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Zwischen Zauberei, Abenteuer und Verbrechen Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
(Pinnow, 19.06.2026) Manchmal beginnt ein Abenteuer mit einem Geburtstagswunsch, manchmal mit einer geheimnisvollen Spur, manchmal sogar auf einem fernen Planeten. Die fünf aktuellen Sonderangebote im E-Book-Shop von EDITION digital zeigen einmal mehr, wie vielfältig die Welt der Bücher sein kann von fantasievollen Kinderbüchern über spannende Kriminalgeschichten bis hin zu faszinierender Science Fiction.
Vom Freitag, dem 19. Juni, bis Freitag, dem 26. Juni 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.
Wie Daniel Dornröschen wachküsst von Hildegard und Siegfried Schumacher
Daniels Eltern studieren. Weil sie wenig Zeit haben, ist Daniel manchmal bei den Urgroßeltern. Dort denkt er sich in dem alten Haus mit dem großen Garten tolle Märchenspiele aus: Uropa ist der König, Uroma die gute Fee. Und wenn Mutter kommt, ist sie Dornröschen. Liest sie dann in ihren Büchern, statt mit Daniel zu spielen, braucht er sie ja nur wachzuküssen! Für Kinder ab 4 Jahre.
Der Zauberlöwe von Hildegard und Siegfried Schumacher
Tine wünscht sich einen richtigen Löwen zum Geburtstag. Ihre Enttäuschung ist groß, als sie statt des Löwen den Kater Bimbo bekommt. Tines Zauberer Simsalabim ist machtlos, er kann gar nicht zaubern. Tine denkt sich einen Zauberspruch aus, aber mit dem kleinen Zauberstab der Puppe Simsalabim klappt es nicht. Aber der Vater ist Verkehrspolizist und besitzt einen richtigen großen Zauberstab, mit dem er sogar ganz große LKWs zum Halten bringt. Heimlich holt sich Tine in der Nacht den Stab und ein riesengroßer Löwe liegt plötzlich statt der Katze in ihrem Bett. Tine erlebt nun mit Bimbo und ihrem Freund Emil spannende Abenteuer.
Eine Stadt sucht einen Mörder von Jan Flieger
Diesem Buch mit sechs Kriminalgeschichten liegen authentische Fälle zugrunde, die sich in den Jahren 1951 bis 1980 in der DDR zugetragen haben.
Hier schreibt ein Autor, der die Arbeit der Kriminalpolizei genau kennt.
Kindesmord (der legendäre Kreuzworträtselmörder und andere), Brandstiftung und Raubmord sind die Hauptthemen seiner Erzählungen, und der Autor zeigt das stille Heldentum der Männer, die die Verbrechen aufklären, ihre nie erlahmende Einsatzbereitschaft, ihre Arbeit bis über die physischen Grenzen hinaus, wenn es darum geht, einen komplizierten Fall zu lösen.
Das kleine Mädchen und der fliegende Fisch von Max Walter Schulz
Der fliegende Fisch ist in Wirklichkeit ein kleiner krausköpfiger Junge mit einem gestreiften Nicki, der von sich behauptet, ein Puppenräuber zu sein. Er verfolgt das kleine Mädchen und seine Puppe, die auf dem Wege nach Hause sind. Das Mädchen hat große Angst. Der fliegende Fisch überholt sie zuweilen, zerrt mit zwei Fingern seinen Mund so breit, dass er einem Fischmaul sehr ähnlich wird. Ganz scheußlich sieht das aus. Was hat er im Sinn? Das kleine Mädchen fasst sich ein Herz. Es will stärker sein als die Angst. Da geschieht etwas Seltsames, aber auch etwas sehr Schönes.
Friday for Future richtet den Blick diesmal auf eine Zukunft nach der Katastrophe. Alexander Kröger verbindet spannende Weltraumabenteuer mit der Frage, wie eine lebenswerte Zukunft trotz schwerer Fehler der Vergangenheit möglich wird.
Alexander Kröger erzählt die Geschichte der Kosmonautin Robina Crux, die nach einer Katastrophe auf einem geheimnisvollen Kristallplaneten ums Überleben kämpft und später an einem Neubeginn der Menschheit mitwirkt.
Die Fragen, die der Roman stellt, reichen weit über die Science Fiction hinaus: Wie gehen Menschen mit Katastrophen um? Welche Verantwortung tragen sie für ihre Zukunft? Und wie gelingt ein Neuanfang nach einer zerstörten Welt?
Ob Märchenwelt, Kinderabenteuer, Kriminalfall oder Zukunftsroman jedes Buch eröffnet seine ganz eigene Welt. Die folgenden Leseproben geben einen ersten Einblick und machen neugierig auf mehr.
Wie Daniel Dornröschen wachküsst von Hildegard und Siegfried Schumacher
Manchmal reicht eine einzige Idee, um ein Märchen völlig auf den Kopf zu stellen. Die folgende Passage zeigt, wie Daniel sein ganz eigenes Abenteuer beginnt.
Kommt Polizist Meier vorbei, gehört er auch zum Märchengarten. Polizist Meier kontrolliert, ob die Straße gefegt ist und die Häuser noch alle in Reih und Glied stehen. Für Daniel und Wolf ist er jedoch nicht der Polizist. Er ist der Räuber Meier. Räuber müssen verjagt werden. Sie sind gefährlich. Daniel gibt Wolf ein Zeichen. Wolf fletscht die Zähne, rast zum Zaun vom Märchengarten und bellt.
Kannst du deinen Köter nicht an die Kette legen!, schimpft Räuber Meier. Er hat Angst, dass der Zaun für den wilden Wolf zu niedrig ist und läuft schnell weiter. Daniel und Wolf jubeln über den Sieg. Als sie völlig aus der Puste sind, setzen sie sich unter den Traumbaum. Daniel denkt, er und Wolf haben eine Räuberbande verjagt, die die ganze Stadt in-Furcht und Schrecken versetzt hatte. Jetzt müsste der Bürgermeister kommen. Er müsste ihnen einen Orden verleihen, der blitzt und blinkt wie Urgroßmutters Sonntagsbrosche. Daniel läuft mit Wolf bis ans äußerste Ende des Märchengartens. Von dort können sie das Haus des Bürgermeisters sehen. Doch der Bürgermeister kommt nicht. Wie kann er an so eine wichtige Aufgabe nicht denken?
Daniel und Wolf gehen zurück zum Traumbaum. Seine Blätter rauschen und flüstern Daniel zu: Macht nichts, du hast noch viele Tausend Tage vor dir. Das ist eine unendlich lange Zeit.
Daniel erzählt seinem Freund Wolf die Geschichte vom Schneewittchen. Wäre sie bei Wolf, nicht bei den sieben Zwergen gewesen! Die böse Stiefmutter wäre nie zum Zuge gekommen. Wolf wäre ihr so hinterhergeprescht, dass sie vor Schreck den vergifteten Apfel und den Giftkamm weggeworfen hätte.
Wenn das Posthorn der Postkutsche ertönt, wissen Daniel und Wolf, Briefträger Zuleger ist unterwegs. Auf seinem Dienstrad kommt er klingelnd angefahren. Daniel und Wolf rennen zum Gartentor, um die Postkutsche zu empfangen. Briefträger Zuleger gibt Daniel Zeitungen und bunte Kataloge, mitunter eine Karte oder gar einen Brief. Briefe kommen selten.
Der Zauberlöwe von Hildegard und Siegfried Schumacher
Kinderwünsche können ungeahnte Folgen haben. Die folgende Szene zeigt, wie aus einem Geburtstagswunsch etwas ganz Besonderes wird.
Aus dem Konsum-Bäckerladen duftet es nach frischen Semmeln. Warmer Kuchenhauch weht auf die Straße. Tine schnuppert. Hm, Kringelschnecken und zuckerglasierte Mandelschnitten!
Bimbo streckt witternd die Nase in die Höhe. Er zieht einen tiefen Schnaufer ein. Die Katzenmahlzeit vom Geburtstagsabend füllt einen Löwenmagen wie ein Regentropfen den Ozean. Fast von ganz allein lenkt Bimbo nach links und tappt die drei Stufen zum Laden hinauf.
Eine Oma möchte mit zwei weichen Mummelsemmeln im Plastebeutel nach Hause, wo der Kaffee in der Kanne dampft. Da versperrt ihr der Löwe den Weg. Einen Schrei will die Oma aus ihrer Kehle reißen, sie seufzt nur bang, tapert rückwärts und drückt die Türflügel breit auf. Bimbo braucht bloß hindurchzumarschieren, doch er ist ein höfliches Tier. Einen Schritt tritt er zurück und gibt der Oma den Weg frei.
Im Laden sind alle wie gelähmt vor Schreck. Selbst die Kuchenbienen setzen mit dem Summen aus. Die Leute starren Bimbo an, der bescheiden vor der weit geöffneten Tür wartet. Er weiß, was sich gehört, die Oma soll den Vortritt haben. Aber sie klebt in ihrer grauen Kittelschürze gleich einer Fledermaus an der Tür. Aus purer Verlegenheit klopft Bimbo mit seiner Schwanzquaste auf die Stufen. Er hechelt kurz, weil er das Wasser im Maul nicht mehr zu bändigen weiß. Es tropft ihm vor lauter Appetit heraus. Nein, nicht vor Appetit auf die Oma, der Kuchenduft sticht ihm in die Nase. So stehen sie sich gegenüber, Löwe und Brötchenkäufer. Lange stehen sie so.
Da löst die Oma den Bann. Sie stürzt davon, den Beutel mit den Semmeln schleudert sie fort. Er trifft Bimbos Hinterteil, und mit einem Satz ist er im Laden.
Rette sich, wer kann!, kräht ein Maurerlehrling und hechtet ins oberste Brotfach.
Das Fräulein mit dem Strohhütchen hüpft in das Auslagenfenster. Hier kauert sie mit dem einen Knie in der Buttercremetorte und drückt mit dem anderen eine Zitronenrolle nieder. Ihr Rocksaum wedelt einen Windbeutelberg um.
Mätzchen Birnebaum springt auf den Verkaufstisch, schwingt sich auf die dicke Hängelampe und schaukelt wie ein Uhrpendel hin und her.
Die anderen fliehen mit lautem Geschrei, fegen Kuchenbleche zu Boden, werfen Brötchenkörbe um. Sie rasen durch die Backstube und retten sich durch das offene Fenster hinten hinaus.
Eingeklemmt im Warengang, zittert Fräulein Mehlstaub, die Verkäuferin. Heute sagt sie nicht, erst kommen die Erwachsenen dran. Unhörbar schiebt sich Bimbo auf seinen Polstersohlen vorwärts. Kreisrund weitet sich Fräulein Mehlstaubs Mund. Ohne Mühe würde ein Doppelbrötchen hineinpassen. Sie streckt dem riesigen Löwen die gespreizten Finger entgegen, um ihn aufzuhalten. Aber es hilft nichts. Er stapft über Brote, Semmeln, Kuchenstücke genau auf sie zu.
Da befiehlt Tine mit hoch erhobenem Zauberstab: Setz dich, Bimbo, schenk Pfötchen!
Wie ein geschulter Hund nimmt er Platz, und Emil und Tine rutschen von seinem Rücken. Dem Bäckerfräulein bietet Bimbo seine tellergroße Pfote und damit Freundschaft an. Kalkweiß setzt sich Fräulein Mehlstaub in einen Schneckenkorb.
Sie brauchen keine Angst zu haben, beruhigt Emil sie. Tine hat den Autostock von ihrem Vati mit.
Das tröstet Fräulein Mehlstaub nicht. Sie äugt mit schiefem Kopf auf die Löwenpranke. Wieder und wieder wischt sie sich ihre Hand an der weißen Schürze ab. Bimbo wird die Pfote schwer vom langen Halten. Er legt sie dem Bäckerfräulein in den Schoß.
Bestimmt hat er Hunger, sagt Tine leise, um Bimbos Schwäche zu entschuldigen.
Hunger!, stößt Fräulein Mehlstaub hervor. Hunger hat er, sagt sie noch einmal und langt ins Brotfach.
Was ist ein Vierpfünder für einen leeren Löwenmagen? Ein Happs, und das Brot versinkt wie in einem Kellerloch. Kurz wischt Bimbo mit der Zunge über Maul und Nase und sperrt wieder seinen Rachen auf. Erneut will das Bäckerfräulein ins Regal greifen.
Hier liegt genug herum. Wenn es recht ist, räumt Bimbo auf, sagt Tine hilfsbereit.
Fräulein Mehlstaub nickt. Bimbo geht an die Arbeit. Er räumt gründlich auf. Brot um Brot, Semmeln haufenweis lässt er verschwinden. Kuchen happst er hinunter, ohne auszusuchen.
Emil spürt das Strohhutfräulein in ihrem Versteck voll zerstörter Tortenstückchen auf. Hierher, Bimbo!, ruft er. Mit einem Aufschrei entflieht das Fräulein aus der Ladentür. Auf dem Fußboden lässt sie ihre Buttercremetapsen zurück. Bimbo leckt sie sauber auf, und dann steckt er seinen dicken Kopf ins Schaufenster.
Draußen an der großen Glasscheibe drücken sich Menschen dicht bei dicht die Nase platt. Bimbo stört es nicht. Er macht sich über den Nachtisch her. Zum Schluss schleckt er zart die Sahnetropfen von der Scheibe. Sofort ziehen sich die Zuschauer zurück. Sehr dünn scheint ihnen plötzlich die Glaswand.
Noch immer sitzt Fräulein Mehlstaub wie angebacken im Schneckenkorb. Tine und Emil helfen ihr beim Aufstehen, und da wird sie quicklebendig. Den leckersten Kuchen, der noch ganz geblieben ist, füllt sie in eine Riesentüte, während Bimbo das letzte Loch in seinem Magen mit den arg zerdrückten Zuckerschnecken stopft. Das Bäckerfräulein drängt Emil die Tüte auf und wedelt dann erregt mit den Armen. Es sieht aus, als wolle sie die Kuchenbienen verscheuchen, die auf der Suche nach dem letzten Krümel hin und her brummen.
Tine versteht. Bedank dich, mein Kleiner, sagt sie zu Bimbo. Er streckt brav eine Abschiedspfote hin. Vergeblich, gleich schaltet Fräulein Mehlstaub den Rückwärtsgang ein.
Eine Stadt sucht einen Mörder von Jan Flieger
Hinter jedem ungelösten Fall stehen Menschen, die nicht aufgeben. Die folgende Passage vermittelt einen Eindruck von der akribischen Ermittlungsarbeit der Kriminalpolizei.
Noch eine Viertelstunde Weg, denkt Lehmann, dann ist es geschafft. Er hebt den Kopf, setzt die Mütze ab und fährt sich mit der Hand durch das Haar, das noch dicht ist und schwarz, obwohl er die Fünfzig überschritten hat.
Er setzt die Mütze wieder auf.
Weiter!
Schwelle folgt auf Schwelle. Oft ist das Holz noch vereist, dann muss er achtgeben.
Da sieht er etwas Dunkles im Schnee, tief im Graben, neben dem ein Weg entlangführt. Vorsichtig klettert Lehmann hinab. Es ist ein Koffer, ein großer alter Koffer. Eine Eisschicht bedeckt ihn, die langsam schmilzt. Lange muss er hier schon liegen, sehr lange. Wie kommt ein Koffer in diese menschenleere Gegend? Lehmann kann keine Fußspuren entdecken.
Es ist ein geheimnisvoller Koffer. Das Schloss auf der einen Seite ist gesprungen, sodass Lehmann, als er sich hinhockt, vorsichtig den Deckel heben kann. Er blickt sich noch einmal um. Er ist allein.
Er hebt den Deckel an.
Kindersachen, sorgsam zusammengelegt, eine Hose, Strümpfe, ein Hemd, ein ...
Lehmann wird blass. Einen Augenblick lang setzt sein Atem aus. Er sieht eine Kinderhand! Er sieht ... Der Streckenwärter schnellt hoch, sein Herz rast. Er springt die Böschung hinauf auf die Schienen, läuft, läuft, läuft ... Er hat keine Angst mehr vor einem Sturz, er spürt keine Seitenstiche, er läuft, läuft keuchend, der Schreck treibt ihn vorwärts.
Seine Füße trommeln auf die Schwellen.
In seinen Ohren dröhnt es.
Weiter!
Er stolpert, aber er läuft weiter.
Ein Telefon!
Warum ist hier kein Mensch?
Weiß liegen die Felder zu beiden Seiten der Schienen, über die nun bald der D-Zug fahren wird, aber Lehmann denkt an keinen D-Zug, er denkt nur noch an eins, an das Telefon. Er stürzt, schlägt mit dem Kinn auf die Schienen, liegt einen Moment lang benommen, hetzt weiter, er spürt nicht das Blut auf den Lippen, sieht die Hand vor Augen, die er im Koffer sah. Die Kinderhand!
Im Koffer liegt ein totes Kind!
Das kleine Mädchen und der fliegende Fisch von Max Walter Schulz
Nicht alles, was zunächst bedrohlich erscheint, ist auch wirklich gefährlich. Die folgende Szene erzählt von Angst, Mut und einer überraschenden Entdeckung.
Das kleine Mädchen kam von einer Freundin. Dort hatten sie gespielt: auf dem Grünplatz vor den neuen Häusern.
Der Bruder der Freundin hatte den Mädchen sein gelbes Zelt aufgeschlagen. Wenn die Sonne darauf schien, war es innen in dem gelben Zelt noch viel gelber. Und als dann die Regenhusche gekommen war, sahen die grünen Grasbetten der Puppen ganz braun aus. Nach dem Regen fing draußen vor dem Zelt ein Geschrei an. Das waren Jungen.
Sie tanzten barfuß in den Pfützen. Sie schrien, sie wären fliegende Fische und Puppenräuber. Als eine Frau vorbeiging und mit den Bengels schimpfte, flogen die fliegenden Fische auf die Klopfstange. Da oben lauerten sie auf ihre Beute. Aber auf einmal waren sie verschwunden.
Nun ging das kleine Mädchen ganz allein mit ihrer Puppe nach Hause. Und einer von den fliegenden Fischen und Puppenräubern verfolgte sie. Ein krausköpfiger mit gestreiftem Nicki. Manchmal überholte er sie. Dann steckte er zwei Finger in den Mund und zog den Mund so breit wie ein Fischmaul. Dem kleinen Mädchen klopfte das Herz vor Bangigkeit. Es hielt die Puppe so fest im Arm, dass ihr der Arm schon wehtat.
Robina Crux von Alexander Kröger
Allein auf einer fremden Welt muss Robina Entscheidungen treffen, die über ihr Überleben bestimmen. Die folgende Passage führt mitten hinein in diese außergewöhnliche Situation.
Robina riss sich nur schwer aus der Erinnerung. Aber sie hatte das Gefühl, dass sie hier eine Zäsur anbringen sollte, schon weil sie das, was sie da auf Band gesprochen hatte, nicht mehr übersah. Erst recht war sie sich nicht im Klaren darüber, inwieweit eine solche Geschichte geeignet sein mochte, einem Erdfremden einen Eindruck von dem Geschehen auf dem dritten Planeten des Sonnensystems zu vermitteln. Schließlich rang sie sich zu der Meinung durch: Niemand könne das wissen. Sie würde das Gesprochene eine Weile ruhen lassen, es dann überarbeiten, auf den Raster übertragen und dann in die Wand brennen - basta.
Robina machte es sich bequem und hörte sich ab. Ein Pfeifton war da - ,Rückkopplung?
Hastig schaltete sie ab, drückte die Taste jedoch nicht gehörig durch, sodass der Nerven tötende Ton mit einer kurzen Unterbrechung abermals die Kabine durchheulte. Das gleiche Malheur passierte ihr beim zweiten Schalten. Ärgerlich setzte sie sich auf, da durchfuhr sie ein Gedanke. Sie empfand ihn so ungeheuerlich, dass ihr das Blut zu Kopfe schoss und sie ein leichter Schwindel erfasste.
Der Ton brach plötzlich ab, dann setzte nach einer Pause ihre Stimme ein, stockend, mit holprigen Formulierungen. Robina hörte nicht zu. Sie überlegte. Dann sprang sie auf, legte hastig einen neuen Tonträger ein und stellte den Kontakt her zwischen dem Aufnahmegerät und ihrem Funkempfänger.
Wenig später lag sie wieder auf der Liege und lauschte dem anschwellenden Ton der Anderen, der jetzt in drei Folgen vom Band kam. Robina drückte die Taste und schaltete sofort wieder ein. Naturgemäß wurde der Ton unterbrochen.
Obwohl eindeutig, reichte Robina der Test nicht. In großer Hast entfernte sie das Speichergerät aus ihrem Anzug und legte es aufnahmebereit neben das erste.
Sie wiederholte das Spiel mit der Taste in kurzen und längeren Abständen, hackte das stetige, melodische Signal erbarmungslos in Stücke.
Obwohl das Ergebnis von vornherein feststand, war es Robina wie eine Offenbarung: Vom zweiten Tonträger wurde die Zerstückelung exakt wiedergegeben.
Na wartet, Freunde!, rief sie.
Fieberhaft nestelte sie an ihrem Anzug, riss - und pfiff dabei aufs Reglement - die Nottasche auf und zerrte die Tabelle mit dem Raumcode hervor.
Schnell warf sie eine kurze Zeichenfolge auf einen Taschentaster und stürzte sich dann in den Anzug. Erst bei der Verschnürung der Fußgelenke, die einer besonderen Sorgfalt bedurfte, kam sie zu sich.
Zu spät für heute, murmelte sie nach einem Blick zur Uhr. Ich muss dazu frisch sein.
Aber dann konnte Robina nicht einschlafen.
Später griff sie zur Box und schluckte ein Kügelchen. Noch bevor sie der Schlaf ergriff, sah sie klobige Raumschiffe mit geöffnete Luken auf sich zuschweben. Mit einem Lächeln auf den Lippen schlief sie ein. -
Bleiben Sie ansonsten vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher weiterhin gewogen. In der kommenden Woche erwartet Sie unter anderem Zwei leere Stühle von Erik Neutsch.