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Die Damengang. Kriminalroman von Klaus Möckel
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Preis E-Book:
6.99 €
Veröffentl.:
08.08.2012
ISBN:
978-3-86394-673-9 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 176 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Thriller/Spannung, Belletristik/Krimis & Detektivgeschichten/Polizeiprozesse
Kriminalromane und Mystery: Polizeiarbeit, Thriller / Spannung
Totschlag, Diebstahl, Einbruch, Verkehrsgefährdung, Mädchenbande, Rache, Ermittlung
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Manja birst fast vor innerer Wut, aber sie kann nichts machen, sie fühlt sich an Händen und Füßen gebunden, Ihr Mann, dieser Jämmerling, dieser Säufer ohne Gefühl und Verstand, hat sie in der Hand, er erpresst sie mit einer Abgefeimtheit, wie sie nur ein Schwächling kennt, der seine letzte Chance wittert. Natürlich hat er es nicht bei dem ersten Zwanziger belassen, vielleicht wollte er das anfangs, bildete sich selber ein, Maß halten zu können, aber die Gier nach dem Alkohol warf seinen Vorsatz über den Haufen. Er weiß um ihre stillen Reserven, die Haushalt- und Urlaubskasse, ahnt wenigstens, dass so etwas existiert, verlangt in letzter Zeit sogar, dass sie ihren Schmuck verkauft. Ihm macht es nichts aus, dass er sie damit bis zum äußersten reizt. "Jahrelang hattest du mich am Gängelband", erklärt er, jetzt läuft's andersrum."

Ewig kann das nicht so weitergehen, zumal die Frauen auf ihren vollen Anteil am Verkauf der Ware drängen. Sie hat mit Inge über ihre Lage zu sprechen versucht, es dann aber bei Andeutungen belassen: Sie scheut sich zuzugeben, dass sie erpresst wird. Wer weiß, wie Jeffi auf ein solches Geständnis reagiert. Andererseits wird sie kaum ohne die Hilfe der beiden auskommen. Eine gemeinsame Abreibung für ihren Mann, eine, die sich ihm ein für allemal einprägt, scheint ihr die einzige Lösung.

Damals, nach dem Streit, hat sie die Ware gleich aus dem Haus geschafft. Den größten Teil verscherbelt, so schnell es ging, den Rest auf ihrer Arbeitsstelle in den Spind geschlossen. Inge und Jeffi allerdings hat sie bisher nur halb auszahlen können. Nun werden sie langsam ungeduldig, das ist kein Wunder.

Es ist kurz nach vier, in der Imbissstube, einem schmalen Raum mit einigen Sitzplätzen, hauptsächlich aber hohen, langen Tischen, an denen man sein Essen im Stehen verzehrt, herrscht reger Betrieb. Ein Menschen- und Stimmengewirr, an das Manja gewöhnt ist. Sie verrichtet ihre Arbeit routiniert, packt das schmutzige Geschirr vom Abstelltisch auf den Wagen, sammelt die Gläser und Teller ein, die trotz überall hängender Aufforderungen nicht von allen Gästen weggeräumt werden. Als plötzlich Antje neben ihr auftaucht, die zwanzigjährige Göre, die Manja ein paar Mal mit Inge zusammen gesehen hat, ist sie nicht sonderlich überrascht. Sie weiß sofort, dass es sich um keinen Zufall handelt. Sie fragt: "Willst du 'nen Kaffee bei uns trinken, oder schicken dich deine älteren Schwestern?"

"Euer Kaffee ist mir zu dünn, wir wollten dich zu einem Eis einladen, in die 'Diele'."

Das "wir" kommt nassforsch heraus, die Kleine gibt mächtig an. Dennoch hat Manja ein ungutes Gefühl. "Wie stellt sich Jeffi das vor", protestiert sie, "ich kann doch hier nicht einfach weg."

"Soll ja auch nicht gleich sein. Erst um sechs, wenn du Schluss machst."

Antje wippt auf den Zehen, Manja sagt: "Ach so, um sechs. Und worum geht's?"

"Um was Mächtiges", erwidert Antje geheimnisvoll lächelnd, "wirst's erfahren, wenn du da bist."

Sie zieht ab, erfüllt von ihrer Wichtigkeit. So sieht es wenigstens Manja. Göre, denkt sie erneut, ist aber ein wenig beruhigt. Die letzten Worte klangen nicht, als wollte ihr Jeffi die Leviten lesen.

Drei Viertel sechs zieht Manja die Schürze aus, wäscht sich auf der Toilette die Hände und verlässt die Gaststätte. Bis zur "Diele", einem Eispavillon im Park, wo man draußen sitzen und die Schwäne im Stadtsee beobachten kann, ist es nicht weit. Angenehmes Wetter, Federwölkchen stehn am blauen Himmel. Manja überlegt, ob sie heute auspacken, ihre Schwierigkeiten mit Ronald darlegen soll. Das Beste wäre es wohl. Trotzdem beschließt sie, erst mal abzuwarten, zu sehen, was man von ihr will.

Die drei Frauen sitzen an einem Tisch vorn an der Brüstung zum See, eine unbeschwerte Gruppe, der man nichts Böses zutraut. Sie schlecken ihr Eis, schwatzen miteinander, ziehn die Blicke der Männer auf sich. Inge, in einem bräunlichen Wallegewand, entdeckt Manja zuerst und winkt ihr zu. Obwohl Manja weiß, dass Inge schon immer ein Früchtchen war, denkt sie, die Freundin hätte sich nie mit Jeffi einlassen dürfen. Diese blonde Malerin war ihr von Anfang an unheimlich. Wenigstens, wenn sie ihre herrische Phase hatte.

Doch das scheint diesmal nicht der Fall zu sein. Jeffi lächelt freundlich und rückt Manja einen Stuhl zurecht. "Setz dich, hast's bestimmt dicke. Acht Stunden in deiner Muffelstube. Da muss man ja lahme Füße kriegen."

Manja fällt es schwer, auf den lockeren Ton einzugehen. Sie nimmt Platz, wirft aber einen misstrauischen Blick in die Runde. "Warum treffen wir uns hier, in aller Öffentlichkeit?"

 

Die Damengang. Kriminalroman von Klaus Möckel: TextAuszug