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Seh ich Raben, ruf ich, Brüder. Bilder und Gedichte von Johannes Helm
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Preis E-Book:
6.99 €
Veröffentl.:
02.04.2013
ISBN:
978-3-86394-963-1 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 126 Seiten
Kategorien:
Kunst / Europa, Kunst / Malen, Lyrik/Natur, Lyrik/Orte
Europa, Kunstgeschichte, Lyrik, Poesie
Malerei, Naive Malerie, Neu Meteln, Mecklenburg, Gedichte, Tiere, Himmel
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Tante Martha

Hinterm Feld aus Nachbars Garten
zwischen ihren weißen Hühnern,
bunter Wäsche auf der Leine
winkt herüber Tante Marthen.

Wohnt allein in Haus und Scheune.
Unkraut sensen ihr die Enkel,
und die Kinder schlagen ihr
Pfähle für die Gartenzäune.

In die süßen Eierkuchen
backt sie Blüten von Holunder,
wenn der Kinder Enkelkinder
zum Geburtstag sie besuchen.

Auf vergilbter Fotoplatte,
hinter Glas im goldnen Rahmen,
neben ihr mit schwarzem Schnurrbart
stattlich ihr verstorbner Gatte.

Kopftuch in die Stirn gezogen,
fährt sie durch den Nebelregen
auf dem Fahrrad in den Laden;
es ist rostig und verbogen.

In den ersten Sommertagen
schauen sieben junge Katzen
durch den Spalt der Bodenluke.
Sechs davon muss sie erschlagen.

Drum entzieht ihr Gott den Segen:
Vierzehn Hühner saugt der Marder,
legt sie ordentlich im Kreise.
Wer soll nun die Eier legen?

Heute trägt sie ihre schwarze Schürze
mit den weißen Punkten,
denn ich hab sie eingeladen
zum Besprechen meiner Warze.

Murmelt ihren Spruch und bindet
einen Apfel an die Lampe:
Wenn der wegfault, schrumpft die Warze,
bis sie endlich ganz verschwindet.

Neben ihrem Bauerngarten
sitzt vorm roten Backsteingiebel
in den Ranken der Clematis
freundlich winkend Tante Marthen.

 

Seh ich Raben, ruf ich, Brüder. Bilder und Gedichte von Johannes Helm: TextAuszug