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Kalender 2019: Schwerin auf alten und neuen Ansichten von Gisela Pekrul
Autor:
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Kalender:
9.80 €
Veröffentl.:
15.06.2018
ISBN:
978-3-95655-880-1 (Kalender)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 12 Seiten
Kategorien:
Geschichte / Deutschland, Geschichte / 20. Jahrhundert
Sozial- und Kulturgeschichte, Mecklenburg-Vorpommern
Schloss, Schweizerhaus, Festhalle, Alter Garten, Nordischer Hof, Schlossgarten, Pommerenke, Schwerin, Plenarsaal, Goldener Saal, Kaufhaus, Gaststätte, Kurhaus, Mueß, KGW, Seeke, Lutherstraße, Straßenbahn, Schlossbrand, Seevilla, Stadtgeschichte, Kalender, Theater, Gendarmerie, Holocaust, Kychenthal, Schule, Finanzministerium
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Die Seeke ist verschwunden

Gut, dass diese Postkarte aus dem Jahre 1900, die die damalige Lutherstraße mit der vom Ostorfer See kommenden und in den Burgsee fließenden Seeke zeigt, nur visuelle und keine Geruchserinnerungen präsentiert. Denn als dieses auf dem Bild gut zu erkennende Flüsschen noch ein durchgehend offenes Gewässer war, nutzten es die Schweriner als Abfall- und Fäkaliengrube. Vor allem die Bewohner der Lutherstraße ließen bis 1901 ihre Abwässer direkt in die Seeke laufen. Der Gestank soll bei bestimmten Wetterlagen und bei Niedrigwasser bis in die Wohnungen gedrungen und furchtbar gewesen sein. So jedenfalls steht es in alten Schweriner Akten.

 

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Verwandlung des armen Bauern- und Fischerdorfes Ostorf vor den Toren Schwerins in ein Villenviertel begonnen. Ab 1898 wurden dort zwei- bis dreigeschossige Villen gebaut, die neben der Hausnummer meist noch einen Namen trugen. Nach mehr als zwanzigjährigen Verhandlungen waren 1912 das Ostorfer Villenviertel (die Lutherstraße und die heutige Lischstraße), die Artilleriekaserne und der Ostorfer Hals zwischen dem Faulen und dem Schweriner See eingemeindet worden. Der Schweriner Magistrat verpflichtete sich damals zum Aufbau einer städtischen Infrastruktur wie Straßenbau, Wasser- und Abwasserversorgung sowie zum Ermäßigen der Grundsteuer bis zum Abschluss dieser Arbeiten.

 

Damals konnte man in der inzwischen längst in unterirdischen Rohren verschwundenen Seeke teilweise noch bis Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts baden. Ältere Schweriner können sich noch erinnern, dass dies zum Beispiel im Fließ am Platz der Jugend möglich war. Auch der Ostorfer See reichte damals viel weiter in Richtung Stadt hinein. Ein schmaler Weg, ein bisschen Grün – mehr trennte die Anwohner nicht vom Wasser. Dann kamen Bagger und Laster, brachten Sand, Kies, Schutt und Straßenbelag mit und drängten das Ufer vom Ostorfer See weit zurück. Im Herbst 1974 wurde die vierspurig ausgebaute Ludwigsluster Straße in Höhe Slüterufer auf 1,3 Kilometern fertig.

 

Die heute nicht mehr sichtbare Seeke fließt in etwa unter der Goethestraße und biegt dann zur einstigen Grafenmühle ab. Diese stand an der heutigen Ecke Schloßstraße/Mecklenburgstraße. Auf ihren Fundamenten wurde das so genannte Skraffitohaus gebaut. An der Mühle vereint sich die Seeke mit dem vom Pfaffenteich kommenden Fließgraben und fließt dann gegenüber der Einmündung Geschwister-Scholl-Straße in den Burgsee. Aber auf dem größten Teil ihres Flusslaufes ist die Seeke dem Auge des Betrachters entschwunden.

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