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Sie sind hier: EDITION digital: Newsletter 15.05.2026 - Abenteuer, Geheimnisse und Zukunftsfragen

Abenteuer, Geheimnisse und Zukunftsfragen – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

Von Freitag, dem 15. Mai, bis Freitag, dem 22. Mai, präsentiert EDITION digital erneut fünf preisgesenkte E-Books voller Spannung, Fantasie und ungewöhnlicher Perspektiven. Die Auswahl reicht von politischen Konflikten und historischen Legenden über Naturbeobachtungen bis hin zu visionärer Science-Fiction-Geschichten, die unterhalten und zugleich zum Nachdenken anregen.

Attentat in Rutoma von Dietmar Beetz

Immer wieder unterbricht an jenem Dezembertag des Jahres 1972 Radio Sao Pedro seine Sendungen mit der mysteriösen Mitteilung: Atencao - aufgemerkt! Heute Abend um sechs spricht Ino Gali, der berüchtigte Bandit, der seinen ehemaligen Kumpanen etwas sagen will. Also, nicht vergessen: heute Abend um sechs auf dieser Welle - Ino Gali!

In den Bairros, den Blech- und Brettervierteln am Rand von Sao Pedro, in den Grashütten der Guerrilleros im Busch, in den Baracken ihrer Führung in Kindia, überall schlägt die Nachricht ein wie ein Blitz ...

Doch Ino Gali wird über den Sender der Portugiesen nicht zu seinen Landsleuten sprechen. Die Ankündigung ist eine Farce, ausgedacht, um Verwirrung zu stiften. Ino Galis Bewacher haben ihrem prominenten Gefangenen eine besonder Rolle zugedacht. Ob ihr Plan gelingt?

Wie in einem Kriminalroman verfolgt der Leser das spannende, frei nach Tatsachen gestaltete Geschehen, das in einem politischen Mord gipfelt. Dabei verbindet der Autor Abenteuerliches und Exotisches mit erschütternden Realitäten, die Einblick geben in Verhältnisse, wie sie auch heute noch vielfach in Afrika anzutreffen sind.

Was kriecht und fliegt und hüpft denn da von Anneliese Berger

Dieses Buch beschreibt in lustigen Versen und Bildern Tiere in unserer unmittelbaren Umgebung. Es zeigt das Verhalten von Insekten, Hunden, Katzen, Vögeln und anderen Tieren, ihre Nützlichkeit und Ärgernisse für uns Menschen. Es gibt vor allem Vorschulkindern und Kindern im Erstlesealter Anregungen zur aufmerksamen Naturbeobachtung.

Heuschrecke schön, von zartem Grün,

kann dem Storch nicht mehr entfliehn.

Brächt sie nur ein Sprung vom Fleck,

nein, sie sitzt ganz starr vor Schreck.

Während sie so denkt,

wird ihr nichts geschenkt.

Langbein in der Zwischenzeit

sich den Hüpfer einverleibt.

Barackencarlos von Jürgen Ritschel

Der Roman „Barackencarlos“ist 1981 erschienen. Es ist der Roman einer Umsiedlerfamilie, die nach dem Krieg in ein Barackenlager am Rande einer kleinen Elbstadt verschlagen wird und dem Vorurteil der ansässigen Städter unterliegt. Der älteste Sohn, Carlos, Klempnerlehrling auf der Schiffswerft, wird von einer Siedlungsbande verachtet, gejagt und gequält. Das Blatt wendet sich etwas, als Carlos den Anführer rettet, der auf einer Eisscholle in die weite, überflutete Aue treibt.

Die neue Gesellschaft in der sowjetischen Besatzungszone stellt Carlos ein Ingenieurstudium in Aussicht, wenn seine Noten gut ausfallen. Ein schönes Ziel, denn er will aus der lumpigen Kleidung heraus, um der hübschen Susanne aus der Beamtenvilla zu gefallen, der Tochter des Personalchefs.

Als Vater Jatzig aus englischer Gefangenschaft zurückkehrt, will er mit Hilfe von Carlos die siebenköpfige Familie aus der Armut ziehen. Der Personalchef bietet dazu schwarze Geschäfte an für seine illegale Firma. Während sie nachts eine versenkte Drehbank aus dem Hafen bergen wollen, kommt Senf, ein kleiner, liebenswerter Gauner und mittlerweile Freund von Carlos, dabei um. Grund genug, Carlos zur Besinnung zu bringen.

Jürgen Ritschel hat ein unverwechselbares Buch geschaffen aus dem Volksleben der Nachkriegszeit, handlungsreich, voller Spannung, oft humorvoll, nicht selten kriminalistisch anmutend und immer den Wahrheitsgeist der Zeit treffend.

Petermännchen. Der Schlossgeist von Schwerin von Klaus Walter

Ein Neckgeist ist der kleine Kerl, er treibt allerlei lustige Späße. Aber er hat zugleich richterliche Gewalt, belohnt die Guten und Fleißigen, bestraft die Bösen und Faulen und vertreibt jene, die nicht ins Schloss gehören.

Was die wenigsten wissen: Petermännchen ist auch ein Prophet. Schöne und schlimme Ereignisse sagt er voraus, allerdings in einer Weise, die rätselhaft ist, wie es die Orakelsprüche im antiken Delphi sind.

So recht glücklich jedoch ist er nicht. Der verwunschene Prinz möchte endlich erlöst werden, König von Mecklenburg und ein gerechter Herrscher sein. Viele Möglichkeiten der Erlösung gibt es, ganz einfache und ganz schreckliche. Bisher ist die Erlösung noch niemandem gelungen.

Geschichten für Kinder und Erwachsene.

In der Rubrik „Fridays for Future“ steht diesmal ein Roman im Mittelpunkt, der auf eindringliche Weise vor den Folgen menschlicher Selbstüberschätzung warnt. „Das zweite Leben“ von Alexander Kröger schildert eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes und stellt zugleich die Frage, wie Menschheit, Wissenschaft und Verantwortung miteinander verbunden sind – ein Thema, das angesichts globaler Krisen aktueller kaum sein könnte.

Sieben Menschen sind zu unterschiedlichen Zeiten in Anabiose versetzt worden und gleichzeitig unter rätselhaften Umständen in einem verrotteten Bergwerk erwacht.

Eigene Lebenserfahrungen aus mehreren Jahrhunderten lassen sie eine begrenzte Überlebenschance nutzen; die Ausgänge aber sind verschüttet.

Auf der scheinbar aussichtslosen, gefährlichen und entbehrungsreichen Suche nach Rettung entdecken sie unheimliche und unheilvolle Spuren menschlichen Wirkens. Klone unter ihnen - mit welchem Auftrag?

Nach Verrat in den eigenen Reihen wird fraglich: Finden sie zurück in eine menschliche Gesellschaft - und wenn: Was erwartet sie in ihr?

Im Hintergrund der spannenden Handlung des Science Fiction-Romans aus dem Jahre 1998 skizziert Alexander Kröger ein Zukunftsbild der Menschheit.

Ob spannende Abenteuer, faszinierende Naturbeobachtungen oder nachdenklich stimmende Zukunftsvisionen – jedes dieser Bücher eröffnet eine ganz eigene Welt. Lassen Sie sich von den folgenden Leseproben neugierig machen und entdecken Sie Ihren nächsten Favoriten.

Attentat in Rutoma von Dietmar Beetz

Politische Spannungen und persönliche Gefahren verdichten sich zu einem packenden Abenteuer.
Lesen Sie den Textauszug und begleiten Sie den Beginn einer gefährlichen Mission.

Komplizierend wirkten bereits die Ereignisse auf dem gerodeten Streifen an der Chaussee nach Bisagua: Dort blieb Inocencio, während die anderen davonstürzten, im Feuer der Portugiesen stehen, und dann lief er zu Seku, der offenbar auf eine Mine getreten war.

Das nackte Erdreich, das neben ihnen aufspritzt, der Schwerverwundete, der den Mund aufreißt, der sich krümmt ...

Später meinte Inocencio, das alles sei völlig lautlos geschehen. Kein Schmerzensschrei, weder das Geknatter von Abschüssen noch das Hacken von Einschlägen, nicht das Pfeifen vorbeifliegender Kugeln und nicht das Gebrüll der Portugiesen in knapp hundert Meter Entfernung ...

Inocencio hörte nur das eigene Herz hämmern, den eigenen Kopf dröhnen.

Er hatte Seku unter den Armen gepackt, ihn aufzurichten versucht. Vergebens. Die Beine hingen schlaff am übrigen Körper, der zunächst nicht einmal sonderlich schwer erschien.

Das Gewicht des Verwundeten spürte Inocencio erst später. Da hatte er ihn, nach wie vor im Feuer von der Chaussee her, zum Waldrand geschleift und, ohne sich zu verschnaufen, weiter, noch ein Stück in den Busch. Hier, wo die Entlaubungsmittel nicht mehr hingelangt waren und dichtes, verfilztes Gestrüpp anfing, wo im übrigen nur noch vereinzelt Kugeln, meist Querschläger, das Laub peitschten - hier wollte sich Inocencio den Schwerverletzten auf die Schulter laden.

„Lass mich, Gali, lass mich, lass!“

Es waren die ersten Worte, die er wieder wahrnahm, und sie berührten ihn seltsam. Er fragte sich: Was machst du eigentlich? Wozu das? Weshalb lässt du ihn nicht tatsächlich liegen?

„Bist ein Kumpel, Gali, ein Kamerad, ein Kerl. Doch, bist du. Wenn’s mich nicht erwischt hätt und ich nicht hin wär, nicht ..., nicht ..., nicht ...“

Etwas schien auszusetzen, sich zu verwirren, und jetzt erst, da Seku verstummt war, wurde Inocencio bewusst, wie klar und verständlich der Verwundete geredet hatte.

Er fasste ihm an die feuchte, schweißige Stirn.

„Lass mich, Gali! Mir ist nicht zu helfen. Die Beine, alles - wie weg.“

Vom Mond fiel nur ein Schimmer durch das Geäst - trotzdem genug Licht, die Verletzungen zu erkennen. Der rechte Fuß war ein unförmiger Klumpen, und auch am linken Bein glänzte Blut.

„Ich muss dich verbinden.“

„Lass doch, Gali!“

„Red nicht! Wenigstens abbinden muss ich.“

Er riss ein paar Streifen von seinem Hemd, schlitzte die Hosenbeine des Verwundeten auf, legte unterhalb der Knie eine Blutsperre.

Noch damit beschäftigt, hörte er plötzlich Geknatter, das von der Straße herdrang. Entweder war dort die ganze Zeit schon geschossen worden, oder die Portugiesen hatten bei ihrem blockierten Konvoi, weshalb auch immer, wieder das Feuer eröffnet.

Zu folgen schienen sie jedenfalls nicht.

Oder wagten sie sich nun doch noch über den verminten Streifen vor, hierher in den Wald?

Inocencio zog das Stoffband fest, verknotete es mit zittrigen Fingern, lud sich Seku auf den Rücken. Er vernahm das Stöhnen des Verwundeten und hörte, wenn nicht alles täuschte, von der Straße her heftigen Schusswechsel; fern dumpfes Wummern ...

Das Gestrüpp peitschte und zerkratzte Inocencio die Haut, und Lianen, Wurzeln, Löcher am Grund wurden zu Fußangeln. Inocencio stolperte, fing sich, strauchelte wieder, keuchte weiter mit seiner Last ... Bald konnte er das Hämmern seiner Pulse nicht mehr vom Geknatter der Schüsse unterscheiden, und brennender Schweiß nahm ihm die Sicht.

Irgendwann - weniger Unterholz, eine gewundene Schneise, ein Pfad durch das Dickicht. Inocencio folgte ihm, ohne dass es ihm zunächst bewusst war; er spürte nur, dass er leichter vorankam.

Schwer genug war es noch immer. Nach wie vor keuchte Inocencio, brannte ihm Schweiß in den Augen, dröhnte es ihm in den Ohren. Mit letzter Kraft schleppte er sich und den Verwundeten weiter.

Die beiden Gestalten, die plötzlich da waren, bemerkte er erst, als sie ihn anhielten. Vor ihm auf dem Pfad - ein Schemen, die verschwommene Silhouette eines Menschen mit einem Stecken oder einem Gewehr, daneben, etwas geduckt, ein zweiter Mann.

Was kriecht und fliegt und hüpft denn da von Anneliese Berger

Mit wachem Blick und viel Liebe zur Natur eröffnet dieses Buch eine faszinierende Welt kleiner Tiere.
Entdecken Sie in der Leseprobe die Vielfalt dessen, was oft direkt vor unseren Augen lebt.

Ameisen

Auf langen Wegen laufen

Ameisen zum Haufen,

schleppen zu ihm hin den Kram,

der die Brut im Haus hält warm.

Wer dabei im Wege ist,

gnadenlos wird angepisst.

Hunde

Lu, die schöne Husky-Dame,

sanft und edel, wie ihr Name,

schaut den schlanken Dobermann

freundlich durch das Gatter an.

Doch mit stolzem Hundsgesicht

tut er so, als merkt er´s nicht.

Barackencarlos von Jürgen Ritschel

Eine ungewöhnliche Lebensgeschichte erzählt von Hoffnung, Anpassung und dem Wunsch nach einem besseren Leben.
Tauchen Sie in die Leseprobe ein und lernen Sie eine besondere Figur näher kennen.

Für Carlos ist es Flucht. Wegen der Sache mit dem Eisenbahner kann er nicht mehr jauchzen über das Abenteuer Kohlenklau. Er steigert sein Tempo, rennt jetzt. Vater hält mit. An der Chaussee verschnaufen sie kurz und wittern hinüber zum Güterbahnhof.

„Abgehängt den Köter“, sagt Carlos.

„Weiter!“, befiehlt Jatzig.

Carlos rennt wieder. „Seitenstechen!“, ruft er nach einigen Metern. Er bleibt stehen und krümmt sich leicht.

„Weiter!“, drängt Jatzig. „Die haben unsere Spur.“

„Du hättest den Bahner in Ruhe lassen sollen“, keucht Carlos.

„Dann säßen wir jetzt schon. Er uns oder wir ihn. Und nicht anders!“

Sie hören den Hund wieder. Carlos rennt und versucht gleichmäßig durch die Nase ein- und durch den Mund auszuatmen. Das Stechen verbeißt er. Nach einiger Zeit verliert es sich.

„Und jetzt hundert Meter Richtung Helmdorf abbiegen“, weist Jatzig an. „Dann dieselbe Strecke zurück, über die Straße und nach links in den Feldweg!“

Der Schmerz glimmt immer wieder auf und nimmt Carlos den Atem. „Scheißkohlen!“

„Du hättest nicht auf den Draht latschen sollen!“, ruft Jatzig. „So ergeht’s den Großkotzigen.“

„Du hättest nicht so brutal zuschlagen sollen!“

„Was meinst du, warum ich heil aus dem Krieg gekommen bin?“

„Wir haben keinen mehr.“

Jatzig hält an. „Hör zu. Junge! Für mich ist so lange Krieg, solange ich nicht genug zu fressen habe und ich nicht weiß, womit ich winters meinen Arsch warm halten soll. Ich hab’ das nicht gewollt. Und jetzt holt sich Jatzig, was er verloren hat. Egal wie! Du haust sofort über die Felder ab. Ich mach’ das hier selber.“

Der unvermittelte Ausschluss trifft Carlos nicht geringer als Vaters Faust ihn treffen könnte. Er spannt sich eilig vor die Karre und läuft, so schnell er kann. Vater jagt ihm nach. Es scheint, als trainierten sie Langstreckenlauf.

Am Wäldchen sinken sie erschöpft auf den feuchten, schwach gefrorenen Boden. Sie atmen hechelnd. Die Wolken treiben Mondlicht über die kahlen Felder. In Richtung Helmdorf will Carlos zwei Gestalten gesehen haben. „Vierundvierzig im Winter, der 26. Januar war es genau“, sagt Vater Jatzig, „haben uns Partisanen überfallen. Fritze Sickert hat es erwischt. Von hinten. Heimtückisch. In Mazedonien war das. Mit Fritz war ich drei Jahre lang in derselben Kompanie. Wenn Not am Mann war, wurde die letzte Konserve miteinander geteilt. Dann haben wir Überlebenden die Bergdörfer durchgekämmt. Verstehst du? Wir oder die!“

Jatzig wollte seinen Kindern vom Krieg nichts erzählen.

Auch seinem Großen nicht und auch nicht in Andeutungen. Was sie selbst erleben mussten, sagt er sich, genügt ohnehin. Nichts vom Krieg erzählen und nie wieder eine Waffe in die Hand. Der Schwur vieler. Eben ist seine Hand zur Waffe geworden.

„Der Krieg macht den Menschen brutal“, sagt er. „Kein Weib und kein Kind zählt. Schießen. Aus! Zögerst du, erschießt dich der andere.“ Jatzig legt sich die Hand auf den Mund. Stoßweise presst er seinen Atem durch die Finger. „Und wie lange dauert es, ehe so ein Menschlein groß wird.“

Er sieht zum Horizont, solange der Mond wie ein gelber Teller durch die Wolken segelt.

„Aber du kannst nicht raus aus dem Schlamassel!“, ruft er, als hätte er sich vor Carlos zu verteidigen. „Der Kleine watet immer im Dreck. Bis zum Halse! Wer denkt denn an dich? Kommt einer und fragt uns, was für ein Leben wir gerne hätten? Uns fragt ja nicht einmal einer, wie es uns geht. Hast du dir für deine Familie das bisschen Krimskrams zusammengescharrt, geht der Krieg los. Nicht eine Schraube habe ich früher aus dem Werk mitgenommen. Das gab es überhaupt nicht! Heute gehe ich Kohlen mausen. Heut hol’ ich mir, was ich brauche. Hol’ ich’s nicht, holt’s ein anderer. So ist das Leben. Und aus lauter Neid scheißt einer den anderen an. So sind die Menschen. Der Bahner klaut jeden Tag seine Kohlen. Aber den erwischt keiner. Der kennt den Betrieb. Die Tracht Prügel hat er verdient. Weiter geht’s!“

Der richtige Moment zum Aufbruch. Carlos beginnt zu frieren, und von den Feldern her trägt der Wind Gebell herüber.

Vater Jatzig lauscht. „So folgen sie uns bis in die Stube. Vielleicht gibt’s Regen. Geb’s Gott! Es hat sich wieder dick bezogen.“ Ein Stück hin fließt ein Bach“, sagt Carlos. Er wartet Vaters Antwort ab. Er ist unsicher geworden. Vater tritt auf keinen Signaldraht. Vater holt sich, was er braucht. Vater nimmt die Faust. Der kennt das Leben besser.

„Ein Bach?“

„Nicht breit, manchmal nur zwanzig Zentimeter, bloß knöcheltief.“

„Wenigstens was!“

Vater trägt den Sack, Carlos die Karre. Er führt Vater. Als Wasser unter seinen Füßen patscht, sagt er: „Jetzt nach rechts.“ Sofort dringt das eisige Wasser durch seine zerrissenen Igelitschuhe. Äste behindern ihn. Verbissen kämpft er sich durch. Sollen ihn die Äste peitschen! Er holt Vater und sich aus der Gefahr heraus. Er sucht den sicheren Weg. Von seinem Geschick hängt beider Leben ab.

„Noch vierhundert Meter!“, meldet er. Da rauscht es in den Bäumen, entfernt noch, näher, Äste brechen.

„Sturm!“, ruft Vater Jatzig.

Sie bleiben stehen. Horchen der Bö nach, die wie ein Ungeheuer über die Wipfel gerast ist.

„Ich bin verdammt sauer“, gesteht Vater ein. „Die Knochen sterben allmählich ab. Kannst du noch?“

„Ist nicht mehr weit“, antwortet Carlos, als tröste er seine kleinen Geschwister.

Vater Jatzig wirft plötzlich seinen Kohlensack ab. „Schnee! Es schneit!“

Ein Flockenguss setzt ein. Milliarden kleiner Laternen tragen Licht in den Wald. Bald hebt sich dunkel der winzige Bach hervor. Die Bäume erhalten ihre Stämme zurück. „Jetzt können uns alle mal!“, jubelt Jatzig. „Los, auf dem kürzesten Weg nach Hause!“

Petermännchen. Der Schlossgeist von Schwerin von Klaus Walter

Der berühmte Schlossgeist von Schwerin erwacht in dieser Erzählung auf lebendige Weise zum Leben.
Werfen Sie einen Blick in die Leseprobe und begegnen Sie dem sagenumwobenen Petermännchen.

Ein derber Denkzettel für den Raufbold

Ein Soldat, ein scheinbar unverbesserlicher Raufbold, hatte vor niemandem Respekt. Es war schon des Öfteren vorgekommen, dass er nach einer durchzechten Nacht auf Wache eingeschlafen war. Bis jetzt war alles gut gegangen.

Eines Tages schläft er wieder im Schilderhäuschen auf der Schlossbrücke. Da weckt ihn aber das Petermännchen auf. Es zwickt ihn in die Nase und zieht ihn an den Ohren. Der Soldat legt sich aufs Schelten und Toben, wofür er zuerst nur ein paar gelinde Hiebe erhält. Die bringen ihn jedoch nicht zur Vernunft, sondern regen ihn nur noch mehr auf. Mit den unflätigsten Worten verflucht er den Schlossgeist.

Auf einmal bekommt er etliche sehr schmerzhafte Schläge, auf alle Stellen des Körpers, die meisten auf sein Hinterteil. Hierdurch nur noch mehr erzürnt, schimpft und flucht der wütende Soldat immer ärger. Am liebsten hätte er dem widerwärtigen Geist den Hals umgedreht, aber er kriegt ihn nicht zu fassen und schlägt immer nur in die Luft. Da bekommt er denn so viele, so arge und so derbe unsichtbare Schläge, Maulschellen und Püffe, dass er am ganzen Körper grün und blau und sterbenskrank wird.

Auf längere Zeit musste der Soldat ins Lazarett gebracht werden und dort ganz ruhig zu Bette liegen. Hier erst bat er das Petermännchen im Stillen um Verzeihung für die bösen Verwünschungen. Fortan soll er sein unausstehliches Wesen abgelegt haben.

Das zweite Leben“ von Alexander Kröger

Ein außer Kontrolle geratenes Experiment bedroht fast die gesamte Menschheit und verändert die Welt grundlegend.
Lesen Sie die Leseprobe und erleben Sie den Auftakt einer eindrucksvollen Zukunftsvision.

Der Fund hinter der Samenbank hatte die Gemüter naturgemäß erregt, und sie hatten am Abend noch eine gute Weile das Für und Wider des Klonens diskutiert. Sylvia und eigenartigerweise Elisabeth waren dafür, Larry - von ihm ein kommentarloses Nein - und Ann dagegen, Frank für einen Kompromiss.

Elisabeth vertrat eine Horrorvision, die einen heftigen Disput auslöste und sogar Sylvias Protest hervorrief. Aber es wurde bald erkennbar, dass Elisabeths Ansicht von Angst und Eigennutz geprägt war. Sie meinte, ein Mensch solle die Möglichkeit haben - ärztlich kontrolliert, schränkte sie ein -, seinen Klon als Ersatzteilspender zu züchten, dann, wenn kranke Organe gegen gesunde auszuwechseln seien. Es gäbe sicher eine Methode, nur das Körperliche sich entwickeln zu lassen, nicht die Seele, den Geist, wie Elisabeth das nannte. Solche Organe wären in jedem Falle passfähig und verträglich, medikamentöse Nachbehandlungen überflüssig.

„Da wirst du keinen Klon brauchen“, hatte Sylvia eingeworfen. „Soweit ich weiß, können einzelne Organe separat gezüchtet werden. Deine zerfressene Leber zum Beispiel. Ein verlorenes Glied kann man am Körper nachwachsen lassen. Das hat im Tierversuch schon funktioniert. Irgendwo in der Erbmasse sitzt dafür der Auslösebefehl. Man braucht ihn nur zu finden und zu aktivieren - fertig! Also, kein Horror! Ausschlachten sein Double, so was!“ Sie schüttelte den Kopf.

„Wenn es denn anders geht ...“, hatte Elisabeth, offensichtlich der zerfressenen Leber wegen etwas brüskiert, eingelenkt.

Das Thema Milan war an dem Abend, als hätten sie es verabredet, ausgespart worden, obwohl es, bei Frank zum Beispiel, gedanklich festsaß. Es musste also - konnte man den Angaben am Inkubator glauben, und warum sollte man nicht? - für Milan einen Doppelgänger geben, nein, zwei Milans! Und welcher von beiden war mit Helen unterwegs? Weswegen überhaupt der zweite, die vielen Zweiten in den Gefäßen? Das Motiv? Und da Frank von seiner These, es kann sich nur um Verbrecherisches handeln, nicht abging: welche Art von Verbrechen war da im Gange, und welche Rolle spielte der zweite Milan? Denn noch war Frank der Meinung, dass sie den ersten, den Original-Milan, im Team hatten. Aber was hatte dieser Interessantes an sich, um Zielscheibe eines so langfristig angelegten Anschlags zu sein? Frank war gedanklich durchgegangen, was er von Milan wusste. Er stellte fest: herzlich wenig, und nichts, das einen Anhaltspunkt bot. Aber - da saß der Zweifel: Wenn es nun der zweite Milan war, mit welchem Ziel wurde er ins Leben gesetzt, worauf vorbereitet? Aus einem Inkubator kam er, in einem Heim hat er gelebt. Das klingt im Nachhinein nicht gerade vertrauensfördernd.

,Müßig zu spekulieren‘, hatte Frank sich dann gesagt und war nach dem ereignisreichen Tag eingeschlafen.

Aber jetzt, während der Arbeit, hatte Sylvia das Thema Milan wie beiläufig angeschnitten. Sie hatte die Frage gestellt, welchen der beiden Ann und Elisabeth für das Original hielten. Und sie hatten sich beide für den vorhandenen entschieden.

„Warum traust du ihm nicht?“, fragte Elisabeth zurück. Sie hielt und schob einen der Holme, sodass Larry die Bolzen bequemer setzen konnte.

Sylvia zuckte mit den Schultern. Mit den Füßen rollte sie verstreute Sprossen in Larrys Reichweite. „Weiß nicht, so’n Gefühl. Er bestimmt mir zuviel, was gemacht werden soll. Zum Beispiel, dass er Helen mitgenommen hat, die wäre hier besser aufgehoben. Die hat so was ... Und überhaupt, ich denke, er sagt uns nicht alles, was draußen ist.“

„Wer hätte an Helens Stelle gehen sollen?“, fragte Ann. Sie sägte mit stumpfem Blatt die letzten Sprossen, setzte ab und wischte den Schweiß von der Stirn. „Ich doch wohl nicht. Wenn ich an den Schacht denke, der mir bevorsteht, wird es mir schlecht. Elisabeth? Und Larry vielleicht? Blieben Frank und du. Na, dich haben sie schon einmal hergeschleppt. Und einen der Kerle sollten wir schon hier behalten. Außerdem“, sie wandte sich an alle, „habt ihr nicht bemerkt, dass sich zwischen den beiden ...“ Sie brach ab.

„Er hätte auch allein ...“ Sylvia setzte nicht fort, und es klang kleinlaut, als spüre sie ihr Abseits.

„Was bei Alleingängen herauskommen kann, siehst du an dem da.“ Ann wies mit der Säge auf den am Boden sitzenden Larry.

Viel Freude beim Stöbern, Entdecken und Lesen!

In der kommenden Woche erwartet Sie unter anderem „Der Spion von Akrotiri“ von Wolfgang Schreyer.

EDITION digital war vor 31 Jahren ursprünglich als Verlag für elektronische Publikationen gegründet worden. Der Verlag gibt Krimis, historische Romane, Fantasy, Zeitzeugenberichte und Sachbücher (NVA-, DDR-Geschichte) sowie Kinderbücher als barrierefreie E-Book heraus, einige auch als Hörbuch. Ein weiterer Schwerpunkt sind Grafiken und Beschreibungen von historischen Handwerks- und Berufszeichen sowie Belletristik und Sachbücher über Mecklenburg-Vorpommern. Bücher von DDR-Autoren werden als E-Book neu aufgelegt. Insgesamt umfasst das Verlagsangebot, das unter www.edition-digital.de nachzulesen ist, mehr als 1.600 Titel. Die Printsparte des Verlages war Ende 2023 von Ralf Jordan vom Geschichtlichen Büchertisch als Imprint übernommen worden.

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Gisela Pekrul
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