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Wenn Geschichten Türen öffnen – Fünf E-Books von Freitag bis Freitag zum Sonderpreis

(Pinnow, 10.04.2026) – Manchmal braucht es nur ein paar Seiten, um die Welt größer zu machen: ein fremdes Land, ein ungelöstes Rätsel, ein Leben, das plötzlich eine neue Richtung nimmt. Unsere aktuellen Preisaktionen laden genau dazu ein – zum Entdecken, Mitfiebern und Eintauchen.

Vom 10. bis 17. April haben wir fünf besondere Titel für Sie reduziert. Vielleicht ist genau das Buch dabei, das Sie nicht mehr aus der Hand legen wollen …

Blutsbrüder. Zwischen Ehre und Verrat von Harald Wieczorek

Der Graf und der Clochard - zwei Männer, verbunden durch ein gemeinsames Geheimnis aus den Tagen der Fremdenlegion. Als die Vergangenheit in ihr Leben zurückkehrt, geraten Liebe, Freundschaft und gesellschaftliche Fassaden ins Wanken.

Was als Begegnung zweier Gegensätze beginnt, wird zu einer Geschichte über Schuld, Loyalität und die späte Suche nach Familie.

Ein emotionaler Roman über das, was uns trennt - und das, was uns unauflöslich verbindet.

Ein Schneemann für Afrika von Christa Kozik

Asina wartet jeden Tag am Hafen auf ein Schiff aus der fernen Stadt Rostock. Ihr Freund Karli, ein Matrose, hat ihr ein ganz besonderes Geschenk versprochen – etwas, das es in Afrika noch nie gegeben hat.

Und wirklich: Auf einem großen Schiff reist ein Schneemann namens Kasimir über das Meer! Im kalten Kühlraum bleibt er schön frostig. Doch als das Schiff den heißen Äquator erreicht, geschieht ein unglaubliches Wunder: Kasimir wird lebendig!

Jetzt beginnt ein spannendes Abenteuer auf dem Meer. Wird der Schneemann heil in Afrika ankommen? Und was wird Asina sagen, wenn sie plötzlich einem echten Schneemann begegnet?

Eine warmherzige, lustige und fantastische Geschichte über Freundschaft, Wunder und eine Reise rund um die halbe Welt.

Das Buch wurde 1977 von der DEFA verfilmt.

B.B., der Augenmensch von Heinz Kruschel

Er lebt nicht mehr. In seinem letzten Lebensjahr besuchte ich ihn jeden Monat einmal. Er lag da und erzählte. Er konnte wunderbar erzählen und seine Erinnerungen artistisch modifizieren.

Als ich ihn das letzte Mal sah, lag er im Krankenhaus, das er nicht lebend verlassen sollte, schimpfte auf die Ärzte, auf das Essen und auf das Älterwerden. Still sollte er liegen, dabei fuhr er nun aus der Haut. Er war über achtzig Jahre alt und hatte noch viel vor. Pläne für ein Menschenleben. Ideen für Bilder, und er wollte noch so viele Bücher lesen.

Nun schreibe ich über ihn. Er hat gewusst, dass ich über ihn schreiben werde; Ich schreibe über ihn, weil ich seine grafischen Blätter mag, seine Aquarelle, seine Ölbilder. Aber das ist eine halbe Wahrheit. Ich kann natürlich lange vor einem seiner Bilder stehen, vor der in expressionistischer Manier gemalten Spiegelung von Bäumen auf der Fläche eines Tümpels oder vor einer brutheißen Straße in Sudenburg, einer eigentlich hässlichen Straße, deren Geschichte und deren Stimmung der Maler Bruno Beye einzubringen verstand. Wie er das machte, das weiß ich nicht. Wer weiß schon, wie Kunst entsteht. Viele seiner Arbeiten finde ich natürlich und notwendig.

In Wahrheit schreibe ich über ihn, weil ich mit ihm befreundet war, darum werde ich keine Urteile fällen, und ich werde mich auch hüten, ihn in die Kunstgeschichte einzuordnen. Obwohl er in ihr seinen Platz hat.

Heinz Kruschel

Tödliches Alibi von Hans-Ulrich Lüdemann

In der Nähe eines Rastplatzes an der Autobahn München-Garmisch wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Reifenspuren als einziger Hinweis sind sehr wenig; unsere Ermittlungen scheinen sich ins Uferlose zu verlieren. Als wir endlich die Identität festgestellt haben, fällt die ganze Last des Verdachts auf den Mann, der zuletzt mit der Ermordeten gesehen wurde: Hans Beckmeister, Inhaber eines Eheanbahnungsinstitutes. Die Versicherungsangestellte Katja Krausner war seine Geliebte. Alle Indizien belasten ihn schwer, aber er leugnet die Tat, verzweifelt und beharrlich. Mehrere Spuren führen zu dem Motel "Bavaria". Die Clique, die sich dort eingenistet hat, könnte durchaus mit dem Mord zu tun haben.

Ich, als rechte Hand von Kommissar Bauer, versuche in dieses Wespennest zu stechen. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass Polizei und Justiz gegeneinander arbeiten. Der zunächst schwer belastete Beckmeister wird schließlich auf freien Fuß gesetzt, ich jedoch kann den wahren Mörder nicht präsentieren; auch er wird das Opfer eines obskuren Unternehmens.

Ein Kriminalroman aus der DIE-Reihe (Delikte, Indizien, Ermittlungen) des Verlages DAS NEUE BERLIN.

Auch in dieser Woche richtet sich der Blick in der Rubrik „Friday for Future“ auf grundlegende Probleme der Menschheit. Mit „Fluchtweg Eifel“ von Katharina Schubert steht diesmal die Verfolgung und Flucht von Jüdinnen und Juden während des Faschismus im Mittelpunkt. Das Buch erinnert eindringlich daran, wohin Ausgrenzung, Hass und Entrechtung führen können – und macht zugleich deutlich, warum das Eintreten für Menschlichkeit, Erinnerungskultur und Verantwortung auch heute unverzichtbar für eine nachhaltige Zukunft ist.

Die Eifel an der Grenze zu Belgien – fast nichts deutet heute noch darauf hin, dass dies einmal ein scharf bewachtes Gebiet war. „Ziemlich uninteressant“, meint Felix. Sein Onkel, bei dem er die Ferien verbringt, will ausgerechnet in dieser trostlosen Gegend einen Film über Flüchtlinge drehen. Ob er Lust habe, an den Vorarbeiten teilzunehmen, fragt er. Felix ist nicht sonderlich begeistert. Und dann werden es doch spannende Ferien.

Das Buch erzählt von Flüchtlingen und Fluchthelfern zur Zeit des Faschismus; davon wie ein Dokumentarfilm entsteht. Und von Felix’ Ferien.

Für Leser ab 11 Jahre. Und für alle, die die aktuelle Diskussion um Grenzen, Asyl und wiederaufkeimenden Rassismus bewegt.

Wie beginnt eine Freundschaft, die alles verändert? Lesen Sie selbst die einige Seiten von Blutsbrüder. Zwischen Ehre und Verrat von Harald Wieczorek und tauchen Sie ein in eine Geschichte über Vertrauen und Grenzen.

Monique stand am Fenster und blickte die Einfahrt entlang. „Madame! Madame! Sie kommen!“ Vanessa war zu ihr getreten. „Na, dann wollen wir sie mal begrüßen.“

Ohne Hast fuhr Alon die Einfahrt auf das Gebäude zu. Auf der Treppe stand erwartungsvoll Vanessa. Sie hatte sich wieder umgezogen. Der weiße Seidenanzug glänzte in den Sonnenstrahlen. Die Regenwolken hatten sich fast gänzlich verzogen. Schräg hinter Vanessa stand mit respektvollem Abstand Monique. Am Fenster, vom Vorhang halb verdeckt, sah man Simon stehen.

Aus Richtung Stall bewegte sich ohne Eile Salvatore auf das Haus zu. Auf Alons Gesicht machte sich ein nicht gerade gräfliches Grinsen breit. Er stellte sich Vanessa vor, wenn Karl ausstieg. Der blickte gespannt auf die Szene. „Was ist da los?!“ Alons Grinsen ging in ein Lächeln über. „Oh! Das ist ein Empfangskomitee. Meine Frau erwartet einen hohen Gast.“ „Und wen?“ Nun wurde aus dem Lächeln ein Lachen. „Na dich!“ Ruckartig wandte sich Karl Alon zu. „Merde …! Ich werd’ verrückt!“ Alon hielt den Wagen neben Vanessas Porsche. Salvatore war an die Beifahrertür des Mercedes getreten und öffnete die Tür. Locker stieg Karl aus, holte seinen Rucksack aus dem Fußraum des Autos und lief sofort Richtung Vanessa. Ihre anfängliche Neugierde war blankem Entsetzen gewichen. Karl wollte ihre Hand küssen, aber Vanessa schaffte es, schnell beide Hände hinter dem Rücken zu verschränken. Sie bewegte sich hastig zurück auf die Plattform vor dem Eingang. Der Blick, der Alon traf, hätte einen Elefanten ins Koma versetzt. „Der!?! Das soll der besondere Gast sein?!“ Alon zuckte nur mit den Achseln. „Ein Freund ist immer ein besonderer Gast.“ Er winkte Monique zu. „Würden Sie unserem Gast sein Zimmer zeigen!“ Salvatore war zu Karl getreten. „Kann ich Ihren Rucksack nehmen?“ Karl schüttelte nur den Kopf. „Hast du keinen eigenen?!“ Salvatore blickte verunsichert zu seinem Herrn, dem Grafen, der winkte nur ab. „Dieser Mann hat einen etwas ausgefallenen Humor.“ Salvatore lachte gezwungen und wandte sich um. Froh, der seltsamen Situation zu entgehen, lief er diesmal etwas zügiger Richtung Stall.

Monique gab Karl ein Handzeichen. „Bitte folgen Sie mir, Monsieur.“ Karl verbeugte sich nun leicht vor Vanessa. „Hübsch, sehr hübsch, Madame.“ Dann folgte er lächelnd Monique in die Villa. Vanessa drehte sich wütend um, lief ins Haus und in den Salon. Simon befand sich nicht mehr am Fenster. Sein Selbsterhaltungstrieb hielt es für ratsam, sich zurückzuziehen. Wütend war Vanessa am Fenster stehengeblieben und schaute nach draußen, ohne sich zu Alon umzudrehen. „Was soll das?! So ein … so ein … Individuum nennst du deinen Freund?“ „Das Individuum heißt Karl, ja, und ich denke, er ist ein Freund!“ Vanessa schüttelte angewidert den Kopf. „Was ist hier los? Dieser Kerl …“ „Karl“, fiel ihr Alon ins Wort. „Dieser Kerl hat gestern Nachmittag im MAXIM unsere Freunde, die Picards, brüskiert! Schon vergessen? Er hatte deine Sachen an.“ Alon lächelte. „Und ich seine.“ Vanessa schaute an sich herunter. „Leider habe ich nicht die passende Garderobe für deine Freunde.“ Alon nickte freundlich. „Ach, Chérie, du wirst doch sicher noch ein paar Sachen aus der Zeit vor unserer Heirat haben, ich meine, bevor du Gräfin d`Anjou wurdest.“ Vanessa warf ihm einen vernichtenden Blick zu. Jetzt wäre eine ganze Herde Elefanten ins Koma gefallen. Ohne ein weiteres Wort stürmte sie an ihm vorbei und verließ den Salon.

Kopfschüttelnd stand Karl im großen Gästezimmer. An der Wand unter einem hohen, breiten Fenster befand sich ein überdimensionales Doppelbett. In der Mitte des Raumes, ein reich verzierter Tisch, dahinter ein mächtiges, einladendes Sofa und die dementsprechenden Sessel. Der riesige Schrank füllte die ganze Wand aus.

Von der Decke hing ein mit Kristallen verzierter Kronleuchter. Karl atmete dreimal kurz durch „Ein bisschen groß für einen allein, finden Sie nicht?“ Monique nickte zustimmend. „Das war das Schlafzimmer der alten Herrschaften, und nun wird es von Gästen genutzt.“ Sie blickte auf Karl und lächelte. „Aber wir hatten schon lange keine Gäste mehr.“ Karl sah sie fragend an. „Herrschaften, die Eltern des Grafen?“ Monique nickte nur. „Wo sind die?“, bohrte Karl nach. „Hat der Herr Graf Ihnen nichts erzählt?“ Karl schüttelte den Kopf. „Nun, dann wird er es sicher noch tun.“ Sie öffnete zwei von den vielen Schranktüren. Der Schrank war voll. In militärischer Ordnung hingen Anzüge in allen Variationen. In den Regalen befanden sich fein säuberlich zusammengelegte Hemden. Am Boden die dazugehörigen Schuhe. „Ich hoffe, Sie finden etwas Passendes.“ Karl lachte. „Oh, wenn das Klamotten vom Grafen sind, wird es gerade so gehen. Ich hatte schon mal was von ihm an.“ Dann ging er zum Bett, nahm die große, dicke Tagesdecke, faltete sie körpergerecht zusammen und legte sie neben dem Bett auf den Boden. Als nächstes griff er ein Kissen und legte es auf die Decke. Grinsend nahm er den verständnislosen Blick von Monique wahr. „Aus Gewohnheit.“ Monique schüttelte abermals ihren Kopf. „Übrigens, hier hinten …“ Sie deutete auf eine weiße Tür mit Goldrahmen. „Dort befindet sich das Bad.“ Sie ging zur Tür. „Ach noch etwas, das Dinner ist um 18 Uhr im Salon. Madame legt großen Wert auf Pünktlichkeit.“ Froh, alles erledigt zu haben, verließ Monique das Zimmer. Karl setzte sich in den Sessel vor den Schrank. „Bad, Kleiderschrank, Dinner! Großen Wert auf Pünktlichkeit! Das kann noch heiter werden.“

Der riesige Tisch, die gräfliche Tischtennisplatte, war exquisit gedeckt. Vanessa, Alon und Simon waren bereits anwesend. Jeder ganz normal, leger gekleidet. Vanessa trug noch immer ihren glänzenden Seidenanzug. Alon eine gemütliche Cordhose, ein leichtes Hemd, darüber eine Stoffweste. Simon, wie schon den ganzen Tag, Jeans und ein Langarm-Shirt. Als Karl den Salon betrat, fiel sogar Alon fast das Glas aus der Hand. Er war völlig overdressed. Karl sah auf den ersten Blick aus wie vor einem Besuch in die Oper. Er hatte sich einen Smoking ausgesucht. Nun, Hose und Schuhe konnte man akzeptieren, aber alles Weitere war stark gewöhnungsbedürftig. Aber bei allem oberhalb der Hose, wie schon nach der Kleidertausch-Aktion vor dem MAXIM, hatte man den Eindruck, dass er hineingezwängt wurde. Das weiße Seidenhemd ließ das Wegplatzen der Knöpfe befürchten. Man hoffte innig, dass Karl nicht zu tief Luft holen würde. Die Smokingjacke hatte ihre teure Form verloren. Die einzige Abweichung der vorsichtig ausgedrückten Kleiderordnung war die Ehrenmedaille der Legion. Simon stand da mit offenem Mund. Da Vanessa nicht Alons Geschicklichkeit besaß, fiel ihr das Glas aus der Hand. „Mon Dieu!“ Schnell hob Monique das Glas vom Boden auf und reichte Vanessa ein Neues. Danach wandte sie sich Karl zu. Man merkte, wie viel Mühe es ihr bereitete, das Lachen zu unterdrücken. „Darf ich Ihnen einen Sherry anbieten?“ „Aber gerne doch, schönes Fräulein.“ Karl schaute vergnügt und scheinbar gut gelaunt auf den festlich gedeckten Tisch. Vanessa atmete tief durch, warf erst Alon, dann Karl einen vernichtenden Blick zu. Nun wären die Elefanten ausgestorben.

Wie fühlt sich Schnee dort an, wo ihn niemand kennt? Die Leseprobe aus Ein Schneemann für Afrika von Christa Kozik schenkt Ihnen einen ersten Eindruck dieser besonderen, poetischen Begegnung.

Unten in der Hafenbucht schaukeln die kleinen Boote mit den roten Segeln. Dort hört man Musik auf dem Wasser. Die kommt aus dem großen Schiff, das „Pinguin“ heißt und aus dem Eismeer kommt. Das weiß Asina von Onkel Kamuk.

Aber ein anderes Schiff ist nicht zu sehen. Auch Onkel Kamuk kann Asina nicht unter den Männern finden.

Asina schlendert weiter zum Strand und taucht die Füße ins Wasser, dass die kleinen Wellen ihre Fußsohlen kitzeln.

Über Nacht haben die großen Wellen aus der Tiefe viele Muscheln und Meeresschnecken an den Strand gespült.

Kleine weiße, braune und zartrosa Porzellanmuscheln, zartgeädert mit wundersamen Mustern, wie sie nur die Natur malen kann. Manche gleichen kleinen Porzellantieren.

Kauri-Muscheln heißen sie. Und vor uralten Zeiten, so hat Onkel Kamuk erzählt, wurden sie von den Menschen als Geldstücke benutzt.

Das muss eine glückliche Zeit gewesen sein, hatte Onkel Kamuk gesagt, als man sein Geld noch in der Natur finden konnte. Die schönsten Muscheln galten als die wertvollsten.

Asina hat große Freude an den Muscheln. Sie sammelt alle in ihr Taschentuch, die kleinen Stachelschnecken, Schraubenschnecken, Zahnschnecken. Und dieses schöne zartrosa Gebilde ist eine echte Venusmuschel.

Dann kennt Asina noch Klappmuscheln, Posthörnchen und Käferschnecken, Sonnenmuscheln und Mondsterne.

Fünfundzwanzigtausend Arten gibt es in den Meeren, sagt Asinas Lehrer, Herr Nilas. Die kennt Asina natürlich nicht alle. Auch Herr Nilas nicht. Denn jede Muschel sieht anders aus.

Bingo sammelt eifrig mit. Er nimmt jede Muschel in seine kleine Affenhand, schiebt sie sogleich in den Mund und prüft, ob sie essbar ist. Wenn er die harte Schale der Muschel spürt, stößt er einen ärgerlichen Affenschrei aus und gibt sie Asina.

Asinas Taschentuch ist längst voll. Sie knotet es zusammen und versteckt es hinter einem Baumstamm. Dann sammelt sie weiter, indem sie das Kleid vorn wie eine Schürze anhebt und die Muscheln und Schnecken hineinlegt.

Dabei träumt sie ein bisschen vor sich hin. Gern würde sie eines der großen weißen Schiffe besteigen und in die Ferne fahren. Und dort könnte sie lustige Dinge kaufen und allen etwas Schönes mitbringen.

Mama eine Brille, damit sie besser die Namen und Adressen auf den Briefen lesen könnte, die sie den Leuten als Postbotin jeden Tag bringen muss. Papa würde sie ein kleines Kofferradio kaufen, weil er sich das schon lange wünschte. Den Brüdern vielleicht einen Fußball oder Boxhandschuhe. Und Onkel Kamuk ein Hörgerät, weil er manchmal so schlecht hört.

Da sieht sie plötzlich vor sich eine wunderschöne weißrosa Muschel. Sie ist größer als Asinas Hand, und innen schimmert sie perlmutterfarben und zartlila.

So eine Muschel findet man nur an einem Glückstag. Vielleicht ist heute mein Glückstag, denkt Asina und hält sich die große Muschel ans Ohr.

Ihr werdet es vielleicht nicht glauben, aber in manchen großen Muscheln oder Meeresschnecken hört man das Rauschen des Meeres. Das ist rätselhaft und wundersam. Aber wer es einmal gehört hat, der weiß es.

Asina lauscht verzückt diesem fernen Meeresrauschen in der Muschel. Dann nimmt sie die Muschel vom Ohr und flüstert in ihre zartrosa Öffnung hinein wie in einen Telefonhörer: „Wann kommt das Schiff mit Karli aus Rostock?“ Ganz fern und gleichmütig rauscht das Meer an Asinas Ohr, rauscht und rauscht.

Da bläst Asina hinein, und dabei erklingt ein wundersamer Ton. Der Ton des Muschelhorns. Er trifft mitten ins Herz und erweckt im Menschen eine große Sehnsucht nach der Ferne.

Diese Muschel wird sie Karli zur Begrüßung schenken. Und sie wird ihm sagen, dass er sie ans Ohr halten kann, wenn er in seinem Europa Sehnsucht nach ihr hat.

Auch Bingo hält sich jetzt die Muschel ans Ohr und bekommt ein verzücktes Affengesicht.

Asina packt alle ihre Schätze zusammen und schlendert zurück zum Hafen. Onkel Kamuk ist jetzt da. Aber er ist beschäftigt, denn er hilft den Fischern, die heute gefischt haben, die Kisten aus den Booten zu verladen und sie mit Sand zu bestreuen, um die Fische ein wenig vor der Sonne zu schützen.

Asina stellt sich neben Onkel Kamuk. Sie will ihm die Muscheln zeigen. Aber Kamuk sagt nur kurz: „Tag, Asina, geh weg, sonst machst du dir dein schönes Sonntagskleid schmutzig.“

Traurig trottet Asina mit Bingo nach Hause.

Was sieht jemand, der anders sieht als wir? Werfen Sie in der Leseprobe aus B.B., der Augenmensch von Heinz Kruschel einen ersten Blick durch die Augen dieses außergewöhnlichen Protagonisten.

Bruno Beye hat sich vieler Motive und Techniken und Stilarten bedient, er nutzte sie alle, schnitt in Holz und Linol, aquarellierte, zeichnete, lithographierte, malte in Öl, radierte, blieb nicht unbeeinflusst von impressionistischen und expressionistischen Strömungen, aber immer interessierte ihn, wie Professor Dr. Kurt Pinthus anlässlich seines 75. Geburtstages feststellte, immer interessierte ihn am meisten der Mensch und dessen Angesicht, und im Menschen schließlich das Menschliche.

Alles hat sein Echo.

Alles, was der Mensch durchlebt und sieht.

Der Domplatz in Magdeburg nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Mit den Arbeitern holte sich Bruno Beye Gewehre aus der Zitadelle, und dann kam der General Maercker. Beye stand gegenüber der Post hinter einer Säule, während sie von den Türmen aus schossen.

Alles hat sein Echo, alles hat seinen Schatten. Vor Beye fiel eine alte Frau um, ihre Einkaufstasche platzte auf, Reis und Kartoffeln und Fisch lagen auf dem Pflaster. Kugeln pfiffen. Der Sohn der Frau, auch tot, die Schülermütze fest auf dem blonden Kopf.

Das vergisst sich nicht, solche Schatten werden nicht blasser mit der Zeit.

Beye verließ Magdeburg, lebte in Berlin, spielte mit den Dadaisten. Dann im Sauerland, in dem ihn die Farbe packte wie eine Offenbarung. Er zog durch die Länder, angetan mit einem schwarzen Manchesteranzug, dem roten Halstuch und der Baskenmütze, manchmal ließen sie ihn nicht einmal in die Herberge zur Heimat.

Er wanderte durch Italien, lebte auf Capri, zeichnete, malte, verkaufte auch einiges, kehrte zurück, packte ein Hemd, zwei Paar Strümpfe und seine Malutensilien in einen Koffer und fuhr nach Paris und ließ sich einschreiben in die Akademie Colarossi: „Manchmal habe ich meine Bilder verschenkten einen Ober, wenn der mit der Rechnung kam, denn ich hatte oft nichts zu fressen und kein Geld.“

Aus dieser Zeit stammen seine Kaffeehausblätter, und sicher stimmt es auch, dass sich zu seiner genauen Beobachtungsgabe und zu seinem karikaturhaften, entlarvenden Strich die französische Leichtigkeit, die Eleganz, die Charmanz gesellten, also der Einfluss der französischen Kunst.

Manchmal schrieb er Beobachtungen nach Hause, Artikel für die Presse, aber alles besah er mit den Augen des Malers, über Bellelle am Atlantischen Ozean: Wir betreten trockenen Fußes den Meeresgrund, dessen Vegetation im Sonnenglast glitzert, Algen, Meerblumen und seltsames Getier schillern in unirdischen Farben. Gleich vorsintflutlichen Ungetümen schrecken groteske Feldkolosse, deren verstümmelte Rümpfe aus dem gleißenden Schlamm herauswachsen, jene unheimliche Mystik umringt uns hier, die manchmal aus den Bildern Grünewalds oder Wolf Hubers auf uns eindringt …

Er liebte Paris, die Stadt war für ihn wie die Venus unter den Städten, die Geliebte, von der man sich losreißen musste, immer dann, wenn man sie um Weniges zu viel liebte. Er behielt seinen kritischen Blick, sah sozial genau hin, auf die vierzigtausend hungernden Maler, auf die Kunstschulen, die zum Malsportplatz amerikanischer Trustmagnatentöchter herabsanken, auf die politischen Flüchtlinge, die italienischen Sozialisten, die bulgarischen Agrarrevolutionäre, auf die Renegaten, auf die nationalistischen Spießer, auf die Modellmädchen. Und in den Cafés zeichnete er nicht nur die Stimmungen, er zeichnete politisch. In Mühsams Auftrag die bedeutendsten Anarchistenköpfe.

Er lernte Ehrenburg kennen und porträtierte ihn, auch Nenni.

Manchmal sind auf seinen Caféhausgrafiken nur wenige Köpfe zu sehen, en face, en profil, ganz abgewendet, und auch die, von denen wir nur die Rücken erkennen, erzählen Geschichten: arme Schnorrer, satte Spießer, Gelegenheitscasanovas, zementierte einstige Tanzmädchen, der hungernde Emigrant, der beobachtende Advokat. Ich besitze ein solches Blatt, und es kann einen Schriftsteller schon zu einer Geschichte verführen.

Wie das der Beye machte. Sparsam und ausgesucht, ein Zauber geht von den Blättern aus. Da fällt mir ein Satz Paul Gauguins ein, ein Satz aus dem Nachlass des Malers, der auf Beye zutrifft: „Was für Maler bewundern wir? Alle die, welche die Schulen getadelt haben, alle, die ihre Kenntnisse aus der persönlichen Betrachtung der Natur schöpfen.“

Ein Detail passt nicht ins Bild – doch welches? Beginnen Sie mit der Leseprobe aus Tödliches Alibi von Hans-Ulrich Lüdemann und folgen Sie den ersten Spuren dieses raffinierten Falls.

Ich holte tief Luft. „Fünftausend Mark sind nicht alle Welt, aber es reicht fürs erste."

Wir schwiegen. Ich versuchte zu kombinieren, wo der geheimnisvolle Tippgeber zu suchen sein könnte. Aber es war zwecklos, weil jeder Anhaltspunkt fehlte. „Ich habe einen Anwalt, Kommissar. Wir hatten beide schon beruflich miteinander zu tun. Ein alter Fuchs: Doktor Weißmüller wird sich morgen bei Ihnen melden."

Ich glaubte nicht richtig gehört zu haben. Handelte es sich um den Vater von Peter Weißmüller, dann war die Welt tatsächlich zu klein, und es bewahrheitete sich einmal mehr, dass München ein Millionendorf ist.

„Stimmt es, dass Sie im Bavaria mit Herrn Dührsen gesprochen haben?", lenkte ich das Gespräch in eine andere Richtung.

Sie nickte.

„Seit dem Tag ist er verschwunden."

„So?"

„Die Staatsanwaltschaft ist dadurch einen wichtigen Zeugen los. Einen Tag, bevor dieser Zeuge verschwand, haben Sie mit ihm unter vier Augen gesprochen. Ihr Vater steht unter Mordverdacht! Das wird ein geschickter Ankläger vortrefflich zu nutzen wissen, Fräulein Beckmeister."

Dunkelbraune Augen blitzten mich zornig an.

„Und Engstader ist ein vortrefflicher Ankläger", setzte ich ungerührt hinzu, um der jungen Dame jede Illusion zu nehmen und um ihr klarzumachen, in welche Lage sie ihren Vater manövriert hatte.

Gisela Beckmeister reagierte völlig anders, als ich erwartet hatte.

„Engstader also. Das auch noch", presste sie durch die Lippen.

„Kennen Sie ihn?"

 


Fluchtweg Eifel – Katharina Schubert

👉 Welche Entscheidung würdest du treffen, wenn es kein Zurück mehr gibt? Die Leseprobe aus Fluchtweg Eifel von Katharina Schubert zieht Sie direkt hinein in eine Geschichte aus vergangener Zeit.

Eines Nachts fegte ein Schneesturm durch den Ort. Niemand traute sich vor die Tür. Gegen Morgen hörten die Eltern dann Schreie von der Straße. Sie guckten aus dem Fenster. Durch den Ort lief eine Frau mit zwei kleinen Kindern an der Hand. Jammernd rannte sie von einem Haus zum anderen. Bat um Hilfe.

Doch es dauerte eine Weile, bis sie sich beruhigt hatte und die anderen überhaupt verstanden, was geschehen war. In jener Nacht wollte sie mit ihren fünf Kindern und anderen Flüchtlingen über die Grenze. Die Gelegenheit schien günstig. Ein Schneesturm zog auf. Die Gruppe hoffte, es wäre den Grenzern draußen zu ungemütlich. Doch alles kam anders. Sie liefen den deutschen Zöllnern direkt in die Arme. Die forderten sie auf stehenzubleiben. Nur wenige taten es. Die meisten rannten weiter. Die Zöllner hetzten Schäferhunde auf die Flüchtlinge. Am Geschrei der Menschen, dem Gebrüll der Beamten und dem Bellen der Hunde hörte die Frau, dass viele gefangen wurden. Sie selbst hatte sich mit den Kindern hinter Tannen versteckt. Ihre Angst ließ sie die Kälte vergessen.

Als es ruhiger wurde, beschloss sie weiterzugehen. Sie fürchtete, dass die Kinder sonst erfrieren würden. Sie versuchte, sich an den Sternen zu orientieren. Doch das war schwierig. Der Schneesturm wurde stärker. Bald sah man nichts mehr. Trotzdem ging sie los. Zwei Kinder an der Hand. Die drei älteren sollten dicht hinter ihr bleiben.

Sie müssen in die falsche Richtung gelaufen sein. Es dauerte nämlich nicht lange, bis sie wieder Hundegebell hörte und das Schreien der Zöllner: Stehenbleiben oder wir schießen! Die Frau trieb die Kinder an. Die kleinen weinten. Die großen schrien um Hilfe, wenn sie in einer Schneewehe versackten. Die Frau spürte die Kälte nicht. Nur die Erschöpfung. Doch sie gönnte sich und den Kindern keine Ruhe.

Der Sturm wurde schlimmer.

Irgendwann merkte sie, dass nur noch die beiden Kleinen bei ihr waren. Die anderen Kinder hatte sie im Schneegestöber verloren. Sie wurde fast wahnsinnig vor Angst.

Die Männer des Dorfes und die größeren Kinder zogen sich an. Gingen trotz des Unwetters raus und suchten nach den verschwundenen Kindern.

Schon vormerken:
Im nächsten Newsletter erwartet Sie unter anderem ein weiterer spannender Titel in der Preisaktion:
„Herr Fischer und seine Frauen“ von Hannes Hüttner.

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