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12.-15. März 2020
Halle 4, Stand B 301/401

Die große Grenze. Zukunftsroman von Günther Krupkat
Format:

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Preis E-Book:
8.99 €
Veröffentl.:
15.07.2019
ISBN:
978-3-96521-147-6 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 491 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Science Fiction /Action und Abenteuer, Belletristik/Thriller/Technologisch, Belletristik/Science Fiction /Weltraumoper
Klassische Science-Fiction-Literatur, Technothriller
Nordpol, Arktis, Atomenergie, ScienceFiction, Sowjetunion, USA, Atomsonnen, Raumfahrt, Mars, Mond, Havarie
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Es ging zu Ende.

Die Beleuchtung in der Kabine des „Ikarus“ war erloschen. Nur noch die Skalen am Instrumentenbord glimmten und die Lämpchen der Funkanlage. Man hätte die Ersatzbatterien anschließen können, doch den Männern fehlte Kraft und Willen dazu.

Auch die Gravitationsmaschine hatte ausgesetzt. Die künstliche Schwere war geschwunden. Durch den kleinen Raum trieben allerlei Gegenstände wie in sanft strömendem Wasser: Carrys Schreibstift, ein paar Zettel, ein schwerer Schraubenschlüssel. Alles hatte sein Gewicht verloren. Auch die Männer. Sie verharrten in sonderbaren Stellungen auf ihren Plätzen, als hätte sie ein plötzlicher Tod überrascht und erstarren lassen. Aber noch lebten sie. Bewusstlos rangen sie um den letzten Rest atembarer Luft, und unter den kurzen Stößen der Lungen pendelten ihre Körper wie Leichen am Grunde des Meeres.

Harriman hob den Kopf. Das Weiß der aufgerissenen Augen leuchtete im Halbdunkel. Entsetzt schaute er auf Roberts, der halb auf dem Ruhebett lag, halb in der Luft hing. War der schon tot? Und Bosworth? Harriman streckte die Hand nach ihm aus. „Bosworth!“

Ein unverständliches Murmeln war die Antwort. Harriman beugte sich vor, versuchte Carry ins Gesicht zu sehen. Es war kalkig, mumienhaft. Die Lippen hatten einen violetten Farbton angenommen, „Bosworth!“, hauchte Harriman. „Die Sprengkapsel! Es hat … keinen Zweck mehr …“

Carry öffnete die Augen. Sein Blick glitt zum Bildschirm. „Bald … werden sie . .. hier sein, bald …“ Sein Kopf neigte sich, aber er blieb über den auf den Tisch gestützten Armen schweben. „Wir müssen ausharren, Harriman! In spätestens …“ Die Worte gingen in grässlichem Röcheln unter.

Zittern überlief Harriman. Das Blut rauschte in seinen Ohren. Das Herz pochte schwer und drohend. Er stierte auf das Fernsehbild. Die Erde! Sie kam näher und näher. Der graue Fleck dort war der Ozean, die heilen Partien Kontinente, darauf grünliche Schatten … Wälder, weite, herrliche Wälder unter strahlendem Himmel. Und über allem der blaue Schleier. Luft, köstliche, reine Luft! Wie am Strande von Maystone …

 

Zur gleichen Minute gab die amtliche Nachrichtenagentur aus Utro bekannt: Das sowjetische Raumschiff AR-2 ist unter Führung des Chefpiloten Gorowin zur Rettung der „Ikarus“- Besatzung gestartet. Die AR-2 ist eine mit Ionenstrahltriebwerken ausgestattete Großrakete für interplanetare Flüge. An Bord befindet sich eine siebenköpfige Mannschaft, darunter die Raumfahrtmedizinerin Nina Saltkowa.

 

Als die Meldung in allen Ländern Stürme der Begeisterung auslöste, hatte sich die AR-2 schon weit von der Erde entfernt und zog mit abgestellten Motoren in einer großen Spirale um den Planeten.

Gorowin schritt den Mittelgang entlang. Er war zufrieden. Bis jetzt hatte alles tadellos funktioniert. Er musste an seinen ersten Raumflug denken. Damals, in der engen Behausung, die nicht viel mehr als eine geräumige Tonne war, hatte er davon geträumt, einmal in einem Raumschiff zu stehen. Nun war der Traum Wirklichkeit. Er ging durch sein Raumschiff und die Gedanken flogen voraus in die nächste Zukunft. Ja, jetzt würde die Weltraumfahrt beginnen, jetzt würde die große Grenze endgültig überwunden sein!

Er kam zum Steuerraum. „Alles in Ordnung?“, fragte er Murian, der als Zweiter Navigator die Programmsteuerung überwachte.

„In bester Ordnung!“, meldete Murian.

„Suchen Sie den ,Ikarus'?“, wandte sich Gorowin nun an Nina, die vor einem der Bildschirme stand. Sie gab sich vergeblich Mühe, ihre Aufregung zu verbergen.

„Ich sehe ihn noch nicht“, sagte sie ungeduldig.

Er lächelte. „Das können Sie auch nicht, denn er ist hinter uns.“

„Hinter uns?“

„Ja. Wir laufen vor ihm her.“

Nina krauste die Stirn. „Lassen Sie diese Scherze.“

„Keine Scherze, weise Medizinfrau. Die AR-2 liegt bald auf einer Kreisbahn, die erst im Perigäum dem Kurs des ,Ikarus' entsprechen wird. Dort werden wir ihn erwischen. Im Weltraum muss man eben oft seltsame Wege wählen, um zum Ziel zu kommen.“

„Diesen Punkt werden wir haargenau treffen?“, fragte Nina zweifelnd.

„Haargenau!“ Er schaute auf den Hauptchronometer. „In einer Stunde, vierzig Minuten und achtzehn Sekunden. Dafür sorgen schon unsere elektronischen Rechenmaschinen.“

Und stolz fügte Murian hinzu: „Die AR-2 ist ja ein Raumschiff, das heißt eine Rakete mit eigener vollautomatischer Navigation.“

Sinnend blickte Nina auf den Bildschirm. Über ihnen rollte ein Stück Erde mit dem australischen Kontinent hinweg. Unten im dunklen Firmament stand grellleuchtend die Mondsichel vor Wolken bunter Sterne. Nicht weit davon zog der orangefarbene Mars seine Bahn. Klar und fast greifbar nahe erschienen die Himmelskörper. Nina versuchte sich das Wiedersehen mit Carry vorzustellen. Würde er überhaupt noch leben? Oder kamen sie zu spät? Der „Ikarus“ antwortete nicht mehr! Sie schrak aus ihrem Grübeln auf, als Gorowin sagte:

Die große Grenze. Zukunftsroman von Günther Krupkat: TextAuszug