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Erinnerung an F.C. Weiskopf, ein Blaulicht-Krimi sowie ein Unfall auf dem Mars und eine Entdeckung - Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
Achtung, bevor Sie weiterlesen, noch ein wichtiger Hinweis: Ab Mai 2026 versendet EDITION digital diesen Newsletter sowie die aktuellen Pressemitteilungen nicht mehr per E-Mail. Diese Texte können Sie aber zumeist sogar eher selbst unter den Internet-Adressen https://edition-digital.de/Blog/ (bisheriger Newsletter) und https://edition-digital.de/Presse/ (Pressemitteilungen) finden. Probieren Sie es doch jetzt schon mal aus zum Eingewöhnen.
(Pinnow 09.01. 2026) Wieder einmal erinnert EDITION digital an einen wichtigen, aber heute nicht mehr so bekannten deutschen Autor. Die Rede ist von F.C. Weiskopf (1900 bis 1955), über dessen Leben und Schreiben mehr im abschließenden Teil des heutigen Newsletters zu erfahren ist. Zwei der insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangebote dieses Newsletters, die sieben Tage lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 09.01. 2026 bis Freitag, 16.01. 2026) zu haben sind, stammen von F.C. Weiskopf.
Zurück in die Zeit der Weimarer Republik führt sein Roman Lissy. Textgrundlage für das E-Book sind die Gesammelten Werke IV, herausgegeben von der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin, erschienen 1960 im Dietz Verlag Berlin. Auswahl und Zusammenstellung der Werke besorgten Grete Weiskopf und Stephan Hermlin unter Mitarbeit von Dr. Franziska Arndt.
Berlin, Anfang der 1930er Jahre - eine Stadt zwischen Glamour und Verzweiflung, zwischen Arbeitslosigkeit, Aufstieg der Faschisten und dem Hunger nach ein bisschen Glück.
Im Zentrum des Romans steht Lissy, eine junge Frau, die um ihren Arbeitsplatz, ihre Würde und ihre Zukunft kämpft. Zwischen strenger Firmenordnung, männlichen Übergriffen und der allgegenwärtigen Not versucht sie, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten - und für ihr ungeborenes Kind Hoffnung zu bewahren.
F. C. Weiskopf zeichnet ein schonungslos realistisches Bild der Weimarer Republik kurz vor dem Untergang. Lissy ist mehr als ein Zeitroman: Er erzählt von Mut und Widerstandskraft in einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Ein hochaktuelles Buch, das eindringlich vor Augen führt, wie schnell soziale Krisen und autoritäre Versuchungen ineinandergreifen - und wie wichtig es bleibt, Menschlichkeit zu bewahren.
Hier der Anfang dieses eindrucksvollen Romans:
Groß ist der Bedarf an Träumen, wenn die Zeiten dunkel und die Menschen ohne Hoffnung sind. Groß war der Bedarf an Träumen im Deutschland des Jahres 1931; groß war er, und leicht und billig waren die Träume zu haben, viel leichter als Arbeit, viel billiger als Brot.
Für drei Groschen konntest du einen Nachmittag lang mit Greta Garbo beisammen sein. Gratis zauberte dir, wenn du erwerbslos warst, der Rundfunk die Palmen Valencias und die schönen Beine der Elisabeth in deine kalte, kahle Stube. Und um drei Pfennige kauftest du dir eine Zigarette, deren schillernder Name ein Stückchen antiker Götterwelt barg, oder einen Hauch von Tausendundeiner Nacht, oder eine Erinnerung an die königliche Geliebte Salomos
Juno! Fräulein, sechs Juno!
Fräulein, haben Sie Abdullah?
Ich möchte zwei Saba!
Immer wieder klangen die bunten Namen der Zigarettensorten auf. Immer wieder ertönte das heisere Gerassel der Geldzählmaschine, die große Münzen zu schlucken bekam und Wechselgeld ausspie. Immer neue Kunden schoben sich an dem Mädchen vorbei, das Wechselkasse und Tabakstand des Automatenrestaurants Quick in der Joachimsthaler Straße, zehn Schritt vom Berliner Kurfürstendamm, zu bedienen hatte.
Juno, das bedeutete vielleicht fünf Minuten Fantasie vor einem endlos langen Büronachmittag; Abdullah fünf Minuten Vergessen nach einer vergeblichen Stellensuche; Saba fünf Minuten Schlemmen nach einem Mittagessen, dessen einziger Gang Bockwurst mit Mostrich war.
Traum, Traum, zehn Minuten Traum zu bedeutend ermäßigten Preisen! Für das Mädchen hinter dem Pult bedeuteten diese Träume der anderen allerdings nur: Griff links in die Dose, Griff rechts nach einer Schachtel, Druck auf die Tasten der Geldzählmaschine.
Saba? Gewiss doch. Welche solls sein? ,Ohne zu fünf?
Die Stimme des Mädchens, eine dunkle Stimme, die gut zu dem dunklen Kupfer des Haares passte, klang belegt. Und die Hand, die an den Tasten der Maschine zu tun hatte, fuhr immer wieder hoch und über eine längst zurückgestrichene Haarsträhne, die eigentlich in die Stirn fallen sollte. Aber nicht die hundert Fragen, Aufträge und Wünsche der Kunden waren schuld an der Unruhe, die in der Kehle saß und in der Hand. Das Mädchen war den allmittäglichen Ansturm gewohnt, und zudem hatte ihre Schicht eben erst begonnen. Nein, schuld war das Benehmen von Herrn Warnke.
Herr Warnke, die Aufsicht auch Fischauge genannt, wenn er es nicht hören konnte , lehnte seit einer ganzen Weile am Küchenbüfett. Dort konnte man ihn oft sehen, denn von diesem Platz aus hatte man den besten Überblick über den Automatenraum und das anschließende Speisezimmer, über Verkäuferinnen, Kellner und Zaungäste, die nur wegen der Bier- und Speisenreste gekommen waren.
Erstmals 1979 wurde die Kriminalerzählung Verhör ohne Auftrag von Steffen Mohr veröffentlicht als Heft 197 der Blaulicht-Reihe des Verlags Das Neue Berlin: Hauptmann Merks von der deutschen Kriminalpolizei reist von einer Dienstreise mit dem Nachtexpress durch Nordpolen zurück nach Hause. Ein deutscher Mitreisender sucht das Gespräch mit ihm und erzählt eine merkwürdige Geschichte, die sich vor wenigen Wochen an seiner Schule zugetragen haben soll. Ein verheirateter Lehrer verliebte sich in eine sehr hübsche Praktikantin und stürzte von einer drei Meter hohen Leiter und war sofort tot. Der Erzähler zweifelt an der Unfalltheorie, Hauptmann Merks, der aufmerksam zuhört, aber auch. Als der Zug in Koszalin anhält, hat Merks den Fall geklärt.
In diesem Buch von Walter Kaufmann stecken zwei in einem Entführung in Manhattan, erschienen 1975 im Kinderbuchverlag Berlin, und Das verschwundene Hotel, erschienen 1973 im Verlag Junge Welt Berlin. Beide spielen in New York.
In Entführung in Manhattan geht es - wie schon der Titel sagt um eine Entführung, eine richtige Entführung. Leon hatte keine Chance, er konnte sich nicht mehr losreißen, nicht wegrennen, Zwei Jungen hielten ihn von beiden Seiten gepackt und umklammerten seine Ellbogen mit hartem Griff. Wer seid ihr, was wollt ihr?", keuchte Leon. Sie wollen tausend Dollar von Leon haben und bringen ihn in ein Versteck. In dem feuchten, finsteren und kalten Kellerloch soll er bleiben, bis er auspackt
Und das Hotel war wirklich verschwunden: Leon schaute sich um. War er vom Broadway falsch abgebogen und irrtümlich die 85. Straße hinuntergelaufen? Er trat an den Rinnstein und beugte sich vor. Die Straße, in der er sich befand, lief jenseits der 8. Avenue durch den Central Park weiter. Nein, er hatte sich nicht verlaufen. Das hier war die 86. Straße! Hier hatte das Hotel gestanden, das seit dem Tode des Vaters seiner Mutter Lohn und Brot gab. Und nun war es fort. War von einem Sonntag zum anderen verschwunden. Jetzt war dort nur noch ein leerer Platz
Bleibt für heute noch ein Text aus dem beliebten Genre der utopischen Literatur: Erstmals 1980 erschien als Band 161 der Reihe Spannend erzählt im Verlag Neues Leben Berlin der Science-Fiction-Roman Die Marsfrau von Alexander Kröger. Dem E-Book liegt die überarbeitete Auflage zugrunde, die 2003 im Verlag KRÖGER Vertrieb Cottbus veröffentlicht wurde.
Sylvester Reim, jüngster Mitarbeiter am Institut für resistente Flora, ist einem Geheimnis auf der Spur. Es geht um die Faunella, jene Alge, die es Haustieren ermöglichen soll, durch in der Haut abgelagertes Chlorophyll die Energie des Sonnenlichts zu nutzen. Warum jedoch wurden die Versuche mit der Faunella-Alge vor einigen Jahren abrupt beendet? Hat dieser Abbruch der Experimente etwas mit dem Unfall der Biologin Anne Müller auf dem Mars zu tun? Und weshalb hat der Genoperateur Allan Nagy damals gekündigt? Am Institut erfährt Sylvester darüber nur wenig. Er sucht Allan Nagy auf, aber auch der schweigt sich aus. Sylvester ahnt nicht, dass er wenig später zusammen mit ihm zum Mars fliegen wird, als dort zwei Wissenschaftler eine sensationelle Entdeckung gemacht haben.
In seinem SF-Roman von 1980 Die Marsfrau, der 2003 überarbeitet wurde, präsentiert Alexander Kröger eine spannende Handlung mit dem Hintergrund künftiger moralisch-ethischer Probleme, die unweigerlich auf die Menschheit zukommen.
Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Heute ein Blick in die Geschichte - und zwar knapp 100 Jahre zurück. Und auch hier geht es um Träume und Wünsche und um die Sehnsucht nach einer neuen Welt.
Die Erstausgabe von Das Slawenlied. Roman aus den letzten Tagen Österreichs und den ersten Tagen der Tschechoslowakei von F.C. Weiskopf erschien 1931 in Berlin. Textgrundlage für das E-Book waren die Gesammelte Werke III, herausgegeben von der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin, erschienen 1960 im Dietz Verlag Berlin. Auswahl und Zusammenstellung der Werke: Grete Weiskopf und Stephan Hermlin unter Mitarbeit von Dr. Franziska Arndt.
Das Slawenlied ist ein großer Roman über das Ende einer alten Welt und den Aufbruch in eine neue. F. C. Weiskopf erzählt aus der Perspektive junger Menschen, die den Ersten Weltkrieg nicht nur als militärische Katastrophe erleben, sondern auch als Zusammenbruch eines Reiches, das ihnen nie wirklich Heimat war.
Zwischen Klassenzimmer und Kaserne, zwischen Propaganda und wachsendem Zweifel, erkennen sie, dass die Zukunft anders aussehen muss - freier, gerechter, menschlicher.
Der Roman folgt einem jungen Schüler, der in den Mahlstrom der Ereignisse gerät: Einberufung, Ausbildung, Fronteinsatz - und schließlich der entscheidende Moment, in dem tschechische Soldaten sich weigern, weiter für die Donaumonarchie zu kämpfen. Der Ruf nach nationaler Selbstbestimmung und sozialer Erneuerung wird stärker als die Angst vor Strafe. Der Zusammenbruch des alten Österreich ist für sie nicht nur ein historisches Ereignis, sondern eine Befreiung - und eine Chance, eine neue Gesellschaft aufzubauen.
Mit feinem psychologischem Gespür zeigt Weiskopf, wie sich ein ganzes Volk aus der Umklammerung von Militarismus, Unterdrückung und sozialer Ungleichheit löst. Das Slawenlied ist viel mehr als ein Antikriegsroman: Es ist die literarische Hymne auf eine Generation, die den Mut hatte, sich von einem sterbenden Imperium zu befreien und eine neue Zukunft zu wagen.
Das Slawenlied ist ein kraftvolles, politisches und zugleich zutiefst menschliches Buch und von überraschender Aktualität.
Die folgende Leseprobe aus Verhör ohne Auftrag von Steffen Mohr führt unmittelbar in eine Atmosphäre aus unterschwelliger Spannung, psychologischer Beobachtung und leiser Bedrohung. Schon in den ersten Seiten wird deutlich, dass hinter einem vermeintlichen Unfall mehr steckt und dass das eigentliche Verhör nicht von offizieller Seite geführt wird.
Ein Kollege?
Ja ... Doch ehe ich Elgers unglückliche Geschichte erzähle, gestatten Sie mir, noch einmal auf die Strophe des Liedes zurückzukommen: ,Süßer rosenvarwer Mund, kum und mache mich gesund Ahnen Sie, was diese Worte bedeuten? Das heißt doch nichts anderes, als dass die Leidenschaft, die uns plötzlich für ein Wesen des anderen Geschlechts entflammt, nichts mehr und nichts weniger bedeutet als das Gefühl, krank zu sein! Der Organismus ist angegriffen, gestört. In allen seinen bisher so selbstverständlichen Reaktionen verändert und infrage gestellt. Und der sogenannte Verliebte hat nur einen Wunsch, der alle seine sonstigen Interessen übertrifft: den Wunsch, gesund zu werden. In dieser Verblendung ja, es ist eine Verblendung! sieht man jedoch nur die eine Möglichkeit, kuriert zu werden: indem man das geliebte Wesen umarmt und küsst ... Entschuldigen Sie. Es ist vielleicht doch nicht so unwichtig, dass ich Sie mit diesem lyrischen Erguss langweilen musste. Denn nur wer das nachempfinden kann, wird die Ursache für den Tod von Elger Schwarzmann verstehen.
Ach! Ist er tot?, fuhr es mir, lauter, als ich eigentlich wollte, heraus. Das Männchen hörte augenblicklich mit Schnarchen auf. Wieder sah es mit schläfrigem Blick zu uns herüber. Dann aber rückte es sich zurecht und schloss die Augen. Bald darauf rasselte und fiepte es wieder, als wollte es die Wälder da draußen bis auf die Wurzeln abrasieren.
War es wirklich ein Unfall?, fragte Stern, wie es den Anschein hatte, mehr für sich, als dass er mir die Frage stellte. Die Polizei, müssen Sie wissen, stellte einwandfrei einen Unfall fest. Tod durch Sturz von einer drei Meter hohen Leiter. Niemand war im Zimmer gewesen. Trotzdem bin ich fest davon überzeugt, dass es Mord war.
Er schwieg. Erwartete meine Reaktion. Ich hütete mich, etwas zu sagen. Jetzt durfte ich ihn nicht unterbrechen. Er war so weit, dass er seine Geschichte auf jeden Fall zu Ende bringen würde. Auch, wenn ich dabei eingeschlafen wäre und er keinen besseren Zuhörer gehabt hätte als die Wand des Abteils, auf die seine blauen Augen jetzt starrten, als wollten sie ein Loch in das Holz bohren. Mir fiel auf, dass das Krampfhafte, Angestrengte, Überspannte oder wie immer man es nennen mochte, was sich in Sterns Blick abzeichnete, auf eigenartige Weise gepaart war mit einem kaum merklichen hintergründigen Flackern, das einen wie bitterster Spott anmutete, so, als lache der Bursche mich insgeheim aus. Ich musste an das Wort denken, das der Schuldirektor zu ihm gesagt hatte. Mit Macbeth hatte er ihn verglichen mit dem Mann, der aus krankhaftem Ehrgeiz zum Mörder wurde. Ich war mit Elisabeth in dem Stück gewesen, damals, als ihr Brokatkleid noch die große Mode darstellte. War schon eine Weile her ...
Als Marlen Fischer die dritte Woche bei uns war, hielt sie eine Deutschstunde in der Zwölften. Elger saß hinten in der Klasse und hatte die Aufgabe, sich über Marlens Unterrichtsmethodik Notizen zu machen. Ich hatte eine Freistunde und war mitgekommen.
So saßen wir an der Rückwand des Klassenzimmers, ich aus purer Neugier und er sozusagen im Dienst. Vorn stand die Fischer in demselben Kostüm, in dem sie uns am ersten Tag begegnet war. Sie malte eine Tabelle an die Tafel, welche die Beziehungen zwischen dem historischen Wallenstein und dem Schauspiel gleichen Titels von Schiller darstellte. Flink und trotzdem mit ausgesprochener Ruhe, fast Überlegenheit, operierte sie mit den weißen, roten und grünen Kreisen. Ihre Bewegungen waren weich und souverän. Dabei gab sie die Erläuterungen mit einer tiefen Altstimme. Kurzum, sie wirkte überzeugend. Auch verstand sie es gut, die Schüler zu wirklich schöpferischer Mitarbeit anzuregen. Sie tat so, als hätte sie ihre Tabelle keinesfalls fix und fertig in der Tasche, was natürlich der Fall war, sondern entwickelte alle Überlegungen gemeinsam mit der Klasse. Nun ja, es war eine ausgezeichnete Stunde.
Elger stieß mich kurz vor dem Klingelzeichen in die Seite und flüsterte: ,Sie ist großartig! Findest du nicht?
Ich nickte. Und wollte schon wieder nach vorn sehen. Da bemerkte ich in Elgers Gesicht eine seltsame Veränderung. Er strahlte die Fischer unverhohlen an. Elger befand sich geradezu in einem Zustand der Verklärung. Nachträglich fiel mir im Ton der Frage, die Elger leise gestellt hatte, etwas auf, was sich meiner Meinung nach nicht allein auf die Methodik der Fischer bezog. Mir schien, als hätte Elger mit seiner Frage eher die Person der jungen Praktikantin gemeint, die ihn begeisterte. Ich Esel! Damals hätte ich bereits merken sollen, welche Katastrophe sich über dem Kopf meines Kollegen zusammenzog.
An und für sich ist es nicht verboten und auch, sieht man von dem üblichen Getuschel ab, nicht gefährlich, wenn sich ein Lehrer in eine Praktikantin verliebt. Beide sind schließlich erwachsene Menschen. Sollen sie tun, was sie wollen! Doch Elger ist jetzt, weil er ja tot ist, muss ich sagen: Elger war verheiratet. Glücklich. Schon dreieinhalb Jahre. Seine Witwe arbeitet beim Rat der Stadt.
Die folgende Leseprobe aus Entführung in Manhattan von Walter Kaufmannwirft die Leserinnen und Leser mitten hinein in die düstere Welt der New Yorker Unterwelt: Angst, Verfolgung und moralische Grenzsituationen bestimmen jede Szene. Schon auf den ersten Seiten zeigt sich, wie gefährlich das Spiel zwischen Entführern, Polizei und einem verzweifelten Opfer ist.
Scarface steckte die Angst in den Knochen.
Das gelbe Licht blinkte noch immer in Freckles Fenster, und, was noch schlimmer war: ihm war ein Flitzer aufgefallen mit zwei Polypen in Zivil auf den Vordersitzen und hinten - nun, er war sich nicht sicher, verflucht noch mal -, aber es war ihm so vorgekommen, als ob die Gestalt, die hinten saß, Puncho war ... Natürlich konnte er sich das ebenso gut eingebildet haben. Eins war jedoch klar, die dritte Person in diesem verfluchten Flitzer war zu klein für einen Polypen.
Scarface dachte über Busters Befehl nach, den ihm Spider überbracht hatte, und kam zu dem Schluss, dass er den Kopf in die Schlinge steckte, wenn er nicht besonders vorsichtig war. Kam man nur über das freie Gelände aus dem Gebäude hinaus? Gab es keinen unterirdischen Durchschlupf? Jedenfalls kannte er keinen. Und ein Ausgang zur Gasse? Nein. Allerdings war da dieses verschalte Loch in der Wand, etwa ein Stockwerk hoch über dem Erdboden. War vielleicht mal 'n Fenster gewesen - jedenfalls groß genug, dass man sich im Notfall durchquetschen und runterspringen konnte. Aber mit einem gekidnappten Jungen, der sich womöglich sogar weigerte zu laufen? Wie kriegt man jemand, der nicht mal laufen will, dazu, zu springen?
Busters Befehl - zum Teufel damit!
Sicher, auf der anderen Seite der Gasse konnte man drei Blocks weit von Hinterhof zu Hinterhof schleichen, ohne gesehen zu werden, und in weniger als fünfzehn Minuten in Sicherheit sein - immer vorausgesetzt, dass der Partner willig war und mitspielte. Bestimmt 'n besonders bereitwilliger Partner, dieser Pretty Boy! überlegte Scarface.
Was tun?
Wieder kam der Polizeiflitzer vorbei. Scarface drückte sich in den Torweg, verschmolz mit den Schatten, machte nicht die geringste Bewegung. Nach einer Weile wagte er es, die Straße hinunterzuspähen. Der Wagen hatte angehalten, blockierte jetzt die Gasse. Scarface ließ das Auto nicht aus den Augen. Ein Mann stieg aus, dann jemand, der kleiner war und eine dicke schwarze Tolle hatte: Puncho! Scarface war sich dessen plötzlich ganz sicher.
Puncho kam in die Gasse, und der Mann, dieser Polyp, folgte ihm im Schein einer Taschenlampe. Der Fahrer des Flitzers sprach jetzt in ein Mikrofon. Scarface wartete. Im Geiste strich er Busters Befehl. Wie konnte er riskieren, Pretty Boy aus dem Keller wegzuschaffen, wo die Polypen so in der Nähe waren?
Wenige Sekunden später kam Puncho aus der Gasse, der Polyp wieder dicht hinter ihm. Scarface erkannte Puncho, der eine tote Katze bei den Hinterbeinen trug. Scarface unterdrückte einen Pfiff. Zum Teufel! dachte er. Zum Teufel!
Der Polyp und Puncho sprachen nun am Auto miteinander. Scarface sah es. Hören konnte er nichts. Plötzlich schlug der Polyp zu, rammte Puncho die Faust in den Mund. Puncho taumelte, ließ die Katze fallen und stürzte zu Boden. Dann torkelte er hoch und rannte los. Der Polyp setzte ihm nach. Ein Schuss knallte. Ein zweiter. Der Polyp, noch immer auf der Jagd nach Puncho, verschwand in der Dunkelheit. Und auch das Auto fuhr los. Jetzt oder nie! dachte Scarface. Ehe einer bis drei zählen kann, wimmelt's hier von Bullen - und dann geht's nicht mehr.
In Sekundenschnelle war er aus dem Torweg, schoss über das unbebaute Gelände und verschwand in dem Gebäude. Er flog die Kellertreppe nur so hinunter und raste durch den Gang zu der eisernen Tür. Er riss den Riegel zurück, jede Bewegung schnell und sicher, obwohl es finster war. Pretty Boy", flüsterte er, dem Plan entsprechend, den er sich zurechtgelegt hatte. Pretty Boy, ich bin's, Scarface. Ich will dich retten. Hab keine Angst. Ich befrei dich aus Busters Klauen. Folge mir, oder du kommst hier niemals lebendig raus. Buster steckt in der Klemme und will dich umbringen."
Leon, dessen Augen inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt waren, sah Scarface, ehe Scarface ihn sah. Er rührte sich nicht in seiner Ecke. Sein Dasein war jetzt schon so lange eine einzige kalte und unheimliche Stille - eine Stille, nur vom Donnern der U-Bahn-Züge unterbrochen -, dass er alle Hoffnung längst aufgegeben hatte. Scarface so dicht vor sich zu sehen, schreckte Leon mehr als die übermittelte Warnung, dass Buster ihn töten wollte. Nein, er konnte Scarface nicht trauen.
Die folgende Leseprobe aus Die Marsfrau von Alexander Kröger führt behutsam in eine fremde, faszinierende Welt ein, in der Neugier, wissenschaftliche Beobachtung und das Staunen über das Unbekannte ineinandergreifen. Schon die ersten Szenen machen spürbar, dass hier nicht nur eine Begegnung auf dem Mars geschildert wird, sondern ein stilles, spannungsvolles Annähern zwischen Mensch und fremdem Wesen.
Mac befand sich, nachdem er das eigentliche Tagespensum erledigt hatte, ein weiteres Mal auf dem Weg zum Roten Felsen. Immer wieder kreisten seine Gedanken um dieses Phänomen, und ihm fiel nichts anderes ein, als abzuwarten, als zu versuchen, sein eigenes Wissen über die Unbekannte zu vergrößern. Und dazu wurden in den letzten Tagen die Voraussetzungen immer besser.
War Mac lange Zeit auf zufällige Begegnungen mit dem Wesen angewiesen, die meist für ihn recht unersprießlich verliefen, weil die Frau, sooft er auf sie traf, sich sehr rasch entfernte, ohne dass es jedoch einer Flucht gleichkam. Jeder Versuch einer Kontaktaufnahme blieb so ohne Erfolg. Sie lachte, tänzelte, hüpfte hinweg, in den Canon hinein, und sie war so behände und geschickt, dass Mac bei der Verfolgung stets den Kürzeren zog. Und auf keinen Fall wollte er dem Wesen in irgendeiner Weise Gewalt antun.
Aber seit nunmehr vier Tagen zehrte Mac von einer Entdeckung. An der Bewässerungsmaschine 4 hatte er bereits mehrmals frische Fußspuren vorgefunden, die ohne Zweifel von ihr stammten. Er hatte es dann so eingerichtet, dass er - und das war vor vier Tagen - den Ort mehrere Stunden hintereinander beobachten konnte. Und als sich Sunnyboy über den Horizont erhob, erschien sie.
Plötzlich war sie da, sodass Mac, der auf dem Hang schräg über der Maschine, etwa 30 Meter entfernt, hinter einem Felsbrocken lag, nur vermuten konnte, dass sie aus dem Canon gekommen war, wo sie vom Roten Felsen verdeckt gewesen sein musste.
Sie streckte dem Rieselstrahl die Arme entgegen, spielte mit den Fingern darin, gab sich wollüstig dem kühlenden Nass hin.
Sie ließ sich das Wasser in den Mund laufen, schluckte gierig. Dann ergötzte sie sich nur noch, drehte, bog den Körper, hielt minutenlang das Gesicht in das Geriesel, triefnass das lange, verfilzte Haar.
Aber - sie wusch sich nicht, wollte sich anscheinend nur abkühlen. Der wadenhoch an ihren Beinen klebende verkrustete Schlamm interessierte sie nicht.
Mac hatte Muße, zu beobachten, da sie ihrer Umgebung überhaupt keine Aufmerksamkeit schenkte.
Langsam stieg er vom Hang und ging auf sie zu. Er hörte sie gurren und lachen vor Vergnügen, in die Hände und auf den Körper klatschen, hörte das Patschen ihrer Füße im rötlichen Schlamm.
In zehn Meter Entfernung blieb Mac stehen. Er traute sich nicht, noch näher aufzurücken, aus Angst, sie am Ende doch zu verscheuchen.
Ihre wasserbenetzte Haut glänzte in einem ins Oliv gehenden Grün. Zu dieser Farbe stand ihr helles Haar in einem frappierenden Kontrast, und Mac stellte sich vor, wie es aussähe, wenn dieses Haar weich und schimmernd in dichten Wellen über die dunklen Schultern flösse.
Die folgende Leseprobe aus Das Slawenlied. Roman aus den letzten Tagen Österreichs und den ersten Tagen der Tschechoslowakei von F.C. Weiskopf führt eindringlich in eine Zeit des Umbruchs, in der alte Ordnungen zerfallen und neue Hoffnungen entstehen. Mit nüchternem Blick und leiser Ironie schildert Weiskopf den Alltag junger Menschen zwischen Militärdisziplin, politischem Erwachen und dem nahenden Ende der Habsburgermonarchie.
Seit dem fünfzehnten März sind einige Wochen vergangen.
Vor zwei Monaten haben wir noch deutsche Aufsätze geschrieben und lateinische Verse übersetzt, und heute lernen wir, wie die Putzrequisiten zu gebrauchen sind, und zerlegen das Mannlicher-Repetier-Gewehr, Modell 98 mit Geradezug-Kolbenverschluss.
Vor zwei Monaten durften wir nur außerhalb des Weichbildes der Stadt rauchen und heute ist es uns erlaubt, einen Menschen niederzuschießen, wenn er auf dreimaliges Halt! Wer da? nicht stehenbleibt.
Vor zwei Monaten war es uns nicht gestattet, ohne Erlaubnis der Schulbehörden eine Tanzstunde zu besuchen, und heute unterrichtet man uns, wie man nach dem Geschlechtsverkehr eine prophylaktische Einspritzung vornimmt.
Es ist viel geschehen in diesen wenigen Wochen. Die Zeit läuft. Alles verändert sich. Und doch ist eigentlich nur wenig geschehen. Die Zeit steht still, und alles bleibt unverändert.
Man spricht nicht davon, dass die Deutschen wieder eine Riesenoffensive begonnen haben; man spricht von der gekürzten Brotration.
Man denkt nicht daran, dass unsere Abteilung vielleicht schon in einem Monat in die Etappe kommen wird; man denkt daran, dass die Kappenrosette immer genau über der Nase sitzen muss und dass der oberste Mantelknopf, die dattelförmige Olive, senkrecht in der Schlinge des Mantelkragens zu stecken hat.
Wir üben uns schon täglich im Werfen von scharfen Handgranaten, und meine Mutter schreibt mir noch: Gib nur recht acht auf Dich, mein Junge, besonders auf den Hals. Jetzt kann man sich so leicht erkälten!
Wir fahren nach Hause. Zu zweit. Der Zweite ist nicht Hans der hat heute Nacht Wachtdienst , sondern Boruvka.
Boruvka, Karl Maria Anton Boruvka ist der Älteste in unserer Kompanie, aber man sieht ihm seine fünfunddreißig oder sechsunddreißig Jahre nicht an, sondern hält ihn für höchstens zwanzig.
Er ist klein, rund, wabbelig, bringt es trotz allen Bemühungen zu keinem richtigen Schnurrbart und spricht in hohen Fisteltönen. Sein rosiges, pralles Gesicht verliert nicht einmal durch die Augengläser etwas von seiner Kindlichkeit; die Brille sieht vielmehr aus wie von Vater geborgt.
Man nennt ihn allgemein das Rabenschaf. Diesen Spitznamen hat er selbst erfunden, wie er überhaupt die meisten Anekdoten und Witze, die ihn lächerlich machen, selbst erfindet und in Umlauf setzt.
Von Beruf ist er eigentlich Lehrer. Aber durchgegangener, bitteeeh, wie er niemals vergisst, hinzuzufügen, weil mir die Kinder leid getan haben, auf die ich losgelassen wurde, bitteeeh!
Gleich zwei Bücher des heutigen Newsletters stammen von F.C. Weiskopf. Wer aber war dieser Schriftsteller, dem nur ein kurzes Leben vergönnt war. Eine erste Vorstellung dieses Autors, der zuletzt in der noch jungen DDR lebte, liefert das Internetlexikon-Wikipedia:
Der am 3. April 1900 in Prag geborene Schriftsteller Franz Carl Weiskopf, bekannt unter den Initialen F. C. Weiskopf, war eine der prägenden Stimmen der deutschsprachigen Exilliteratur. Sohn eines jüdisch-deutschen Vaters und einer tschechischen Mutter, promovierte er in Germanistik und Geschichte und engagierte sich früh politisch. Ab 1928 lebte er in Berlin, arbeitete als Redakteur und gehörte dem Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller an.
Nach 1933 floh er über Prag und Paris in die USA, wo er aktiv Exilanten wie Anna Seghers und Egon Erwin Kisch unterstützte. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er in den diplomatischen Dienst der Tschechoslowakei ein, war unter anderem Botschafter in Peking und ließ sich 1953 in Ost-Berlin nieder. Dort wirkte er als Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und Mitherausgeber der Zeitschrift neue deutsche literatur (ndl).
Weiskopfs Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays und Reportagen. Mit realistischer Erzählkunst von hoher sprachlicher Präzision schilderte er vor allem das Bürgertum der Tschechoslowakei und dessen Annäherung an die Arbeiterbewegung. Er starb am 14. September 1955 in Berlin. Gemeinsam mit seiner Frau, der Kinderbuchautorin Alex Wedding (Grete Weiskopf), ist er auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. Zu seinem Andenken wird seit 1956 der F. C. Weiskopf-Preis für sprachkritische und sprachreflektierende Literatur verliehen.
In einer anderen Quelle heißt es:
Franz Carl Weiskopf war der Sohn eines jüdisch-deutschen Bankangestellten und einer tschechischen Mutter. Er besuchte in Prag deutschsprachige Schulen und studierte von 1919 bis 1923 Germanistik und Geschichte an der Universität seiner Heimatstadt. 1923 promovierte er zum Doktor der Philosophie. Nachdem er bereits 1921 der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei beigetreten war, reiste er 1926 zum ersten Mal in die Sowjetunion. 1928 siedelte er nach Berlin über, wo er Redakteur des Feuilletons der Zeitung Berlin am Morgen wurde. Im gleichen Jahr heiratete er die aus Salzburg stammende Grete Bernheim, die später unter dem Pseudonym Alex Wedding bekannt wurde. Er wurde Mitglied im Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und nahm 1930 mit Anna Seghers an einer Konferenz revolutionärer Schriftsteller in Charkow in der Sowjetunion teil.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kehrte Weiskopf 1933 nach Prag zurück, wo er Chefredakteur der antifaschistischen Arbeiter Illustrierten Zeitung (AIZ) wurde. Als die Zeitung im Oktober 1938 ihr Erscheinen einstellen musste, floh Weiskopf nach Paris. Von dort aus gelang es ihm, im April 1939 mit Hilfe der League of American Writers, weiter in die USA zu fliehen. Die Kriegsjahre verbrachte er in New York. Grete Weiskopf berichtete, dass er im Hilfskomitee des Amerikanischen Schriftstellerverbandes tätig war und wesentlich dazu beitrug, dass Anna Seghers, Egon Erwin Kisch, Hans Marchwitza, Alexander Abusch und andere aus dem besetzten Frankreich gerettet wurden und in die Vereinigten Staaten und nach Mexiko fliehen konnten.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Weiskopf im diplomatischen Dienst der Tschechoslowakei tätig, anfangs als Botschaftsrat in Washington, D.C., 1949/50 als Gesandter in Stockholm und von 1950 bis 1952 als Botschafter in Peking. 1952 kehrte er nach Prag zurück, siedelte allerdings bereits 1953 nach Ost-Berlin über. Er lebte mit seiner Frau ab 1954 in Berlin-Friedrichshain, Strausberger Platz 19. In den letzten Jahren seines Lebens war er Vorstandsmitglied des Schriftstellerverbandes der DDR und gab gemeinsam mit Willi Bredel die Zeitschrift neue deutsche literatur (ndl) heraus. Er war ein Mitglied des P.E.N.
F. C. Weiskopfs Werk besteht aus Romanen, Erzählungen, Reportagen, Anekdoten, Lyrik sowie Essays. Seine stets realistischen, stilistisch weit über dem Durchschnitt anderer Autoren des sozialistischen Realismus angesiedelten erzählerischen Werke spielen meist im Bürgertum der Tschechoslowakei und schildern den Weg der Solidarisierung von Bürgern und Arbeitern seit dem Ersten Weltkrieg.
Grete Weiskopf beschrieb seine Arbeitsweise so:
F.C. Weiskopf war ein leidenschaftlicher, disziplinierter Schriftsteller und ein leidenschaftlicher Verteidiger der deutschen Sprache. In der Arbeit kannte er keine Grenzen. Er trug systematisch eine Fülle von Materialien für seine Romane und großen Erzählungen zusammen, die er in seinem umfangreichen Zettelkasten ordnete. Alltäglich abends holte er aus seinen Taschen Zettelchen, Papierservietten, Fahrkarten, Zeitungsränder, Streichholzschächtelchen, auf denen er die Beute der Beobachtungen eines Tages aufgeschrieben hatte. F.C. Weiskopfs Zettelkasten war eine Art Vorratskammer seines Schaffens
Seine Ehefrau initiierte einen nach Weiskopf benannten Preis, der seit 1956 für besondere Verdienste um den Erhalt der deutschen Sprache verliehen wurde (sprachkritisch und sprachreflektierend).
Grete und Franz Carl Weiskopf sind in einer gemeinsamen Grabanlage auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde in Berlin beigesetzt.
Weitere aufschlussreiche Anmerkungen zum Leben und Schaffen von sowie zum Umgang mit dem Werk von F.C. Weiskopf, zu denen man auch anderer Meinung sein kann, bieten zwei längere Beiträge im Literaturblog des Autors und Lesers, Journalisten und Literaturwissenschaftlers Dr. Eckhard Ullrich (https://www.eckhard-ullrich.de/editorial), der in Ilmenau lebt und schreibt.
Seine beiden Beiträge zu F.C. Weiskopf finden sich unter:
https://www.eckhard-ullrich.de/jahrestage/4003-dies-und-das-ueber-franz-carl-weiskopf
https://www.eckhard-ullrich.de/buecher-buecher/1948-f-c-weiskopf-der-traum-des-friseurs-cimbura
Darin schreibt Dr. Ullrich unter anderem:
Ein Ereignis in meinem Lese-Leben ist Franz Carl Weiskopf aus Prag nie gewesen, da waren mir andere aus dieser isolierten Literaturecke lieber, viel lieber zum Teil, und auch für das Ende der Donaumonarchie ließ ich mich lieber mit Autoren ein, die mehr davon erlebt hatten als dieser erst 1900 geborene Mann. Aber Filmbilder sind mir gewärtig, weil sie in einen Kontext gerieten, den Weiskopf als Autor der benutzten Romanvorlage nicht vorausahnen konnte. Und das gar nicht einmal nur, weil er am 14. September 1955 urplötzlich starb, viel zu früh und unerwartet, wie die Trauer-Phraseologie das gern nennt. Weiskopf hätte wohl ungläubig geschaut, wenn ihm jemand die Turbulenzen ausgemalt hätte, in die zwanzig Jahre nach seinem Tod das kulturelle, speziell auch das literarische Leben der DDR trudelte, in der er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte. Da nimmt sich der Regisseur Hans-Joachim Kasprzik den großen Roman Abschied vom Frieden vor, drei Teile sollen es werden, engagiert wird, was Rang und Namen hat unter den Schauspielern der DDR, und plötzlich gibt es die Biermann-Ausbürgerung im November 1976. Es verwandeln sich Darsteller in Unpersonen wie Schriftsteller auch, der dreiteilige Film ist fertig und wird nicht gezeigt. Erst später, wie in einer hilflosen Geste, die auf Signalwirkung hofft.
Und vielleicht machen alle diese Informationen doch noch einmal oder zum ersten Mal Lust, sich mit diesem Autor, mit seinem Leben und Schreiben und vor allem mit seinen Büchern zu beschäftigen. Auch EDITION digital bietet mit einigen E-Books Gelegenheit dazu.
Bleiben Sie ansonsten weiter vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher gewogen. Die neuen Sonderangebote sind schon herausgesucht und werden ganz nachhaltig gerade auf mehrere Pferdeschlitten verladen. Hoffentlich bleibt uns das Winterwetter noch ein wenig erhalten
Zwei der fünf Sonderangebote der nächsten Woche stammen von Hans-Ulrich Lüdemann. Erstmals 1977 erschien in der bekannten und beliebten DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) im Verlag Das Neue Berlin sein Kriminalroman Das letzte Kabinettstück.
Luxusstück und Kabinettstück nennt man wertvolle Briefmarken. Wie konnten die Sachsendreier spurlos aus einer Ausstellung verschwinden? Werden sie je wieder auftauchen? Ein Kriminalisten-Team arbeitet fieberhaft daran, diese Straftat aufzuklären, schließlich sind die Briefmarken ein wichtiges DDR-Exponat einer Philatelie-Ausstellung in Prag. Und so gesehen, hat dieser Fall auch eine gehörige politische Dimension
Lüdemanns Briefmarken-Krimi beginnt mit dieser Aufregung und im typischen DDR-Jargon, wie der Leser gleich bemerken wird:
Mit lautem Knall flog die Glastür ins Schloss. Zwei Stiefelhacken klappten. Genosse Hauptmann! Ich melde: Die zuletzt im Haus anwesenden Bürger warten auf ihre Vernehmung!
Böhni hob langsam den Kopf. Die Augen hinter den eingefärbten Brillengläsern funkelten. Denkel! Sie wollen doch so schnell wie möglich Unterleutnant der K werden? Dann machen Sie gefälligst nicht solchen Krach!
Denkel knallte wieder die Hacken zusammen. Dann riss er die Tür auf und rief den Bürger Berner zum Genossen Hauptmann Böhni.
Wie vom Katapult geschnellt, schoss Berner an Denkel vorbei in die Pförtnerloge: Am Sonntagabend soll das Pärchen in Prag sein! Diese Blamage! Meine Sachsendreier, braunrot auf Streifenband ... Berner stockte erregt. Mit dem Taschentuch fuhr er sich über die Stirnglatze.
Versichert?
Bitte? Es dauerte etwas, ehe Berner hinter den Sinn der Frage kam.
Ob dieses Exponat versichert ist? Böhnis Stimme klang beherrscht. Aber in seinem Innern brodelte es. Der Tag war bisher ruhig verlaufen. Ausgerechnet gegen Abend, wo im Fernsehen die Hundeserie lief, da musste er sich um verschwundene Briefmarken kümmern.
Was spielt das für eine Rolle, Genosse Hauptmann! Katalogwert sechzigtausend Mark! Aber ob versichert oder nicht das Pärchen, nach Art und Beschaffenheit ein Kabinettstück, ist unersetzbar. Mein Gott, warum habe ich es auch verliehen! Aber wer denkt denn schon bei so was an Diebstahl!
Wer spricht hier von Diebstahl, Herr Berner? Die Marken können doch auch verlegt worden sein?
Ich glaub' doch nicht an den Klapperstorch, Genosse Hauptmann!
Also was war: Sie haben Peter Schering im Fahrstuhl gefunden?
Berner nickte, holte tief Luft, fuhr sich abermals mit dem karierten Taschentuch über die Stirn: Wie gesagt, ich wollte meine Leihgabe abholen. Hatte mich mit Schering am Fahrstuhl verabredet und wartete.
Kamen inzwischen andere Personen ins Haus?
Ich habe niemanden gesehen, Genosse Hauptmann. Also, wie ich da so warte, kommt auch der Fahrstuhl. Hält im zweiten Stock, fährt weiter ins Erdgeschoss. Ich mach' die Tür auf da liegt Schering. Und ehe ich was sagen kann, kommt jemand die Treppe runtergesaust. Hinter dem noch einer. Wir drei haben Schering aus dem Fahrstuhl gezogen. Der Ältere der beiden ist wohl Arzt. Er hat den Rettungswagen alarmiert. Ich war mächtig durcheinander, wissen Sie.
Irgend etwas Verdächtiges wahrgenommen, Herr Berner?
Überhaupt nicht. Der Jüngere, das ist der Bruder von Herrn Schering sitzt auch draußen, Berner deutete mit dem Daumen in Richtung Foyer, der sagte immer: Mensch, Peter, mach keine Dinger. Komm wieder zu dir!
Und dann kam der Sanka?
Berner nickte.
Und Sie?
Als die Männer Peter Schering auf die Trage legen wollten, da fielen mir meine Sachsendreier ein. Ich hab' seine Tasche genommen und nach dem Etui gesucht. Nichts. Ich bin zum Rettungswagen gelaufen. Hab' in Scherings Taschen gefasst ...
Berner zog entschuldigend die Schultern hoch. Sie müssen verstehen, Genosse Hauptmann, die Maschine nach Prag geht morgen früh. Unsere ganze Republik blamiert sich, wenn ...
Böhni lächelte.
Das ist nicht übertrieben!, ereiferte sich Berner. Mein Kabinettstück ist ein wichtiges Exponat. Wenn es nicht spätestens Sonntagabend zur Eröffnung dort ist, Mann o Mann! Erschüttert von dieser Vorstellung, sank Berner in den Pförtnersessel.