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Zwischen Satire, Zeitreise und Spurensuche – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

 

(Pinnow, 10.07.2026) – Mal führt Literatur in längst vergangene Jahrhunderte, mal auf die Spuren realer Kriminalfälle, mal an Orte, an denen Geschichte bis heute sichtbar bleibt. Die fünf aktuellen Sonderangebote im E-Book-Shop von EDITION digital laden zu ganz unterschiedlichen Entdeckungsreisen ein – mit Humor, Spannung, historischem Wissen und nachdenklichen Fragen.

 

Vom Freitag, dem 10. Juli, bis Freitag, dem 17. Juli 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.

 

Der Esel als Amtmann oder Das Tier ist auch nur ein Mensch von Gerhard Branstner

In diesen Tierfabeln nimmt der Autor menschliche Schwächen aufs Korn. Immer wieder reibt er sich an der Dummheit und Überheblichkeit der Herrschenden und den Jasagern unter seinen Untertanen. 1976 erschienen, wurden auf humorvolle Weise die Mächtigen in der DDR kritisiert. Aber fast 50 Jahre später hat sich nichts zum Positiven verändert.

 

Die magische Zeitreise nach 1650. Wie Kinder vor langer Zeit lebten von Gisela Pekrul

Taucht ein in die Welt von Noah und Joshua, zwei unerschrockenen Brüdern, die auf eine Zeitreise gehen, die Geschichte und Gegenwart verschmelzen lässt!

In den lebendigen Straßen von Schwerin, zwischen modernen Bussen, Straßenbahnen und historischen Fassaden, stoßen die Brüder auf ein rätselhaftes Buch, das sie auf eine Reise schickt, die ihr Leben für immer verändern wird. Ein geheimnisvoller Zauberspruch wirbelt sie aus dem Jahr 2023 in das Jahr 1650 – in eine Epoche, in der ihre Hautfarbe Argwohn erregt und ihre Kleidung Fragen aufwirft.

Von atemlosen Jagden durch enge Gassen bis hin zu verborgenen Höhlen unter der Stadt – Noah und Joshua, zehn und sieben Jahre alt, begegnen nicht nur neuen Freunden und Feinden, sondern auch dem legendären Petermännchen, dem Schlossgeist von Schwerin, der ihre Schicksale auf unerwartete Weise verwebt.

In einer Zeit, die von Aberglauben und Gefahr geprägt ist, müssen die Brüder lernen, was es heißt, mutig zu sein, und entdecken den Wert von Freundschaft und Familie. Doch wie findet man den Weg zurück, wenn die Zeit selbst zum Labyrinth wird? Mit Hilfe des geheimnisvollen Petermännchens, das sowohl Rätsel als auch Rettung bietet, suchen sie nach einem Pfad zurück in ihre eigene Welt.

"Die magische Zeitreise nach 1650. Wie Kinder vor langer Zeit lebten" ist ein Zeitreiseabenteuer, das die Herzen junger Leserinnen und Leser erobern wird. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden, die Macht von Hoffnung und Freundschaft und die unzerbrechliche Verbindung zwischen Geschwistern. Lasst euch verzaubern und seid bereit für ein Abenteuer, das über die Grenzen der Zeit hinausgeht!

 

Der Fall Darsow. Ein Justizirrtum? von Siegfried Stang

Der Doppelmord von Babenhausen aus dem Jahr 2020 sorgte bundesweit für Entsetzen und Aufsehen in den Medien.

Anscheinend gab es einen eiskalten Killer, der ein Ehepaar und dessen Tochter regelrecht „auslöschen“ wollte.

Das Ehepaar wurde durch Pistolenschüsse getötet, die Tochter überlebte. Die Polizei lastete die Tat dem Nachbarn der Opfer, einem Familienvater namens Andreas Darsow, an. Als mutmaßliches Motiv unterstellte man ihm das Bestreben, eine langjährige Lärmbelästigung gewaltsam beenden zu wollen. In den Ermittlungen spielten besondere Umstände (etwa der Zugriff auf eine bestimmte Internetseite) eine Rolle.

Es gab keine Tatzeugen, die Tatwaffe wurde nie gefunden und am Tatort wurden keine DNA oder Faserspuren von Darsow gefunden.

In einem sogenannten Indizienprozess wurde er trotzdem zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Da die besondere Schwere der Schuld vom Gericht festgestellt wurde, kam eine vorzeitige Entlassung nicht in Betracht. Andreas Darsow sitzt noch heute in einer Strafanstalt ein.

Die damaligen Ermittlungen der Polizei und das Urteil des Landgerichts Darmstadt waren in der Öffentlichkeit umstritten und sorgten immer wieder für Diskussionen.

Der Kriminalist und Jurist Siegfried Stang hat den hochkomplexen Fall noch einmal aufgegriffen und die Fakten minutiös geprüft. Er kommt dabei zu erstaunlichen neuen Einsichten und Bewertungen, was die etwaige Täterschaft von Andreas Darsow anbelangt.

 

Orte der Erinnerung. Heft 3 – Alter Friedhof Schwerin

Der Alte Friedhof in Schwerin zählt zu den ältesten Landschaftsfriedhöfen Deutschlands und ist das kulturelle Gedächtnis der ehemaligen Residenzstadt und seit 2025 zum UNESCO-Welterbe gehörenden Landeshauptstadt Schwerin. Auf einer Fläche von etwa 24 Hektar befinden sich zahlreiche Grabanlagen von Personen, die die Geschichte des Landes und der Stadt Schwerin mit gestaltet haben, aber auch Grabanlagen von architektonischer Bedeutung. Die Autoren des dritten Bandes „Orte der Erinnerung“ erinnern an den Architekten Erich Bentrup, die Offiziersfamilie Huth oder den letzten Ministerpräsidenten des Großherzogtums Mecklenburg Schwerin Dr. Adolf Langfeld. Aber auch heute vergessene Persönlichkeiten wie Johann Albrecht Strenge, der nicht nur Buchhändler und Verleger, sondern auch ein Schweriner Original war, werden vorgestellt. Die Autoren nehmen Sie mit auf eine Entdeckungsreise in die Geschichte Schwerins und Mecklenburgs und laden zu einem Spaziergang auf dem Alten Friedhof ein. Mit dem beigefügten Friedhofsplan können Sie die Grabstellen selbst entdecken.

 

Der Traum des Hauptmann Loy von Wolfgang Schreyer

Auch in dieser Woche richtet sich der Blick in der Rubrik Friday for Future auf Frieden, Verantwortung und die Folgen politischer Entscheidungen.

Wolfgang Schreyer verbindet in seinem Roman persönliche Schicksale mit den Spannungen des Kalten Krieges. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen handeln, wenn politische Konflikte, militärische Interessen und persönliche Überzeugungen aufeinanderprallen.

 

Ob Satire, Kinderabenteuer, Kriminalfall, Regionalgeschichte oder politischer Roman – jedes dieser Bücher eröffnet einen eigenen Blick auf die Welt. Die folgenden Leseproben geben einen ersten Eindruck von ihren Figuren, Ideen und Konflikten.

 

Der Esel als Amtmann oder Das Tier ist auch nur ein Mensch von Gerhard Branstner

Satire funktioniert besonders gut, wenn Tiere den Menschen den Spiegel vorhalten. Die folgende Passage zeigt, wie zeitlos diese Form der Gesellschaftskritik sein kann.

 

Wer im ersten Kampf verlor, geht im zweiten anders vor

Als der Affe während einer Ratssitzung wieder einmal seine üblichen Grimassen machte, wurde es dem Löwen zu viel, und er hieß den Affen einen Blödian. Und wenn ich besser zählen kann als du, entgegnete der Affe, wer ist dann der Blödian?

Um die Frage zu entscheiden, wurde auf seinen Vorschlag hin vereinbart, dass er und der Löwe die Wellen zählen sollten, die im Verlaufe einer Stunde am Meeresstrande anbrandeten. Der Affe tat aber nur so, als ob er zähle, und schnitt wieder die fürchterlichsten Grimassen. Das machte den Löwen ganz konfus, sodass er einmal die Wellen und einmal die Grimassen zählte, bis er völlig durcheinander war und vorzeitig aufgab. Der Affe wurde zum Sieger erklärt. Das war ihm jedoch noch nicht genug. Um den Löwen noch mehr zu demütigen, verriet er, dass er nicht eine einzige Welle gezählt und den Löwen allein durch seinen Witz besiegt habe.

Das nun war des Witzes zu viel, und keiner sprang dem Affen bei, als der Löwe sich auf ihn stürzte und ihn in Stücke riss.

 

Rede nicht von Sonnenschein, regnet es zum Fenster rein

Als auch die Tierkinder zur Schule gehen mussten, wurde der Rabe zum Staatskundelehrer bestellt. Er nahm das Lehrbuch in die Hand und erklärte den Kleinen, wie positiv doch alles sei. Nicht einmal ein Wölkchen war auf dem Bilde zu sehen, das er von der Welt malte.

Da blickte ein kleines Mäuschen aus dem Fenster und rief: Herr Lehrer, es regnet!

Der Lehrer aber schaute in sein Buch, schüttelte den Kopf und sagte: Regen ist hier nicht drin.

Es regnet aber wirklich! rief das Mäuschen wieder.

Da schrieb der Rabe dem Mäuschen eine Fünf wegen schlechten Betragens ins Heft. Das kommt davon, krähte er, wenn man während des Unterrichts aus dem Fenster guckt.

 

Wer sich ums Gemeinwohl drückt, muss sich nicht wundern, wenn's nicht rückt

Der Esel genoss kein sonderliches Ansehen unter den Tieren. Als aber ein gemeinnütziges Amt zu vergeben war und keiner es auf sich nehmen wollte, waren alle froh, als der Esel sich dazu überreden ließ. Zum nächsthöheren Amt und den folgenden gelangte er auf die gleiche Weise, und immer waren die anderen Tiere froh, davongekommen zu sein. Bis sie eines Tages feststellten, dass sie einen Esel oben hatten.

Wie ist der bloß dahinauf gekommen?! riefen da alle verwundert.

Der Esel wusste das natürlich auch nicht so genau. Da aber das Amt den Esel und der Esel das Amt verdorben hatte, passten beide ganz gut zueinander, sodass es eine Weile brauchte, bis sie den Esel wieder herunterbrachten.

 

Schadenfreude macht dumme Leute

Der Kranich hatte einen Vortrag angekündigt und die Tierwelt zur großen Waldwiese eingeladen. Da der Kranich allgemein als platter Schönredner galt, rechneten alle damit, dass nicht einer hingehen würde. Um sich von dem Reinfall zu überzeugen, gingen alle hin.

Das war wirklich ein Reinfall, sagte der Igel zum Iltis, als sie auf der überfüllten Waldwiese standen. Der einzige, den ich nicht sehe, ist der Kranich.

Er wird etwas suchen, meinte der Iltis und blätterte ungerührt in einem Bündel Papiere.

Und was? fragte der Igel.

Das Manuskript, sagte der Iltis.

 

Die magische Zeitreise nach 1650. Wie Kinder vor langer Zeit lebten von Gisela Pekrul

Wie fühlt es sich an, plötzlich mehrere Jahrhunderte in die Vergangenheit versetzt zu werden? Die folgende Szene nimmt die Leser mit auf den Beginn eines ungewöhnlichen Abenteuers.

 

Ein unerwarteter Zwischenfall

Endlich verlassen der Stadtwächter und der Büttel die Hütte. Alle atmen auf, wagen aber noch nicht zu sprechen, weil sie nicht wissen, ob die beiden Männer vor der Tür lauschen. Nach einer gefühlten Ewigkeit traut sich der Vater aus der Tür und sieht sich misstrauisch um. Die gefährlichen Männer betreten gerade die Brücke über den Stadtgraben. Die umstehenden Hütten sind alle geschlossen. Offensichtlich steckt ihren Bewohnern auch noch der Schreck über die unerwarteten Besucher in den Gliedern.

„Eilt, aber passt auf, dass Euch keiner aus den anderen Hütten sieht, vor allem keiner von den Habersacks. Schleicht Euch zur Brücke und mischt Euch unter das Volk, das aus den Stadttoren strömt. Gebt vor, als wärt Ihr Teil einer der Familien, die zum Richtplatz drängen. Redet nicht übermäßig, Eure Zunge klingt zu fein für uns schlichte Leute. Wir werden Euch in einigem Abstand folgen. Es darf nicht bekannt werden, dass wir uns gesehen haben. Gott mit Euch!“

Die Jungen eilen hinaus, sehen sich neugierig um und entdecken mehrere solche kleinen Holzhäuser mit einem Dach aus Stroh. Die Hütten haben nur kleine Öffnungen statt Fenstern und werden durch roh aus Brettern gezimmerten Türen verschlossen. Schornsteine gibt es nicht, aber sie haben ja schon gesehen, dass der Rauch durch ein Loch im Dach entweicht. „Meine Sachen riechen nach Rauch. Erst jetzt merke ich, wie es in der Hütte gestunken hat“, sagt Joshua leise zu seinem Bruder.

Noah lacht: „Mama hätte schnell alle Fenster aufgerissen, damit frische Luft reinkommt. Doch es gibt ja nur ganz kleine Öffnungen als Fenster.“ Ernsthaft fügt er hinzu: „Wir haben gesehen, wie arm die Menschen sind. Alle leben in einem einzigen kleinen dunklen Raum, sitzen und schlafen auf Stroh und kochen auf offenem Feuer. Und trotzdem haben sie uns geholfen.“

Beinahe vergessen die Jungen über alldem, wovor der Mann sie gewarnt hat. Sie sehen vor sich die Brücke über den Stadtgraben, links und rechts die hohe Stadtmauer und am Ende der Brücke den hohen Wehrturm. Was sie von der Stadt im Hintergrund erblicken, ist ihnen völlig fremd.

Die beiden kommen unerkannt bis zur Brücke. Joshua denkt daran, wie sie zähneklappernd aus dem Fluss gestiegen sind. „Das waren gute Menschen. Wir konnten uns so schön aufwärmen. Die wollene Decke schützt uns vor der Kälte und meine Sachen sind fast trocken“, frohlockt Joshua.

„Sei leise“, flüstert Noah.

Ein nicht enden wollender Strom von Menschen, Karren und Reitern bewegt sich von der Brücke entlang der Felder Richtung Nordwesten. Sie drängen sich dazwischen, und fühlen sich in der großen Menschenmenge ziemlich sicher. Sie fallen mit der Decke, die ihre schwarzen Locken, die Kleidung aus dem 21. Jahrhundert und die bunten Schulranzen bedecken, nicht auf. Viele sind ähnlich wie die Familie, die sie in ihrer Hütte versteckt hatte, gekleidet. Oft sind die Sachen schmutzig, mit großen Flicken versehen oder gar zerrissen. Die Gesichter sind hinter großen Hüten verborgen. Andere wiederum schützen sich vor der Kälte ebenfalls mit einer umgehängten Decke. Einige sehr vornehm gekleidete Herren oder Damen reiten auf Pferden.

Die beiden Jungen sehen sich erstaunt um und sprechen leise miteinander: „Das müsste doch die Wismarsche oder Lübecker Straße sein. Wir waren hier oft mit Mama unterwegs oder sind mit der Straßenbahn vom Marienplatz aus gefahren.“ „Jetzt ist es noch ein ungepflasterter Weg voller Pferdeäpfel und Kuhfladen, zwischen Feldern und vereinzelten kleinen Hütten.“ „Das Kino, die Bibliothek und der Bahnhof sind auch weg.“ „Nirgends ein Geschäft oder eine Gaststätte!“ Abwechselnd flüstern sie sich verwundert ihre Eindrücke zu.

Noah dreht sich kurz um, da trifft sein Blick den des Jungen, der ihnen beim ersten Versuch, ins Warme zu kommen, die Tür sofort wieder zugeschlagen hat. Er versucht, sich weiter vorn in der Menge zu verstecken, doch da schreit der Junge schon: „Da sind die beiden schwarzen Teufel. Sie werden uns alle holen.“

Sofort entsteht unter den Menschen, die sich bisher munter plaudernd hinter- und nebeneinander auf dem schmutzigen Weg vorwärtsbewegt haben, große Unruhe. Ängstlich weichen die Leute vor den beiden zurück, denn keiner will vom Teufel berührt werden. Viele murmeln leise Gebete oder bekreuzigen sich. Noah zieht seinen kleinen Bruder in schnellem Lauf an den aufgeschreckten Menschen vorbei weiter nach vorn. Zurück können sie nicht und die abgeernteten Felder seitlich bieten erst recht keinen Sichtschutz. „Vielleicht gibt es bald einige Bäume und Sträucher, hinter denen wir uns verstecken können“, denkt Noah. Diese kleine Unaufmerksamkeit reicht aus, dass er vor sich einen großen Mann übersieht und mit ihm zusammenstößt. Der Große schimpft schrecklich und versucht, Noah zu packen. Der Junge erschrickt, wendet instinktiv einen Karategriff an und streckt den kräftigen Mann nieder.

Nun ist erst recht alles in Aufruhr. „Das ist des Teufels Werk, Hexenkunst! Ergreift ihn!“, schreien alle durcheinander. Während einige sich um den wie tot auf dem Weg liegenden Mann kümmern und andere ihn nur erstaunt anstarren, ist Joshua heimlich auf einen Ochsenkarren geklettert, hat sich hinter einem großen Fass versteckt. Noah tut es ihm gleich.

Die Menge tobt nun erst recht, weil die Jungen verschwunden sind. „Ich hab's mit eigenen Augen gesehen, wie sie durch die Lüfte sausten“, ruft einer. „Der Teufel hat sie sicherlich wieder zu sich geholt“, meint ein anderer.

Niemand entdeckt die beiden auf dem Karren, nicht einmal der Bauer, der neben dem Karren einhergeht, und so nähern sie sich unbehelligt dem Richtplatz. „Ich hab furchtbare Angst, dass man uns entdeckt“, jammert Joshua leise. „Ich glaube nicht, dass sie Kinder wirklich auf dem Scheiterhaufen verbrennen“, versucht ihn sein Bruder zu beruhigen.

Hinter ihnen sehen sie einen vornehm gekleideten Reiter, der in heftigem Galopp auf den Wagen zureitet, ohne sich um die vielen Leute und Karren zu kümmern. Die Menschen springen schnell zur Seite, Zugtiere werden unruhig, und der Bauer weicht rasch mit seinem Ochsenkarren auf das Feld aus. Dabei übersieht er einen großen Stein, beinahe schon ein Felsen. Ein heftiger Ruck lässt das Fahrzeug erzittern, die Deichsel mit dem Ochsen löst sich und das Gefährt saust ungebremst den Hang zum Richtplatz hinunter, in die dort dichtgedrängte Menge hinein. Der Bauer läuft wild gestikulierend seinem Wagen nach, erreicht ihn aber nicht mehr. Ein Mann versucht, den Wagen aufzuhalten, wird jedoch von dem immer schneller rollenden Gefährt zur Seite gedrückt und setzt sich mitten in einen Kuhfladen. Lautes Gelächter der Umstehenden ist der Lohn für sein Pech.

Die Jungen haben keine Freude an dieser Komik. Schon als der Karren in Bewegung geriet, spürten sie, wie die Fässer hinter ihnen ins Rutschen kamen. Das Geräusch von knirschendem Holz und das Klappern der Fässer wird immer lauter. Joshua, der weiter hinten sitzt, spürt, wie ein Fass gegen seine Beine stößt. Er versucht, es mit den Füßen wegzudrücken, aber es ist zu schwer.

„Noah, hilf mir!“, ruft er voller Panik.

 

Der Fall Darsow. Ein Justizirrtum? von Siegfried Stang

Nicht jeder spektakuläre Kriminalfall ist auch abschließend geklärt. Die folgende Passage zeigt, warum der Fall Darsow bis heute Fragen aufwirft.

 

Russen in Babenhausen?

Der Leser kennt bereits die Ermittlungen, die mit Spuren zu tun hatten, welche möglicherweise ebenfalls in Richtung Osten hätten führen können. Es geht um die Nachforschungen der Polizei, in denen ein Viktor Pawlow, der angeblich „Geschäfte aller Art“ machte (angeblich selbstverständlich keine illegalen) und seine angebliche Mitarbeiterin Tatjana Uhlig eine Rolle spielten.

Ein „großer“ BMW war einer Zeugin am 18.04.2009 in der Friedrich-Ebert-Straße aufgefallen.

Daraufhin waren die beiden Personen ermittelt worden und Tatjana Uhlig hatte eine etwas seltsame Erklärung dafür, dass sie in der Friedrich-Ebert-Straße-Straße war: Angeblich nur deshalb, um zu wenden. Merkwürdig, dass ein einfacher Wendevorgang der Zeugin auffiel. Auch sonst wären Uhligs Erklärungen es wert gewesen, sie näher zu hinterfragen.

Der „Share-Ordner“ der Polizei

Es erhebt sich die Frage, ob die Staatsanwaltschaft und das Gericht über alle polizeilichen Unterlagen verfügten, die zur Wahrheitsfindung von Belang waren. Die Ermittler der Soko FES36 haben eine Ermittlungsakte geführt, die sogenannte „Hauptakte“. Daneben gab es mehrere Sonderbände für spezielle Ermittlungskomplexe, etwa für die TKÜ-Maßnahmen u. a.

Es wurde seitens der Soko darüber hinaus ein sogenannter „Share-Ordner“ genutzt. Schon der Name sagt, dass es sich dabei um einen Datei-Ordner handelte, in den Dokumente bzw. Dateien zu „Spuren“, also zu Ermittlungsansätzen, eingestellt wurden, so dass Mitglieder der Soko schnell und unmittelbar darauf zugreifen und sich informieren konnten. Es dürfte sich um polizeiinterne Erkenntnisse gehandelt haben. Die Frage ist nun, ob man alle „Spuren“ bzw. Daten aus dem Share-Ordner (etwa auch solche, die man nur kurz verfolgt, dann aber als nicht Erfolg versprechend hat fallenlassen) der Staatsanwaltschaft bzw. der Justiz übermittelt hat.

Polizeiinterne Ordner werden normalerweise nicht „mitgeliefert“.

Deshalb könnten Hauptakte und Sonderbände möglicherweise nicht vollständig wiedergeben, welche Ermittlungsschritte die Soko FES36 gemacht bzw. welche „Spuren“ sie verfolgt oder aufgegeben hat.

Es gibt da also eventuell polizeiinterne Dateien, welche die Staatsanwaltschaft, die Verteidiger und die Gerichte möglicherweise nicht kennen. Grundsätzlich ist die Polizei aber gehalten, der Staatsanwaltschaft alles zur Prüfung vorzulegen. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob das Führen des Share-Ordners beim Landesdatenschutzbeauftragten angemeldet war, ob die Dateien gelöscht oder ob sie noch vorhanden sind.

Außerdem gilt der Grundsatz der Aktenwahrheit und Aktenvollständigkeit. Dieser Grundsatz ist vor allem für Fälle herangezogen worden, in denen Ermittlungsrichter Entscheidungen zu strafprozessualen Maßnahmen prüfen mussten. Es dürfte sich aber um einen Grundsatz handeln, der sich allgemein auf vom Gericht zu treffende strafprozessuale Entscheidungen bezieht:

Um eine ordnungsgemäße Prüfung durch den Richter (bzw. das Gericht) sicherzustellen, ist es erforderlich, dass die Ermittlungsbehörden (Staatsanwaltschaft/Polizei) die Einhaltung des Grundsatzes der Aktenwahrheit und der Aktenvollständigkeit gewährleisten. Dieser Grundsatz muss dabei nicht ausdrücklich gesetzlich geregelt sein, denn dieses Prinzip folgt bereits aus der Bindung der Verwaltung (und der Justiz) an Gesetz und Recht (Art. 20 Abs. 3 Grundgesetz) und der aus dem Rechtsstaatsprinzip folgenden Pflicht zur Objektivität. (Vgl. Bundesverfassungsgericht, Beschluss des Zweiten Senats vom 06.06.1983, 2 BvR 244/83; Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg, Urteil vom 30.07.2014, 1 S 1352/13)

Aus den Akten muss sich ergeben, welche konkreten Ermittlungsmaßnahmen durchgeführt worden sind und welchen Erfolg sie gehabt haben. Und die dem Gericht vorgelegten Akten müssen vollständig sein.

Dies erscheint im vorliegenden Fall fraglich. Möglicherweise wusste das Gericht gar nicht von diesem Share-Ordner, was erklären würde, dass er im Urteil nicht erwähnt wird.

Eine „Reinigungsaktion“?

Teilweise wird im Internet (https://de.wikipedia.org/wiki/Doppelmord_von_Babenhausen) behauptet, dass das Gericht als wichtiges belastendes Indiz Folgendes gewertet hätte:

„Keller und Garage der Darsows wurden nach Spuren auf Bauschaum u. a. untersucht, dabei stellte sich heraus, dass beide Räume akribisch bis ins Detail gereinigt worden waren, was die Darsows auch einräumten.“ Dazu finden sich in der Urteilsbegründung jedoch keinerlei Anhaltspunkte.

 

Orte der Erinnerung. Heft 3 – Alter Friedhof Schwerin

Geschichte begegnet uns oft dort, wo wir sie nicht erwarten. Die folgende Passage lädt zu einem Spaziergang durch Schwerins kulturelles Gedächtnis ein.

 

GENERALARZT ADOLF FRIEDRICH STÖRZEL – EIN MILITÄRARZT MITTE DES 19. JAHRHUNDERTS MIT BLICK FÜR DAS ZIVILE LEBEN ODER EIN FRÜHES BEISPIEL FÜR ZIVILMILITÄRISCHE ZUSAMMENARBEIT

Im Jahr 1865 wendet sich der Magistrat der Stadt Schwerin mit der Bitte um Unterstützung an die Großherzoglich Mecklenburgische Division. Es ging dabei um die in der Stadt stationierten Militärärzte, die am Stadtkrankenhaus den medizinischen Dienst übernehmen sollten. Das Stadtkrankenhaus war nach Plänen von Georg Adolph Demmler (1804-1886, auf dem Alten Friedhof in seiner eigenen Grabkapelle bestattet) 1841 in der Werderstraße als eines der ersten Krankenhäuser Mecklenburgs eröffnet worden. Heute im Übrigen im Besitz der VR-Bank. Der damalige Divisionskommandeur von Bilguer (1812-1894, siehe Orte der Erinnerung Heft 2) erkannte die Vorteile für die Militärärzte (praktische Ausbildung und in Übung halten) und legte das Ansinnen der Stadt seinem Dienstherren Großherzog Friedrich Franz II. zur Genehmigung vor. Nachdem der Großherzog am 28. März 1865 seine Zustimmung erteilt hatte, übernahmen ein Oberarzt und ein Assistenzarzt den ärztlichen Dienst am Stadtkrankenhaus. Nebenbei sei bemerkt, dass der Assistenzarzt auch gleich am Krankenhaus eine Wohnung bekam. Einzelheiten des Wirkens regelte eine Vereinbarung vom 20. Mai 1865 zwischen dem Magistrat und dem damaligen Divisionsarzt Adolf Friedrich Störzel. Leider musste auf Grund der Umstände die für beide Seiten erfolgreiche Zusammenarbeit zum 1. Oktober 1869 beendet werden. Der Grund lag in der Eingliederung des Mecklenburgischen Militärs ab August 1867 in die Preußische Armee (siehe auch Text weiter unten, Schreiben des Generalarztes Störzel an das Militärdepartement vom 19. August 1868).

Lebensweg des Generalarzt Adolf Friedrich Störzel

Wer war nun dieser Divisionsarzt, der die Vereinbarung mit der Stadt getroffen hatte? Adolf Friedrich Störzel wurde am 21. Juli 1815 in Dargun (nach anderen Quellen 4. Juli) als Sohn des Amtmanns und späteren Geheimen Ministerialrats zu Schwerin Johann Georg Heinrich Störzel und der Julie Passow (Tochter des Amtshauptmanns Carl Friedrich Passow zu Rühn) geboren.

Dass er später die medizinische Laufbahn einschlägt, könnte auch mit dem Großvater väterlicherseits, Hofrat Dr. med. Johann Georg Störzel (1741-1828), zusammenhängen. Der war Leibmedicus oder besser herzoglicher Leibarzt in Ludwigslust.

1836 begann der junge Störzel sein Studium der Medizin an der Universität Heidelberg und wurde dort auch Mitglied des Corps Guestphalia Heidelberg. Vier Jahre später erfolgte seine Promotion (Diss. inaug. de Paracelsi vita et doctrina) an der Universität Halle. Daran schloss sich bis zum 1. März 1843 eine Zeit als praktischer Arzt in Schwerin an. Warum dann der Wechsel zum Militär erfolgte, konnte bisher nicht geklärt werden. Möglicherweise ein wirtschaftlicher Hintergrund. Störzel begann seine Militärkarriere als Assistenzarzt und Unterarzt bei der Artillerie mit Garnison in Schwerin. Zum Jahresende 1845 mit Wirkung 1. Januar 1846 wurde er zum Oberarzt befördert mit dem Hinweis: „Bei Ernennung des Dr. Störzel zum Oberarzte ist jedoch ausdrücklich allerhöchst bestimmt worden, daß durch dieses Avancement keineswegs die Anstellung eines Batterie-Chirurgen hervorgerufen, sondern Ersterer gehalten sein soll, alle bei der Artillerie vorkommenden ärztlichen und chirurgischen Dienstleistungen, sie mögen sein welche sie wollen, zu verrichten. gez. v. Elderhorst.“ (Zitiert nach Aktenbestand LHAS Aktenbestand Militärdepartement; Elderhorst – Hartwig von, 1789–1871, Brigadekommandeur). 1849 wurde Störzel Oberarzt im Leichten Infanterie-Bataillon, dem späteren Jäger-Bataillon, mit Garnison Schwerin. Diese Dienststellung bekleidete er acht Jahre. Dann vermutlich mit der Beförderung zum Oberstabsarzt erfolgte die Versetzung zum IV. Bataillon, das ebenfalls in Schwerin stationiert war.

Am 8. Juli 1857 stellt der Divisions-Kommandeur von Witzleben folgenden Antrag:

 

Der Traum des Hauptmann Loy von Wolfgang Schreyer

Große politische Konflikte werden oft durch einzelne Menschen erlebbar. Die folgende Passage zeigt, wie persönliche Entscheidungen und weltpolitische Entwicklungen miteinander verbunden sind.

 

"Nein! Nein! Ich will nicht! Lasst mich 'raus! Aaaaaach – –! Ich will 'raus hier! Ich will nicht absaufen..."

"Setzen Sie sich", befahl Loy. Er hatte den Eindruck, dass alle auf ihn sahen, von ihm Hilfe erwarteten. Er war der einzige Offizier hier, er trug die Verantwortung. – "Jeder begibt sich auf seinen Platz!"

Er trat an den Sekretär heran, legte ihm beide Hände auf die zuckenden Schultern und drückte ihn mit sanfter Gewalt in den Sessel hinab. Dr. Spencer sank in sich zusammen; er schluchzte wie ein Kind.

"Komm, Eddie", sagte der Hauptmann, "wir gehen nach vorn."

"Auf keinen Fall", rief Doris, "er schießt! Er schießt doch...!"

"Ach, Unsinn", sagte Loy. Er glaubte nun zu verstehen, wieso Sharp überrumpelt worden, weshalb es ihm vorhin nicht gelungen war, sich durchzusetzen: Martin hatte ihn mit der Pistole bedroht – für einen Zivilisten eine harte Sache. – "Komm, Eddie! Ich gehe als erster. Er wird nicht so toll sein, auf einen alliierten Offizier zu schießen. Los, komm!"

Aber Sharp rührte sich nicht. Er sah ihn nicht an. Er stand mit gesenktem Kopf abseits, neben der Tür.

"Jetzt nicht schlappmachen", redete Loy ihm eindringlich zu. "Noch sind wir nicht geschlagen!... Da ist keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gehe als erster, auf mich wird er nicht schießen."

"Bleiben Sie", bat Doris, "er tut's bestimmt! Er ist wahnsinnig... Haben Sie nicht sein Gesicht gesehen? Er schießt auf jeden, der herauskommt... Bleiben Sie doch!"

"Wenn ich bleibe, wird auf uns alle geschossen. Und nicht aus so einem kleinen Ding..." – er zog seine Pistole –, "sondern aus Maschinenkanonen. Eddie, hier ist meine Waffe. Nimm sie! Du gehst hinter mir. Sollte dieser famose Leutnant mich wirklich anschießen, dann gibst du ihm daraus, was er verdient."

Das Flugzeug legte sich unvermittelt auf die Seite. Loy tat ein paar ziellose Schritte, er taumelte gegen das Backbordfenster. Er spürte das kalte Glas. Ihm war plötzlich, als donnerten die Motoren lauter. Steigerte man das Tempo? Dann ging es aufs Ganze, dann musste rasch gehandelt werden... Er sah, wie Sharp in die Knie brach, dass die Pistole seiner Hand entglitt und über den Fußboden rutschte. "Heb auf", schrie er, "die ist entsichert!"

Sharp versuchte sich an der Klinke hochzuziehen, rutschte ab, sank zurück. "Das – das hat alles keinen Zweck mehr, Richard", stammelte er.

"Du sollst nicht schlappmachen! Steh auf!"

Sharp schluckte. Das zornige Antlitz seines Freundes hing jetzt über ihm. – "Mein Leben ist zu Ende, so oder so", sagte er leise. "Es ist aus. Das FBI sitzt mir im Nacken. Martin ist ein Spitzel... Sie wissen alles über mich. Ich bin fertig, Richard... Glaub mir, ich bin ganz fertig."

Loy schob ihn beiseite, er verstand das nicht. Was sollte ihm dieses Gefasel! "Verkriech dich, wenn du zu feige bist", stieß er heraus. "Ich gehe allein!"

Er riss die Tür auf, doch da packten ihn von hinten Arme, schlangen sich um seine Brust. "Bleib hier", flüsterte Doris Graves dicht an seinem Ohr. "Bleib! Bleib! Du darfst nicht hinausgehen, er wird dich töten, du musst bei mir bleiben..."

"Lass mich los", keuchte er; aber sie hielt ihn fest. Vorn im Gang fiel ein Schuss. Die Kugel prallte von irgendwo ab und surrte gefährlich. Loy zauderte, und so gelang es dem Mädchen, ihn zurückzuzerren.

 

Bleiben Sie ansonsten vor allem schön gesund und munter – und der Welt der Bücher weiterhin gewogen. In der kommenden Woche erwartet Sie unter anderem „Stefan – Jenseits der Kindheit“ von Walter Kaufmann.

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