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Division Brandenburg. Die Rangers von Admiral Canaris von Hans Bentzien
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Preis E-Book:
8.99 €
Veröffentl.:
07.09.2015
ISBN:
978-3-95655-457-5 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 379 Seiten
Kategorien:
Geschichte / Deutschland, Geschichte / Militär / 2. Weltkrieg
Zweiter Weltkrieg
2. Weltkrieg, 20. Jahrhundert, Spionage, Partisanen, historisch, Krieg, Militär, Canaris, Abwehr, Russland, Spanien, Frankreich, Österreich, Tschechoslowakei, Polen, Afghanistan, Balkan, Norwegen, Indien, Irak, Ägypten, Kaukasus, Italien, Hitlerattentat
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„Noch schnell einen Blick auf die Uhr. Es fehlen zwei Minuten an halb drei Uhr. Eine Ewigkeit! Noch einmal und immer wieder gleiten die schweißnassen Hände über die Waffen. Zum x-ten Male überprüfe ich, ob meine MPi entsichert ist, das Magazin richtig steckt, überprüfe die Pistole, die Handgranaten am Koppel. Alles sinnlose Tätigkeiten. Natürlich ist alles in Ordnung und an seinem Platz. Am Leuchtzifferblatt meiner Armbanduhr fliegt der Zeiger auf 2.30 Uhr.

Da springt die erste Gruppe auf. Nur einen Augenblick heben sich die dunklen Gestalten gegen den grauen Morgenhimmel ab, dann sind sie wieder im Dunkeln verschwunden, und nur der Schall der schweren Bergschuhe auf der Betonbrücke ist noch zu hören. Mit rasend schlagendem Herzen lauschen wir dem Laufschritt unserer Kameraden, die als erste in die Finsternis, ins Ungewisse stürmen. Immer noch fällt kein Schuss. Jetzt müssen sie gleich drüben sein. Da, jetzt haben die Russen den Angriff erkannt, ein russisches SMG blitzt auf - und noch eines und noch eines.

Gleichzeitig schreit Hauptmann Grabert: ‚Feuer frei!‘

Mit einem Schlag setzen sechs deutsche SMGs ein. Wie eine ununterbrochene Feuerkette jagen die Leuchtspurgeschosse hinüber. Es wird gefeuert, was die Rohre halten. Beim ersten Schuss schon sind wir alle aufgesprungen und jagen hinter dem Chef nach. Alle Spannung ist nun gebrochen, und nur ein Gedanke treibt uns vorwärts: so schnell wie möglich über die Brücke hinüber und den Kameraden zu Hilfe! Ohne Hurra-Gebrüll, wie die Infanterie es macht. Das war bei den Brandenburgern nie üblich.

Wir stürzen uns immer lautlos auf den Feind. Kaum ein Kommando wird geschrien, jeder von uns weiß, was er zu tun hat. Wir stolpern über Leichen, sind es Russen oder Kameraden? Es bleibt keine Zeit es festzustellen.

Einem Sturmwind gleich rasen wir über die Brücke, erreichen ihr Ende. Schon fliegen Handgranaten rechts und links neben die Straße. Aus der Hüfte schießend, den Spaten schwingend, brechen wir wie ein Unwetter in die russischen Stellungen ein und machen ihre Besatzung nieder. Kameraden kommen nach und verbreitern den Brückenkopf nach rechts und nach links. Nun sind beide Einsätze herüben. Jetzt kommt es darauf an, sich, noch ehe es Tag wird, einzugraben, um einen Gegenangriff der Russen abschlagen zu können. Wir werfen die toten Sowjets aus ihren Löchern und graben uns mit Spaten und blutenden Händen in die sumpfige Erde. Der Schweiß rinnt in Bächen von den Stirnen, aber darauf achtet niemand.

Hauptmann Grabert springt zu mir und sagt: ‚Da schau her, Tschampetro, mir kann nichts mehr passieren, mich hat es schon erwischt‘ und steckt mir den blutenden Stumpf seines kleinen Fingers der linken Hand unter die Nase. Er glaubt wirklich, dass ihm nichts mehr passieren kann, er macht keinen Witz. Jeder Landser glaubt, hat er erst mal eine verpasst bekommen, dass der Krieg für ihn aus ist.

Inzwischen ist es hell geworden, und das Abwehrfeuer der Russen wird heftiger und genauer. Wir liegen an der Brücke, im Schutze einer etwa einen halben Meter hohen Böschung. Nur tief gebückt können wir uns bewegen, aber jetzt, da es hell ist, wagen wir es kaum. Wir sind förmlich an die Brücke festgenagelt. Nur dreihundert Meter ist der Dorfrand von Bataisk entfernt. Dort liegen die Russen hinter einer langen, zwei bis drei Meter hohen Hecke in ausgebauten Stellungen mit SMGs, Granatwerfern und Pak. Nur 300 Meter, aber für uns unüberwindbar, denn es ist ein vollkommen ebenes und sumpfiges Gelände, das keinerlei Deckung bittet. Die Kameraden, die da draußen liegen, haben keine Chance. Glück, wer ein Loch gefunden hat, in das er sich platt drücken kann. Hebt er den Kopf, ist er eine nicht zu verfehlende Zielscheibe, und die russischen Scharfschützen zielen gut.

Das Feuer hat nachgelassen. Der Kampf gönnte beiden Seiten eine Verschnaufpause. Die Verwundeten stöhnten oder schrien vor Schmerzen.

Wir zogen, zerrten und schoben sie unter die Brücke. Dort schien uns der sicherste Platz zu sein, außerdem war es der einzige Ort, der etwas Schatten hatte. Dort lagen sie nun, einer neben dem anderen, Deutsche neben Russen. Der Sanitätsgefreite Pataisky hatte alle Hände voll zu tun. Er verband die Wunden, so gut er konnte.

‚Hilfe, Hilfe!‘ Plötzlich ertönt ein Schrei. Er kam von einem Mann meiner Gruppe. Er lag etwa 15 Schritt vor dem schützenden Wall, hinter dem wir uns verkrochen hatten. Wir, Krüger und ich, fliegen aus den Startlöchern. Gleichzeitig setzen unsere Maschinengewehre ein. In wenigen Sätzen erreichen wir den schwer verletzten Kameraden. Er rührt sich nicht, scheint bewusstlos zu sein, oder ist er schon tot? Wir zerren ihn hoch. Da schreit Krüger auf und bricht zusammen. ‚Mich hat’s am Knie erwischt‘, ruft er und windet sich am Boden. Rings um uns pfeifen die Kugeln und klatschen in die sumpfige Erde.

Ich packe Krüger unter den Armen, zerre ihn hoch, werfe mir einen seiner Arme um den Nacken und schleppe ihn zurück. Kopfüber stürzen wir in die Deckung. Der MG-Schütze 1, Linhart, der uns Feuerschutz gegeben hat, stürzt mit Kopfschuss nach hinten. Hauptmann Grabert reißt ein Streifschuss die Mütze in Fetzen. ‚Hilfe, Hilfe!‘, ruft jetzt wieder der Kamerad. Der lang gezogene, wehe Schrei geht uns allen durch Mark und Bein. Ich halte mir die Ohren zu, ich will den Ruf nicht mehr hören. Wir können dir nicht helfen, Freund! Wir haben es versucht, es hat Tote und Verwundete gekostet. Hör endlich auf zu schreien.

Jetzt greift der Russe von rechts an. Wir sehen sie kommen, wie am Übungsplatz.

Sie springen immer nur fünf Schritte, hauen sich hin und drücken sich in den Grund. Hier braucht man Artillerie-Sperrfeuer. Unsere Granatwerfer feuern, was das Zeug hält, und der Angriff bricht zusammen. Rechts, weit hinter uns, kämpfen sich nun Soldaten durch den Sumpf. Es sind die Kameraden der Waffen-SS ‚Wiking‘. Hoffentlich kommen sie bis an den Fluss heran, dann ist unser Brückenkopf wenigstens auch an einer Seite abgeschirmt. Aber schon erfasst sie das feindliche Feuer und zwingt sie zu Boden. Ihr Angriff bleibt stecken. Ja, um Himmels willen, sie laufen zurück. Nun versuchen auf der linken Seite Grenadiere bis auf unsere Höhe vorzustoßen. Aber auch ihr Angriff wird von den Sowjets abgeschlagen. Auch sie laufen wie die Hasen zurück. Für uns ist es ein deprimierendes Schauspiel.

So vergeht Stunde um Stunde. Bei uns Pionieren mehren sich die Toten und Verwundeten. Die Russen haben sich nun mit Artillerie auf die Brücke eingeschossen. Sie erzielen Treffer auf Treffer, aber die Brücke, ein solider Betonbau, hält stand. Eine feindliche Pak schießt haarscharf unter die Brücke, sodass der ganze Splittersegen senkrecht von oben auf die Verwundeten, die wir hier zusammentragen, herniederprasselt. Die Verbandspäckchen sind zu Ende. Mit Taschentüchern und Hemden, die wir in Streifen schneiden, werden die Wunden notdürftig verbunden.

Die Munition wird knapp: ‚Nur auf klar erkannte Ziele feuern!‘ – ‚Ruhe bewahren und aushalten!‘ – ‚Bald kommen die Stuka!‘ – ‚Gleich wird unsere Artillerie einsetzen!‘, das sind die Worte, die Hauptmann Grabert den Männern sagt, während er immer wieder von einem zum anderen springt. Andauernd funken die beiden Männer, die mit ihrem Tornister-Funkgerät in einem Loch hocken, um Stuka, um Verstärkung, um Munition, um Verbandszeug. Aber nichts kommt. Dafür kommt eine russische Granate geflogen, und aus ist es mit dem Funken.

Plötzlich sehen wir, wie zwei Männer drüben, am anderen Ufer, ins Wasser gleiten und versuchen, zu uns herüberzuschwimmen. Auch die Russen hatten die zwei Schwimmer entdeckt und behageln sie mit ihren MGs. Unbeirrt durch die ringsum ins Wasser klatschenden Geschosse schwimmen sie weiter. Wir verfolgen sie mit unseren Blicken und all unseren Wünschen. Sie haben unglaubliches Glück, bald kriechen sie auf unserer Seite ans Ufer. Es sind Stabsarzt Dr. Weber und der Unteroffizier Fohrer. Sie sind vollkommen nackt. Der Stabsarzt hat um den Bauch ein kleines Säckchen mit Spritze und Morphium gebunden, damit kann er wenigstens die Schmerzen der Verwundeten lindern.

Uffz. Fohrer muss wieder zurückschwimmen. Drüben bei den schweren Waffen ist noch ein Funkgerät, damit soll er sofortige Hilfe durch Artillerie und Stuka anfordern. Rasche Hilfe tut not, sonst sind wir alle im Eimer. Mit all unseren Hoffnungen beladen schwimmt er zurück und erreicht glücklich das andere Ufer. Und wieder greift der Iwan an. Erst höre ich nur das >Urräh!<-Gebrüll; es scheint von überallher zu kommen. Diesmal packen sie uns von beiden Seiten gleichzeitig und verhindern dadurch, dass wir unser Abwehrfeuer zusammenfassen können. In rauen Mengen springen sie hinter den Hecken hervor, die ihre Stellungen vor Bataisk so gut tarnen. Braune Gestalten, eng aneinandergedrückt, so wie einst in Dünaburg, kommen sie hervor. Sie springen nicht nur wenige Meter, nein diesmal laufen sie schnurstracks auf uns zu und schießen mit Gewehren, Maschinenpistolen und MGs. Eine Feuer speiende Walze kommt da auf uns zu. Und wie es eben in solchen Augenblicken passiert, plötzlich fällt alle Angst von mir. Der lähmende Schrecken fällt klirrend zu Boden, und aus mir wird ein schießendes, ladendes, zielendes und wieder schießendes Phantom. Wie von einer Geisterfaust getroffen, knicken die ersten Reihen ein. Die Nachstürmenden stolpern über die leblosen und zuckenden Haufen und brechen ebenso im Feuer unserer Maschinenwaffen zusammen.

Hauptmann Grabert springt von einem Loch zum anderen. Schreit Befehle. Unnütz, jeder weiß, dass wir verloren sind, wenn es dem Iwan gelingt, in unsere Igelstellung einzubrechen. Wir hätten keine Chance, sollte es zum Nahkampf kommen.

Schon habe ich das neue Magazin eingeführt. Ich zittere am ganzen Körper und kann es nicht ändern.

Division Brandenburg. Die Rangers von Admiral Canaris von Hans Bentzien: TextAuszug