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Ein Schneemann für Afrika. Eine Liebesgeschichte für Kinder von Christa Kozik
Autor:
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Preis E-Book:
3.99 €
Veröffentl.:
10.03.2026
ISBN:
978-3-68912-655-1 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 151 Seiten
Kategorien:
Kinder-und Jugendbuch/Legenden, Mythen, Fabeln/Andere, Kinder-und Jugendbuch/Mädchen und Frauen, Kinder-und Jugendbuch/Soziale Fragen/Freundschaft
Kinder/Jugendliche: Märchen, Sagen, Legenden, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen. Freunde und Freundschaft
Schneemann, Afrika, Abenteuer, Freundschaft, Meer, Schiff, Matrose, Mädchen, Wunder, Magie, Reise, Hafen, Kinderbuch, Seefahrt, Weihnachten, Tropen, Äquator, Tierfreunde, Humor, Fantasie
6 - 99 Jahre
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Unten in der Hafenbucht schaukeln die kleinen Boote mit den roten Segeln. Dort hört man Musik auf dem Wasser. Die kommt aus dem großen Schiff, das „Pinguin“ heißt und aus dem Eismeer kommt. Das weiß Asina von Onkel Kamuk.

Aber ein anderes Schiff ist nicht zu sehen. Auch Onkel Kamuk kann Asina nicht unter den Männern finden.

Asina schlendert weiter zum Strand und taucht die Füße ins Wasser, dass die kleinen Wellen ihre Fußsohlen kitzeln.

Über Nacht haben die großen Wellen aus der Tiefe viele Muscheln und Meeresschnecken an den Strand gespült.

Kleine weiße, braune und zartrosa Porzellanmuscheln, zartgeädert mit wundersamen Mustern, wie sie nur die Natur malen kann. Manche gleichen kleinen Porzellantieren.

Kauri-Muscheln heißen sie. Und vor uralten Zeiten, so hat Onkel Kamuk erzählt, wurden sie von den Menschen als Geldstücke benutzt.

Das muss eine glückliche Zeit gewesen sein, hatte Onkel Kamuk gesagt, als man sein Geld noch in der Natur finden konnte. Die schönsten Muscheln galten als die wertvollsten.

Asina hat große Freude an den Muscheln. Sie sammelt alle in ihr Taschentuch, die kleinen Stachelschnecken, Schraubenschnecken, Zahnschnecken. Und dieses schöne zartrosa Gebilde ist eine echte Venusmuschel.

Dann kennt Asina noch Klappmuscheln, Posthörnchen und Käferschnecken, Sonnenmuscheln und Mondsterne.

Fünfundzwanzigtausend Arten gibt es in den Meeren, sagt Asinas Lehrer, Herr Nilas. Die kennt Asina natürlich nicht alle. Auch Herr Nilas nicht. Denn jede Muschel sieht anders aus.

Bingo sammelt eifrig mit. Er nimmt jede Muschel in seine kleine Affenhand, schiebt sie sogleich in den Mund und prüft, ob sie essbar ist. Wenn er die harte Schale der Muschel spürt, stößt er einen ärgerlichen Affenschrei aus und gibt sie Asina.

Asinas Taschentuch ist längst voll. Sie knotet es zusammen und versteckt es hinter einem Baumstamm. Dann sammelt sie weiter, indem sie das Kleid vorn wie eine Schürze anhebt und die Muscheln und Schnecken hineinlegt.

Dabei träumt sie ein bisschen vor sich hin. Gern würde sie eines der großen weißen Schiffe besteigen und in die Ferne fahren. Und dort könnte sie lustige Dinge kaufen und allen etwas Schönes mitbringen.

Mama eine Brille, damit sie besser die Namen und Adressen auf den Briefen lesen könnte, die sie den Leuten als Postbotin jeden Tag bringen muss. Papa würde sie ein kleines Kofferradio kaufen, weil er sich das schon lange wünschte. Den Brüdern vielleicht einen Fußball oder Boxhandschuhe. Und Onkel Kamuk ein Hörgerät, weil er manchmal so schlecht hört.

Da sieht sie plötzlich vor sich eine wunderschöne weißrosa Muschel. Sie ist größer als Asinas Hand, und innen schimmert sie perlmutterfarben und zartlila.

So eine Muschel findet man nur an einem Glückstag. Vielleicht ist heute mein Glückstag, denkt Asina und hält sich die große Muschel ans Ohr.

Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber in manchen großen Muscheln oder Meeresschnecken hört man das Rauschen des Meeres. Das ist rätselhaft und wundersam. Aber wer es einmal gehört hat, der weiß es.

Asina lauscht verzückt diesem fernen Meeresrauschen in der Muschel. Dann nimmt sie die Muschel vom Ohr und flüstert in ihre zartrosa Öffnung hinein wie in einen Telefonhörer: „Wann kommt das Schiff mit Karli aus Rostock?“ Ganz fern und gleichmütig rauscht das Meer an Asinas Ohr, rauscht und rauscht.

Da bläst Asina hinein, und dabei erklingt ein wundersamer Ton. Der Ton des Muschelhorns. Er trifft mitten ins Herz und erweckt im Menschen eine große Sehnsucht nach der Ferne.

Diese Muschel wird sie Karli zur Begrüßung schenken. Und sie wird ihm sagen, dass er sie ans Ohr halten kann, wenn er in seinem Europa Sehnsucht nach ihr hat.

Auch Bingo hält sich jetzt die Muschel ans Ohr und bekommt ein verzücktes Affengesicht.

Asina packt alle ihre Schätze zusammen und schlendert zurück zum Hafen. Onkel Kamuk ist jetzt da. Aber er ist beschäftigt, denn er hilft den Fischern, die heute gefischt haben, die Kisten aus den Booten zu verladen und sie mit Sand zu bestreuen, um die Fische ein wenig vor der Sonne zu schützen.

Asina stellt sich neben Onkel Kamuk. Sie will ihm die Muscheln zeigen. Aber Kamuk sagt nur kurz: „Tag, Asina, geh weg, sonst machst du dir dein schönes Sonntagskleid schmutzig.“

Traurig trottet Asina mit Bingo nach Hause.

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