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Zwischen Ideologie, Abenteuer und Verbrechen – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

(Pinnow, 20.03.2026) – Der März schreitet voran, und mit ihm wächst die Vorfreude auf den Frühling. Doch während draußen noch ein kühler Wind weht, sorgen die neuen digitalen Sonderangebote im E-Book-Shop www.edition-digital.de bereits für reichlich Abwechslung – gedanklich wie geografisch.

Die fünf aktuellen Titel, die von Freitag, dem 20.03.2026, bis Freitag, dem 27.03.2026, zum Sonderpreis erhältlich sind, führen ihre Leser von politischen Grundsatzfragen über abenteuerliche Expeditionen bis hin zu kriminalistischen Verwicklungen – und schließlich mitten hinein in die letzten, verheerenden Monate des Zweiten Weltkriegs.

Ein Buch vom Kommunismus von Hans Bentzien

Was bleibt vom Kommunismus – als Idee, als Hoffnung, als historische Erfahrung? Hans Bentzien nähert sich diesen Fragen aus persönlicher und zugleich reflektierter Perspektive.

Dabei geht es nicht nur um politische Theorie, sondern um gelebte Geschichte, um Überzeugungen, Irrtümer und Entwicklungen, die ein ganzes Jahrhundert geprägt haben. So entsteht ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dazu einlädt, sich mit einem der großen Themen der modernen Zeit neu auseinanderzusetzen.

Labyrinth im Kaoko-Veld von Dietmar Beetz

Eine Reise in eine der entlegensten Regionen Afrikas wird zum gefährlichen Abenteuer. Im Kaoko-Veld, einer kargen und zugleich faszinierenden Landschaft, geraten Menschen in Situationen, die sie an ihre Grenzen bringen.

Dietmar Beetz erzählt eine packende Geschichte von Orientierungslosigkeit, Überlebenswillen und der Konfrontation mit einer Natur, die ebenso schön wie unerbittlich ist. Ein Roman, der den Leser mitten hineinführt in ein Labyrinth aus Landschaft, Zufall und menschlichen Entscheidungen.

Das Quartett von Wolfgang Schreyer

Vier Menschen, vier Schicksale – und ein Geflecht aus Beziehungen, Geheimnissen und Spannungen. Wolfgang Schreyer entwickelt in diesem Kriminalroman eine vielschichtige Geschichte, in der nichts so einfach ist, wie es zunächst scheint.

Mit sicherem Gespür für Dramaturgie und Atmosphäre erzählt er von Schuld, Verantwortung und den oft verborgenen Motiven menschlichen Handelns. „Das Quartett“ ist ein Krimi, der nicht nur durch seine Handlung, sondern auch durch seine Figuren überzeugt.

Falschgeld von Heiner Rank

Falschgeld bringt nicht nur wirtschaftliche Unruhe, sondern zieht auch ein Netz aus Täuschung, Misstrauen und krimineller Energie nach sich. Heiner Rank erzählt von Ermittlungen in einem Milieu, in dem nichts echt ist – außer der Gefahr.

Dabei entfaltet sich eine spannende Geschichte, in der sich die Grenzen zwischen Tätern und Getäuschten immer wieder verschieben. Ein Kriminalroman, der zeigt, wie schnell man in einen Strudel aus Betrug und Verbrechen geraten kann.

Berlin. Der große Krieg im Osten, 3. Buch von Theodor Plievier

Auch in dieser Woche führt die Rubrik Friday for Future zurück in die Zeit des Zweiten Weltkriegs – diesmal in dessen letzte Phase.

Mit „Berlin“ schließt Theodor Plievier seine monumentale Trilogie über den Krieg im Osten ab. Er schildert den Zusammenbruch, das Vorrücken der Roten Armee und das Ende in den Trümmern der Hauptstadt – eindringlich, schonungslos und aus der Perspektive der Menschen, die diesen Untergang erleben.

So wird auch dieses Buch zu einer eindringlichen Mahnung gegen Krieg, Ideologie und das Vergessen.

Der Kommunismus ist nicht nur eine politische Theorie, sondern auch gelebte Geschichte mit all ihren Widersprüchen. Die folgende Passage aus „Ein Buch vom Kommunismus“ von Hans Bentzien zeigt, wie eng persönliche Erfahrungen und große historische Entwicklungen miteinander verknüpft sein können.

1869 wurde die Sozialdemokratische Arbeiterpartei gegründet. Sie entwickelte sich zunächst zu einer revolutionären Partei. Ausgestattet mit der Anteilnahme und mit Ratschlägen von Marx und Engels, war sie unter den Arbeitern, besonders unter den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern, aktiv. Unter Anwendung aller Gesetze wurde versucht, ihre Ausweitung zu verhindern, was sich aber als erfolglos erwies, da das Klassenbewusstsein der Arbeiter durch die revolutionäre Agitation stärker wurde.

Da kam der herrschenden Klasse ein Vorfall zu Hilfe. Im Jahre 1878 wurden von zwei Männern, die mit der Partei nichts zu tun hatten, kurz hintereinander zwei Attentate auf Kaiser Wilhelm I. verübt. Sie schlugen fehl, und sofort wurde eine Hetze im ganzen Land entwickelt, die Sozialdemokratie hätte diese Attentate geplant. Die Attentate waren in Wirklichkeit typische Provokationen, sie lieferten Vorwände für grobe Maßnahmen gegen die gesamte Arbeiterbewegung. Sofort wurden Neuwahlen ausgeschrieben, um die Arbeiterbewegung durch eine große Hetze aus dem Parlament zu entfernen. Das gelang nicht, neun Abgeordnete der Partei zogen in den Reichstag ein. Bebel sprach im Namen der Partei: „... Die Regierungen können machen, was sie wollen, sie können uns doch nicht ernsthaft an den Kragen. Die Arbeiter werden, dessen seien Sie sicher, mit der äußersten Zähigkeit für ihre Überzeugungen eintreten, sie werden in Werkstätten, in Fabriken, in der Familie und im Bierhaus, auf der Eisenbahn, sonntags auf Spaziergängen und an vielen anderen Orten, wo sie niemand genau zu kontrollieren imstande ist, zusammenkommen. Und diese Tätigkeit lahmzulegen wird Ihnen ganz unmöglich sein.“

Die Partei wurde verboten, Bebel hatte für die Illegalität die taktischen Hinweise gegeben, und er hatte recht behalten. Zwar wurden Versammlungen und Zeitungen verboten, viele Funktionäre wurden aus ihren Heimatorten ausgewiesen, aktive Parteimitglieder von den Unternehmern entlassen, aber die Partei lebte weiter. In den zwölf Jahren schlossen sich die Sozialisten enger zusammen, und viele neue Kräfte, denen die Haltung der Genossen gefiel, stießen zu ihnen. „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“, hieß es in einem Spottvers. In der Schweiz wurde die zentrale Zeitung der Partei ein Jahr nach ihrem Verbot herausgegeben und heimlich mit der „Roten Feldpost“ nach Deutschland geschmuggelt. Sie hieß „Der Sozialdemokrat“ und hatte großen Anteil am Zusammenhalt der Parteimitglieder.

Doch wie in jeder schwierigen Lage gab es in dieser großen Partei auch Kräfte, die den Kampf nicht durchstehen wollten und der Partei vorschlugen, einen Ausgleich mit den Herrschenden zu finden. In mehreren illegalen Konferenzen setzten sich die Delegierten mit diesen Leuten auseinander und wiesen ihre Kapitulationsangebote zurück. Die Diskussionen wurden anhand der Hinweise von Marx und Engels geführt. Man nennt diese falsche, versöhnlerische Meinung Opportunismus. Er sollte später der Partei noch viel Schaden bereiten.

Es gab auch einzelne Genossen, die nicht für einen beharrlichen Kampf und die mit ihm verbundene Kleinarbeit waren, sie wollten den Terror als Kampfmethode der Partei einführen. Die Partei wies auch diese falsche Ansicht zurück und schloss Anhänger dieser Richtung aus ihren Reihen aus. Die Arbeiterbewegung hatte schon ihre Erfahrung mit den Terroristen und bezieht damals wie heute dazu eine klare Haltung: Ein paar Bomben sind schnell gebastelt und geworfen. Der Schaden ist von der Bourgeoisie leicht zu verschmerzen. Aber die Verfolgungen nehmen zu, und die Attentate werden zum Anlass genommen, die politischen Organisationen der Arbeiter zu verbieten. Das Sozialistengesetz war ja eine Folge solcher Terrorakte.

Die Partei ging den richtigen Weg, und im Jahre 1884 erhielt sie den Beweis dafür. Statt 9 Abgeordneter verfügte sie nun über 24 Abgeordnete im Reichstag, zehn Prozent der Wähler hatten ihr die Stimme gegeben. Drei Jahre später gewann sie noch eine Viertelmillion mehr an Stimmen. Wenn auch die Partei und ihre Organisationen verboten waren, die Reichstagsabgeordneten und ihre Tätigkeit als Abgeordnete konnten nicht verboten werden, ohne die bei der Gründung des Reiches erlassene Verfassung zu ändern. Die Partei benutzte diesen Umstand und legte für die Zeit der Illegalität die Leitung der Partei in die Hände der Reichstagsfraktion. Die neuen Umstände erforderten neue Entschlüsse. So wurden die Reden von August Bebel und Wilhelm Liebknecht so gehalten, dass die Genossen in den Städten und Dörfern gleich eine Argumentation zu politischen Fragen und eine Anleitung zum Handeln erhielten.

Der Abgeordnete Paul Singer hielt 1888 eine Rede vor dem Reichstag, in der er sich mit dem Versuch der Polizei beschäftigte, ihre Spitzel unter einer revolutionären Maske in die Partei einzuschleusen und Anlässe für Provokationen gegen die Arbeiter zu schaffen. Er warnte damit zugleich alle Parteimitglieder und rief sie zur Wachsamkeit auf: „Heute kann ich mir gestatten, dem Reichstag und dem Herrn Minister von Puttkamer den Nachweis dafür zu liefern, dass die obersten Leiter der politischen Polizei, die sehr hohen Beamten des Berliner Polizeipräsidiums, nämlich der Herr Polizeidirektor Krüger und der Herr Polizeirat von Hacke, diejenigen sind, durch deren Tätigkeit, wie ich Ihnen nachweisen werde, anarchistische Verbrechen gefördert wurden. Die Herren Polizeidirektor Krüger und Polizeirat von Hacke, die mit den Agenten in persönlichem und brieflichem Verkehr sind, haben es sich zu ihrer Aufgabe gemacht, nicht nur die Bestrebungen der Sozialdemokratie überwachen zu lassen, sondern sie haben es sich auch zu ihrer Aufgabe gemacht, diese ihre Agenten aufzufordern, anarchistische Verbrechen herbeizuführen, um unter dem Drucke dieser Verbrechen dann dasjenige zu erreichen, was die Regierung mit ihrer Vorlage zwar beabsichtigt, aber nicht erreichen kann, wenn sie anhand der Tatsachen wirklich richtige Darstellungen gibt.

Meine Herren, der Agent und Schreiner Karl Schröder in Zürich steht seit Jahren in Diensten der Berliner Polizei; er ist engagiert von dem Polizeidirektor Krüger, welchem er empfohlen worden ist - es ist das vielleicht für die Herren recht interessant zu hören - durch den ebenfalls von der Polizei besoldeten Anarchisten Kaufmann, der der Spiritus Rector [der geistige Urheber] von dem Anarchisten Stellmacher, der in Wien den Raubmord verübt hat, war. Das Gehalt des Schröder betrug zunächst 200 Mark per Monat; seit anderthalb Jahren erhält der Biedermann für seine Tätigkeit, die er im Dienste der Berliner Polizei ausübt, 250 Mark per Monat. Meine Herren, wenn Sie sich einmal recht schnell einen Überschlag machen wollen, welche Summen da herauskommen, die seit Jahren für solche Beamte verwendet werden, dann werden Sie wahrscheinlich mit mir der Meinung sein, dass man eigentlich für dieses Geld im Lande bessere Verwendung hätte, als es Leuten in die Hände zu geben, die nur dazu dienen, Unglück über andere herbeizuführen.“

Alle Versuche, die Partei lahmzulegen, nutzten nichts. Sie war in den Jahren ihres Verbotes nur stärker geworden und galt in der internationalen Arbeiterbewegung als eine gut organisierte und kämpferische Partei, die auch auf andere Parteien einen bedeutenden Einfluss hatte. So spielte sie in der 1889 gegründeten II. Internationale, der Vereinigung der sozialistischen Parteien aus 22 Ländern, eine bestimmende Rolle. Die I. Internationale war im Jahre 1864 gegründet worden. Unter der Leitung von Marx und Engels hatte sie ihre Aufgabe, den Marxismus in der internationalen Arbeiterbewegung zu verbreiten, erfüllt. Nunmehr stellte sich im Jahre 1889 die II. Internationale in den entscheidenden Programmpunkten auf den Boden des Marxismus, vor allem ging es um die Schaffung von großen Massenparteien, von Massenorganisationen unter revolutionärem Einfluss, um die Vorbereitung der Arbeiter auf die proletarische Revolution.

Fast zu gleicher Zeit war in Deutschland der große Bergarbeiterstreik als Mittelpunkt einer großen Streikbewegung zu Ende gegangen, an der insgesamt 400 000 Arbeiter in 1 100 Aktionen beteiligt waren. Die herrschende Klasse musste ihre Taktik ändern. Ende Januar 1890 wurde gegen den Willen Bismarcks das Sozialistengesetz aufgehoben. In den Wahlen am 20. Februar wurde die Sozialdemokratische Partei die stärkste Partei in Deutschland, sie gewann doppelt so viel Stimmen als drei Jahre vorher, jeder fünfte Wähler hatte sie gewählt. Das war eine Arbeiterantwort auf die Versuche, die Partei zu schlagen. Kurz nach den Wahlen musste Bismarck abtreten. Er hatte der Bourgeoisie seinen Dienst getan. Man hatte ihn den „Eisernen Kanzler“ genannt, den unbesiegbaren Vertreter der Macht. Die Arbeiter aber hatten den Herrschenden ihre Stärke gezeigt.

Das waren die Erfolge einer beständigen, mutigen Kleinarbeit der Parteifunktionäre unter den Arbeitern, so wie es August Bebel vorausgesagt hatte.

Fremde Landschaften können faszinieren – und zugleich zur Gefahr werden. Die folgende Szene aus „Labyrinth im Kaoko-Veld“ von Dietmar Beetz führt mitten hinein in eine Situation, in der Orientierung und Sicherheit plötzlich verloren gehen.

Es war ein dumpfer Knall, der fast unterging in den Motorgeräuschen des Rovers. Im ersten Moment meinte Grimm sogar, sich verhört zu haben. Aber hatten nicht auch Jesaya und Kungóro aufgehorcht?

Jesaya nahm, vielleicht unwillkürlich, Gas weg. Da rollte ein gedämpftes Grollen, das Echo, über die Hügel. Es klang unter dem gelblichen Himmel wie der Vorbote eines fernen Gewitters.

Über der Pad schwebten noch Auspuffgase und Streifen der Staubfahne des Jeeps. Vorn, wo das "Wellblech" rötlichgelb in einer rostroten Senke verschwand, war es still. Stille auch im Innern des Rovers, der vorsichtig weiterholperte.

Jesaya saß geduckt am Steuer, Kungóro aufgerichtet auf dem Beifahrersitz. Beide spähten voraus, und Grimm ertappte sich dabei, wie er ebenfalls angestrengt den staubigen, zerfurchten Weg vor der Motorhaube musterte.

Gesprochen wurde kein Wort, doch meinte Grimm zu spüren, dass auch die Gedanken seiner Begleiter um ein und dasselbe kreisten: um den Knall, die Detonation. War es ein Anschlag gewesen, der Abschuss einer Bazooka oder die Explosion einer Mine? Hatte es dem Jeep gegolten, ihn erwischt? Was würden sie hinter der nächsten, der übernächsten Krümmung erblicken?

Weiterzudenken weigerte sich Grimm. Er sah vor sich auftauchen wie in einem Traum die Runde unter den Sykomoren, sah den schattigen Hain, zwischen den Stämmen zwei reglose Gestalten; er schob diese Bilder beiseite.

Und dann beschleunigte Jesaya. Sie rumpelten jetzt durch die Senke, die sich als flaches, leicht gewundenes Tal erwies. Vor einer der Windungen ein Autowrack, der umgekippte, zerfetzte Jeep.

Jesaya hatte sich aufgerichtet, Kungóro geduckt. Jesaya achtete kaum mehr auf die Unebenheiten der Pad; Kungóro schien noch angespannter auszuspähen.

Plötzlich seine Stimme. "Janda! Jandeka! - Stopp! Halt an!"

Jesaya trat auf die Bremse, und Grimm wurde erst nachträglich bewusst, dass Kungóro Otjiherero benutzt und Jesaya die Worte wie einen Befehl befolgt hatte.

Sie stiegen aus, und Kungóro, nun wieder schweigsam, übernahm die Führung. Den Blick auf der Pad, ging er rasch voran. Grimm und Jesaya setzten auf dem harten, staubbedeckten Sand die Füße, wo sie die Abdrücke seiner Sandalen sahen, und achteten darauf, nicht danebenzutreten.

Am Jeep blieb Kungóro stehen, und sie standen gleichfalls eine Weile vor dem Wrack und den verkrümmten, reglosen Gestalten darin. Wieder zuckten Grimm Bilder durchs Hirn, und abermals wich er vor Schlussfolgerungen zurück. Erst ein Laut, ein Stöhnen, das aus den Trümmern drang, machte ihm die Situation voll bewusst.

Die Polizisten - verletzt, aber am Leben. Wenn sie durchkamen, sich an das Kommen und Gehen, das Treiben am Rastplatz erinnerten...

Kungóro fasste sich als erster. Er bedeutete Grimm und Jesaya, mit anzupacken. Ächzend richteten sie das Wrack auf; während sie hoben und stemmten, hörte Grimm das Stöhnen, vermischt mit dem Hämmern des eigenen Blutes.

Endlich kippte der Jeep wieder auf drei der Räder. Das vierte, links vorn das, war weggerissen, der Wagen unter und neben dem Fahrersitz völlig zerstört. Grässlich - die Verletzungen des Fahrers.

Das Stöhnen kam von dem Mann daneben. Am Leben war also nur noch der vierschrötige Polizist; der Spitznasige, der nach der Kontrolle gegrüßt hatte, war tot.

Der Erträgliche tot und der Vierschrot am Leben und wir in dieser gottverlassenen Gegend allein mit einem Verletzten...

Grimm unterdrückte den Gedanken, der ihn bedrängte, sah zu Kungóro, zu Jesaya. Die beiden verschnauften sich nicht anders als er, und beide schienen ihn und einander genauso wie er sie abzuschätzen.

Was tun? Wer gibt einen Anstoß, den Anstoß - wozu?

Kungóro räusperte sich, und Grimm nickte.

Und ich, ging es ihm durch den Kopf, wollte mich raushalten.

Da hatte er schon mit angepackt, mit Hand gelegt an den wimmernden, schwergewichtigen Polizisten. Gemeinsam mit Kungóro und Jesaya hob er den Verletzten aus dem Wrack und lagerte ihn auf einer der Planen, die sie im Fond gefunden hatten.

In die andere Plane hüllten sie den Leichnam.

Während Jesaya den Rover holte und Grimm sich um den Verletzten kümmerte, suchte Kungóro die Pad vor dem Wrack ab. Um eine Stelle im staubigen Sand zog er einen Kreis. Weitere Minen schien er nicht zu vermuten.

Zu dritt betteten sie den Verletzten der äußerlich nur Platzwunden aufwies, nicht bei Bewusstsein war und unablässig stöhnte, auf die Rückseite des Rovers. Davor legten sie die Plane mit dem Toten. Kungóro zwängte sich zwischen die Vorräte im Heck.

Zuvor hatte er auf den Kreis im Sand gezeigt und zu Jesaya gesagt: "Kona aró! - Gib dort Acht!"

Es waren seit jenem "Halt an!" die ersten Worte gewesen.

Bis Ohopoho hatten sie noch knapp vierzig Kilometer zurückzulegen. Sie benötigten dafür auf dem "Wellblech", mit dem stöhnenden Verletzten im Fond, fast anderthalb Stunden. Erst gegen sechs, als es schon dämmerte, kamen sie an.


Leseprobe

Was zunächst wie ein überschaubares Geschehen wirkt, entpuppt sich schnell als Teil eines größeren Zusammenhangs. Die folgende Passage aus „Das Quartett“ von Wolfgang Schreyer gibt einen ersten Einblick in das Beziehungsgeflecht und die Spannungen, die diesen Kriminalroman prägen.

Aus Stralsund trifft die Mordkommission ein, geführt von einem Hauptkommissar namens Nüßler. Sein gestutzter Störtebeker-Bart lässt die Mundpartie frei; närrischerweise nimmt das Wendt gegen ihn ein. Nüßler bringt seinen eigenen Arzt und zwei Kriminaltechniker mit, dazu den Fotografen, der auch eine Videokamera benutzt, und den Hundeführer, dessen Fährtenhund Sultan im Suchgeschirr läuft. Mit flachen Ohren wartet Sultan auf Befehle, beargwöhnt von Wedemeyers Nero; der scharrt sich ein Loch, da schießen Sandfontänen hoch.

Der Hauptkommissar glüht vor Zuständigkeit. Um klarzustellen, wer hier den Hut aufhat, tadelt er das engräumige Abgrenzen des Fundorts: zu viel zertrampelte Spuren! Nüßler scheint zehn Jahre jünger zu sein als Wendt, er wirkt versiert und energisch. „Russische MC“, sagt er und tütet fachgerecht die Waffe ein. „Kaliber fünfeinhalb, wiegt kein Kilo, kriegt man vor den Kasernen ab vierhundert Mark ... Wann ist es passiert?“

Sein Arzt blickt auf. „Ich schätze mal, vor drei bis vier Stunden. Er ist erst oben steif, die unteren Gelenke sind noch flexibel ... Mehr nach der Obduktion, vielleicht.“

„Herr Wendt, Sie kennen den Mann?“

„Er ist mal mein Lehrer gewesen. Hans Clauser aus Cumin.“

„Und Selbstmord trauen Sie ihm nicht zu?“

„Zumindest nicht auf die Art. Da spricht auch schon der Augenschein dagegen. So, wie er daliegt, hat man ihm die Waffe nachträglich in die Hand gedrückt.“

„Nicht Ihrer Meinung. Der Täter müsste bis zum Eintritt der Totenstarre gewartet und zugedrückt haben, am Rand des Jagdablaufs! Die Nerven hat doch keiner.“

Wendt spürt, der Hauptkommissar beginnt mit ihm zu streiten. Über das Opfer hinweg starren sie einander an, zwei Männer, deren Kompetenz sich überschneidet, obgleich ihr Dienstherr derselbe ist. Wendt fragt: „Wie erklärt sich dann der Klammergriff um die Waffe bei ansonsten entspannter Muskulatur?“

„Ganz einfach durch den kataleptischen Effekt.“

Nüßler scheint vor Bedeutung und Wichtigkeit zu beben. Meint er, man sei mit dem Latein am Ende, wenn er ein Fremdwort gebraucht?

„Sie wissen doch, wie selten die kataleptische Totenstarre ist.“

„Immerhin, es gibt sie, Herr Wendt. Gerade bei Kopfverletzungen tritt dieses schlagartige Erstarren auf.“

„Das dann nur den Oberkörper erfasst? Unwahrscheinlich.“

Der Hauptkommissar lässt das offen. „Wie ist der Mann überhaupt in den Wald gekommen?“

Wo Falschgeld im Umlauf ist, ist Misstrauen nicht weit. Die folgende Szene aus „Falschgeld“ von Heiner Rank führt in eine Welt, in der Täuschung und Gefahr eng beieinanderliegen.

Plötzlich stand vor ihnen auf dem Feldweg ein Traktor, der im Takt des Dieselmotors auf seinen dicken Gummireifen wippte. Auf dem ebenfalls gummibereiften Anhänger war das ausgebrannte Opelwrack verladen. Die Arbeiter klappten bereits die Seitenwände nach oben und verriegelten sie.

Der Hauptmann stellte sich vor und bat sie, ihm auf den Hänger zu helfen.

Die Arbeiter klappten eine Seitenwand wieder herunter und hoben den Hauptmann, ehe er sich versah, mit einem Schwung auf' den Hänger. Sie stellten keine Fragen, aber sie beobachteten interessiert Königs Tätigkeit. Vermutlich hatten sie von dem Geld gehört, das in dem Wrack verbrannt sein sollte; und da nun auch die Kriminalpolizei am Unfallort auftauchte, konnten sie sich selbst einen Reim auf die Ereignisse machen.

König nahm aus seiner Aktentasche ein neues Reagenzglas, zog den Ölmessstab aus dem Motor und brachte einige Tropfen, die sich am Ende des Stabes sammelten, in das Röhrchen, etikettierte es mit einem Klebestreifen, auf den er "Motor" geschrieben hatte, und schob es in die Aktentasche. Dann ließ er sich vom Wagen herunter.

Die letzten Monate des Krieges sind geprägt von Chaos, Angst und dem unaufhaltsamen Zusammenbruch. Die folgende Passage aus „Berlin. Der große Krieg im Osten, 3. Teil“ von Theodor Plievier zeigt eindringlich, wie Menschen diese Zeit zwischen Hoffnungslosigkeit und Überlebenswillen erleben.

Hinter dem Alexanderplatz, in der Landsberger Straße, wo Oberst Zecke einmal im Keller gesessen hatte, war die gleiche Frau, die ihn damals betreut und ihm ein nasses Tuch gereicht hatte, zusammen mit den andern auf dem Weg zum Wasserhydranten. Gegen fünf Uhr morgens war es. Dicke Staub- und Brandwolken hingen über den Ruinen. Grünes Licht sickerte auf die Straße – giftgrün war die Spiegelung von dem zusammenfallenden Feuer auf einem Lagerplatz für ausländische Hölzer, und grün waren auch die Gesichter der Frauen. Mit den Eimern in der Hand drückten sie sich an der Häuserwand entlang. Die schauerliche Sirene ertönte nicht mehr, war verstummt – aus Stommangel. „So hat alles sein Gutes“, sagte jene Frau Riek zu ihrer Nachbarin. „Wir brauchen dieses scheußliche Heulen nicht mehr zu hören. Bei Gefahr soll dreimal geschossen werden. Zum Lachen, denn wer hört das schon bei dem ununterbrochenen Höllenlärm!“ Das Krachen und Bersten der Bomben war abgelöst worden von den Geräuschen der Front. Artilleriegeschosse fegten durch die Landsberger Straße. Manche Geschosse brummten nur, andere heulten, noch andere pfiffen, und nochmals andere rollten dumpf und lang anhaltend. Die Frauen aus dem Hause in der Landsberger Straße hatten ihre Eimer gefüllt und gingen zurück. Frau Riek stellte ihre Eimer ab und blickte auf. Vor ihrem Haus am Laternenpfahl hing ein armseliges Bündel Mensch. Ein Soldat war während der Nacht von einer Streife aus dem Keller geholt worden und hing nun hier mit einem Pappschild an der Brust. Auch die anderen Frauen machten halt und starrten entsetzt dieses unwirkliche Bild an.

Aus dem Hausflur heraus ließ sich eine Stimme vernehmen:

„Sehr richtig – so muss man es mit allen machen, die feige sind!“ Der Frau wurde es kalt, ihr Gesicht verfärbte sich, wurde blass unter der Schicht aus Staub und Ruß. Sie brachte das Gesehene und das darüber Ausgesagte nicht zusammen. Und sie konnte und wollte die Stimme nicht erkennen. Die scheppernde Stimme ihres Mannes. Dieser Jammerlappen stand unter dem Haustor und entblödete sich nicht, solche hämische Bemerkung zu machen, und fand vielleicht noch Zustimmung, nicht bei allen, aber bei manchen.

Auch Franz war da. „Quatsch doch nicht dämlich!“, sagte er zu Riek.

Es gab aber noch immer Dumme und Verblendete und Verführte genug. Frau Riek wollte über ihren Mann herfallen, doch sie verschluckte das Wort, das sich ihr auf die Lippen drängte. Sie fasste sich, der lauernde Ausdruck auf den Gesichtern der andern warnte sie. Noch nicht, noch nicht … wären doch bloß erst die Russen da! „Steh da nicht herum, trag lieber die Eimer“, schrie sie Riek an. Sie ließ die mit Wasser gefüllten Eimer stehen und ging voran in den Hausflur. Sie ging vorbei an den Toten, die dort an der Wand abgestellt waren. Von der Straße Hereingetragene waren es, aus dem Haus ein altes Ehepaar mit ihrer Tochter, die sich vor einer Stunde das Leben genommen hatten. Und der alte Veteran Willem lag in der Reihe; er war in der vergangenen Nacht an der vor einigen Wochen während eines Luftangriffs erhaltenen Splitterverwundung gestorben. Eine weitere Tote war die Hausbesitzerin, die, ohne Morphium geblieben, in sich zusammengefallen und ohne ein Wort der Klage gestorben war.

Bleiben Sie ansonsten vor allem schön gesund und munter – und der Welt der Bücher weiterhin gewogen. In der kommenden Woche erwartet Sie unter anderem „Gold und Galeeren. Eine ungewöhnliche Lebensgeschichte aus dem mittelalterlichen Frankreich“ von Klaus Möckel.

EDITION digital: Newsletter 20.03.2026 - Zwischen Ideologie, Abenteuer und Verbrechen