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Visa für Ocantros. Abenteuerroman von Wolfgang Held
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Preis E-Book:
7.99 €
Preis:
7.49 € (Film)
Veröffentl.:
11.02.2013
ISBN:
978-3-86394-925-9 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 367 Seiten, Film: 122 Min., 1 DVD
Kategorien:
Belletristik/Thriller/Spannung, Belletristik/Thriller/Politik, Belletristik/Thriller/Militär, Belletristik/Action und Abenteuer, Belletristik/Geschichte, Belletristik/Verbrechen
Abenteuerromane, Historischer Roman, Thriller / Spannung, Kriminalromane und Mystery, Politthriller/Justizthriller, Kriegsromane
DDR, CIA, Militärputsch, Uran, Druckerei, Mord, USA, Großbritannien
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Nachdem sie das Leiterstück auf dem Dach hatten, stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach war, den Abgrund damit zu überbrücken. Der erste Versuch missglückte, nur blitzschnelles gemeinsames Zupacken verhinderte den Absturz des schweren Eisengitters. Das Vorhaben gelang erst mithilfe eines meterlangen Schlauches, den sie sich aus einem der Feuerschutzschränke geholt hatten. Noch ehe man sich über die Reihenfolge des Überquerens verständigen konnte, balancierte Jagoda Woronicz bereits aufrecht und die Arme wie ein Hochseilakrobat ausbreitend, von Sprosse zu Sprosse. Je näher sie der Mitte kam, um so stärker bogen sich die beiden Führungsstangen unter der Last. Die Leiterenden lagen beiderseits nur noch knapp dreißig Zentimeter auf. Die beiden Männer hielten den Atem an. Sie knieten nieder und umklammerten die Eisenrohre, als könnten sie so die Polin im Fall eines Unglücks vor dem Sturz in die Tiefe bewahren. Erst als Jagoda Woronicz unbeschadet die andere Seite erreicht hatte, wurde Martin Katrup bewusst, dass die Reihe nun an ihm war, wenn er dem Doktor nicht den Vortritt lassen und damit eine ganz und gar kümmerliche Figur abgeben wollte.

"Ich werde mich flach halten, dann ist das Gewicht besser verteilt", sagte er heiser. Er räusperte sich gepresst, aber das trockene, würgende Gefühl blieb. Den Blick hinab in die Gasse peinlich vermeidend, kroch er bäuchlings über die Sprossen. Er fühlte, wie die Leiter unter seinem Gewicht immer stärker federte. Kälte kroch in Hände und Füße. Seine Gelenke wurden steif. Er lag dreißig Meter hoch über dem Gassenpflaster und wagte keine weitere Bewegung.

"Was ist los, Martin?", rief Jagoda Woronicz leise von drüben.

Er hob den Blick und glaubte ihr besorgtes Gesicht erkennen zu können. "Ich hab' meine Zahnbürste vergessen", antwortete er gezwungen kaltschnäuzig, um seinen Zustand nicht erkennbar werden zu lassen. Die Täuschung scheiterte am Klang seiner Stimme.

"Schau Jagoda an und kriech weiter", riet Ostschenko.

Martin Katrup gehorchte. Langsam, Zentimeter um Zentimeter, kam er der anderen Seite näher. Die Kälte wich einem sonderbaren Gefühl von Gleichgültigkeit, das jede Vorstellung möglichen Unheils auslöschte. Kein Gedanke mehr an Absturz und zerschmetterte Glieder. Er sah die Polin und den Rand des Daches und war mit einem Male seiner glücklichen Ankunft dort unbedingt sicher.

Nur noch ein Meter trennte Martin Katrup von seinem Ziel, als Schüsse fielen. Ein Feuerstoß aus einer Maschinenpistole. Unwillkürlich blickte er nun doch nach unten, und größer als die sofort wieder erwachende, schwindelerregende Höhenangst war die Erleichterung darüber, dass die Geschossgarbe nicht ihnen galt. In der Gasse war kein Uniformierter zu sehen.

"Weiter!", drängte Jagoda Woronicz.

"Ich genieße jede Sprosse", schnaufte der Monteur verhalten und kroch noch in derselben Minute auf die betonierte Fläche, wo er sich neben der Polin vorsichtig aufrichtete.

Der Doktor war auf dem Hoteldach zur Hofseite geeilt und kam nun wieder zur Leiter. "Der Schwabe", rief er. "Ein Posten hat ihn erwischt."

"Das lenkt die Kerle bestimmt vom Parkplatz ab", vermutete die Polin. "Beeilen Sie sich, Doktor!"

 

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