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Andy, Chef der Familie von Hildegard und Siegfried Schumacher
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Preis E-Book:
6.99 €
Veröffentl.:
02.01.2015
ISBN:
978-3-95655-217-5 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 153 Seiten
Kategorien:
Kinder-und Jugendbuch/Jungen und Männer, Kinder-und Jugendbuch/Soziale Fragen/Selbstwertgefühl und Selbstständigkeit, Kinder-und Jugendbuch/Familie/Eltern, Kinder-und Jugendbuch/Leser/Mittleres Niveau, Kinder-und Jugendbuch/Schule und Bildung, Kinder-und Jugendbuch/Sport und Freizeit/Fußball
Kinder/Jugendliche: Gegenwartsliteratur, Kinder/Jugendliche: Familienromane, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen: Familie, Kinder/Jugendliche: Schulromane, Kinder/Jugendliche: Persönliche und soziale Themen: Selbstwahrnehmung und Selbstbewusstsein, Kinder/Jugendliche: Sportromane
Haushalt, Schule, Vater-Sohn-Beziehung, Freundschaft, Fußball, Kinderbetreuung, Moskau, 20. Jahrhundert, Familienbeziehungen, Freundschaft, Kinder, Schule
10 - 99 Jahre
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Süßes ess ich gern. Ich ließ Tante Felchow bei ihrer Fliegengewichtseinbildung und nahm einen Teller mit Apfeltorte in Empfang.

„Kannst ihn mit raufnehmen, Andy. Und bitte, kipp nicht mehr die Müllschippe aus dem Fenster, wie es deine Mode ist. Meine sind geputzt. Euren würde es auch guttun.“

Weil ich die Treppe schon halbhoch war, mochte ich den Kuchen nicht wieder hinunterbringen. Der Appetit darauf war mir völlig vergangen. Meine Neuerermethode mit dem Müll hatte mit Mode nicht im geringsten zu tun! Das war Arbeitsproduktivität. Vati sagt, sie stehe in unserer Volkswirtschaft an erster Stelle. Meine und Vatis Wirtschaft war der Haushalt. Wenn wir den nach Großmutterart führten, konnten wir uns gleich begraben lassen.

Mit Ärger im Bauch kann man gut arbeiten. Ich begoss die Blumen, schüttelte die Betten und klopfte sie glatt, als hätte ich Tante Felchow unter den Händen. Die Fenster machte ich nicht auf. Ich wollte mir nichts nachreden lassen. Und überhaupt, die Torte stelle ich ihr nachher vor die Tür! Den Staubsauger ließ ich brummen wie einen bissigen Bären. Was herumlag, stopfte ich in Schränke und Schubladen, und zum Schluss klatschte ich den Scheuerlappen durch mein Zimmer und das Bad.

Hier roch es. Es roch nach Ankes Hose. Aus Vatis Rasierwasserflasche nahm ich Gegengeruch und kniff mit der linken Hand meine Nase zu. Mit der Rechten warf ich Ankes Hose ins Wasser und schwenkte sie darin am Waschstock hin und her. Ein paarmal erneuerte ich das Wasser. Dann roch nichts mehr. Zur Sicherheit wusch ich den braunen Fleck noch mit Rosenseife weiß. Meine Schwester sollte niemandem schlecht riechen. Aber das schwor ich mir: Egal, wo und wann Anke musste, in die Hose nicht!

Ich haute meine Mappe ins Regal und mich in den Ohrensessel. Feierabend! Schließlich war ich kein Pferd. Die haben es gut in der Genossenschaft. Sie werden nur noch fürs Reiten gefüttert. Aus Arbeitsgäulen waren Sportler geworden. War es bei mir nicht umgekehrt?

Ich überprüfte mein Schussbein. Augenblicklich hielt es nichts vom Sport. Das stimmte mich traurig. Fredi hatte mich auch sitzen lassen. Das stimmte mich noch trauriger. Ich biss in die Apfeltorte. Sie schmeckte wie Pappe. Ich schob sie von mir, und als es klingelte, blieb ich auf meinem Platz. Wer weiß, wer da was wollte. Was Vernünftiges kam bestimmt nicht. Ich starrte auf das Fenster. So unrecht hatte Tante Felchow nicht. Und wenn sie Mutti nun schreiben würde, langsam wird Ihrer Familie die Aussicht aus den Fenstern versperrt?

„Bist du taub?“

Ich fuhr hoch.

Fredi stand im Zimmer und musterte mich. „Sitzt im Sessel wie ’ne Padde, die spinnt!“

„Ich erhole mich“, sagte ich.

„Mein lieber Mann“, sagte er, „wenn ich mich immer gleich erholen würde! Kartoffeln musste ich sortieren. Ein Haufen wie ’n Berg! Befehl von Muttern. Den ganzen Tag versauen sie einem!“ Er nahm sich den Apfeltortenteller. „Schmeckt schau“, stellte er fest. „Bestimmt reine Butter.“ Und kauend redete er weiter: „Bist ’n schöner Freund! Erholst dich stundenlang, und ich muss schuften.“

„Ich auch!“ Und ich erzählte ihm, was ich alles getan hatte.

Fredi kaute und hörte zu. Schließlich stippte er die Krümel vom Teller, leckte die Fingerspitzen ab und sagte: „Nee, meine Mutter würde ich nicht nach Moskau lassen.“

„Musste sein“, sagte ich.

„Trotzdem“, sagte er. „Nu lass uns man! Meine Zehen jucken schon, und eure Unterfrau ist abgezogen in Richtung Falkenwalder Bus.“

Tante Felchow liebt den Rasensport nicht. Sie schimpft, wenn wir ihn vor der Haustür pflegen. Wir sollen uns zum Sportplatz scheren, anstatt den Ball dauernd zwischen ihre Rosen zu donnern. Höchstens einmal die Woche soll dauernd sein! Sie begreift einfach nicht, dass für ein persönliches Zwischentraining der Weg bis zum Sportplatz keine Arbeitsproduktivität bringt.

 

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