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Besuchszeit von Dorothea Iser
Autor:
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Preis E-Book:
7.99 €
Veröffentl.:
12.01.2015
ISBN:
978-3-95655-250-2 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 241 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Verbrechen, Belletristik/Familienleben, Belletristik/Liebesroman/Erwachsenwerden
Familienleben, Liebesromane
Unfall, Suizidversuch, Mordversuch, Schwestern, Lehrer, Journalist, Erste Liebe
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Franziska öffnete die Korridortür, sie hatte schon auf die Tochter gewartet. Darum war sie sicher, als sie jemanden die Treppe heraufkommen hörte, dass es Bettina war.

„Wie siehst du aus?“, fragte sie bekümmert und sah übers Geländer hinunter ins Treppenhaus, wo jemand eilig davonlief.

„War das Albert?“ Franziska wich vor Bettina zurück.

„Das wagst du?“ Alles in ihr weigerte sich zu glauben, was sie gesehen hatte. Unmöglich. Bettina, sag, dass es nicht wahr ist. „Albert kommt mir nicht mehr ins Haus!“ Ihre Stimme überschlug sich. Wie zerstört musste Bettina sein, wenn sie versuchte, Jules Platz bei Albert einzunehmen.

Bettina schien die Sorgen der Mutter nicht wahrzunehmen. Sie ging sofort in das Mädchenzimmer und warf sich auf das Bett.

Seit jener Nacht, in der Jule mit Albert zurückgekommen war und sagte, sie wollen zusammenbleiben, war Bettina nicht mehr zu der Mutter gekommen. Vielleicht nährte sie einen Vorwurf gegen die Eltern. Nun habt ihr endlich, was ihr wollt. Franziska erinnerte sich an die gespenstische Szene. Der frühe Morgen im Korridor, alle mit bleichen Gesichtern, Bettinas Weinen, das niemand sah. Franziska hätte Albert am liebsten fortgeschickt, aber dann hätte sie Jule gleich wieder verloren. Franziska tröstete sich schließlich damit, dass Bettina jetzt ertragen musste, was sie vor einem Jahr ihrer Schwester zugemutet hatte.

„Erinnerst du dich daran?“, fragte Franziska Hans, der sich suchend im Korridor umsah.

„Albert hat Bettina gebracht. Stell dir das vor! Albert. Weißt du noch?“, begann sie erneut mit den Erinnerungen. Sie stellte sich ans Fenster und sah auf die parkenden Autos hinunter.

„Du beschwörst die alten Geschichten herauf. Das hat keinen Sinn.“

„Für dich vielleicht nicht. Aber für mich ist es wichtig.“ Hans hatte das Licht eingeschaltet. „Franziska“, mahnte er. „Das Grübeln hat keinen Sinn. Geh zu ihr!“

Franziska öffnete vorsichtig die Tür zu Bettinas Zimmer. „Bella?“, fragte Bettina.

„Ich bin nicht Bella.“

„Ich möchte bei Bella sein“, sagte Bettina. „Ich wäre gern Bellas Tochter. Dann wäre Jule nicht meine Schwester. Ihr hättet nur eine einzige Tochter. Das wäre viel besser. Für alle.“

„Warum sagst du so etwas?“, fragte die Mutter. „Ist es nicht mit Jule schon schlimm genug?“

Bettina richtete sich auf, holte tief Luft und sagte: „Aufhören. Wir müssen aufhören!“

„Was ist das?“, fragte die Mutter. Sie hielt Jules Briefe in den Händen.

„Lies sie nicht“, verlangte Bettina. „Das lasse ich nicht zu.“ Das beeindruckte die Mutter nicht. Noch könnte Bettina ihr die Briefe entreißen. Die Mutter trat zurück und legte sie auf die Schreibplatte.

„Lies sie doch und gib sie Vater. Wir müssen vielleicht auch darüber reden. Ich weiß nicht. Ich weiß überhaupt nicht mehr, was richtig ist und was nicht.“ Bettina schloss die Augen. „Morgen kommt Bella“, sagte sie irgendwann.

Hans bedrückte diese Ankündigung. Er schlief unruhig ein. Mitten in der Nacht wachte Hans auf. Vom Korridor her fiel Licht durch einen Türspalt herein. Franziska saß in eine Wolldecke eingewickelt neben dem Telefon und schreckte auf, als Hans sie berührte. Der Rücken schmerzte. Ein Bein war in der unbequemen Haltung eingeschlafen.

„Ich habe von Jule geträumt“, sagte sie. „Wir haben sie besucht. Auf der Entbindungsstation. Das Baby in ihrem Arm strampelte kräftig. Ich weiß nicht mehr, ob es ein Junge war. Ist das ein gutes Zeichen?“

„Jule hat mich bitter enttäuscht. Aber das ist mein Problem“, sagte Hans.

 

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