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Endlich ein Mann sein von Heinz Kruschel
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Preis E-Book:
7.99 €
Veröffentl.:
04.11.2014
ISBN:
978-3-95655-128-4 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 286 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Liebesroman/Erwachsenwerden, Belletristik/Liebesroman/Geschichte/20. Jahrhundert, Kinder-und Jugendbuch/Liebe und Romanze, Kinder-und Jugendbuch/Familie/Eltern, Kinder-und Jugendbuch/Soziale Fragen/Jugendalter, Kinder-und Jugendbuch/Soziale Fragen/Tod und Sterben
Kinder/Jugendliche: Familienromane, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen: Familie, Kinder/Jugendliche: Liebesromane, Freundschaftsromane, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen: Tod und Trauer, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen: Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein, Liebesromane, 20. Jahrhundert (1900 bis 1999 n. Chr.)
Jugendliebe, Lehrstelle, Tod, Nachprüfung, Tischler, Müllkutscher, DDR
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Der Wind pfeift aus Wolkenlöchern, als sich die Verschwörer treffen.

Nickel kommt sich nicht gemein vor, weil er zu James, den Kora doch bestellt hat, sagt: „Wir brauchen dein Motorrad nicht, eine Taxe wird kommen.“

Kora protestiert, aber James sagt: „Lass, es ist besser so, und ich muss mich ohnehin noch spritzen, habe es einmal heute vergessen.“

Nickel bekommt einen kleinen Schreck. Spritzen? Also süchtig?

Die Taxe kommt. Der Fahrer ist ungeduldig, er hat noch andere Bestellungen. Oma klettert gleich nach hinten.

Nickel verstaut mit dem Fahrer die Koffer und Taschen. Und James sagt zu Kora: „Fahr mit, hab dich nicht so, eine alte Frau auf dem Motorrad, was soll das.“

Primasz steht im Tor und hebt die rechte Hand zu einem magischen Zeichen und macht ein trauriges Gesicht.

Sie sind schnell auf dem Spionskopf. Als sie ankommen, bricht die Sonne durch die Wolkendecke, ein guter Wink, der Himmel blinkt seine Zeichen: In Ordnung, willkommen, alles okay, die Welt ist offen.

Oma bemerkt nicht einmal, dass Nickel gestern die Kachelöfen geheizt hat. Sie geht, als müsste das so sein, in der wohligen Wärme durch ihr Häuschen, von Zimmer zu Zimmer.

„Wie durch ihr Leben geht sie“, flüstert Kora.

Ist auch so. Überall sieht sie Bilder, erinnert sie sich. Das Foto. „Goldene Hochzeit, da hat Jan mit allen Frauen getanzt, nur mit mir nicht, ich konnte schon damals mit den Beinen nicht mehr so richtig.“

Ein Kistchen aus Sperrholz. „Hat er gemacht, für sein Rasierzeug, das gehört nun dir, Nickel.“

Darüber kann Kora nur lachen, denn Nickel ist glatt im Gesicht, zu seinem Kummer.

Jans Schnitzmesser, Jans Handwerkszeug, Jans Abschiedsgeschenk von der Reichsbahn, Jan mit seinem Vater in der Uniform eines Infanteristen des ersten Weltkrieges. „Zwei Wochen später fiel sein Vater, und Jan wurde achtzehn Jahre alt und erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse.“

Der vertrocknete Hochzeitsstrauß. „Es war so kalt, dass es hier oben kein Wasser gab und Spatzen steif von den Ästen fielen.“

Kora und Nickel folgen Henny und unterbrechen sie nicht. Ihnen ist zumute, als tappe einer mit ihnen durchs Haus, Opa Jan.

Eine Hose, die sie glättet, Bügelfalte auf Bügelfalte. „Die muss in die Reinigung.“ Das karierte Hemd auch. Seine Uhr, die sie ins Fach, und das Halmaspiel, das sie in die Schublade des Küchentisches legt. In dieser Lade liegen Skatkarten, Würfel und Mikadostäbchen geordnet neben klein geschnittenen Zetteln, auf denen die Punkte des Siegers und die des Verlierers notiert wurden. Jan war meistens der Verlierer.

Eine Mandolinenschleife. „In der Jugendbewegung habe ich ihn kennengelernt, er kam aus einer Sekte zu uns.“

Henny stützt sich auf Kora. „Lebt euer Leben, seid riesengroß und zwergenklein, hat er gesagt, oder hieß es riesenklein und zwergengroß ..." Sie bittet Kora, einen Schrank aufzuschließen, in dem eine Kassette steht. Dieser Kassette entnimmt sie ein Buch und gibt es Nickel. „Für dich.“

Nickel liest: „Klabund. Bracke. Ein Eulenspiegelroman. Deutsche Buchgemeinschaft.“

„Das will ich gar nicht lesen“, sagt er. Oma lächelt nachsichtig.

Überall Jans Spuren. Ein Schaukelgerüst im Garten, das er für Hannchen, die in einem Wüstenland lebt, und für Nickel, den Helden, gebaut hat. Die alten Rosen, zwischen denen er gelegen hat. Die vielen kleinen Tellerchen für die wilden Katzen, die jeden Abend kommen. Der Arbeitsschuppen, in dem die Hobelbank steht. Die hölzernen Tiere, die Schnäbel und Mäuler aufreißen und deren Beine gerissen sind. Auf ihren Rücken grünt es moosig. Am Zaun lehnt eine Harke. Vielleicht hat Jan sie hingestellt, als ihm schlecht wurde.

Nickel will einkaufen gehen. Kora bringt ihn zur Gartentür und sagt: „Das muss eine große Liebe gewesen sein, Mann, an solcher Liebe muss man ja sterben können.“

„Aber die haben sich fast jeden Tag gezankt, sage ich dir.“

Kora schüttelt den Kopf, Nickel sieht ihr an, dass sie über das Gehörte und Gesehene nachdenken möchte.

Endlich ein Mann sein von Heinz Kruschel: TextAuszug