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Zwischen Hoffnung, Abenteuer und Zukunftsvisionen Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
(Pinnow, 05.06.2026) Manche Bücher erzählen von fernen Welten, andere von sehr persönlichen Erfahrungen. Die fünf aktuellen Sonderangebote im E-Book-Shop von EDITION digital verbinden beides: Sie führen zu fremden Planeten und in unbekannte Länder, erzählen von mutigen Menschen und spannenden Ermittlungen und sie zeigen, wie verletzlich und zugleich widerstandsfähig das menschliche Leben sein kann.
Vom Freitag, dem 5. Juni, bis Freitag, dem 12. Juni 2026, sind die folgenden fünf E-Books zum Sonderpreis erhältlich.
Drei Tropfen Licht. Ein doppeltes Tagebuch von Aljonna und Klaus Möckel
Ein Mann, Schriftsteller, erhält einen bestürzenden Befund. In seinem Körper hat sich ein Tumor gebildet. Ist es Krebs? Eine Gewebeprobe bestätigt die Annahme. Für ihn und seine Frau, die gleichfalls literarisch tätig ist, bricht eine unruhige, sorgenvolle Zeit an.
In einem doppelten Tagebuch beschreiben Aljonna und Klaus Möckel die Monate der Ungewissheit, der Vorbereitung und Verarbeitung zweier Operationen. Unabhängig voneinander haben sie sich entschlossen, ihre Gedanken zu Papier zu bringen, wodurch aus zwiefacher Sicht ein eindringliches Bild dieses einschneidenden Geschehens entsteht.
Aber die Aufzeichnungen beschränken sich nicht auf die Darstellung der Vorgänge und die Wiedergabe von Bedenken oder Hoffnungen. Im Willen, die schwierige Zeit gemeinsam durchzustehen, weitet sich der Blick auf Familie, Erinnerungen und gemeinsame Lebenswege.
DREI TROPFEN LICHT ist Selbstanalyse und literarisch gestaltete Dokumentation, ein spannendes Buch, das durch seine Offenheit besticht.
Energie für Centaur Originalausgabe. Wissenschaftlich-phantastischer Roman von Alexander Kröger
Sechs Jahre lang sind dreihundert Menschen zum fernen Planeten Centaur geflogen, um dort mit einheimischen Ingenieuren eine gewaltige Energieerzeugungsanlage zu errichten. Doch bald häufen sich rätselhafte Vorfälle: Fahrzeuge verschwinden, seltsame Bauwerke tauchen auf und verschwinden wieder, und die Expedition droht zu scheitern.
Nur der junge Wissenschaftler Gernot Wach glaubt weiterhin an den Erfolg des Projekts und sucht nach einer Lösung.
Biberspur von Bernd Wolff
Joochen möchte herausfinden, wer auf einen Biber geschossen hat. Seine Nachforschungen führen ihn tief hinein in Fragen des Natur- und Artenschutzes, aber auch in Konflikte mit Erwachsenen und Gleichaltrigen.
Der spannende Jugendroman erschien erstmals 1979 und wurde später von der DEFA verfilmt.
Eilfracht via Chittagong von Wolfgang Held
Die Sachsenburg ist mit eiliger Ladung auf dem Weg nach Chittagong. Doch eine Solidaritätsfracht für die Befreiungsfront in Mosambik entpuppt sich als Falle.
Quarantäne, Entführung und politische Intrigen bringen Schiff und Besatzung in höchste Gefahr. Wenn die Seeleute scheitern, droht ein schwerer wirtschaftlicher Schaden.
Apokalypse Das zweite Leben von Alexander Kröger
Auch in dieser Woche richtet sich der Blick in der Rubrik Friday for Future auf eine Zukunft, die von den Folgen menschlichen Handelns geprägt ist.
Sieben Menschen erwachen unter rätselhaften Umständen in einem verfallenen Bergwerk. Während sie nach einem Ausweg suchen, entdecken sie Spuren einer von Menschen verursachten Katastrophe. Parallel dazu schildert Alexander Kröger die Ereignisse, die zur Apokalypse führten, und die Bemühungen der Überlebenden, Jahrzehnte später eine bessere Welt aufzubauen.
Der Roman verbindet spannende Science Fiction mit Fragen nach Verantwortung, technologischem Fortschritt und den Risiken menschlicher Fehlentscheidungen.
Lassen Sie sich von den folgenden Leseproben inspirieren und entdecken Sie Ihre neue Lieblingslektüre.
Drei Tropfen Licht. Ein doppeltes Tagebuch von Aljonna und Klaus Möckel
Den Anfang machen sehr persönliche Aufzeichnungen, die zeigen, wie Menschen mit Krankheit, Angst und Hoffnung umgehen.
Wenn eine Diagnose das Leben verändert, geraten Alltag und Zukunftspläne plötzlich ins Wanken. Die folgende Passage vermittelt eindrucksvoll die Gedanken und Gefühle dieser Zeit.
12. Januar, Klaus
Montag, und es
ging gleich wieder rund. Befunde vom Urologen für die Klinik abgeholt, dann
zwecks EKG zur Hausärztin gefahren. Der Versuch, bei der AOK die
Kostenübernahme für die Operation bestätigt zu bekommen, schlug fehl, es war
bereits geschlossen. Muss ich also morgen noch mal hin, doch das ist nicht das
größte Problem.
Dagegen drängen sich nun, da es ernst werden soll, wieder zweiflerische
Gedanken auf. Haben wir uns wirklich richtig entschieden, als wir die radikale
Variante wählten? Wird die anstehende "Voroperation" das erhoffte
Ergebnis bringen, oder sitzt die Krankheit zusätzlich in der Lymphe, die ja
noch nicht untersucht wurde? Das könnte die Lage wieder verändern und zwar
nicht zum Guten.
Ich hüte mich, dieses Thema Jonna gegenüber anzuschneiden und wende mich einer freundlicheren Angelegenheit zu. Während unserer Abwesenheit ist mein neues Kinderbuch eingetroffen, "Ein Hund mit Namen Dracula". Geld wird es kaum bringen, dafür brauchte es die Aufmerksamkeit der Medien, doch es ist sehr ansprechend gestaltet, und der Mensch freut sich.
Aljonna: 16.Januar
Heute ich wollte gerade aufbrechen, um unseren Sohn übers Wochenende zu holen rief die Krankenschwester aus seinem Heim an. Dans Arzt dürfte ihm nach neuen Regelungen der Gesundheitsreform ein bestimmtes, den Puls verlangsamendes Medikament, seine Hautärztin eine der Salben, die er benötigt, nicht mehr verschreiben. Ich müsste beides entweder selbst bezahlen oder aber mit den Doktoren über einen Ersatz reden, der genehmigt sei.
Zum Wochenende will ich mich mit diesem Problem nicht belasten, ich schiebe die ärgerlichen Gedanken, die sich einstellen wollen, sofort beiseite. Ich werde mich in den kommenden Tagen darum kümmern, Sonnabend und Sonntag kann ich sowieso niemanden erreichen. Außerdem muss sich Klaus am Donnerstag in der Klinik vorstellen, da wollen wir das letzte Wochenende, bevor es ernst wird, möglichst unbeschwert verbringen.
Energie für Centaur Originalausgabe. Wissenschaftlich-phantastischer Roman von Alexander Kröger
Von der Gegenwart geht es nun weit hinaus in die Zukunft und auf einen fernen Planeten.
Geheimnisse, technische Rätsel und unerklärliche Phänomene prägen die Arbeit der Expedition. Die folgende Szene führt mitten hinein in eine Entdeckung, die alles verändern könnte.
Gernot trat vorsichtig an den Rand. Unten, ebenfalls im diffusen Licht, sah er acht Komplexe, gut verkleidete Kolosse, und er hatte das Gefühl, es seien Turbinen. Und wie er so stand und in die Stille horchte, war es ihm, als ginge ein kaum spürbares Vibrieren von dem Raum aus ... Sollten sie laufen? Wenn, dann wären sie unvorstellbar leise. Und sofort dachte er an den ersten Abend im Kanon, an dem das Rumpeln der anderen Maschinen Josephin und ihn nicht hatte einschlafen lassen ...
Rechts von Gernot führte eine metallene Leiter nach unten. Viel Wartung durften die Maschinen den Betreibern nicht auferlegen, wenn sie nur so primitiv zugänglich waren.
Als Gernot die Hand auf den ersten der Kolosse legte, stellte er fest: Die Maschinen liefen!
Gernot umrundete den Komplex. Er fand so etwas wie eine Minischaltzentrale - mit centaurischer Beschriftung natürlich, die ihm so gut wie nichts sagte. Es blieb eine Möglichkeit, jeweils einen Schalter zu betätigen, in den Bau zurückzueilen und festzustellen, welcher Effekt eingetreten sei. Aber eine solche Methode schien Gernot zu langwierig und vielleicht auch nicht wirksam genug. Ein Alarmsystem wurde sicher erst ausgelöst, wenn Schwerwiegenderes geschah, Lebenswichtiges gefährdet wurde. In diesem Zusammenhang interessierte Gernot ein grell- farbener Knopf, der in eine handgroße Nische der Wand eingelassen und mit einem Keramikkäfig abgedeckt war, zumindest sah das, was ihn umgab, wie glasierte Keramik aus.
Lange genug gezögert, sagte sich Gernot. Mit einer Zange führte er einen harten Schlag gegen das starre Geflecht. Zuviel Kraft! Das Material zerstob förmlich in winzige Krümel.
Noch einen winzigen Augenblick zauderte Gernot, dann drückte er mit dem Handballen den Knopf.
Zwei, drei Sekunden geschah nichts. Gernot stand in erstarrter Haltung, dann irgendwo ein dumpfer Knall, als ob ein schwerer Schalter fiele. Plötzlich Finsternis. Einen Augenblick bildete sich Gernot ein, es werde gleichzeitig kälter. Jetzt erst ließ er von dem Knopf, tastete nach seiner Lampe. Da dämmerte wieder Licht auf, ein wenig trüber als vordem, glaubte Gernot. Eine Notbeleuchtung sicher, gespeist von Akkumulatoren.
Plötzlich ein Singen hinter Gernot. Er fuhr herum, nichts, dann begriff er: Die Turbinen liefen aus, hatten eine Drehzahl erreicht, die dieses Geräusch für einige Minuten hervorrief.
Na also! Das Ganze - halt! Wenn das nichts Alarmierendes war!
Aber Mut brauchte Gernot erst für die kommende Phase. Erstens war es denkbar, dass seine Annahme völlig falsch war, zweitens, wie ernst nahmen die Centauren einen Alarm, und drittens, wann konnten sie tatsächlich zurück sein? Gernot setzte sich eine Frist. Wenn bis zum Morgen um sechs Uhr die Situation sich nicht geändert hatte, würde er aufbrechen. Das waren immerhin noch acht Stunden ....
Apokalypse Das zweite Leben von Alexander Kröger
Zwischen Hoffnung auf einen Neuanfang und den Schatten der Vergangenheit müssen die Überlebenden schwierige Entscheidungen treffen. Die folgende Passage gewährt einen Einblick in diese faszinierende Zukunftswelt.
Carlos und Lisa informierten über ihren Ausflug. Den Landeplatz in den zerklüfteten Bergen hätten sie ausgemacht. Doch dann riss Lisa die Berichterstattung völlig an sich, sie erklärte, sie habe Carlos beschwatzt, Marys Dorf zu suchen und dort zu landen. Es sei noch armseliger als Ziti. Der Sturm neulich habe viel verwüstet, auch Verletzte gefordert, und es gäbe gerade für sie als Ärztin dort eine Unmenge zu tun. Sie stelle aus all diesen Notwendigkeiten heraus den Antrag an die Schiffsleitung, sie auf Flora zurückzulassen, vorläufig bis zu einem Zeitpunkt, zu dem eine nachfolgende Expedition von der Erde eintreffe.
Nun war zunächst die Überraschung auf unserer, vor allem auf meiner Seite. Lisa forderte Entscheidungen, überraschend und unüberlegt, die sie taktvollerweise erst mit mir als ihrem langjährigen Gefährten hätte beraten sollen. Ich fühlte mich brüskiert und vor den Kameraden bloßgestellt. Friedrun hob ihren Blick nicht vom Teller.
Du spinnst!, sagte Bruno. Ich betrachte das als ulkige Einlage zum gehobenen Abendessen. Er wurde ein wenig schärfer als Lisa zum Protest ansetzte und schnitt ihr das Wort ab. Darüber diskutieren wir nicht, Lisa. Die Verantwortung für die Mannschaft habe ich!
Lisa schmollte, aber sie hielt sich zurück.
Na, Friedrun, Sam, lasst eure Neuigkeiten schon los!, forderte da auf einmal Bruno, und er lächelte versöhnlich, offenkundig auch, damit Lisas Gerede wegen keine Verstimmung in die Runde drang.
Ich musste trotz allem lachen. So sehr sah man uns also das Mitteilungsbedürfnis an. Und in der Tat, ich brannte darauf, von unserer Entdeckung zu berichten. Fast hatte ich befürchtet, Lisa stehle uns die Schau.
Wir erzählten.
Ich achtete darauf, dass wir uns ergänzten, dass Friedrun nicht in meinen Schatten geriet. Irgendwo hatten meine Gefühle an diesem Tag einen Knacks bekommen, und irgendwie begann ich Friedrun mit anderen Augen zu sehen, was ich wiederum in meinem Verhalten ihr gegenüber ausdrücken wollte, ungerichtet zunächst.
Selbst Lisa vergaß über unseren Bericht ihr Schmollen. Es wurde hin und her spekuliert, gemutmaßt, geplant. Bruno mischte sich nur in inhaltliche Fragen.
Jedem am Tisch schien klar, dass diese Entdeckung unsere gesamte weitere Arbeit prägen, zu neuen Erkenntnissen führen, wir den Rest der Zeit der Anwendung dieser Erkenntnisse widmen würden.
Um so mehr schlug dann Brunos Vorschlag in die Runde ein. Also, begann er, es wäre aus dem, was Friedrun und Sam hier vorlegen, ein Fazit zu ziehen. Ich schlage vor: Lisa, Sam und Friedrun sichern den Fund, führen alle notwendigen weiteren Untersuchungen in der TELESALT durch. Eine Woche wird es dauern, denke ich. Wir anderen arbeiten im Programm. Nach dieser Woche stoßen die drei wieder zu uns. Die Auswertung dessen, was da in den Kassetten liegt, nehmen wir auf dem Rückflug zur Erde vor. Ich bin bereit, dafür etwas später in die Anabiose zu gehen. Einverstanden?
Es herrschte Schweigen.
Inge, die noch an einem Toast knabberte, unterließ selbst das Kauen. Die Stille lastete.
Ich dachte über Brunos Worte nach, nachdem ich einen spontanen Protest unterdrückt hatte. Und nach wenigen Augenblicken wusste ich, dass ich mich wieder einmal der Logik seiner Argumente beugen würde. Verführen wir anders, entstände messbarer Schaden, während ein Nutzen äußerst zweifelhaft blieb. Ich vergrub also meinen anfänglichen Groll, hielt mich dennoch zurück, Bruno spontan zuzustimmen.
Biberspur von Bernd Wolff
Auch junge Menschen können Großes bewirken, wenn sie nicht wegsehen.
Joochen will der Natur helfen und stößt dabei auf Schwierigkeiten, mit denen er nicht gerechnet hat. Die folgende Passage zeigt, wie aus Neugier und Engagement Verantwortung entsteht.
Allmählich starben die Gedanken in ihm ab, und ihm war nur noch kalt, und er bekam jetzt seine roten Finger auch in der Achselhöhle nicht mehr warm.
Er blickte wieder und wieder zur Uhr, und um dreiviertel fünf sagte er sich: Bis um fünf musst du noch durchhalten, aber dann gehst du. Bist ja steif wie ein Texas-Ranger nach einem Dreitageritt. Bis um fünf, nicht eine Minute länger!
Er blickte jetzt andauernd zur Uhr und konzentrierte sich weniger auf das Wasser, und um sich zu zwingen, nicht immer nur aufs Zifferblatt zu starren, zählte er die Sekunden, aber wenn er hinsah, war immer weniger Zeit vergangen, als er errechnet hatte.
In dem Moment, als er aufstehen wollte, sah er den Strich. Er war schwarz und lang wie ein Schuh und näherte sich mit der stetigen Geschwindigkeit eines Satelliten fern am Himmel, nur dass er sehr nah war, fast greifbar.
Joochen ruckte so gewaltig an der Leine, dass er mit dem Klappstuhl umfiel, und er nahm dabei noch wahr, wie das Querholz hinter den Stellpflöcken hochschoss und auf das Ufer schlug, und dann sah er, dass in dem Netzsack, der sich gebildet hatte, etwas hin und her sprang, aber er sah auch, dass es für einen Biber viel zu klein war.
Eine Bisamratte, schoss es ihm durch den Kopf, sie wird das Netz zerbeißen, und er rutschte den glitschigen Hang hinab bis zum Netz, in dem das Tier sprang, und vor lauter Verzweiflung trat er auf den zuckenden Körper, und sein Stiefel versank bis über die Knöchel im Schlamm. Aber als er den Fuß herauszog und das Netz hinterher, zappelte die Bisamratte immer noch, und er spürte, wie sie von unten versuchte, in seine Stiefelsohle zu beißen. Er schleuderte das Bündel ins Wasser und trat wieder drauf, und es dauerte eine unvorstellbar lange Zeit, bis sie sich nicht mehr bewegte.
Dann nahm Joochen seine Beute auf, löste sie aus den Maschen des Netzes, trug sie am Schwanz, erklomm den Abhang, wischte sie im tauigen Gras von dem anhaftenden Schlamm sauber.
Er fühlte sich erbärmlich. Nichts von Freude und Hochstimmung war in ihm. Er war losgezogen, um der Wissenschaft zu helfen, er war früher aufgestanden als alle anderen, und dann hatte er ohne Grund getötet. Er wollte ein Naturschützer sein und hatte ein Lebewesen umgebracht, wenn es auch nur eine Ratte war, eine schädliche Bisamratte. Aber im Grunde war er nicht besser als Eule. Um keinen Deut.
Das Netz ließ er am Ufer liegen.
Er dachte: Das kann man am nächsten Morgen stellen. Da sah er, dass die Sonne schon begann, hinter den Nebeln aufzusteigen.
Also heute. Heute nach dem Aufstehen werden wir das Netz neu stellen. Für den Biber. Ich glaube, sie hat nichts zerbissen, wenigstens ein Vorteil.
Und während er mit hängenden Schultern und traurig schlenkernder Beute zum Zelt zurückstiefelte, wurde ihm bewusst: Nie hätte ich einen Biber bewältigt! Ich hatte mit der kleinen Ratte schon mein Tun, und ich habe sie getötet, aber den Biber hätte ich bewältigen müssen, ohne ihm ein Härchen zu krümmen! Wie macht das Randolf bloß!
Er merkte, dass ihm zu Gordon Byk noch eine Menge fehlte.
Eilfracht via Chittagong von Wolfgang Held
Nun wird es international und hochspannend.
Nicht immer sind die größten Gefahren auf hoher See zu finden. Die folgende Szene zeigt, wie eine scheinbar normale Reise plötzlich zu einem gefährlichen Machtspiel wird.
Plötzlich ist das Schütteln und Rumpeln zu Ende. Der Sanitätswagen hält. Das Geräusch des Motors verstummt. Stimmen dringen in das Innere des Fahrzeugs.
Heinz Hageneier und Jutta Sensenbeck liegen angeschnallt auf den in Schienen festgeklinkten Tragen. Sie sind allein. Die Droge wirkt noch immer. Ihnen fehlt jedes Gefühl für Zeit. Alles, was den weißen Damm der Lethargie durchdringt, ist sanft und fließend, ohne harte Konturen.
Die beiden Flügel der hinteren Wagentür werden geöffnet. Nacht umgibt das Sanitätsfahrzeug. Am ungewöhnlich klaren Himmel flimmert phantastisches Sternenfeuer. Kaltes Licht färbt von tiefschwarzen Horizonten bis zum Zenit das Firmament tintenblau. Ein Portugiese ruft in seiner Landessprache Kommandos. Heinz Hageneier kann den Mann im Zwielicht erkennen. Es ist der Krankenpfleger, der ihnen die angeblich stärkenden Injektionen verabreicht hat.
Weißgekleidete Gestalten ziehen die Tragen aus dem Wageninneren. Die beiden Entführten werden zu einer der seltsamen Behausungen getragen, deren schwarze Umrisse, gewaltigen Bienenkörben ähnlich, eine Lichtung füllen.
Eigenartiger Geruch schlägt Heinz Hageneier und Jutta Sensenbeck entgegen. Die Kindergärtnerin muss an Mottenkugeln und Moos denken. Der Kapitän wird an eine Kräutertinktur erinnert, die sein Großvater gegen Furunkel, Gliederschmerz und Halsentzündungen zusammengebraut hat, bevor er das Geheimnis der Rezeptur mit ins Grab nahm.
Am hölzernen Seitenpfosten hängt eine elektrische Handlampe. Halbverbrauchte Batterien speisen kärglichen Schein. Außer zwei dürftigen Lagerstätten, hergestellt aus armdicken Ästen und geflochtenen Bastfasern, gibt es keine Einrichtungsgegenstände in dem kreisrunden Raum. Der niedrige Eingang ist mit zerschlissenem Sacktuch verhängt.
Einige der Weißgekleideten haben bandagierte Gliedmaßen. Bei einem fehlt ein ganzer Arm. Es sind ausnahmslos Afrikaner. Sie befreien den Kapitän und die Frau von den Lederriemen, mit denen die beiden an den Tragen festgeschnallt sind. Die Bewegungsfreiheit dauert jedoch nur wenige Augenblicke.
Blitzschnell und geübt werden die Arme der Verschleppten in grobgewebte Jackenärmel gestoßen. Diese Schläuche werden zu den Enden hin immer schmaler und laufen schließlich als daumendicke, abgesteppte Bänder aus.
Zwangsjacken!
Heinz Hageneier und Jutta Sensenbeck werden auf die primitiven Pritschen gelegt. Ihr Widerstand bleibt kraftlos. Man bindet ihnen locker die Beine, dann bekommt jeder eine beißend nach irgendeinem billigen Desinfektionsmittel riechende Decke. Der Krankenpfleger schickt die schweigsamen Helfer fort. Er prüft die Fesseln, zieht fürsorglich die Decken zurecht, lächelt den Entführten zu und sagt ein paar freundlich klingende Worte, ehe er die Lampe ausschaltet und die Hütte verlässt.
Bleiben Sie ansonsten vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher weiterhin gewogen. In der kommenden Woche erwartet Sie unter anderem Gaius Julius Caesar. Aufstieg und Fall eines römischen Politikers, die faszinierende Biografie von Waldtraud Lewin.