
DIE GESCHICHTE VOM HELDENFRISEUR
Zweite, veränderte Fassung der „Ballade vom Heldenfriseur“; mit neuem Titel zuerst abgedruckt in: Erich Weinert, Gegen den wahren Feind, S. 49.
Februar 1942
Es war in der Reichshauptstadt ein Friseur,
Dem war sein Laden fast immer leer.
Drum ließ er, die Leute zu animieren,
Einen Führer aus Gips ins Fenster postieren.
Aber dann kam überhaupt keiner mehr.
Sein Sohn war in Russland, natürlich ein Held,
Von dem hat er neulich ein Bild ausgestellt,
Vorne im Schaufenster, hoch zu Ross.
Doch jeder weiß, der Held ist beim Tross.
Der konnte ihm also allerhand schicken
An interessanten Beutestücken.
Und weil er gern Raritäten sammelt,
Die er dann stolz in den Laden bammelt,
So hat der ihn laufend damit beglückt
Und Sowjetsterne und Bilder geschickt.
Auch alles, was er sonst an der Front
An Feindpropaganda auftreiben gekonnt.
Das hat nun den Alten in einer Nacht
Auf eine geniale Idee gebracht.
Er hat im Laden eine Wand klar gemacht
Und alles, was ihm sein Held geschickt,
Mit Reißzwecken an die Mauer gespickt,
Die Flugblätter über die ganze Wand
Und die andern Sachen ringsum am Rand,
Worauf er ein gemaltes Plakat
An die Schaufensterscheibe kleben tat,
Weit sichtbar für Passantenblicke:
„Hier Ausstellung Russischer Beutestücke!“
In seinem Laden, der sonst so leer,
Wurden der Kunden nun immer mehr,
Und wer dort zum Rasieren gewesen,
Der wollte auch alle Flugblätter lesen.
Und mancher hat Papier mitgebracht
Und Abschriften von den Texten gemacht.
Einer hat sie sogar fotografiert;
Die sind dann überall zirkuliert.
Die ganze Straße lang standen sie Schlange.
Doch ach, die Freude währte nicht lange.
Denn eines Nachts kam die Polizei,
Und mit dem schönen Geschäft war’s vorbei.
Der Haarkünstler wurde eingebuchtet,
Da hat denn keine Beteurung gefruchtet.
Nun steht er in dringendem Verdacht,
Er hätte Feindpropaganda gemacht.
Wie hat da die ganze Straße gelacht!
Dass grade dem das musste blühn,
Der immer am lautsten für Hitler geschrien.
Aber was auf den Flugblättern stand,
Geht jetzt in der Stadt von Hand zu Hand.
Doch im Laden, zwischen Perücken und Nips,
Steht immer noch schweigend der Führer aus Gips.
Um Deutschlands Freiheit. Literarische Arbeiten aus der Zeit des zweiten Weltkrieges
Erich Weinerts literarischer Widerstand gegen den Faschismus – kompromisslos, scharfzüngig, poetisch und politisch.Dieses E-Book versammelt Gedichte, Flugblätter, Rundfunkansprachen und satirische Verse, die Weinert zwischen 1941 und 1945 im Exil im Kampf gegen Hitlerdeutschland schrieb. Mit leidenschaftlicher Sprache richtet sich der antifaschistische Dichter an deutsche Soldaten, an das Volk in der Heimat und an die Weltöffentlichkeit. Seine Texte klagen an, warnen, rufen zur Umkehr und zeigen die moralische und politische Alternative: ein freies, besseres Deutschland. Eine literarische Waffe gegen den Nationalsozialismus – heute von erschütternder Aktualität.
Beschreibung
Erich Weinerts literarischer Widerstand gegen den Faschismus – kompromisslos, scharfzüngig, poetisch und politisch.
Dieses E-Book versammelt Gedichte, Flugblätter, Rundfunkansprachen und satirische Verse, die Weinert zwischen 1941 und 1945 im Exil im Kampf gegen Hitlerdeutschland schrieb. Mit leidenschaftlicher Sprache richtet sich der antifaschistische Dichter an deutsche Soldaten, an das Volk in der Heimat und an die Weltöffentlichkeit. Seine Texte klagen an, warnen, rufen zur Umkehr und zeigen die moralische und politische Alternative: ein freies, besseres Deutschland. Eine literarische Waffe gegen den Nationalsozialismus – heute von erschütternder Aktualität.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.1960 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 21.07.2025 |
| Seiten | 821 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-68912-546-2 |
| ISBN (PDF) | 978-3-68912-547-9 |
| ASIN (Kindle) | B0FJ2YJJLR |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
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DIE GESCHICHTE VOM HELDENFRISEUR
Zweite, veränderte Fassung der „Ballade vom Heldenfriseur“; mit neuem Titel zuerst abgedruckt in: Erich Weinert, Gegen den wahren Feind, S. 49.
Februar 1942
Es war in der Reichshauptstadt ein Friseur,
Dem war sein Laden fast immer leer.
Drum ließ er, die Leute zu animieren,
Einen Führer aus Gips ins Fenster postieren.
Aber dann kam überhaupt keiner mehr.
Sein Sohn war in Russland, natürlich ein Held,
Von dem hat er neulich ein Bild ausgestellt,
Vorne im Schaufenster, hoch zu Ross.
Doch jeder weiß, der Held ist beim Tross.
Der konnte ihm also allerhand schicken
An interessanten Beutestücken.
Und weil er gern Raritäten sammelt,
Die er dann stolz in den Laden bammelt,
So hat der ihn laufend damit beglückt
Und Sowjetsterne und Bilder geschickt.
Auch alles, was er sonst an der Front
An Feindpropaganda auftreiben gekonnt.
Das hat nun den Alten in einer Nacht
Auf eine geniale Idee gebracht.
Er hat im Laden eine Wand klar gemacht
Und alles, was ihm sein Held geschickt,
Mit Reißzwecken an die Mauer gespickt,
Die Flugblätter über die ganze Wand
Und die andern Sachen ringsum am Rand,
Worauf er ein gemaltes Plakat
An die Schaufensterscheibe kleben tat,
Weit sichtbar für Passantenblicke:
„Hier Ausstellung Russischer Beutestücke!“
In seinem Laden, der sonst so leer,
Wurden der Kunden nun immer mehr,
Und wer dort zum Rasieren gewesen,
Der wollte auch alle Flugblätter lesen.
Und mancher hat Papier mitgebracht
Und Abschriften von den Texten gemacht.
Einer hat sie sogar fotografiert;
Die sind dann überall zirkuliert.
Die ganze Straße lang standen sie Schlange.
Doch ach, die Freude währte nicht lange.
Denn eines Nachts kam die Polizei,
Und mit dem schönen Geschäft war’s vorbei.
Der Haarkünstler wurde eingebuchtet,
Da hat denn keine Beteurung gefruchtet.
Nun steht er in dringendem Verdacht,
Er hätte Feindpropaganda gemacht.
Wie hat da die ganze Straße gelacht!
Dass grade dem das musste blühn,
Der immer am lautsten für Hitler geschrien.
Aber was auf den Flugblättern stand,
Geht jetzt in der Stadt von Hand zu Hand.
Doch im Laden, zwischen Perücken und Nips,
Steht immer noch schweigend der Führer aus Gips.
Inhaltsverzeichnis
GEDICHTE Juni 1941 bis Oktober 1942
UM DEUTSCHLANDS FREIHEIT
AN DIE DEUTSCHEN SOLDATEN
AN DIE NOCH KÄMPFENDEN DEUTSCHEN SOLDATEN!
BRIEF AN BERLIN
WENN HITLER NICHT WÄR!
KOMM RÜBER!
DEUTSCHER SOLDAT!
UM DEUTSCHLAND
DER ERBHOFBAUER
HEIL BEIL!
PARTISANEN
DIE HEIMAT RUFT!
DIE HERRENRASSE KAUFT EIN!
VERLASST DIE MÖRDERARMEE
PROPAGANDAVERS
HITLERS NACHTLIED
ABRECHNUNG FOLGT
PROPAGANDAVERSE
NACH NEUN JAHREN!
LOSUNGEN
DIE GESCHICHTE VOM HELDENFRISEUR
WIE LANGE NOCH?
BILDBESCHRIFTUNG ZUR TITELSEITE DER „FRONTILLUSTRIERTE“
GOEBBELS KREIST EIN
LOSUNG
FRÜHJAHRSOFFENSIVE!
PROPAGANDAVERSE
BALD WIRD ES WIEDER MAI IN DEUTSCHLAND SEIN
JAZZ-BAND „WACKLIGE ACHSE“
DER HAKEN-KREUZBUBE
SO LEB’N WIR ALLE TAGE IN’T NAZIPARADIES!
JÖRING SCHREIT UM HILFE
„DIE HITLER KOMMEN UND GEHEN, ABER DAS DEUTSCHE VOLK, DER DEUTSCHE STAAT BLEIBT“
ANRÜCHIGE SACHEN
DER DUCE GANZ GROSS
HEUTE TRÄUMST DU NOCH DEN TRAUM VOM GLÜCK
BALD KOMMEN DIE LETZTEN LUMPEN DRAN!
ALLENS, ALLENS KOMMT JETZ WIEDER!
„HEEFLICHKEIT HILFT SIEJEN!“
EENER MACHT PROPAJANDA FÜRN PROPAJANDAMINISTER
1:13
MORGEN IST ES DEIN KIND!
FIMF MINUTEN VOR ZWELWE!
DER PROPAGANDAMINISTER IN DER SACKGASSE
LOSUNGEN
NOVEMBER IS JA NICH MEHR WEIT
EN OLLER BERLINER SPRICHT MIT MUTTERN AM KAFFEETISCH
NU IS DE KATZE AUS EN SACK
UM DEUTSCHLANDS WILLEN!
FLUGBLATTVERSE ZU FOTOMONTAGEN
NU KOMMT FETTLEBE!
WOZU MACHT SICH JOEBBELS SORJEN?
DA KOMMT AMERIKA NICHT MIT!
DE EENZJE WINTERHILFE!
GEDICHTE November 1942 bis Juli 1943
NU IS DER KRIEG ZU ENDE!
DA STEHT OOCH JEEBELS MACHTLOS WISAWIH
FÜR EINE HANDVOLL HALUNKEN!
HITLERS ELITE
LOSUNGEN
DER TRAUM DES SOLDATEN
DER NEUSTE SCHWINDEL
DEUTSCHLANDS BEFREIUNG MUSS EUER WERK SEIN!
DIE GROSSE WEIHNAGHTSHOFFNUNG
„VOM FEINDE ABGESETZT“
DER VERDERBER DEUTSCHLANDS
DIE MUTTER
TROSTLIED EINES TOTAL MOBILISIERTEN
PROPAGANDAVERSE
DAS WAR DER WEG DES „DRITTEN REICHES“:
HITLER HÄLT ALLES, WAS ER VERSPRICHT
ZEHN ANTWORTEN AN GOEBBELS
LIED DER TOTALMOBILISIERTEN DEUTSCHEN FRAU
DIE KATASTROPHE IST DA! AN DIE DEUTSCHEN SOLDATEN!
LOSUNGEN
GOLDENE GOEBBELSWORTE
HITLER DER SCHULDIGE
BEI JOEBBELS DÄMMERTS
DAS LIED VOM BRAUNEN MAIKÄFER
ANRUF AN EINEN ALTEN BEKANNTEN IN BERLIN
DEUTSCHLAND IST UNSER
WIE LANGE NOCH ATLANTIKWALL?
ZEITGEMÄSSE BETRACHTUNGEN EINES NAZI
ZWEIERLEI EHRE
LIEDERPARODIEN Juni 1941 bis Oktober 1942
ZU STRASSBURG AUF DER SCHANZ
GUTER MOND, DU GEHST SO STILLE
MORGENROT, MORGENROT
O SUSANNE
DIE FAHNE HOCH!
ERNTEEINSATZLIED
SERENADE
WOCHENSCHAUEN Januar 1942 bis Juli 1942
WOCHENSCHAU NR. 1: Die Jubiläumsrede
WOCHENSCHAU NR. 2: Die Russen sind schuld
WOCHENSCHAU NR. 3: Von Lumpen und Sündenböcken
WOCHENSCHAU NR. 4: Kalte Füße
WOCHENSCHAU NR. 5
WOCHENSCHAU NR. 6
WOCHENSCHAU NR. 7
WOCHENSCHAU NR. 8
WOCHENSCHAU NR. 9
WOCHENSCHAU NR. 10
WOCHENSCHAU NR. 11
WOCHENSCHAU NR. 12
WOCHENSCHAU NR. 13
WOCHENSCHAU NR. 14
WOCHENSCHAU NR. 15
WOCHENSCHAU NR. 16
WOCHENSCHAU NR. 17
WOCHENSCHAU NR. 18
WOCHENSCHAU NR. 19
WOCHENSCHAU NR. 20
ZWIEGESPRÄCHE: Juni 1942 bis März 1943
NR. 1: FRAU KÜNNECKE WILL JARNISCHT JESAGT HABEN
NR. 2: FRAU KÜNNECKE WILL JARNISCHT JESAGT HABEN
NR. 3: FRAU KÜNNECKE WILL JARNISCHT JESAGT HABEN
NR. 4: FRAU KÜNNECKE WILL JARNISCHT JESAGT HABEN
NR. 5: FRAU KÜNNECKE WILL JARNISCHT JESAGT HABEN
PROSAARBEITEN: Juni 1941 bis Mai 1943
AUFRUF AN DAS DEUTSCHE VOLK
DAS RUSSISCHE VOLK RUFT EUCH ZU:
ANSPRACHE AN DAS DEUTSCHE VOLK
„DEUTSCHER SOZIALISMUS“
DEUTSCHE SCHRIFTSTELLER AN DIE DEUTSCHEN SOLDATEN
ARBEITERJUGEND STÜRME GEGEN DEN KRIEG
AN DIE HITLERJUGEND
SOLDATEN, SIE JAGEN EUCH GEGEN LENINGRAD
DER KLEINE PARTISAN
„DURCHHALTEN“
DAS MUSS GANZ DEUTSCHLAND HÖREN
WANN WIDERSETZT IHR EUCH, STATT ZU JAMMERN?
ÜBER „LEBENSNAHE“ RECHENAUFGABEN
LANDSLEUTE
AUSSERHALB DES BRAUNEN KERKERS
VOM NORMANNISCHEN EISENBLUT
BRIEF AN DEN SOHN AN DER OSTFRONT
DAS WEIHNACHTSMÄRCHEN
DEUTSCHE MÄNNER UND FRAUEN, MÜTTER UND KINDER!
MEINE HÖRER IN DEUTSCHLAND!
KLEINE ERLEBNISSE IN DER ROTEN ARMEE
EIN ERNSTES WORT AN MEINE BERLINER LANDSLEUTE
WAS HEIßT: TOTALE MOBILMACHUNG?
LETZTES AUFGEBOT DER FÜHRUNG: DIE TOTALMOBILISIERUNG!
ZEHN ANTWORTEN AN GOEBBELS
PROSAARBEITEN aus der Zeit des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ Juli 1943 bis Juli 1945
ENTSCHEIDUNG!
UMLERNEN!
AN DIE DEUTSCHEN IN ALLER WELT!
AN DIE DEUTSCHEN SOLDATEN UND OFFIZIERE!
ALLE WAFFEN GEGEN HITLER!
WANN IST DER KRIEG ZU ENDE?
WAS SOLL DER „VOLKSSTURM“ VERTEIDIGEN?
VORWÄRTS GEGEN HITLER!
AN DIE MÄNNER UND FRAUEN VON BERLIN!
EIN ENDE UND EIN ANFANG
NACHRUF AM GRABE WILHELM FLORINS
IM NAMEN DEUTSCHLANDS
ZEITTAFEL
1941
1942
1943
1944
1945
Erich Weinert
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