Leben des Thomas Müntzer von Heinz Kruschel
Der Friday for Future-Titel der Woche ist Rebell mit Kreuz und Schwert. Das Leben des Thomas Müntzer. Kruschels Buch für junge Leserinnen und Leser stellt Müntzer als Prediger dar, der sich nicht nur theologisch, sondern auch gesellschaftlich gegen Ausbeutung und Klassenungleichheit wandte. Aus den Schilderungen von Unterdrückung, Aufbegehren und den konkreten Folgen politischer Entscheidungen lässt sich unmittelbar ableiten, warum Debatten um Verantwortung für kommende Generationen wie sie Friday for Future führen heute noch Relevanz besitzen: Wer die historischen Ursachen von Ungerechtigkeit versteht, nimmt die Pflicht zu solidarischem Handeln ernster.
Das Buch für Kinder ab 12 Jahren gibt einen spannenden Einblick in die Geschehnisse um 1525. Der Prediger Thomas Müntzer gibt sich mit den Lehren von Martin Luther nicht zufrieden und kämpft nicht nur gegen die vom Papsttum beherrschte geistliche Obrigkeit, sondern auch gegen die weltliche Ordnung, gegen Klassenunterschiede, Ausbeutung und Unterdrückung. Das Buch zeigt das Wirken Müntzers bis zu seiner Hinrichtung und große Schlachten des Bauernkrieges auf. An packenden Einzelschicksalen zeigt Kruschel überzeugend die Not und Unterdrückung der Landbevölkerung auf.
Die folgenden Leseproben werfen je ein kleines, prägnantes Fenster auf die Welt der einzelnen Bücher: mal ein heiteres Gedicht, das die kindliche Vorstellungswelt auf den Kopf stellt; mal ein Studio, in dem Nachfragen gefährlich werden; mal ein Dokumentenfund, der fragwürdige Urteile sichtbar macht; mal ein Parisabend voll Geheimnisse; und schließlich ein Moment, in dem Aufruhr Gestalt annimmt. Jede Passage legt einen eigenen Ton frei und öffnet direkten Zugang zu dem Atem, der das jeweilige Buch bewegt.
Der geblümte Hund und andere Tiere. Lustige Geschichten für kleine Leute von Klaus Möckel
Die erste Probe setzt gleich mit einem überraschenden Bild ein: ein Wasservogel mit ungewöhnlichen Gewohnheiten ein Einstieg, der die ganze Sammlung in ihrem launigen, manchmal grotesken Ton ankündigt.
Der Armreif schimmerte und glänzte, ein ganz wunderbarer Anblick. Perry Zuckerbein wollte danach greifen, doch die Oma legte die Pfote drauf.
"Du willst meiner Enkelin also einen neuen Beutel schneidern", sagte sie.
"Natürlich, ist doch so abgesprochen."
"Hast du den Stoff mit?"
"Sie hat ihn ja schon gesehen", sagte Perry ausweichend.
"Ich will ihn selbst betrachten."
"Na schön, meinetwegen", der Beutelschneider holte das Stück Stoff aus der Manteltasche, gab es aber nicht aus der Hand.
"Wo sind Nadel und Faden, wo ist die Schere?"
"Nadel und Faden? Weshalb?"
"Du musst ihr den Beutel doch annähen."
"Ach so. Nein, so einfach ist das nicht. Dazu muss die Kleine auf den Operationstisch. Gib mir den Armreif, dann nehme ich deine Enkelin gleich mit."
"Tu's doch", bettelte Bri, die wieder Hoffnung schöpfte. "Bitte! Gib ihm den Reif."
"Lass mich erst den Stoff prüfen", verlangte die Alte.
"Wozu prüfen?" Perry wollte den Stoff wieder wegstecken, doch die Großmutter packte schnell zu und nahm ihn an sich. Dann stellte sie den Hinterhuf drauf und zog einmal kurz mit den Vorderpfoten. Mit einem Ritsch riss das Stück mitten durch.
"Der ist ja ganz morsch, der hält gar nichts aus", rief Bri erschrocken.
"Ein feines Material", sagte die Oma, "es taugt überhaupt nichts."
"Du bist selber schuld, warum hast du so daran gezerrt."
"Weil ein Kängurubeutel stabil sein muss."
Zuckerbein machte gute Miene zum bösen Spiel:
"Es war nur eine Probe zur Ansicht. In meiner Wohnung hab ich den richtigen Stoff."
"Nichts hast du! Man kann einem Känguru keinen neuen Beutel nähen. Meine Schätze wolltest du ergaunern!"
Gespensterschach. Kriminalroman von Klaus Möckel
Im nächsten Ausschnitt treten wir in ein Atelier ein, in dem das Verschwinden einer Malerin Fragen aufwirft und den Ermittler unweigerlich tiefer ins gefährliche Geflecht von Lügen und Begehrlichkeit zieht.
Oh, da irren Sie sich. Der Name bedeutet eine ganze Menge, zumindest hat er mich auf die Spur eines spektakulären Raubs gebracht mit dem auf irgendeine Weise das Verschwinden von Beate Hallenbeck zusammenhängt. Aber ich vermute, das wissen Sie längst. So schwer es Ihnen im Augenblick fallen mag, Frau Rothenfels, Sie sollten dieses traurige Ereignis nutzen und mir jetzt endlich die Wahrheit sagen."
Unvermutet wurden wir unterbrochen. Hinter mir flog die Tür auf, und ich sah, wie sich die Augen der Frau erschrocken weiteten. Trotzdem brauchte ich einen Moment zu lange, um zu begreifen, was vorfiel. Ich warf mich zu spät zur Seite. Ein Schuss knallte, ein scharfer Schmerz durchzuckte mich und riss mich zu Boden. Zum Glück stürzte ich hinter einem Sessel nieder, so dass die zweite Kugel nur das Sitzpolster traf.
Dass geschossen worden war, kriegte ich allerdings erst hinterher so richtig mit. Ich stieß einen Schrei aus, versuchte nach dem Arm zu greifen, den es erwischt hatte, und sah im Fallen eine Gestalt mit einer Bärenmaske im Türrahmen. Nicht sehr groß, bullig. Dann schlug ich blödsinnigerweise mit dem Schädel gegen ein Tischbein, und mir wurde schwarz vor Augen.
Ich kam nicht dazu, mich lange der Dunkelheit und der angenehmen Fühllosigkeit hinzugeben, in die ich geglitten war. Jemand ohrfeigte mich und zerrte an mir herum. Der Arm tat höllisch weh, auch der Kopf schmerzte. Ich stöhnte und sah einen jungen Mann über mich gebeugt, der befriedigt erklärte: Jetzt kommt er endlich zu sich." Ein anderer Mann, etwas älter, schaute ihm mit rotem Gesicht zu.
Er blutet, er braucht einen Arzt", erklärte eine weibliche Stimme. Sie gehörte der Frau, die vorhin das Kinderkleid mit den Glöckchen in Arbeit gehabt hatte.
Was war denn los?", fragte ich dümmlich.
Jemand scheint auf Sie geschossen zu haben. Das müssten Sie doch am besten wissen", sagte die Frau, und der ältere Mann fügte hinzu: Was machen Sie überhaupt hier?"
Ist mit Frau Rothenfels alles in Ordnung?" Ich hatte nicht die Absicht, lange Erklärungen abzugeben.
Frau Rothenfels? War sie denn noch bei Ihnen?", fragte nun der junge Mann.
Hausteins Marja. Erzählung, frei nach Gerichtsakten von 1799 von Elke Nagel
Die Leseprobe zu Hausteins Marja öffnet ein Dokumentarfenster: ein Satz, eine Aktennotiz, die Marjas Lage greifbar macht und zugleich die starre Ordnung sichtbar werden lässt, gegen die sie sich nicht eben unbefangen bewegen kann.
Er starrte ebenso erstaunt wie erschrocken auf dieses Mädchen, das noch vor vier Jahren vor ihm auf der Schulbank gesessen hatte, ein schüchternes, sehr mageres, hellblondes Kind, das in den sieben Jahren Schulzeit kaum ein Wort deutsch gelernt hatte, aber da war sie keine Ausnahme, und plötzlich bemerkte er ihren Bauch.
Du bist, du bist, stotterte er, sie lachte auf, schwanger sei sie, freilich, das bestreite sie nicht, er könne es ruhig der Herrschaft anzeigen, dann erspare er ihr einen Weg.
Aber die Peitsche nicht, rief er, die kann dir niemand ersparen.
Sie veränderte weder ihre Haltung noch ihre Stimme, leise, wie gelangweilt, sagte sie: Ich werds überleben.
Du weißt nicht, was du redest, rief er kopfschüttelnd. Aber es gebe doch einen Ausweg, fügte er nachdenklich hinzu. Der Vater dieses Kindes, zweifellos gebe es doch einen Vater, wenn er sich zu seiner Vaterschaft bekenne, müsse er sie heiraten. Er, Michael Richter, werde sich bei der Herrschaft dafür einsetzen, und wenn der Herr von Muschwitz
Wenn, wenn, unterbrach sie ihn, hoch aufgerichtet jetzt und mit offenen Augen und überhaupt nicht sanft und schüchtern, wie er sie als Schülerin in Erinnerung hatte. Er bekennt sich nicht, sagte sie. Er will nicht heiraten.
Das wollen wir doch mal sehen, sagte Richter. Wer ist es?
Der Kubitz Jan.
Der aus Ratzen?
Genau der. Aber er streitet es sowieso ab, ich sags Ihnen gleich, Herr Lehrer. Und ich will ja auch gar nicht heiraten, und den Kubitz Jan schon gar nicht. Das wird auch so einer sein, der seine Frau und seine Kinder prügelt, einer wie mein Vater und wie noch so mancher in Lohsa und Mortka, wissen Sie das gar nicht, Herr Lehrer?
Richter überhörte die Frage. Also willst du lieber in Schande fallen, Hanka? Und dich auspeitschen lassen?
Vielleicht, vielleicht, sagte sie mit bitterem Spott in der Stimme.
Leben aus dem Schatten. Die Memoiren von Cartouche, dem Meisterdieb und Templermeister, Teil 2 von Arnold Hiess
Die Passage aus den Memoiren Cartouches nimmt uns mit in ein atmosphärisch dichtes Paris: Kopfsteinpflaster, verborgene Gassen und die Erwähnung alter Templerlegenden geben einem Diebenerlebnis die historische Tiefe, die den Leser kaum loslässt.
Kurze Zeit später kam ich im Untergrund an. Ich schob die Geheimtür zur Seite und betrat wachsam unser Versteck. Ich sah bereits von fern, wie die Knaben mit ihren Holzschwertern übten und wie Babette in einem gepolsterten Stuhl saß und Annabelle eine Geschichte vorlas. Als ich mich ihnen näherte, stoppte Babette ihre Erzählung und musterte mich eindringlich. Und was geschah dann, Tante Babette?, fragte Annabelle, als sie begeistert in die Luft sprang und neben ihr her hopste. Gleich, meine Kleine. Ich muss kurz mit Louis sprechen, antwortete Babette, bevor sie mich fragte, ob ich nun endlich Jacques und Eric gefunden hätte. Ich nickte, und erzählte ihr alles, was ich herausgefunden hatte. Am nächsten Tag würde mir Babette treu zur Seite stehen, denn der Henker sollte morgen sein blaues Wunder erleben. Was ich mit ihm vorhatte? Sollte er leiden? Oui! Ich hatte mir einen ausgefuchsten Plan zurechtgelegt.
Ich blickte zum Himmel einzig ein paar Schäfchenwolken und Schlieren befleckten das tiefe Blau, als ich mich auf dem Weg zum Place de Grève befand. Salzig. Die Luft roch salzig. Eine Hinrichtung von zwei Räubern stand heute auf dem Programm und mein guter alter Henker war ebenfalls zugegen. Als ich ankam, feierte bereits ein Dutzend Bürger, die rund um den Galgen standen. Ich näherte mich dem seltsamen Gebaren und erblickte die gefesselten, verdreckten Straftäter. In ihren Gesichtern bemerkte ich Angst. Todesangst. Schon bald kam der stämmige Urteilsvollstrecker und ließ sich von der Menge feiern; er streckte beide Arme in die Luft. Die Bürger jaulten frenetisch. Dann legte er den Räubern die Stricke um ihre Hälse, während die beiden erschüttert und bleich auf die schaulustige Meute starrten. Sie zitterten am ganzen Leibe, einer von ihnen wurde feucht im Schritt. Die Bürger bewarfen sie mit faulem Gemüse und altem Brot, als der Henker seine linke Hand in die Höhe streckte, um die Menge zu beruhigen. Die Verurteilten wimmerten. Kurze Zeit später öffnete der Riese die Falltüren, die Diebe stürzten und zappelten nun frei in der Luft. Ihre Gesichter wurden schon nach kurzer Dauer blutrot, man sah, wie sie kläglich um Luft rangen und den Tod schon vor Augen hatten. Die Menge jubelte, schrie vor Freude, während sie wieder verdorbene Lebensmittel gegen die Verbrecher schleuderte. Ich erschauderte, hoffte, dass bald ihre Genicke brechen würden, damit ihnen zumindest der grausame Erstickungstod erspart bliebe. Sekunden später knackste es dumpf. Fast zeitgleich verstarben die beiden Männer an Genickbruch, und ihre reglosen Körper baumelten nun im leichten Sommerwind hin und her. Die Menge grölte und jaulte vor Glück, hatte sich aber alsbald aufgelöst. Ich beobachtete den Henker und folgte ihm unauffällig. Er ging in die nahe gelegene Schenke Zum roten Adler, um seinen übergroßen Durst und Hunger zu stillen, während ich an der Eingangstüre auf ihn wartete. Die Zeit verging, ich trällerte mehrere Volkslieder vor mich hin und verharrte an meinem Standort.
Nach etwa einer Stunde schwang sich der grobe Mann, der immer noch seine schwarze Henkerskluft trug, aus der Taverne und gähnte lautstark. Hurtig stellte ich mich ihm in den Weg. Wer bist du, Maskenmann? Geh aus dem Weg!, raunzte er mich mürrisch an, doch ich verblieb an meinem Platz. Verschwinde endlich, du Vollidiot!, fauchte er, als er mich an meinen Gewändern packte. Augenblicklich schubste er mich so fest, dass ich zurückgeschleudert wurde und zu Boden fiel. Als ich aufstand und den Schmutz von meiner Kleidung abstreifte, lachte er lauthals, amüsierte sich prächtig. Ich nahm meine Maske ab und grinste ihn an. Sein Lachen endete abrupt und sein Gesichtsausdruck wurde ganz starr. Du bist doch der Räuber, den ich vor Jahren davonkommen ließ, oder? Genau, der bin ich! Und du widerlicher Bastard hast dich mit meine Frau vergnügt, sie dann verraten und nun meine geliebte Mademoiselle sogar auf dem Gewissen! Der Henker kam näher, ich roch seinen fauligen Atem; Essensreste klebten zwischen seinen Zähnen. Sei froh, dass du noch lebst, Lümmel! Ich hatte schon sehr viel bessere Weiber. Such dir eine andere Frau!, zischte er mich an, als er ganz dicht vor mir stand. Ich kochte innerlich, lachte aber gellend auf und dann rutschte mir ein unüberhörbarer Pfiff durch die Zähne. Der herzlose, grausame Henker blickte verdutzt, als sich plötzlich Babette mit einer braunen Kutsche näherte, die zwei weiße Pferde zogen. Ich klatschte in meine Hände, feixte genüsslich und turnte um den mächtigen, aber erstaunten Mann herum. Sogleich öffnete ich die Kutschentür, und eine eisenbeschlagene Truhe voller Livre und Schmuckstücke kam zum Vorschein. Und was willst du jetzt von mir? Willst du mir das alles schenken? Könnte ich gut gebrauchen!, lachte der Henker.
Ich verschloss die Tür, stellte mich neben ein schnaubendes Pferd, das gerade mit den Hufen in der Erde scharrte, und begann zu sprechen: Nein, nein, mein Freund! Ich schenke dir natürlich nichts. Das waren deine Livre und dein Schmuck! Wir haben dich heute ausgeraubt, als du nicht zu Hause warst! Sogleich gab ich den Pferden einen Klaps auf das Hinterteil und Babette brauste mit seinem Hab und Gut davon, während der Henker erschauderte. Ich hatte ihn in der Tat dort getroffen, wo es ihm am meisten weh tat! Kurz darauf kniete sich der so brutale und äußerst starke Mann vor mir hin und seine widerlichen Glubschaugen füllten sich mit Tränen. Du weißt nicht, was du da tust! Bitte gib mir mein Vermögen wieder zurück. Ich muss hier weg. Will mich beim Königshaus freikaufen, weil ich bei der königlichen Familie verschuldet bin, und ein neues Leben beginnen, stammelte er. Ach so? Du willst hier weg? Ich fühle mich in Paris pudelwohl, bin aber auch derjenige, der in Paris alles gemacht hat, was die Leute über Jahre so amüsiert hat. Ich weiß, dass dich die Toten heimsuchen, und sie werden dich bis ans Lebensende verfolgen. Du ekelhaftes Stück Fleisch hast nichts anderes verdient. Wer solche Schandtaten begeht, der muss büßen, sagte ich, wandte mich ab und ging.
Bitte! Sie verfolgen mich, ich kann nicht mehr. Jede Nacht sehe und höre ich sie. Gib mir mein Vermögen zurück oder töte mich, winselte er, als er auf allen Vieren hinter mir her kroch und mich wie ein Kind an einem Bein packte. Dein Gold? Eigentlich hast du dieses Gold gestohlen. Dein Gold ist mit Blut besudelt und du hast es nicht erarbeitet. Aber nein! Lebe! Meine Elá bringt das auch nicht mehr zurück. Und grüß die Geister von mir. Auch die Magd und ihre Tochter. Wie kann man nur so ekelerregend sein?! Festen Schrittes zog ich von dannen, der riesige Schlächter kauerte am Boden, wimmerte und winselte, wusste nicht mehr, wie er sich von seinen Erscheinungen retten sollte. Ein paar Wochen darauf baumelte sein lebloser Leib im Wind, vor seinem Haus, an einer großen Eiche. Der rohe Schlächter hatte sich erhängt, konnte seine Wahnvorstellungen nicht mehr ertragen. Waren es überhaupt Wahnvorstellungen? Oder besuchten ihn wirklich seine geschändeten Opfer? Diese Fragen konnte niemand beantworten, doch bis heute glauben immer noch viele, dass seine ruhelose Seele, die keinen Frieden finden kann, durch Paris streift. Wenn es so wäre, hätte dieses abscheuliche Monster die gebührende Bestrafung erhalten. Mir selbst war dies zwar ziemlich egal, weil es meine geliebte Elá auch nicht mehr zurückbrachte, doch dieses ekelhafte Stück Dreck bekam so zumindest einen gerechten Denkzettel verpasst, der ihn schlussendlich später zum Selbstmord zwang. Der Mensch, der meine Frau ans Messer geliefert hatte, um seine Flucht zu finanzieren, war nicht mehr am Leben.
Rebell mit Kreuz und Schwert. Das Leben des Thomas Müntzer von Heinz Kruschel
Die abschließende Probe unser Friday for Future‑Ausschnitt aus Rebell mit Kreuz und Schwert fängt die Stimme eines Predigers ein, der die Not der Landbevölkerung benennt und zum Widerstand aufruft; hier wird die Verbindung von sozialer Gerechtigkeit und politischem Handeln unmittelbar spürbar.
Lang waren die Nächte im März.
Das Kienspanlicht flackerte, im Zimmer war es kühl. Müntzer legte sich eine Decke um die Schultern und setzte sich wieder an den Tisch.
Im Johanniterhof war es ruhig. Die Feder des Predigers kratzte. Das einzige Geräusch im Zimmer. Müntzer schrieb Briefe, beantwortete Schreiben aus Franken und Schwaben, aus thüringischen Städten, aus Hessen und aus dem Mansfeldischen.
Er warnte vor dem zu frühen Losschlagen, beschwor die Freunde und Schüler: Die Sache kann nur gewinnen, wenn wir uns alle einig sind. Lasst darum die Verbindungen nicht abreißen.
Ein neues Blatt, ein neuer Brief.
Dazwischen Gedanken, quälende Überlegungen: Wird es uns gelingen?
Ottilie huschte ins Zimmer und stellte eine Mahlzeit auf den Tisch. Flüchtig aß Müntzer, seine Frau setzte sich auf einen Schemel und sah ihm zu. Manchmal glaube ich, sagte sie leise, dass Pfeiffer nicht mehr unserer Meinung ist, und das macht mir Sorgen.
Müntzer blickte überrascht auf. Nach einer Weile des Überlegens sagte er: Ist es ein Fehler, wenn er mit den alten Feinden der Stadt Mühlhausen abrechnen will? Mit den Klöstern, mit den Grafen? Er ist nicht gegen uns, Ottilie.
Die Frau seufzte. Ich denke, er sieht nicht über die Mauern hinweg. Er denkt nur an die Feinde Mühlhausens.
Wir sind keine geborenen Bürger dieser Stadt, sagte Müntzer, wer will es dem Pfeiffer verübeln, wenn er zuerst an seine Heimatstadt denkt? Es wird sich zeigen, dass er auch über die Mauern Mühlhausens hinwegsehen kann.
Gebs Gott, sagte die Frau.
Müntzer überlegte. Die armen Bauern und die armen Stadtleute können weder lesen noch schreiben. Pfeiffer hält sie für ungebildet, sie beherrschen nicht das Handwerk der Waffen. Aber das ist doch nicht ihre Schuld. Und alles ist zu lernen. Pfeiffer muss einsehen, dass Mühlhausen keine Insel ist. Bliebe die Veränderung der Verhältnisse im Thüringischen nur auf Mühlhausen beschränkt, so wären wir verloren. Das müssen auch die Bürger einsehen, die Pfeiffer führt, die auf ihn hören und nach deren Wünschen er sich richtet. Ich werde mit ihm reden, in ganz Deutschland muss unser Programm verwirklicht werden.
Ich möchte dich bitten, den Hans zu wecken, ich habe einen wichtigen Auftrag für ihn, sagte er zu seiner Frau, wir brauchen dringend Pulver für die Geschütze.
Ottilie ging, Hans Habenicht zu wecken. Müntzer entwarf den Auftrag, schrieb ihn auf und übergab ihn dem treuen Mann. Tut mir leid, Hans, dass du schon wieder weg musst, sagte er, aber du kennst ja alle Verbündeten. Wir müssen bald handeln. Habenicht nickte. Ich will hier sein, wenn es losgeht.
Müntzer lächelte. Ich möchte auch, dass du bald zurück bist. Die Herren werden nicht länger zusehen. In Mühlhausen regieren wir, und wir regieren besser als sie, Noch sind sie sich uneins, aber das kann sich bald ändern. Uns ist hier ein Brieflein in die Hände gefallen, er griff nach einem Blatt, in dem die Fürsten aufgefordert werden, Mühlhausen anzugreifen. Hier, lies selbst.
Habenicht hielt das Papier unter den Kienspan und las laut und langsam: ... sonst wird sich dort ein solcher gewaltiger Haufe von Buben zusammenrotten und dem ganzen Lande zu schaffen machen. Er gab Müntzer den Brief zurück. Sie fürchten den Zusammenschluss unseres Haufens mit ganz Thüringen.
Die Frage ist, ob Herzog Georg jetzt schon die Stadt angreifen wird, wir sind noch nicht genug gerüstet.
Dazu werden die evangelischen Fürsten nicht neigen, es sei denn, Georg einigt sich mit Philipp von Hessen.
Das hat noch Weile, sie sind sich uneins wie Hunde, die sich um fette Bissen streiten. Habenicht verabschiedete sich.
Thomas Müntzer arbeitete die Nacht hindurch. Morgens, in aller Frühe, kontrollierte er die Geschützgießer im Barfüßerkloster und befahl, weitere Glocken einzuschmelzen. Geschütze sind jetzt wichtiger als Glockengeläut.
Aber die Glocken sind heilig, widersprach man ihm.
Heilig ist unsere Sache, sagte er. Die Bauern stellten seit einem halben Jahrhundert nur die Fußknechte, sie wissen mit Armbrust, Spieß und Dreschflegel umzugehen. Auf der anderen Seite stehen uns Eisenreiter und Artillerie gegenüber. Arbeitet schneller, schmelzt ein, es ist hohe Zeit. Die Bösewichter sind verzagt wie die Hunde. Das müssen wir nutzen. Mit dem Geläut, auch wenn es noch so heilig klingt, können wir sie nicht schlagen.
Auf den Straßen grüßten die Leute ehrfürchtig den Müntzer. Sie achteten den hageren, jungen Mann. Es hieß von ihm, dass er sich nicht bestechen lasse und dass er sich nicht bereichere.
Müntzer kümmerte sich um die Rüstung des Heeres.
Er ließ im Dominikanerkloster ein Pulverlager anlegen, Landsknechtspieße einkaufen. Erfahrene Krieger bildeten die Rotten des Mühlhäuser Haufens aus.
Müntzers Einfluss wurde größer. Er predigte vor den Plebejern und versuchte ihnen klarzumachen, dass der Kampf mit den Bürgern gemeinsam geführt werden musste. Eine Spaltung der revolutionären Partei würde die Niederlage bedeuten.
Müntzer schickte Boten in das Mansfelder Land, um die Bergknappen für ihre gerechte Sache zu gewinnen.
Das Volksheer wurde stärker. Aber warum zögerten die Bergknappen? Müntzers Boten berichteten, dass sich der Graf Albrecht von Mansfeld unter den Berggesellen aufhalte, dass die Knappen unruhig seien und sich zusammenrotteten. Der Graf verspreche und bitte, aber mit wenig Erfolg.
Viel Vergnügen beim Stöbern und Lesen dieser Auswahl ob Sie sich dem Witz der Kinderverse hingeben oder den Stimmen folgen, die Gerechtigkeit und Erinnerung einfordern. Nächste Woche bin ich wieder mit neuen Büchern für Sie da. Herzliche Grüße, Ihre Redaktion.
Ansprechpartner
Gisela
Pekrul
Verlagsleiterin
Tel: +49 (3860) 505788
E-Mail: editiondigital@arcor.de
Über "EDITION digital Pekrul & Sohn GbR"
EDITION digital war vor 31 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Der Verlag gibt Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher als barrierefreie E-Book heraus, einige auch als Hörbuch. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher von DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.800 Titel. Die Printsparte des Verlages war Ende 2025 von Ralf Jordan vom Geschichtlichen Büchertisch als Imprint übernommen worden.