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Aufregung in Anatol, Entführung in die Länder des Alten Orients sowie Staunen in Japan 1911 - Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis
Achtung, bevor Sie weiterlesen, noch ein wichtiger Hinweis: Ab Mai 2026 versendet EDITION digital diesen Newsletter sowie die aktuellen Pressemitteilungen nicht mehr per E-Mail. Diese Texte können Sie aber zumeist sogar eher selbst unter den Internet-Adressen https://edition-digital.de/Blog/ (bisheriger Newsletter) und https://edition-digital.de/Presse/ (Pressemitteilungen) finden. Probieren Sie es doch jetzt schon mal aus zum Eingewöhnen.
(Pinnow 02.01. 2026) Dieses ist der allererste Newsletter für 2026 und daher wünscht EDITION digital an dieser Stelle zunächst allen Abonnentinnen und Abonnenten ein paar Monate können sie es jedenfalls noch sein ein glückliches, ein gesundes und vor allem ein friedliches Neues Jahr auf der ganzen Welt. Das ist die größte Hoffnung.
Der allererste Newsletter des neuen Jahres ist auch ein besonderer, ist er doch vollständig dem Werk eines Autors gewidmet, dessen Todestag sich am 17. Oktober 2026 zum 75. Male jährt. Die Rede ist von Bernhard Kellermann, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein weltbekannter Autor war, inzwischen aber zu Unrecht etwas in Vergessenheit geraten ist.
Einige seiner vielen Bücher wurden auch verfilmt, darunter das dritte der insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangebote dieses Newsletters, die sieben Tage lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 02.01. 2026 bis Freitag, 09.01. 2026) zu haben sind. Buch und Film heißen Die Stadt Anatol.
Die Handlung dieses Abenteuerfilms beginnt genreentsprechend abenteuerlich:
Helle Aufregung herrscht im kleinen, abgelegenen türkischen Städtchen Anatol, als der Abenteurer Jacques Gregor mitten auf einer Wiese mit einem Flugzeug landet. Für Jacques ist es eine Heimkehr, hat er doch einst hier sein Leben als ständig mittelloser Tagedieb verbracht. Franziska, die er ebenfalls von früher noch kennt, erzählt er, dass er Großes mit diesem verschlafenen Nest am Rande des Nirgendwo vorhat. Er will hier Öl fördern und einen wahren Wirtschaftsboom hervorrufen, der allen großen Wohlstand bringen werde.
Dazu aber müsse er von Franziska das alte Salzbergwerk erwerben, das seit dem Tod ihres Vaters in ihrem Besitz sei. Franziska versteht nicht, wieso Jacques es kaufen will. Unter der Sohle des Bergwerkes befände sich Öl, erklärt Jacques dem zur Frau gereiften Mädchen, mit dem er seit gemeinsamen Kindheitstagen befreundet ist, unter dem Siegel des Stillschweigens. Ganz Anatol werde steinreich, ein Paradies auf Erden! Millionen seien hier zu verdienen, verspricht Jacques. Auch wenn sie die Bedeutung von Öl nicht recht nachvollziehen kann, vertraut Franziska ihrem Jugendfreund und lässt ihn machen.
Seine Uraufführung erlebte der Film in der Regie von Viktor Tourjansky und mit Brigitte Horney: als Franziska Maniu und Gustav Fröhlich als Jacques Gregor in den Hauptrollen am 16. Oktober 1936, also vor nunmehr 110 Jahren, im Ufa-Palast am Zoo von Berlin.
Das gleichnamige Buch Die Stadt Anatol von Bernhard Kellermann war erstmals 1932 erschienen. Textgrundlage für das Ex-Book war die 2. Auflage seiner Ausgewählte Werke in Einzelausgaben, die 1962 im Verlag Volk und Welt Berlin Auftrag der Deutschen Akademie der Künste von Ellen Kellermann und Ulrich Dietzel herausgegeben wurden. Eine Beschreibung dieses Textes liest sich so:
Eine Stadt, die im Schlaf auf einem Meer aus Öl liegt - bis ein junger Ingenieur sie weckt.
Als Jacques Gregor in seine Heimat Anatol zurückkehrt, entdeckt er zufällig Spuren von Naphtha, die sich als gewaltige Erdöllager erweisen. Was als unscheinbare Probe beginnt, löst einen unerbittlichen Ölboom aus: Bohrtürme schießen aus den Böden, alte Häuser fallen, Grundstückspreise explodieren, Abenteurer und Hochstapler strömen in die Stadt, und über allem hängt der schwere Geruch von Petroleum.
Jacques wird - ob er will oder nicht - zum Motor dieser gewaltigen Umwälzung. Sein Triumph, als das Öl herausschoss, als habe man der Erde eine Schlagader geöffnet, macht ihn über Nacht zu einer der einflussreichsten Figuren der Region. Doch je höher er steigt, desto dichter werden die Intrigen, die Abhängigkeiten und die menschlichen Tragödien um ihn herum.
Während Anatol vor Arbeit fiebert und sich in ein chaotisches, lärmendes Ölimperium verwandelt, kämpfen die Menschen mit Gier, Hoffnungen, Verzweiflung - und den Folgen eines Reichtums, der tiefer geht als jeder Brunnen. Bernhard Kellermann entwirft ein grandioses, spannendes Gesellschaftspanorama, das zeigt, wie ein einziger Fund das Schicksal einer ganzen Stadt verändern kann.
Die Erstausgabe von Reisen in Asien von Bernhard Kellermann stammt aus dem Jahr 1940. Textgrundlage für das E-Book war die 2. erweiterte Auflage seiner Ausgewählten Werke in Einzelausgaben, die 1975 im Verlag Volk und Welt Berlin erschienen war.
Das Buch entführt den Leser auf eine faszinierende Reise durch die Länder des alten Orients - von Japan über Persien und Indien bis nach Kambodscha. Mit der scharfen Beobachtungsgabe eines Reporters und der poetischen Sprache eines Romanciers beschreibt Kellermann Landschaften, Menschen und Kulturen, die zwischen Tradition und Aufbruch stehen. Er begegnet Mönchen in Tibet, Geishas in Japan, Händlern in Persien und politischen Rednern im kolonialen Indien. Das Ergebnis ist ein vielstimmiges Panorama Asiens in den 1920er Jahren und zugleich eine Hommage an Schönheit, Glauben, Stolz und Wandel, aber auch ein kritischer Blick auf die westliche Überheblichkeit. Ein literarisches Reiseerlebnis von zeitloser Eindringlichkeit.
Erstmals 1911 erschien im Paul Cassirer Verlag Berlin Sassa yo yassa. Japanische Tänze. Textgrundlage für das E-Book ist die Vierte Auflage von 1922.
Japan, 1911 - ein Land der leisen Gesten, der kunstvollen Bewegungen, der nächtlichen Teehausstraßen und der geheimnisvollen Tänze.
Bernhard Kellermann nimmt die Leser mit auf eine sinnliche, atmosphärisch dichte Reise in die Welt der Geishas, Maikos und traditionellen Tänze. In poetischen Bildern schildert er die Straßen Miyazus, die flackernden Papierlampen, die Musik der Samisen und die uralten Geschichten, die durch Tanz lebendig werden - von der tragischen Liebe der Yaengiri bis zur mythischen Lichtgöttin Amaterasu.
Kellermann beobachtet mit feinem, fast ethnografischem Blick und zugleich mi7t literarischem Zauber. Sein Text öffnet ein Fenster in eine fremde, faszinierende Welt, die Anfang des 20. Jahrhunderts noch kaum ein europäisches Publikum kannte.
Sassa yo yassa ist ein seltenes kulturhistorisches Dokument - eine Einladung, Japan mit den Augen eines Reisenden zu entdecken, der staunen kann.
Erstmals 1945 veröffentlichte Bernhard Kellermann im gerade neu gegründeten Aufbau-Verlag Berlin Was sollen wir tun? Wege aus Schutt und Asche. Wie war damals die Lage?
Deutschland liegt nach dem Zweiten Weltkrieg in Trümmern - Städte zerstört, die Wirtschaft am Boden, das Vertrauen der Welt erschüttert. In dieser Zeit voller Hunger, Hoffnungslosigkeit und Umbrüche ruft Bernhard Kellermann in leidenschaftlichen Worten zu einem radikalen Neuanfang auf.
In seinem eindringlichen Appell beschreibt er nicht nur die katastrophale Lage, sondern zeigt klare Wege auf: eine grundlegende Bodenreform, eine wissenschaftlich gestützte Landwirtschaft, gemeinschaftliche Anstrengungen beim Wiederaufbau, eine neue geistige Haltung. Sein Text ist ein historisches Dokument von seltener Klarheit und Entschlossenheit - ein Aufruf an ein Volk, sich aus eigener Kraft zu erneuern.
Kellermanns Schrift Was sollen wir tun? von 1945 ist mehr als ein Zeitdokument. Es ist ein Aufruf zum Handeln, zur Verantwortung und zum Aufbau eines demokratischen, friedlichen Deutschlands.7
Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Heute geht es wieder um ein leider nach wie aktuelles Thema, um Krieg diesmal allerdings um den Ersten Weltkrieg Anfang des vergangenen Jahrhunderts.
Erstmals 1916 erschien im Verlag von Julius Bard Berlin Der Krieg im Argonnerwald von Bernhard Kellermann. Der Autor schildert in seiner 1916 erschienenen Schrift einen Krieg, der sich tief in den Waldboden frisst: ein endloses Ringen im Schlamm, Mann gegen Mann, in einem Gelände, das wie geschaffen scheint, um Menschen zu vernichten. Seine Beschreibungen sind drastisch, eindrücklich - und zugleich geprägt vom Geist seiner Zeit: patriotisch, getragen von Opfermythen und unerschütterlichem Glauben an den Ruhm des Grabenkämpfers.
Gerade dadurch ist der Text für heutige Leser so wertvoll. Er zeigt, wie zeitgenössische Kriegspropaganda funktionierte, wie der industrialisierte Krieg romantisiert wurde und welche Bilder man den Menschen an der Heimatfront vermittelte. Der Krieg im Argonnerwald ist ein literarisches Dokument aus dem Inneren des Ersten Weltkriegs - fesselnd, beklemmend, erschütternd. Und ein Text, der uns zwingt zu fragen: Wie entstehen Legenden - und was verschweigen sie?
Ein spannendes historisches Dokument ist vor diesem Hintergrund das dem Buch vorangestellte Vorwort des Kronprinzen, d7er kein Kaiser mehr werden sollte:
Dieses Buch will zweierlei. Es will den heldenhaften preußischen, württembergischen und hessischen Truppen, welche seit den Septembertagen des Jahres 1914 mit unvergleichlicher Tapferkeit, Zähigkeit und Ausdauer im Argonnenwald siegreich fochten, ein Denkmal setzen für alle Zeit. Für Kind und Kindeskind. Daheim sollen sie wissen, was der Argonnenkämpfer durchlebt, welche Taten er vollbracht hat. Wie Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften furchtlos und treu in stiller, schwerer Pflichterfüllung stritten, bluteten und starben. Gleich Flandern und Arras, der Champagne, der Cote Lorraine und den Vogesen ist der Argonnenwald heiliger Boden.
Geheiligt durch viel edles, deutsches Blut. Schwere Opfer mussten auf diesen blutgetränkten Gefilden der Westfront gebracht werden. Und doch, die Kämpfe im Argonnenwald haben etwas Besonderes für sich. Tag für Tag, Monat um Monat, Jahr um Jahr dasselbe wütend erbitterte Ringen, Mann gegen Mann, auf nächster Entfernung mit Minen und Sprengzeug, Grabengeschütz und Maschinengewehr, Büchse, Messer und Bajonett. Anderswo standen die Truppen in häufigem Wechsel, nicht im Argonnenwald. Jedem Argonnenkämpfer gebührt ein soldatischer Ehrentitel.
Und so soll zum andern für alle, die sich seiner nach glücklicher Heimkehr freuen dürfen, diese kleine Schrift ein Erinnerungsblatt sein, das auch bestimmt ist für die Angehörigen und Freunde der teuren gefallenen Kameraden.
Unvergängliche Lorbeeren erwarb sich ein jeder, der im Argonnenwald Leib und Leben einsetzte für Kaiser und Reich.
Wilhelm, Kronprinz
Mit eindringlicher Bildkraft führt Die Stadt Anatol in eine Welt, in der Naturgewalten, Technikbegeisterung und ökonomische Interessen unheilvoll aufeinandertreffen. Die folgende Leseprobe zeigt, wie ein scheinbar lokales Ereignis zum Menetekel für eine ganze Stadt wird und ahnen lässt, welche zerstörerische Macht unter Anatol verborgen liegt.
Antonia Rothkehl hatte ihre Etüden beendigt und trat ans Fenster, um etwas Luft zu schöpfen; da sah sie oben im Eichenwald eine Rauchwolke emporsteigen, sie wuchs, sie wirbelte immer höher, wie ein Vulkan sah es aus, der schwarzen Qualm meilenweit in den Himmel emporschleudert. Ohne Zweifel, im Eichenwald brannte es. Auch im Trajan hatte man den Brand bemerkt. Koroscheck erschien an einem Fenster des oberen Stockwerkes und schlug die Hände über dem Kopf zusammen, Frau Koroscheck legte den Busen auf das Fenstersims. Im Russie kletterten sie aufs Dach.
Der Qualm aus gelben und schwarzen Wolken breitete sich aus und zog der Stadt zu. Nun sah man den Wald nicht mehr. Es stank abscheulich, wie nach verbrannten Lumpen und Petroleum, ein Regen von Rußflocken ging auf die Stadt nieder. Ja, bei Gott, da konnte man ersticken. Die ganze Stadt war in der größten Erregung.
Das Militär musste hinauf in den Wald, auch Janko war oben. Rothkehl lief sofort entsetzt ins Trajan hinüber, aber Ledermann aus Boryslaw lachte nur. Er sagte, das komme öfter vor. Er habe schon so viel Öl brennen sehen, wenn er das Geld hätte, säße er heute an der Riviera in einem Schloss. Es muss ja eine heftige Eruption gewesen sein, alle Wetter!, fuhr Ledermann fort. Ich sage ja immer, dieses ganze Anatol schwimmt auf Öl.
In der Nacht stand eine turmhohe, glutrote Feuersäule über der Stadt. Sie sah einfach fürchterlich aus, sie drohte, geradeswegs auf Anatol loszumarschieren und die ganze Stadt zu verbrennen. Man schloss die Fensterläden, um diese entsetzliche Flamme nicht mehr sehen zu müssen; man konnte ja glauben, die Welt geht unter.
Am nächsten Morgen stand die Rauchsäule noch immer über dem Wald, aber offenbar brannte der Wald nicht mehr. Die Soldaten hatten es also doch geschafft, da konnte man sehen, wie tüchtig unser Militär war. Am Abend drohte wieder die Feuersäule. Das ging so eine Woche, zwei Wochen. Am Tage Qualm, in der Nacht Feuer. Dann eines Tages, als man hinaufsah, war nichts mehr zu sehen. Nun vermisste man die Rauchsäule.
Am dritten Tage gegen Abend sah man endlich Jacques kleinen, gelben Fordwagen wieder über den Marktplatz fahren. Koroscheck stürzte Jacques entgegen. Welch ein Unglück! Aber Jacques sah ziemlich gleichmütig aus, wenn auch sein Gesicht vom Ruß geschwärzt war. Sein heller Anzug aber, ganz neu, war gänzlich verdorben, wenn er über den Ärmel strich, so flogen ganze Stücke davon. In ein paar Tagen wollten sie den Brand ersticken. Ja, nun wussten sie wenigstens, dass das Öl auch mitten im Wald saß.
Felix kam ins Trajan, er war besorgt um Jacques. Felix kam noch aus einem anderen Grund, er brachte eine Neuigkeit mit, die Wissenschaft triumphierte! Vor Jahren hatte Felix an einer Chronik Anatols gearbeitet und alle nur erreichbaren Quellen studiert. Da gab es manche Dunkelheiten in den Chroniken und Kirchenbüchern, jetzt erst fanden sie ihre Erklärung. Felix legte Jacques triumphierend eine Notiz auf den Tisch: Die Feuersäule da oben war gar nicht die erste Feuersäule, die Anatol erschreckte. Nein! Felix lachte über Jacques verdutztes Gesicht. Im Jahre siebzehnhundertsiebenundsechzig war der Flecken Anatol, wegen des sündhaften Wandels seiner Bewohner, von einem Erdbeben heimgesucht worden, und gleichzeitig erschien eine Feuersäule über der Stadt, die drei Monate brannte. An der Stelle, wo die Feuersäule aus dem Boden hervorbrach, hatte man später das Kloster zum Heiligen Rosenkranz errichtet. Nun, Jacques, was sagst du dazu? Jacques war sehr nachdenklich. Das Öl strich also in der Richtung zum Kloster! Diese Notiz aus einem alten Kirchenbuch war von ungeheurer Wichtigkeit. Felix erinnerte sich noch an eine andere interessante Aufzeichnung. In der Stadt hatte es einmal eine Zisterne gegeben, der giftige Gase entströmten, so dass man sie wieder zuschütten musste. Aber er hatte vergessen, wo er diese Notiz gelesen hatte. Jacques geriet in große Erregung. Du wirst diese Notiz wiederfinden!, rief er aus. Meine Gesellschaft bezahlt dir jeden Betrag, wenn es dir gelingt, die Zisterne zu lokalisieren. Felix hob beschwörend die großen Hände. Nein, niemals, behaltet euer Geld. Aber dir zu Gefallen werde ich die Notiz suchen. Eine unbedeutende Zisterne konnte Jacques erregen, aber für rein wissenschaftliche Fragen interessierte er sich nicht im Geringsten. Welcher Ansicht bist du nun eigentlich, fragte Felix, ist das Öl organischen oder anorganischen Ursprungs? Diese Frage, erwiderte Jacques, wollen wir den Professoren überlassen, die ihre festen Gehälter beziehen und Zeit haben, darüber nachzudenken. Für mich ist die Hauptsache die, dass es sich um eine Sache handelt, die ihren Preis auf dem Weltmarkt hat. Und er klingelte dem Kellner, um das Abendessen zu bestellen.
Mit wachem Blick und großer sprachlicher Eindringlichkeit schildert Reisen in Asien von Bernhard Kellermann die Erfahrung des Unterwegsseins zwischen Staunen, Gefahr und Begegnung. Die folgende Leseprobe führt mitten hinein in eine Fahrt durch die iranische Wüste eine eindrucksvolle Momentaufnahme von Landschaft, Menschen und den existenziellen Herausforderungen des Reisens.
Wieder sind wir unterwegs.
Nur ungern haben wir der alten freundlichen Stadt Jezd Lebewohl gesagt. Mohammed Aga sitzt wieder auf dem Trittbrett, mit einer Ruhe und einem Gleichmut, als sei er entschlossen, auf seiner Benzinkiste die Reise um die Erde zu machen.
Ein neuer Passagier ist dazugekommen: ein kleiner Hund, Bulbul genannt, die Nachtigall. Wir haben ihn winselnd und elend in der Gasse der Seidenweber aufgefunden und mitgenommen. Er ist noch völlig hilflos und sieht eher aus wie ein weißes Lämmchen.
Der Weg von Jezd nach Kirman führt anfangs durch den fruchtbaren Vegetationsgürtel, der die Stadt umschließt. Bald aber bleiben die grünen Felder und die Gärten mit Maulbeerbäumen zurück. Die Ruine der großen Karawanserei von Mohammadabad wirkt fast wie ein zerfallenes Schloss, so imposant hatte Schah Abbas sie angelegt. Wir fahren über Grus und Sand und lange Strecken durch das Geröll ungeheurer, flacher Flussbette, ein Riesendelta von Steinen und Schwemmsand. Dann durchqueren wir eine Reihe riesiger Hochebenen, die nur durch niedrige Sättel voneinander getrennt sind. Es ist dunstig geworden, und ein eisiger Sturm weht, so dass wir uns in unsere Mäntel wickeln müssen. Vor uns, etwas nach Osten zu, tobt ein Sandsturm. Die Wirbel tanzen über die Wüste. Man sieht sie entstehen, sich emporrecken, drehen dann setzen sie sich plötzlich in Bewegung. Ein Wirbel fegt auf uns zu und packt uns so heftig, dass der Wagen nicht mehr vorwärts kommt. Im Nu hat der Sturm das Dach des Autos aufgerissen. Mohammed Aga ist in heller Angst, sein Wagen könnte vollständig in Trümmer gehen. In aller Eile schnürt er das zerfetzte Dach notdürftig fest.
Die Gegend ist die ärmste, die ich in Iran passierte. Kaum ein armseliges Dorf, ein paar öde, geschwärzte Gendarmeriestationen. Den ganzen Tag über begegnen wir ein paar Eseln, nichts sonst. Bei der alten Karawanserei Shima liegt hinter den zu einer Mauer aufgeschichteten Lasten, frierend unter den eisigen Windstößen, eine Karawane von etwa sechzig Kamelen. Sie bringt Hennablätter nach den Mühlen von Jezd.
In der Dämmerung erreichen wir, völlig durchfroren, das Dorf Anar. Der Telegrafist der Telegrafenstation, ein Armenier, der gut Englisch spricht, nimmt uns freundlich in seinem Garten auf.
Dieses Dorf Anar, halb oder besser gesagt dreiviertel Ruine, ist ein wahrhaft armseliges Nest. Gegen die Wüste zu liegen die Trümmer eines Räuberdorfes, das man niederbrannte, um die Wegelagerer auszuräuchern. Noch stehen Teile der Türme und der dicken Mauern. Der Gouverneur, der den Räuberhauptmann gefangen nahm, drohte ihm die Zunge ausschneiden zu lassen. Der Räuber kaufte sich von dieser Folter für den Preis von hunderttausend Toman frei, wurde aber trotzdem gehängt.
In den sechs Monaten, die der Telegrafist in Anar verbrachte, passierten im Ganzen drei Europäer das Dorf. Er ist glücklich, etwas plaudern zu können. Seine Frau lag drei volle Monate zwischen Tod und Leben, und er musste ihr Pfleger und Arzt zugleich sein. Er behandelte sie nach den Anweisungen, die ein Arzt in Jezd telegrafisch erteilte. Noch heute steht ihm der Schrecken im Gesicht geschrieben.
Hat man den Trümmerhaufen von Anar gesehen, so ist man erstaunt über die Üppigkeit und Größe der Felder, die zum Dorf gehören. Die Bauern, in langen Reihen aufgestellt, sind eben dabei, zu rigolen. Sie sind nichts anderes als Leibeigene. Ganz Anar gehört zum größten Teil ein paar Reichen und den Mollas. Der Bauer erhält für seine Arbeit jährlich hundert Man Gerste, seinem Herrn erarbeitet er fünfzehnhundert Man. Geht ihm das Korn im Winter aus, so lässt sich der Herr herab, ihm Gerste vorzustrecken, er fordert aber für ein Man bei der nächsten Ernte drei Man zurück!
Unsere Hoffnung, der Sturmwind von gestern würde sich über Nacht gelegt haben, erfüllte sich nicht. Kaum waren wir aus den Feldern Anars heraus, so fegte der Orkan auch schon wieder über die Hochflächen.
Die Tromben wirbelten und tanzten. Östlich von uns wogten Rauchfetzen einer bösen schwefelgelben Färbung bis zu den Wolken empor und verhüllten die Gebirge, ewig wechselnd, rastlos und unbegreiflich. Neue Sandwirbel erhoben sich aus der Wüste. Manche bewegten sich kaum von der Stelle, andere flogen rasch dahin. Jetzt sind sie auch hinter uns! Schwarze Rauchwolken schrauben sich empor und beginnen gespenstisch zu ziehen. Die Wüste sieht aus, als flöhen Abertausende von Schafen in rasender Flucht.
Nun aber sind die Luftwirbel ringsum. Wir müssen hindurch! Im Augenblick sind wir vom sausenden Sand eingehüllt. Nichts ist zu sehen, der Chauffeur tastet sich vorwärts, kaum dass man eine Staude am Boden erkennt.
Ein derartiger Sandsturm in einem Auto, dessen Motor intakt ist, bedeutet nichts als eine Unbequemlichkeit. Das Auto durchfährt die wirbelnde Zone in einer Viertelstunde, in zehn Minuten. Diese Zone aber auf dem Rücken eines Tieres zu durchqueren muss eine geradezu ungeheure Anstrengung sein.
Feinsinnig, staunend und mit einem Blick für das Fremde und das Spielerische nähert sich Sassa yo yassa. Japanische Tänze der Welt der japanischen Tanzkunst. Die folgende Leseprobe führt in einen Tanz, in dem Mythos, Maske und Bewegung ineinanderfließen und macht erlebbar, wie Erzählung, Ritual und Beobachtung bei Kellermann zu einer faszinierenden Einheit werden.
Wie merkwürdig aber ist doch der Mensch: Dieselbe Maske übt im nächsten Tanz einen ganz anderen Eindruck auf mich aus.
Denn im Sanja no mai, dem Pilgertanz, stellt die Tänzerin (Fukuko tanzt) mit der gleichen Maske eine schöne Prinzessin dar.
Die Geschichte dieses Tanzes ist höchst merkwürdig und echt japanisch, denn wie sollte ein anderes Volk soviel Fantasie mit solcher Naivität verbinden können?
Amaterasu Omikami, das Licht des Himmels, die oberste Göttin Japans, hatte einen jungen Bruder, Susa-no-o Mikoto, dessen Extravaganzen sie so erzürnten und beschämten, dass sie beschloss, sich von der Welt zurückzuziehen. Sie verbarg sich im Meere hinter einem Felsen in der Provinz Ise. Dieser Felsen, Iwato (d. i. erscheint in der See), ist noch heute zu sehen. Man wallfahrt zu ihm.
Sobald aber die erbitterte Lichtgöttin ins Meer gestiegen war, versank Japan in die schwärzeste Nacht. Das Volk zitterte und verging vor Angst und schrie zu den Göttern. Die Götter hatten Erbarmen und versammelten sich in der Provinz Ise, um zu beraten, durch welche Mittel die erzürnte Göttin aus ihrem Versteck herausgelockt werden könnte.
Und sie kamen überein, dass es das Beste wäre, der Göttin ein Schauspiel zu geben. Sieben Instrumente, so dachten sie, Schlottern, Glocken, Flöten, Samisenen, Trommeln etc., und Usumeno Mikoto, die göttliche Prinzessin, berühmt wegen ihrer Schönheit, soll tanzen!
Die Götter hatten sich nicht getäuscht.
Sobald nämlich Amaterasu Omikami die Musik vernahm, Glocken, Schlottern, Trommeln, lugte sie hinter ihrem Felsen vor, und ein Lichtblitz zuckte über das dunkle Japan hin und beleuchtete die tanzende Usumeno Mikoto. Aber alles war bis ins kleinste vom Rat der Götter überlegt worden, und so kam es, dass Goriki no Mikoto, der Gott der Stärke, schon bereit stand, den Felsen zu zerreißen, so dass das Licht breit und mächtig in die Dunkelheit hinausflutete.
Amaterasu Omikami aber verließ ihr Versteck, durch Usumeno Mikotos Schönheit und Kunst versöhnt.
Was wäre sonst aus Japan geworden! Man hätte es nicht mehr gefunden!, sagte Nao-san.
Zum Gedächtnis dieses Ereignisses baute man in der Provinz Ise Tempel, und Tausende von Gläubigen wallfahren noch heute zu ihnen, um der Lichtspenderin zu danken.
Die Tänzerin trägt Odafukus kleine Maske und bedient sich während des Tanzes einer Schlotter, die die sieben Instrumente verkörpert, und eines goldenen Fächers. Die kleine Maske erscheint mir jetzt als das anmutigste und lieblichste Gesichtchen, das ich je sah, das Lächeln ist das einer göttlichen Tänzerin, märchenhaft und kindlich, geeignet, eine erzürnte Gottheit günstig zu stimmen. Fukuko tanzt herrlich, rührende Posen, anmutige Verrenkungen der Arme und Hände, und Amaterasu Omikami müsste kein Verständnis für den Tanz haben, würde sie bei ihrem Anblick nicht allen Zorn und Grimm vergessen.
Als Fukuko die liebliche Larve abnahm, kam ihr kleines dickes Lausbubengesicht wieder zum Vorschein und erschien drolliger und kecker als je.
Unterdessen aber hat sich der Raum mehr und mehr mit Tänzerinnen gefüllt. Sie kauern nach allen Seiten im Kreise; einige dummglotzende Mongolenköpfe sind darunter, die mir nicht gefallen, und eine süße, kleine Kinderleiche.
Es ist ein mir wohlbekannter Schlich des Teehausbesitzers, nach und nach immer mehr Tänzerinnen einzuschmuggeln, für die ich am Schluss bezahlen muss, für jede Tänzerin einen halben bis zwei Yen die Stunde. Er wird sich die Freiheit nehmen, sie mir als berühmte Tsutsumispielerinnen oder Spezialistinnen eines besonders interessanten Tanzes vorstellen zu lassen, und spekuliert auf meinen feinen Kunstgeschmack und meine Gutmütigkeit. Er holt sie aus allen Teehäusern zusammen, und dafür bekommt er natürlich Prozente; denn in Japan wird nichts ohne Prozente getan, es ist das Land der Prozente. Auch Nao-san bes kommt gewiss Prozente vom Teehaus Yamanaka.
In leidenschaftlichem Ton und mit schonungsloser Klarheit stellt Was sollen wir tun? Wege aus Schutt und Asche die existenziellen Fragen der Nachkriegszeit. Die folgende Leseprobe konfrontiert mit dem Ausmaß der Zerstörung und zugleich mit dem entschlossenen Appell, aus den Trümmern neue Kräfte zu sammeln und den Wiederaufbau zu wagen.
Die Industrie!
Ehemals ein stolzes Gebäude, geachtet von allen Völkern, ist die deutsche Industrie heute ein Trümmerhaufen. So trostlos ist die Lage, dass es schwer ist, seine Fassung zu bewahren! Wahrhaftig, wir sind ein Volk, das in die tiefste Hölle gestürzt wurde und heute seinem Schöpfer danken muss, noch atmen zu können.
Die riesigen Hallen der Arbeit sind Schutt, die Maschinen zertrümmert, die Rohstoffvorräte verbrannt, vielerorts liegen die Zechen still.
Die Hochöfen sind erloschen, die Kokereien zerstört. Der Stamm der Facharbeiter ist tot oder dezimiert. Wo noch Fabrikationsräume bestehen, fehlen die Rohstoffe, wo noch Rohstoffe vorhanden sind, fehlen die Räume, und Millionen arbeitswilliger Hände müssen feiern. Die gesamte Exportindustrie ist ziemlich restlos vernichtet. Von ihrem Fleiß aber, ihrer Regsamkeit, ihrer Erfinderkraft lebten wir zum großen Teil!
Noch nie befand sich ein großes Volk in einer ähnlich fürchterlichen Lage. Erst ganz allmählich, das ist ein gewisser Trost, wird sie dem Volke bewusst werden.
Wenn man alle Überreste an Fabrikationsräumen, Maschinen, Rohstoffen und Facharbeitern zusammenschließt, so wird es kaum möglich sein, einen reduzierten Inlandsbedarf zu decken, von einem nennenswerten Export kann jahrelang nicht die Rede sein.
Indessen, wir haben keine Zeit, düsteren Gedanken nachzuhängen. Mut, Mut, raffen wir alle unsere Kräfte zusammen und beginnen mit dem Notwendigsten, dem Allerdringlichsten. Die Maschine, die uns mit Motoren und Tanks zermalmte, wird die Rolle des Helfers und Retters spielen.
Schonungslos und mit eruptiver Sprachgewalt schildert Der Krieg im Argonnerwald von Bernhard Kellermann den Beginn eines der erbittertsten Stellungskämpfe des Ersten Weltkriegs. Die folgende Leseprobe führt unmittelbar in das Inferno aus Wald, Feuer und Angriffen und lässt spüren, wie sich Euphorie, Gewalt und Ernüchterung im mörderischen Dickicht der Argonnen verdichten.
Trotzdem nahm die Armee den Kampf hier auf! Wald, Dickicht, Schluchten, Sümpfe, einerlei, und wenn der Wald angefüllt mit Teufeln gewesen wäre, die Armee hätte nicht gezögert.
Vorwärts!
Die Regimenter rasseln in Eisen!
Im Osten stoßen die Bataillone von Montblainville und Varennes aus vor, im Westen von Binarville.
Sie dringen in den Wald, über düstere, schlechte Holzpfade und Wege. Sie schieben sich vor bis zu einer gewundenen Querstraße, die die Patrouillen frei vom Feinde gemeldet haben. Hier hat der Wald noch nicht den schrecklichen Urwaldcharakter. In breiter Schützenlinie schieben sie sich zu beiden Sekten der Wege zum Angriff vor. Noch ist der Wald still, nichts regt sich, kein Tier, kein Vogel, aber schon peitscht da und dort ein Gewehr. Der Feind ist nahe! Plötzlich rasselt der Wald wie gehämmertes Eisen. Schützenfeuer, Salvenfeuer. Die Kugeln zischen in Schwärmen, das Echo lärmt. Der stille Wald ist plötzlich aufgewacht, er tobt und poltert. Der Feind ist da! Ran an den Feind! Angriff! Die Schützenlinien stürzen vor, der Wald hallt von hartem Lärm. Die Grauen, die den Feind vor sich hergetrieben hatten, von Longwy bis nahe an Bar le Duc, gehen wie Teufel vor.
Aber der erste Angriff missglückt.
Es zeigt sich, dass sich der Feind in befestigten Stellungen im Dickicht verschanzt hat. Seine Schanzen sind unsichtbar ins Unterholz eingebaut, unauffindbar.
Angriff! In breiten Schützenlinien schieben sich die Kompanien vor, zur Seite der Wege. Die Reserven folgen dichtauf, in dichten Reihen, soweit es das Unterholz zulässt. Bei einer Waldlichtung hält sich der Feind in einer vorgeschobenen, befestigten Stellung. Sturm! Wieder rasselt lärmend der Wald. Die Stellung aber ist genommen. Der Argonnerwald trinkt deutsches Blut.
Das geschah Ende September. Die Truppen, die vom Osten her eindrangen, von Varennes aus, trieben den Feind bis in die Mitte des Waldes zurück, bis zum Bach Biesme.
Dieser Bach entspringt auf den Südkuppen des Argonnerwaldes, teilt, sich nördlich windend, die Südhälfte des Waldgebirges in zwei Teile, um nahezu in der Mitte der Argonnen scharf nach Westen umzubiegen, nach Vienne le Chateau. Unterhalb dieses Dorfes fließt er in die Aisne.
Bis auf Four de Paris, etwa die Stelle, wo der Bach sich scharf nach Westen wendet, war der Feind zurückgeworfen worden.
Die Truppen, die von Binarville südöstlich und südlich vordrangen, hatten den Feind bis auf drei Kilometer nördlich der Biesme zurückgedrängt. Eine keilförmige feindliche Stellung schob sich noch in unsere Linie hinein, die befestigten Waldschanzen Bagatelle-Pavillon und St. Hubert-Pavillon. Diese Waldschanzen mussten genommen werden, und sie wurden genommen. Mann gegen Mann, mit Bajonett und Kolben. Zu Haufen liegen die Toten. Ein paar Tage lang tobt der schreckliche Kampf. Bagatelle und St. Hubert sind unser.
So stand es nun, Ende September, Anfang Oktober.
Die Truppen, berauscht von ihren Siegen des Vormarsches, hatten den Wald an einem Tage, in zwei, drei Tagen spätestens überrennen wollen.
Sie hatten sich getäuscht.
Auch wenn es inzwischen schon mehr als ein Jahrhundert her ist und von den damals Beteiligten niemand mehr lebt, sollen hier noch einige militärhistorische Anmerkungen zu den Kämpfen im Argonnenwald folgen. Zunächst ein bisschen Geografie: Die Argonnen französisch LArgonne, in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg meist als Argonner Wald bezeichnet trennen das wellige Becken der Champagne vom ursprünglich erst an der Maas beginnenden Lothringen. Und diese Gegend war gleich zwei Mal Kriegsschauplatz, wie Wikipedia zu berichten weiß:
Im Jahr 1792 wehrten Charles-François Dumouriez und François-Christophe Kellermann die eindringende Armee Karl Wilhelm Ferdinands in der Kanonade von Valmy ab. Diese Ereignisse werden von Goethe in seiner Schrift Kampagne in Frankreich beschrieben.
Im Ersten Weltkrieg war die durch die Argonnenbahn erschlossene Gegend Schauplatz heftiger Kämpfe zwischen Deutschen und Franzosen, vor allem der Minenkrieg von Vauquois, später auch Amerikanern (Herbst/Winter 1914, Sommer 1915, Herbst 1918, Maas-Argonnen-Offensive). Zahlreiche Soldatenfriedhöfe zeugen von den schweren K7ämpfen, bei denen Tausende von Soldaten starben. Auf deutscher Seite entstand im Ersten Weltkrieg das Argonnerwaldlied. In diesem Soldatenlied heißt es:
Argonner
Wald um Mitternacht,
Ein Pionier stand auf der Wacht
Ein Sternlein hoch am Himmel stand,
Bringt ihm einn Gruß aus fernem Heimatland.
Und mit dem Spaten in der Hand,
Er vorne in der Sappe stand.
Mit Sehnsucht denkt er an sein Lieb,
Ob er sie wohl noch einmal wiedersieht.
Unter der Überschrift Schlacht in den Argonnen (1914) heißt es ebenfalls bei Wikipedia unter anderem: Die Erste Schlacht in den Argonnen vom 6. bis 12. September 1914 spielte sich im Ersten Weltkrieg an der Westfront ab, sie fand gleichzeitig mit der Schlacht an der Marne statt. Der hochliegende Argonnen-Wald bot für den taktischen Verteidigungskampf große Vorteile. Durch die Annäherung der deutschen Truppen, welche einerseits im Westen die Argonnen durchschritten und anderseits im Osten in der Woëvre-Ebene vorrückten, war der vorspringende französische Festungsraum Verdun kurzfristig von der Abschneidung bedroht. Im Westen öffnete sich nach dem Durchgang der Argonnen eine Ebene, das Aire-Tal, das direkt nach Bar-le-Duc führt. Bar-le-Duc und Saint-Mihiel liegen etwa auf derselben Höhe geographischer Breite, wodurch die deutsche 5. Armee zu Beginn der Schlacht eingeladen war, an diesen beiden Punkten anzusetzen und den Durchbruch zu erzwingen. Es gelang der französischen 4. und 3. Armee in Abstimmung mit der allgemeinen Gegenoffensive an der Marne die deutsche 4. Armee über Vitry und die deutsche 5. Armee auf die Argonnen nach Norden zurückzudrängen und damit das wichtige nationale Bollwerk Verdun vor dem deutschen Zugriff zu sichern.
Zur Vorgeschichte der erbitterten Kämpfe lesen wir: Seit dem 25. August war die Truppenzahl der Franzosen am östlichen Flügel in Lothringen und im Elsass zugunsten der sich im Raum östlich von Paris abzeichnenden Hauptschlacht reduziert worden: das 7. Corps und die 63. Reserve-Division (von der Armée dAlsace); die 8., 10. Division und ein Teil der 2. Kavalleriedivision; Teile des 9. Corps; schließlich auch das 21. Corps wurden zuerst abtransportiert. Das 4. Corps war im Begriff, nach Paris abtransportiert zu werden, und sollte bald an der Schlacht am Ourcq teilnehmen.
Als General Maurice Sarrail am 30. August den Oberbefehl über die französische 3. Armee von General Pierre Ruffey übernahm, war diese bereits stark geschwächt und ein Torso neu zusammengewürfelter Verbände. Die 42. Division (bisher beim 6. Corps) war zur neu begründeten 9. Armee abgegeben worden, zwei weitere Divisionen und eine Brigade waren nach der Niederlage in der Schlacht bei Longwy völlig aufgelöst. Es blieben General Sarrail nur das 5. und 6. Corps sowie die 3. Gruppe der Reservedivisionen (67., 75. und 65.), die selbständige 72. Reserve-Division, die Teil der Garnison von Verdun war und die 7. Kavalleriedivision.
Die Kämpfe dauerten bis Anfang Oktober 1914: Am 15. September wichen die deutschen Nachhuten weiter aus, die nachrückenden Franzosen befanden sich schon nah der Hauptstellung an der Linie Apremont Baulny Charpentry, dessen Orte unter französischem Beschuss in Flammen aufgingen. Vauquois wurde durch deutsche Artillerie ebenfalls ein Raub der Flammen. Abends lief die Front von Montblainvilleüber Very Malancourt nach Forges. Aufklärungspatrouillen deutscherseits konnten keine Feindaufklärung betreiben, da sie frühzeitig angeschossen wurden. Um der rechten Flanke Luft zu schaffen, trat am 18. September das Infanterie-Regiment 122 (26. Infanterie-Division) von den Höhen östlich Chatel gegen Montblainville an.
Am 23. und 24. September gab das 5. Corps bei Montblainville wieder nach, verlor Varennes und erlaubte den deutschen Verbänden, sich Meurissons und Le Four de Paris wieder zu nähern. Daraufhin ordnete das Oberkommando der 5. Armee einen allgemeinen Angriff am 20. September an, dieser wurde durch das Große Hauptquartier jedoch um 2 Tage verschoben. Dieser Zeitraum wurde von den Franzosen genutzt, um ihre Stellungen zu verstärken und weitere Kräfte an die Waldränder zu verlegen. Am 29. September griff das deutsche XVI. Armee-Korps gleichzeitig bei La Chalade, Le Four de Paris und La Harazee an und erreichte den Raum nahe Biesme. Es muss angemerkt werden, dass zur gleichen Zeit General von Strantz die Hauts de Meuse bezwang, das Fort du Camp-des-Romains eroberte, die Maas überquerte und sich bemühte, über Chauvoncourt hinaus nach Westen vorzurücken. Dies bedeutete die Umhüllung von Verdun durch St. Mihiel und durch die Biesme und war die kritischste Zeit des Kampfes in Argonnen. Am 30. September wurden die Deutschen in der Nähe von La Chalade überrascht und über St. Hubert zurückgetrieben. Um den Bois de Bolante, La Fille Morte und Courtes-Chanvres wurden letzte Kämpfe geführt.
Ab dem 6. Oktober war die Front in den Argonnen praktisch endgültig im Stellungskrieg festgelaufen. Der Großteil der Argonnen blieb unter französischer Kontrolle, die Front stabilisierte sich.
In Deutschland aber nutzte man auch diese Schlacht in den Argonnen, um militärische Begeisterung zu wecken und für künftige Kriegstüchtigkeit zu werben wie es Kronprinz Wilhelm schrieb: Unvergängliche Lorbeeren erwarb sich ein jeder, der im Argonnenwald Leib und Leben einsetzte für Kaiser und Reich. Man sollte bei solchen Worten sehr genau hinhören, was damit gesagt wird und was sie bewirken sollen
Während dieser Kämpfe gab es auf beiden Seiten Zehntausende Tote und Verwundete, deren konkrete Gesamtzahl nur schwer zu ermitteln ist, die aber für viel Leid in den betroffenen Familien sorgten in Deutschland wie in Frankreich. Die Geschichte mahnt.
Bleiben Sie ansonsten weiter vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher gewogen. Und wie immer steht die Auswahl der fünf Sonderangebote für die nächste Woche schon fest.
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In Entführung in Manhattan geht es - wie schon der Titel sagt um eine Entführung, eine richtige Entführung. Leon hatte keine Chance, er konnte sich nicht mehr losreißen, nicht wegrennen, Zwei Jungen hielten ihn von beiden Seiten gepackt und umklammerten seine Ellbogen mit hartem Griff. Wer seid ihr, was wollt ihr?, keuchte Leon. Sie wollen tausend Dollar von Leon haben und bringen ihn in ein Versteck. In dem feuchten, finsteren und kalten Kellerloch soll er bleiben, bis er auspackt
Und das Hotel war wirklich verschwunden: Leon schaute sich um. War er vom Broadway falsch abgebogen und irrtümlich die 85. Straße hinuntergelaufen? Er trat an den Rinnstein und beugte sich vor. Die Straße, in der er sich befand, lief jenseits der 8. Avenue durch den Central Park weiter. Nein, er hatte sich nicht verlaufen. Das hier war die 86. Straße! Hier hatte das Hotel gestanden, das seit dem Tode des Vaters seiner Mutter Lohn und Brot gab. Und nun war es fort. War von einem Sonntag zum anderen verschwunden. Jetzt war dort nur noch ein leerer Platz