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Eine kurze Unterhaltung, besondere Lebensumstände für Mildred Sox und ein Mord ohne Motiv - Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

Achtung, bevor Sie weiterlesen, noch ein wichtiger Hinweis: Ab Mai 2026 versendet EDITION digital diesen Newsletter sowie die aktuellen Pressemitteilungen nicht mehr per E-Mail. Diese Texte können Sie aber zumeist sogar eher selbst unter den Internet-Adressen https://edition-digital.de/Blog/ (bisheriger Newsletter) und https://edition-digital.de/Presse/ (Pressemitteilungen) finden. Probieren Sie es doch jetzt schon mal aus – zum Eingewöhnen.

(Pinnow 16.01. 2026) – Fängt so etwa ein Krimi an? Kann schon sein. Denn bereits das erste Wort des vierten der insgesamt fünf aktuellen digitalen Sonderangebote dieses Newsletters, die sieben Tage lang zum Sonderpreis im E-Book-Shop www.edition-digital.de (Freitag, 16.01. 2026 bis Freitag, 23.01. 2026) zu haben sind, weist den Leserinnen und Lesern die Richtung:

„Kriminalist Golo angelt. Hockt am Ufer, und das Gras reicht ihm bis an die Ohren. Die Pose schwimmt. Sonst tut sich nichts. Eine Libelle setzt sich auf die Pose, eine Adonis oder Mosaikjungfer. Und ist schon wieder weg. Hat die Pose in Bewegung gebracht.

Der Fluss, an dem Golo angelt, ist ein Graben. Er fließt um einen Hügel herum. Der heißt Winiza. Hügel, Täler und Fluren haben in dieser Gegend slawische Namen. Das liegt daran, dass hier schon immer Slawen gesiedelt haben, vor tausend Jahren die Lusizer, heute ihre Nachfahren, die Sorben.

Kriminalist Golo denkt nach. In letzter Zeit ist es langweilig im Dorf. Weil es keine Fälle zu klären gibt, keinen Diebstahl, keinen Verdacht auf Brandstiftung oder noch größere Schweinereien. Einfach nichts.

Deshalb weiß Golo nicht, womit er sich nach der Schule die Zeit vertreiben soll, wenn er die Schularbeiten erledigt hat und zwei, drei Aufträge für Vater und Mutter. Damit ist er nicht ausgelastet. Golo nicht.

Eigentlich heißt er Golowa. Benito Golowa, falls der richtige Name interessiert. Der kommt von Glowa, also Kopf. Einige sagen auch von Kolowa, also Hose, aber genau weiß das keiner. Golo ist es egal, wovon sein Name abgeleitet ist. Er hat beides, Kopf und Hose.

Die Hose wird er sich gleich bespritzen, wenn er den Fisch aus dem Wasser zieht. Die Pose hat sich bewegt, verschwindet sogar unter Wasser. Golo erhebt sich aus dem Gras und greift nach der Rute. Er hat einen Fisch an der Angel, einen Barsch. Man sieht es gleich. Der Barsch zappelt und bespritzt Golos Hose. Was nicht weiter schlimm ist. Schlimmer ist, dass der Fisch untermäßig ist. Noch schlimmer, dass gerade in diesem Augenblick Logo naht.

Logo ist Golos Freund. Ein dünner großer Junge. Übermäßig, könnte man sagen. Also das Gegenteil von Golos Fisch. Kommt daher, als wäre er soeben vom Himmel gestürzt, die blonden Haare aufgerichtet vom Gegenwind. Nicht selten taucht Logo unerwartet auf. Meistens freut sich Golo darüber, aber manchmal ärgert es ihn auch.

Golo weiß, was Logo sagen wird. Deshalb beeilt er sich mit dem Barsch. Der Haken sitzt fest. Er will dem Fisch nicht wehtun. Was hab ich gesagt? denkt Golo, als er hört, was Logo sagt:

„Ist der erste Fisch ein Barsch, ist der Angeltag im Arsch.“

„Genau.“

Golo wirft den Fisch zurück in den Graben. Unter dem Wasser blitzt er noch einmal auf. Dann ist wieder alles wie vorher. Sogar die Libelle kommt zurück und sucht nach der Pose.

„Was machen wir?“, fragt Logo.

„Ich weiß nicht“, antwortet Golo.

Das ist zunächst die ganze Unterhaltung.

Die beiden würden gern etwas unternehmen. Man kann es ihnen ansehen, wie sie so am Ufer des Grabens herumstehen. Ein richtig heißer Fall. Das wäre was! Wie damals, als allen im Dorf vor Aufregung die Ohren glühten.“

So fängt er also an, dieser Krimi von Jurij Koch, der wie man sich vielleicht schon denken kann, ein Kinderkrimi ist. Und auch die beiden titelgebenden Hauptpersonen haben wir eben schon kennengelernt. Und deshalb heißt dieses Buch von Jurij Koch auch „Golo und Logo und Das Sanddorf“. Aber einen kleinen Moment, bitte. Denn wieder einmal stecken in einem Buch gleich zwei: Erstmals 1993 erschien „Golo und Logo“ bei Alibaba Verlag GmbH Frankfurt/Main, „Das Sanddorf“ 1991 im Domowina-Verlag Bautzen. Und darum heißt dieses E-Book eben „Golo und Logo und Das Sanddorf“.

Golo und Logo, zwei Jungen aus der Lausitz - ausgestattet mit detektivischer Erfahrung - suchen erst nach einer verlorenen Zahnprothese, dann aber nach den Leuten, die ihren Müll in die Landschaft werfen. Dabei erleben sie manche Überraschungen und Abenteuer. Selten war ein Krimi so spannend und witzig zugleich. Geschrieben für Menschen ab 8, ist diese Erzählung ein Vergnügen für Leserinnen und Leser jeden Alters - von 8 bis 98, mindestens …

Großlieske und Kleinlieske, zwei Dörfer in der Lausitz, müssen der Braunkohle weichen. Alle Menschen aus den Dörfern ziehen nach Neulieske, das nur aus vier Neubaublöcken besteht. In der Mitte befindet sich ein großer Hof, in dem die Kinder ein Sanddorf errichten als Erinnerung an ihre verlorene Heimat. Doch immer mehr Erwachsene kümmern sich um das Spiel der Kinder.

Auch die nächsten drei Sonderangebote des heutigen dritten Newsletters im neuen Jahr sind Krimis.

Zwei von ihnen stammen von Hans-Ulrich Lüdemann: Erstmals 2001 erschien von ihm in der DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) des Verlags Das Neue Berlin „Ein mörderischer Dreh“, der Band 2 seiner drei Bände umfassenden Reihe „Detektei Rote Socke“. Deren Chefin und einzige Angestellte stellt sich und ihren aktuellen Fall hier gleich mal selbst vor:

„Gestatten Sie: Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Ich bin also diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu eine Privatdetektei gründen musste.

Ich war sichtlich irritiert, als die Frau meines Ex-Geliebten KHK Edwin Roeder um Beistand für ihren Schwiegersohn bat. Kay Denkert besitzt eine Anlage-Firma. Unbekannte haben den Mittdreißiger überfallen, zwei Tage später wird er Opfer eines Mordanschlages. Rechtsmediziner können zwar den komplizierten Tatvorgang klären, Hinweise zum Täter haben auch sie nicht. Ich ermittelte also gegen einen Gläubiger, befragte alle drei Geschäftspartner des Denkert. Ich werde mehrmals bedroht, weil ich nichtsdestoweniger diesen kniffligen Fall weiter verfolge. Eine heiße Spur führt in die USA und ich muss klären, was die angebliche Lebensmittelvergiftung eines aidskranken ehemaligen Sheriffs in Lyme mit Denkerts Firma zu tun hat. Schließlich gelingt es mir, bereits geplante Morde zu verhindern bzw. dass ein millionenschwerer Coup auffliegt. Bleibt aber dennoch die Frage - wer hat Kay Denkert ermordet? Des Rätsels überraschende Lösung findet sich buchstäblich erst auf den letzten Seiten ...

Ebenfalls in der DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) des Verlags Das Neue Berlin hatte Lüdemann noch zu DDR-Zeiten, und zwar erstmals 1977, seinen Kriminalroman „Das letzte Kabinettstück“ veröffentlicht, in dem es um wertvolle Briefmarken geht, die man auch als Luxusstück und Kabinettstück bezeichnet. Wie aber konnten die Sachsendreier spurlos aus einer Ausstellung verschwinden? Werden sie je wieder auftauchen? Ein Kriminalisten-Team arbeitet fieberhaft an der Aufdeckung dieser Straftat, schließlich sind die Briefmarken ein wichtiges DDR-Exponat einer Philatelie-Ausstellung in Prag. So gesehen, hat der Fall sogar eine durchaus politische Dimension …

Ein weiterer bekannter und sehr erfolgreicher Krimi-Autor ist der Leipziger Schriftsteller Jan Flieger. Erstmals 1988 brachte der Mitteldeutsche Verlag Halle – Leipzig seinen spannenden Kriminalroman „Der graue Mann“ heraus:

Es geschah in der Stille eines Sonnabends. Mittagsschwere liegt noch auf den Grundstücken; Angler sitzen in ihren Booten, weit draußen auf dem See; von ferne her tönt hin und wieder Motorengeräusch; Spaziergänger sind unterwegs rund um den See.

Aber keiner sieht etwas oder hört einen Schrei. Am Sonntagmorgen erst wird die fünfzehnjährige Susanne Schirmer gefunden: tot und halbnackt.

Hauptmann Kellermann und sein Team beginnen zu ermitteln. Sie arbeiten fieberhaft. Erste Fingerzeige enthält ein Tagebuch der Ermordeten. Aber wer verbirgt sich hinter den Buchstaben E., M., K. und H.? Und warum hat Vater Schirmer bei der ersten Vernehmung das Tagebuch nicht erwähnt? War der Täter ein dem Opfer völlig Unbekannter? Geschah der Mord im Affekt, ein Verbrechen „ohne Motiv“?

Jan Flieger zieht den Leser in den Bann der Frage: „Wer ist der Täter?“ und lässt ihn die Ermittlungsarbeit einer Morduntersuchungskommission miterleben.

In dieselbe Richtung zielt auch eine Rezension auf Amazon:

„Mord ohne Motiv?

Jan Flieger hat einen spannenden Krimi geschrieben

Schon auf der ersten Seite dieses spannend geschriebenen Krimis von Jan Flieger erfährt der Leser, dass gleich etwas passieren muss, wahrscheinlich etwas Schreckliches. Ein Mann beobachtet den Weg über eine Brücke, auf dem ein Mädchen mit einem Klappfahrrad kommt - in seine Richtung. Ohne ihn zu bemerken. Dann sind die beiden allein. Das Mädchen wendet sich um, als es die Schritte des Mannes hört, erschrickt aber nicht.

Kurzer Zeitsprung. Das Mädchen ist tot. Die Morduntersuchungskommission ermittelt. Die komplizierte Suche nach dem Täter beginnt. Schwierig wird es für Hauptmann Kellermann und seine Kollegen schon, sich ein genaues Bild von der ermordeten Schülerin zu machen, da die Aussagen über sie widersprüchlich sind. Und dann halten sie das Tagebuch von Susanne in den Händen. Wer verbirgt sich hinter den nur mit jeweils einem Buchstaben abgekürzten Namen? Außerdem gibt es fünf Versionen zum Täter.

Jan Flieger lässt den Leser der Morduntersuchungskommission bei ihren Ermittlungen gleichsam über die Schulter blicken, wie sie sich Aussage über Aussage und Alibi für Alibi an die Lösung des Falles herantastet. Dann will jemand zur möglichen Tatzeit einen hellen Schrei gehört haben. Später gibt es sogar ein falsches Geständnis. Und die aufwändigen Ermittlungen gehen weiter - Schritt für Schritt, Puzzle für Puzzle. Und das Geständnis des wirklichen Mörders ist am Ende dann doch eine Überraschung.

Und damit sind wir wieder beim aktuellen Beitrag der Rubrik Fridays for Future angelangt. Jede Woche wird an dieser Stelle jeweils ein Buch vorgestellt, das im weitesten Sinne mit den Themen Klima, Umwelt und Frieden zu tun hat – also mit den ganz großen Themen der Erde und dieser Zeit. Erneut wird ein Friedens-Buch vorgestellt. Und manche historischen Parallelen zur Gegenwart überraschen:

Textgrundlage für das E-Book „Abschied vom Frieden“ von F.C. Weiskopf, von dem bereits im vorigen Newsletter ausführlich die Rede war, sind die Gesammelte Werke I, herausgegeben von der Deutschen Akademie der Künste zu Berlin, erschienen 1960 im Dietz Verlag Berlin.

Weiskopf hatte diesen Roman laut Wikipedia 1938 in Prag begonnen und ihn 1944 im US-amerikanischen Exil beendet. Das Buch erschien 1946 zunächst in englischer Sprache im Verlag Knopf unter dem Titel Twilight on the Danube („Zwielicht auf der Donau“), übersetzt von Olga Marx. 1950 war die erste deutsche Ausgabe im Ostberliner Karl Dietz Verlag erschienen.

Abschied vom Frieden wurde 1976/1977 in der Regie von Hans-Joachim Kasprzikst als dreiteiliger Film vom DEFA-Studio für Spielfilme produziert. Da jedoch Manfred Krug und Angelika Domröse gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns protestierten und Krug 1977 in die Bundesrepublik übersiedelte, führte dazu, dass der Film erst zwei Jahre später, am 13., 15. und 16. April 1979, zum ersten Mal im Fernsehen der DDR ausgestrahlt wurde. Am 11., 18., 25. August und 1. September 1980 lief er, in vier Teilen, auch in der Bundesrepublik und ab dem 5. August 1981 (unter dem Titel Búcsú a békétől) in Ungarn. 2012 erschien er in der Reihe DDR TV-Archiv auf DVD.

„Abschied vom Frieden“ erzählt die Geschichte einer großbürgerlichen Familie in der K.u.k.-Monarchie kurz vor dem Ersten Weltkrieg:

Europa taumelt dem Abgrund entgegen. Am Vorabend des Ersten Weltkriegs blickt F. C. Weiskopf in seinem Roman „Abschied vom Frieden“ auf eine Gesellschaft, die zwischen Glanz und Dekadenz verharrt, während schon die Schatten von Militarisierung und Kriegsbegeisterung heraufziehen. Im Zentrum steht Alexander Reither, ein wohlhabender Prager Verleger, der zwischen Familienintrigen, gesellschaftlichem Zerfall und politischen Umbrüchen nach Orientierung sucht.

Weiskopf erzählt von einer Epoche, die in erschreckender Weise an aktuelle Debatten erinnert: Wenn heute von „Kriegstüchtigkeit“ die Rede ist, dann schwingt darin dieselbe Mischung aus Verdrängung und Fatalismus mit wie 1913. Der Roman ist damit nicht nur ein eindringliches Zeitdokument, sondern auch eine Warnung - und eine Einladung, über Verantwortung, Frieden und die Gefährdung der Demokratie nachzudenken.

Manchmal kippt eine Situation in Sekunden von harmlos in lebensgefährlich. Die folgende Leseprobe aus „Ein mörderischer Dreh“ von Hans-Ulrich Lüdemann zeigt mit brutaler Direktheit, wie schnell aus Bedrohung blanker Überlebenskampf wird – und wie dünn die Grenze zwischen Kontrolle und Eskalation ist.

Meine Linke suchte jetzt krampfhaft Halt, damit ich mehr Widerstand leisten konnte. Die Scham, die mir Hände und Knie bereiteten, aktivierte noch einmal alle Muskeln. Eher zufällig drückte ich den Zigarettenanzünder nach unten. Ich krümmte meinen Rücken, um das Schwein nach Möglichkeit gegen das Wagendach zu drücken. Als ich annehmen konnte, dass der Zigarettenanzünder seine Betriebstemperatur erreicht hatte, ließ ich mich ruckartig fallen. Der über mir verlor sein Gleichgewicht und stützte sich impulsiv neben meinen Kopf ab. Mit allerletzter Kraft drückte ich die rotglühende Heizwendel auf die tätowierte Rückhand. Es stank nach verbranntem Fleisch. Als ich spürte, dass der Kerl vor Schmerzen brüllend wegtaumelte, kam ich hoch, um ihm nachzusetzen.

Während meiner Kriminalistenausbildung war ich Trägerin eines Schwarzen Gürtels – das Knirschen beim Brechen seines Nasenbeins registrierte ich wie nebenbei. Der ausgekugelte Arm hing Sekunden später als überflüssiges Pendel herab. Mein Knie stieß absichtsvoll dorthinein, womit man es mir, um im Jargon solcher Dreckstypen zu reden, hatte besorgen wollen. Seinen ausgestreckten Hals vor den Augen, schlugen beide Handkanten jetzt parallel mit aller Kraft zu. Die Blutversorgung zum Kopf war kurzzeitig unterbrochen und sein Körper sackte lautlos in sich zusammen. Hilflos am Boden liegend, begann er zu kotzen. Es kostete mich viel Überwindung, nicht mit der Schuhspitze kräftig nachzutreten.

Ich wandte mich voller Ekel ab. Den Fehler von vorhin vermeidend, ging ich schwer atmend und auf leicht zittrigen Beinen zur Beifahrerseite, um mein Handy aus dem Handschuhfach zu holen. Nachdem ich Biersichlers Nummer gewählt hatte und auf eine Verbindung wartete, schaute ich übers Wagendach.

„Verdammter Scheiß!“

Der Sauhund war nicht mehr da! Er hatte seinen K.o. nur simuliert. Warum hatte ich ihn nicht krankenhausreif geschlagen! Mein Gespräch mit der Meyer-Eggersdorf über Denkert kam mir in den Sinn: Hatte sie nicht auch davon gesprochen, dass es in unserer Zivilisation durchaus Menschen gäbe, die diese Bezeichnung nicht verdienten? Die nichts als Unkraut seien und mit der Wurzel ausgerottet werden müssten? Zumindest hier und jetzt würde ich das unbesehen unterschreiben!

Biersichler meldete sich nicht. Vielleicht war es auch besser, sich Erklärungen und Details zu ersparen. Mir blieb ja noch genügend Zeit, ihn in Kenntnis zu setzen. Meine Zigarette in der einen Hand und den Zigarettenanzünder in der anderen, versuchte ich logisch zu denken. Als erstes würde ich meinen Zigarettenanzünder vergolden lassen. Weil mich dieser Einfall belustigte, nahm ich an, psychisch das Gröbste überstanden zu haben. Die wichtigste Frage war, wer trug die Verantwortung für diese Eskalation?

Ein Alarm, ein Anruf, gespannte Stille im Flur – manchmal reichen wenige Sekunden, um aus Routine blanke Nervosität werden zu lassen. Die folgende Leseprobe aus „Das letzte Kabinettstück“ von Hans-Ulrich Lüdemann führt mitten hinein in einen Moment, in dem jedes Detail zählt und sich die Spannung unaufhaltsam zuspitzt.

Das Telefon klingelte. Ehe Langneder den Kopf hob, war Böhni am Apparat. Er hatte bereits den Hörer in der Hand, als er fragte: „Sie gestatten doch?"

Langneder nickte. Er hielt den Blick gesenkt. Erschrocken riss er den Kopf hoch, als Böhni den Hörer hinwarf und rief: „Sie bleiben hier und rühren sich nicht von der Stelle, Langneder!"

Böhni stürmte aus dem Raum. Im Sprint hetzte er über den Flur. In der halboffenen Toilettentür stand Denkel. Er lächelte Böhni triumphierend an.

Dann tauchte Heise auf. „Ein richtiges Empfangskomitee sind wir jetzt", sagte er gelassen.

„Wer?", fragte Böhni.

Heise zuckte die Achseln.

„Hör mal!", begann Böhni erregt. Es war nicht Zeit für irgendwelche Späßchen.

„Ursel hat nichts gemeldet. Plötzlich fing das Ding an zu zirpen. Alarm. Das ging so schnell, deswegen der Anruf!"

„Zum Fahrstuhl!", befahl Böhni.

Ihre Schritte hallten über den Flur.

„Da!" Denkel wies mit dem Zeigefinger auf die Leuchttafel. Der Lichtpunkt wanderte zur Drei. Gespannt verfolgten die drei Männer den Weg des Fahrstuhls. Heise schmatzte plötzlich laut. Böhni drehte den Kopf und blickte ihn strafend an. Heise zog die Schultern hoch. Er streckte die Zunge heraus. Dort lag ein Stück Apfelgriebsch. „Stak mir die ganze Zeit zwischen den Zähnen.“

Als der Aufzug ruckend hielt, atmet Denkel hörbar aus. Böhni hielt Denkels Hand fest, als dieser die Tür öffnen wollte. Sie traten zur Seite.

Ein nächtlicher Wald, fahles Mondlicht und ein Moment, in dem aus einem Verdacht plötzlich Gewissheit zu werden scheint: Die folgende Leseprobe aus „Der graue Mann“ von Jan Flieger führt mitten hinein in eine atemlose Verfolgungsjagd, in der Instinkt, Angst und Entschlossenheit aufeinandertreffen.

Mit einem Mal tauchte der Mond die Landschaft vor ihm in ein fahles Licht.

Und Biskupek erschrak: Er sah einen Mann! Er stand vielleicht zehn Meter vor ihm, wohl gleichfalls erschrocken, wie erstarrt. Er war groß und schlank. Es war unfassbar, aber konnte es nicht so sein: der Mörder kehrte an den Tatort zurück! Wollte er etwas holen, was er vergessen hatte?

Biskupek starrte den Mann an.

Da wandte sich der Unbekannte blitzschnell um und rannte in den Wald hinein.

Biskupek folgte ihm, er lief mit schnellen Schritten, er war ein ausdauernder Läufer.

Der Abstand blieb der gleiche. Im Licht des Mondes sah er den Rücken des Mannes. Was für ein unvorstellbares Glück! Er, der Schutzpolizist Biskupek, stellte den Mörder!

Er keuchte, und er war erstaunt, auf so einen guten Läufer zu treffen, einen Läufer, dem er einfach nicht näher kam. Sie liefen noch immer durch den Wald, parallel zum See. Aber mit einem Mal verdeckten wieder Wolken den Mond, war die Dunkelheit da.

Biskupek verharrte, hielt den Atem an und nahm so wahr, in welche Richtung der Unbekannte lief.

Er hetzte weiter, und er wusste nicht, wie lange er schon gelaufen war. Er atmete stoßweise, verharrte wieder, hörte die Schritte des Fremden, folgte ihm erneut.

Dann vernahm er kein Geräusch mehr, minutenlang, erstarrte: Hatte er die Spur verloren?

Plötzlich war das Geräusch der Schritte wieder da. Biskupek hetzte weiter, prallte mit dem Kopf gegen einen Baum, sodass er benommen zurücktaumelte.

Während er weiter hastete, spürte er etwas Feuchtes auf seiner Stirn. Auch ohne Licht wusste er, dass es Blut war. Doch er spürte den Schmerz nicht.

Der Mann vor ihm lief nun durch Gesträuch. Deutlich hörte ihn Biskupek keuchen.

Der Abstand hatte sich verringert. Als der Mond für Sekunden von den Wolken freigegeben wurde, sah Biskupek den Unbekannten näher vor sich, als er es erwartet hatte.

Der Mann blickte sich um. Sein Gesicht schien angstverzerrt.

Weiter! dachte Biskupek.

Er stürzte über eine Baumwurzel, schlug schwer mit der Stirn auf einen Stein, schnellte jedoch sofort wieder hoch. Auch der Fremde musste gestolpert sein, denn er hatte den Vorsprung nicht vergrößern können.

»Stehen bleiben!«, keuchte Biskupek.

Doch der Mann wandte sich nicht um.

Biskupek spürte leichte Stiche in der Hüfte. Er durfte nicht auf sie achten. Der Fremde vor ihm war wie ein Magnet, der ihn mit unwiderstehlicher Kraft anzog.

Und wieder Dunkelheit.

Und wieder das Licht des Mondes.

Das Keuchen der beiden Männer.

Ein Häher flog kreischend vor ihnen auf, und es schien Biskupek, als habe er den ganzen Baumgürtel des Sees mit Vogelstimmen gefüllt. Der Fremde vor ihm war nicht langsamer geworden, jedoch auch nicht schneller, obwohl ihn nur noch fünf Meter von seinem Verfolger trennten. Für diesen Mann, dachte Biskupek, steht viel auf dem Spiel, wenn man an die Verurteilung denkt und den Richterspruch, sogar sein Leben. Wenn er gefasst wurde, drohte ihm ein Leben bis zum Tode hinter Gefängnismauern.

Zweige schlugen Biskupek ins Gesicht, rissen blutige Schrammen, schlossen sein linkes Auge.

Ein dunkler Platz, leise verabredete Zeichen und eine Atmosphäre voller Erwartung: Die folgende Leseprobe aus „Abschied vom Frieden“ von F.C. Weiskopf führt in eine Welt heimlicher Begegnungen, in der sich persönliche Beziehungen und politische Entscheidungen untrennbar miteinander verbinden.

Auf dem Marienplatz, vor dem massigen Bau des Clementinums, verabschiedeten sich die Mädchen von Poldi. Es war dunkel. Eine Vorahnung von Schnee hing in der Luft. Das Licht der Gaslaternen reichte nur bis zur mittleren Fensterreihe der ehemaligen Jesuitenuniversität; darüber schien die Barockfassade schwarz und ungegliedert in den Himmel hinaufzuwachsen.

Die Mädchen warteten im Torbogen, bis die Silhouette des Hauptmanns am andern Ende des Platzes verschwunden war; dann nahmen sie ihren Weg wieder auf.

Sie hatten nicht weit zu gehen. Vor einem der schmalen Häuser des Seminargässchens blieb Wally stehen. Sie vergewisserte sich noch durch einen schnellen Rundblick, dass kein Mensch in der Nähe war, und klopfte dann in einer besonderen Art, dreimal kurz hintereinander, an ein Fenster im Erdgeschoss. Von innen her wurde auf die gleiche Weise geantwortet. Kurz danach öffnete sich das Haustor.

Eine Frauenstimme mit ausländischem Akzent fragte leise: „Wally?“

Wally zog ihre Cousine hinter sich in das tiefe Dunkel des Hausflurs. „Ja, das bin ich, mit Adrienne“, flüsterte sie, „aber wo stehst du eigentlich, Manja? Ah, hier. Lass nur, ich schließe die Tür. Adrienne, das ist Manja. Kinder, trifft es sich nicht wunderbar, dass ihr euch im Finstern kennenlernt? Ich finde es hinreißend … Nun, was ist? Habt ihr euch schon begrüßt?“

„Wir tun es eben“, entgegnete die Frauenstimme ganz nahe an Adriennes Ohr, „willkommen!“

Adrienne spürte die leichte Berührung von Lippen auf ihrer linken Schläfe und zuckte erschreckt zurück. Sie wollte diese Bewegung der Abkehr sofort gutmachen, tappte jedoch bei dem Versuch, den Kuss zu erwidern, ins Leere. „Ach Gott, ich bin so ungeschickt“, klagte sie, „aber ich sehe keinen Finger breit vor Augen; ich bin wie geblendet von der Dunkelheit.“

„Ja, das kann einem hier passieren“, meinte die Polin, „und wir hätten natürlich eine Kerze vorbereiten sollen, aber wir dachten, ihr würdet vor Torschluss kommen.“

„Wir auch“, sagte Wally, „aber es war nicht zu machen, wir mussten erst unsere Begleitung loswerden.“

„Nun, es tut nichts. Ihr seid nicht die letzten. Wir erwarten noch jemand, einen Neuen, weißt du, Wally, einen von denen, die gegen die Anarchie sind und für Organisation. Wir wollen sehn, ob mit ihm was zu machen ist. Aber, was dabei auch herauskommt, es wird auf jeden Fall interessant werden.“

„Oje, und ich kann gerade heute nicht lang bleiben. Ich muss gleich wieder weg, etwas Wichtiges erledigen.“

„Was denn, Wally! Du kannst doch nicht fehlen, wenn wir den Bericht vom Prozess lesen … ach so, das weißt du noch gar nicht: Es ist gestern ein Brief von Paris gekommen, ein ganz langer. Da musst du schon bleiben.“

„Bedaure …“

„Aber Wally, ist denn das, was du zu tun hast, wichtiger?“

„Leider ja, Manja, sonst hätte ich es doch aufgeschoben. Ich kann vielleicht nachher nochmals hierherkommen. Bestimmt, ich komme nachher wieder.“

Indem ging eine Tür auf. Flackernder Lichtschein fiel in den Hausflur. Der niedrige Aufgang zu einer Wohnung wurde sichtbar und im Türviereck der Schattenriss eines Mannes.

Gedämpft rief er hinunter: „Wo bleibt ihr nur so lange? Manja, chère, du weißt doch, dass man jedes Wort hier draußen im ganzen Stiegenhaus hören kann!“ Seine Stimme hatte dieselbe fremdländische Färbung wie die Manjas. Er kam die wenigen Stufen herab und begrüßte die Mädchen.

„Ah, Wally, Salut! Und das ist die Cousine Adrienne, wie? Salut!“ Er streckte Adrienne seine Hand entgegen; sie rührte sich seltsam weich an, wie eine Kinderhand. „Ich bin Sascha. Wir nennen uns alle nur beim Vornamen, das hat Ihnen Wally wohl schon erzählt. Es ist einfacher so, und es scheint auch geboten. Aber bitte, bleiben wir nicht länger hier stehen. Leise, bitte! Los, Wally, mach den Anfang!“

Falls Sie Lust bekommen haben sollten, weitere Fälle der „Detektei Rote Socke“ von Mildred Sox anschauen, soll hier auf den Band 1 und den Band 3 dieser Reise verwiesen werden, die ebenfalls als E-Books bei Edition digital vorliegen.

Band 1 war erstmals 1999 ebenfalls in der bereits bekannten DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) des Verlags Das Neue Berlin erschienen und trug den satirisch zugespitzten Titel „Janusgesichter. Stories aus der Klemm & Klau GmbH Ost“. Der Band enthält insgesamt 16 Kriminalgeschichten aus dem ersten Jahrzehnt nach der Wende wie „EINE DAME IN LEDER“, „EINE SELTENE FORM DER RACHE“ und „DER ANFANG VOM ENDE“ und wir erfahren auch etwas mehr über die Protagonistin der Reihe:

Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Ich bin diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände (mein Ex-Lebenskamerad war IM und hatte mich als Quelle gegen meine Genossen in der MUK missbraucht) aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu als Überlebensstrategie eine Privatdetektei in Potsdam gründen musste ...

Alle weiteren Fakten sind meiner Story „Detektei Rote Socke“ zu entnehmen. Niemand hatte mir in der Wiege gesungen, dass ich als illegitime Tochter einer blaublütigen Amalia von Hohenheim und dem in Deutschland stationierten GI James Fenimore Sox, später bei Nacht und Nebel in die USA verschwunden und seinerzeit millionenschwerer Eigentümer des Baseball-Teams Boston Red Sox, als diplomierte Kriminalistin in der DDR (Abschluss an der Humboldt Universität Berlin) Karriere machen sollte. Die übrigen fünfzehn Geschichten in „JANUSGESICHTER“ beschreiben in der Regel Fälle aus dem deutschen Osten wie sie mir entweder in der eigenen MUK, von früheren Genossen anderer Mord-Untersuchungs-Kommissionen oder von späteren Kollegen in verschiedenen Sokos bekannt wurden. Zumeist handelt es sich um eine Kriminalität, wie sie vor 1990 im Osten nicht vorhanden war. Soweit ein paar weitere Erläuterungen zu den Hintergründen der Überlebensstrategie von Mildred Sox, die zu Beginn der allerersten Story unter dem Titel „DETEKTEI ROTE SOCKE“ mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist als mit kriminalistischen Ermittlungen:

„Die Frau stieß eine dünne Decke von sich und rollte sich von der Doppelliege. Selber nackt betrachtete sie minutenlang den unbekleideten Schläfer. Seine kaum sichtbare Männlichkeit reizte zu einem überlegenen Lächeln. Mindestens einmal im Monat trafen beide für eine Nacht mit aller Lust aufeinander. Liebes- und andere Schwüre unterblieben schon aus Gründen ihres Altersunterschiedes. Nichtsdestoweniger kamen sie nicht mehr voneinander los. Bruno war völlig unpolitisch, wenn man von solchen Sätzen wie Besser eine Rote Socke als eine braune Sau! absah. Allein wegen seines südländischen Aussehens war er von Glatzköpfen zusammengeschlagen worden. Eine Anzeige auf dem zuständigen Revier war wohl aufgrund fehlenden fremdenfeindlichen Hintergrunds, wie es die Polizei bereits routiniert formulierte, mitsamt Butterbrotpapier in einem Abfallkorb gelandet. Bruno verdankte es allein ihrer Ermittlungsarbeit, dass Anklage erhoben wurde und die Täter per Urteil ein stattliches Schmerzensgeld zahlen mussten. Der Dreißigjährige war arbeitslos und hatte, glaubte man den chaotischen Hausbesetzern im Seitenflügel, einen Sprung in der Schüssel: Werkzeugmacher von der edelsten Sorte ohne Stellung und baute aus Zündhölzern den Reichstag im korrekten Maßstab nach - so etwas ging über deren Verstand. Es waren nach Mildred Sox Meinung übrigens die gleichen Typen, die wegen der Verurteilung jener Schläger-Kameraden an ihrer Glaskastenreklame DETEKTEI MILDRED SOX immer aufs Neue die ersten vier Buchstaben im Vornamen abdeckten. Das wäre allenfalls noch zu ertragen gewesen, aber jene Typen nahmen infamerweise stets Klopapier. Als das Spielchen von einem Tag zum anderen aufhörte, sprühten Schmutzfinken ebenso auffällig an die Hauswand, dass hier eine DETEKTEI ROTE SOCKE ermittelt ...

Mildred Sox schlich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer ins Bad. In diesem sanierungsbedürftigen Haus musste die Brause etwa zehn Minuten eingeschaltet sein, um unter einem halbwegs warmen Strahl stehen zu können. Jetzt ging die Frau in den angrenzenden Raum. Dieser war mit dem neuesten Sperrmüll ausgestattet, wozu auch der bejahrte Anrufbeantworter gehörte. Nicht zu vergessen ein allen Unbefugten bislang widerstehender Panzerschrank aus der Gründerzeit für Telefon, Handy, CB-Pocket, Diktiergerät, Laptop mit integriertem Modem, Dokumente aller Art, Bubble Jet und einer Pulle GOLDKRONE. Die spartanische Einrichtung war kein Armutszeichen, eher Ausdruck ihrer Resignation nach einer Serie von Einbrüchen. Die Ersten, einhergehend mit ekelerregendem Vandalismus, hatte sie noch gezählt. Mildred Sox schlug eine Taste mit dem Zeigefinger an und lauschte ihrer eigenen Ansage: Werter Anrufer. Sie haben die richtige Nummer gewählt. Hier ist die Detektei Mildred Sox. Sollten Sie im Sinn haben, mich mit dem Ausforschen von krankgeschriebenen Arbeitnehmern, untreuen Ehemännern oder gar der Konkurrenz zu beauftragen, so bedanke ich mich für Ihr Interesse und bitte Sie gleichzeitig, wieder aufzulegen. Allen anderen wünsche ich einen guten Tag und bin bereit, nach dem Piepton Ihr Problem anzuhören beziehungsweise mich dessen in Ihrem Sinne anzunehmen. Hinterlassen Sie, wenn möglich, Ihre Telefonnummer. Ich rufe zurück, um eventuell Ort und Zeit für ein Gespräch verabreden zu können. Danke ...“

Und wir dürfen gespannt sein, welche Aufträge Mildred Sox übernimmt.

Der bereits weiter oben vorgestellte Band 2 der Reihe „Ein mörderischer Dreh“ war erstmals 2001 in der DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) des Verlags Das Neue Berlin erschienen – also zwei Jahre nach Band 1.

So schnell ging es mit Band 3, der ebenfalls bei EDITION digital zu haben ist, nicht. Sondern diesmal dauerte es bis 2009. Und „Zahltag“, so dessen Titel, wurde auch nicht wie seine beiden Vorgänger in der DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) des Verlags Das Neue Berlin veröffentlicht, sondern beim BS-Verlag Rostock. Und diesmal haben wir es mit einem besonderen Fall zu tun, wie aus einem „Vorspann“ zum „Zahltag“ hervorgeht:

„Gestatten Sie: Mein Name ist Mildred Sox, Diplom-Kriminalistin. Wenn Sie den von mir gelösten Kriminalfall Gudow in JANUSGESICHTER oder EIN MÖRDERISCHER DREH gelesen haben, dann kennen Sie ja meine bisherige Lebensgeschichte. Ich bin also diejenige, die aufgrund besonderer Lebensumstände aus dem Polizeidienst gefeuert wurde und demzufolge geradezu eine Privatdetektei gründen musste. Die vorliegende Story vom Rentner Fyerabend ist kein Kriminalfall im eigentlichen Sinne. Zugegeben – ich konnte diesen Fall nicht aus eigener Kraft beenden. Aber es handelte sich auch um eine Ausnahmesituation, die ich keinem Kollegen wünsche. Der Täter war auf einen Rollstuhl angewiesen, schwer bewaffnet und führte einen abgerichteten Schäferhund mit sich. Auf engstem Raum trafen der ehemalige ‘Küchenbulle’ (65), der aus Hamburg ‘geliehene’ Dr. Kruse (45) und eine etwas naive ’Sekretärin’ des Amtsleiters aufeinander. Letztere spielte ich ganz intuitiv, weil ich mir dadurch bessere Chancen für die Überwältigung des Erpressers erhoffte. Trotz des Ernstes einer Geiselnahme mit SEK u. a. Begleiterscheinungen, blieben komische Momente nicht ausgespart - der Schluss hielt auch für mich eine überraschende Wendung bereit.“

Und jetzt können wir nur noch viel Vergnügen mit den drei Bänden über die „Detektei Rote Socke“ von Hans-Ulrich Lüdemann und mit Diplom-Kriminalistin Mildred Sox wünschen.

Auch zu Beginn von Band 3 ist wieder Bruno mit dabei, und Mildred Sox hat wieder mal ganz andere Gedanken im Kopf und ist anfangs sichtlich verärgert:

„15. MÄRZ 1996, 22:30

Weder ein rücksichtsvoller Bruno noch das diensteifrige Personal fanden während unseres ausgiebigen Abendessens in einem Nobel-Restaurant Gnade vor meinen Augen. Später war ich ausgerastet, als Bruno mich traurig, aber verständnisvoll auf die Stirn geküsst hatte, nachdem ich meinen Roten Mond über Soho erwähnt hatte. Wie ein guter alter Freund auf die Stirn statt auf den Mund! Als hätte es einer solchen Geste noch bedurft: Die in seiner Wohnung gefundenen Kondome waren schließlich Beweis genug gewesen - er hat mich tatsächlich abgeschrieben!

Der Höhepunkt aller Ärgernisse schien zu sein, dass wir uns wie bei einem kindlichen Pfadfinder-Spiel durch einen unverschlossenen Abstellkeller im Souterrain der Pension auf Brunos Zimmer schleichen mussten. Vorher hatte ich sogar entgegen meiner Gewohnheit das Handy abschalten müssen ...

„Ich will duschen!“

Ich kündigte meinen Wunsch wie eine Drohung an. Im aufreizenden Tanga und mit einem angewärmten riesigen Badetuch bewaffnet, stand ich in der Mitte des Raumes.

„Tu das, mein Schatz.“

Bruno lümmelte sich im bequemen Ohrensessel nahe der Balkontür und konnte sich wohl nicht satt sehen an seiner Milli. Aufregend für ihn immer aufs Neue meine unübersehbare Zahl Sommersprossen am ganzen Körper! Unsere letzte Trennung hatte einfach zu lange gedauert.

Das waren wir nicht gewohnt. Es klopfte. Ich verschwand in der Badekabine, und Bruno öffnete die Tür einen Spalt breit.

„Herr Bruno! Sie sind meine letzte Hoffnung. Der Boiler in der Küche - wir haben seit Stunden kein warmes Wasser. Könnten Sie sich das mal ansehen? Ich bitte Sie!“

Typisch Schwarzer Freitag: Wohl auf Katzenpfoten war Komtess Tessa von Büxenstein-Bohlen im Vorflur herangeschlichen. Ihre Stimme klang wie die eines Feldwebels auf dem Kasernenhof. Ich dachte daran, dass Bruno Nichtraucher war und demzufolge den beißenden Qualm starker Zigarillos, der seine neunzigjährige Pensionswirtin ständig umwehte. nicht ausstehen konnte.

„Wenn Sie Glück haben, Komtess, dann ist es nur die Sicherung”, meinte Bruno. „Dann wollen wir doch mal sehen, wo der Frosch seine Haare hat!“

Haha! Ich würde über den witzigen Herrn Bruno lachen, wenn mir danach wäre. Ihm schien es gar nichts auszumachen, mich allein zu lassen! Ich duckte mich tiefer. Vielleicht ahnte er bereits, was auf ihn zukommen würde wegen der Kondome? Für manche Ungelegenheiten hatte Bruno schon des Öfteren einen so genannten Siebenten Sinn bewiesen.

„Nein! Das ist aber wirklich sehr apart, Herr Bruno!“

Durch die Milchglasscheibe sah ich unscharf, wie Bruno vom gnädigen Fräulein von Büxenstein-Bohlen beiseite geschoben wurde. Sie stiefelte mit dem Recht der Eigentümerin ins Pensionszimmer.“

Also, worauf warten Sie jetzt noch?

Bleiben Sie ansonsten weiter vor allem schön gesund und munter und der Welt der Bücher gewogen. Die nächsten Sonderangebote sind bereits festgelegt. Sie werden diesmal wahrscheinlich per Eisenbahn verschickt – wenn diese denn tatsächlich fährt. Ansonsten lässt sich EDITION digital etwas anderes einfallen …

Es kommt vor, dass ein Buch nach einem Film entsteht du nicht umgekehrt wie zumeist üblich. Das gilt für einige Bücher von Wolfgang Held, so auch für seinen 1988 im Kinderbuchverlag der DDR erschienen „Wiesenpieper“. Das ist „Die lustig-traurige Geschichte eines Pechvogels“, wie es im Untertitel heißt.

Felix Ritter aus Bruselfeld scheint seinen Spitznamen aus frühesten Kindertagen zu Recht zu tragen. Er hat das Pech gepachtet und spielt ungewollt den Dorfclown. Doch dann muss der junge Mann, den alle nur Wiesenpieper rufen, seinen Grundwehrdienst ableisten. Er traut seinen Augen nicht, als seine alte verwaschene Jeanshose zum Abschied ganz oben an der Kirchturmspitze hängt.

Felix tröstet sich: Das Kasernengelände ist groß, dort kennt ihn und den verhassten Spitznamen Wiesenpieper niemand. Wirklich niemand?

Mit viel Humor schildert der Autor, wie der Tollpatsch Wiesenpieper zu einem selbstbewussten jungen Mann heranreift.

Bereits Anfang der 1980er Jahre hatte Wolfgang Held das Drehbuch für den gleichnamigen DEFA-Film in der Regie von Hans Knötzsch geschrieben, der am 1. März 1983 seine TV-Premiere hatte – also am Tag der NVA. Die Hauptrolle des Felix Ritter spielte damals Bernd Braun, der 1954 in Berlin geboren wurde.

Im Übrigen wurde die Nationale Volksarmee vor nunmehr 70 Jahren gegründet, am 1. März 1956, was auf das „Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung vom 18. Januar 1956“ zurückgeht und zeitlich nach der Gründung der Bundeswehr passierte. Bereits am 12. November 1955, zum 200. Geburtstag des preußischen Heeresreformers, Generalleutnant Gerhard Johann David von Scharnhorst, waren die ersten 101 Soldaten der Bundeswehr vereidigt worden.

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