
Verdacht
Im Allgemeinen hatten die West-Kommilitonen die Exkursionen so organisiert, dass möglichst geringe Kosten entstanden, das hieß, im Wesentlichen wurden solche Orte und Objekte ausgesucht, in denen spendable Leute das Sagen hatten, die dann, als krönenden Abschluss des Treffens sozusagen, für die mit Mitteln nicht reichlich gesegneten Studenten >etwas springen< ließen. Meist waren es >Alte Herren< der akademischen Burschenschaften.
*
An einem Tag stand ein modernes Salzbergwerk auf dem Programm, das man uns stolz zeigen wollte. Der für die Führung Zuständige, ein Obersteiger, sollte jedoch, im Gegensatz zu dem oben Gesagten — so unsere Betreuer —, dem Ruf nach ein ausgesprochener Geizkragen sein. Wir wurden schon vor dem Aufbruch beim Frühstück angehalten, Stullenpakete zu bereiten — für unterwegs.
Wir kamen pünktlich an, wurden mit neuer Arbeitskleidung versorgt und fuhren — auf für uns Neues gespannt — ins Bergwerk ein. Die Besichtigung wurde sehr sachkundig, freundlich und interessant von dem besagten Mann geführt. Nach dem Ausfahren kam das obligatorische Duschen, und wir standen zum Danksagen und Verabschieden bereit, als jener Obersteiger sichtlich erregt mit einem unserer Betreuer zu uns stieß — die Peinlichkeit stand letzterem im Gesicht — und er verkündete uns: die wertvolle Taschenuhr des Herrn, ein güldenes Erbstück, sei verschwunden.
(Ich hatte sogleich das Gefühl als stände die Frage im Raum: Einer von euch ...?)
Es hob ein großes Suchen an in allen Räumen, in denen sich jemand der Gruppe aufgehalten hatte. Die abgelegten Arbeitsklamotten wurden durchwühlt, schließlich krempelten wir die Taschen unserer Straßenkleidung nach außen ...
Ich machte mich zum Sprecher unserer Gruppe und erklärte, dass wir nicht eher die Räume verlassen werden, bis die Uhr wieder da sei.
Erneutes Suchen in peinvoller Verbissenheit ...
Dann endlich: Aus einer von ihm wenig benutzten Tasche, wie er behauptete, seines weißen Steigeranzuges zog er an goldener Kette das gute Stück!
Was dann stattfand, war selbst für unsere West-Kommilitonen ein nie da gewesenes Ereignis (für uns sowieso): Ein Fest, ein Gelage beinahe, bis zum Abend, gesponsert vom gewissensgeplagten Geizkragen.
Ego-Episoden des Alexander Kröger. Wahres, heiter und besinnlich
Dr.-Ing. Routschek, der an der Bergakademie Freiberg Markscheidewesen studiert, 17 Jahre im Lausitzer Bergbau, danach in der Bauverwaltung gearbeitet hat, der unter dem Pseudonym Alexander Kröger bekannt gewordene Autor Dutzender wissenschaftlich-phantastischer Romane, Kurzgeschichten und Veröffentlicher seiner Stasi-Akte, stellt heiter-besinnliche Episoden und Geschichtchen vor: keine Biografie, dennoch in Jahrzehnten Selbsterlebtes mit unvermeidlichen Zeitzeugnissen. 86 situationskomisch-pointierte, mitunter skurrile aber auch besinnliche, illustrierte Geschichten, die bei reiferen Lesern Erinnern wachrufen, jüngere mit ehemals Alltagsbestimmendem, heute mitunter Lächerlichem, bekannt machen.
Beschreibung
Dr.-Ing. Routschek, der an der Bergakademie Freiberg Markscheidewesen studiert, 17 Jahre im Lausitzer Bergbau, danach in der Bauverwaltung gearbeitet hat, der unter dem Pseudonym Alexander Kröger bekannt gewordene Autor Dutzender wissenschaftlich-phantastischer Romane, Kurzgeschichten und Veröffentlicher seiner Stasi-Akte, stellt heiter-besinnliche Episoden und Geschichtchen vor: keine Biografie, dennoch in Jahrzehnten Selbsterlebtes mit unvermeidlichen Zeitzeugnissen. 86 situationskomisch-pointierte, mitunter skurrile aber auch besinnliche, illustrierte Geschichten, die bei reiferen Lesern Erinnern wachrufen, jüngere mit ehemals Alltagsbestimmendem, heute mitunter Lächerlichem, bekannt machen.
Bibliografische Angaben
| Erstveröffentlichung | 01.01.2012 |
|---|---|
| E-Book-Ausgabe | 15.12.2014 |
| Seiten | 203 |
| ISBN (EPUB) | 978-3-95655-209-0 |
| ISBN (PDF) | 978-3-95655-210-6 |
| ASIN (Kindle) | B00WXMYEIC |
| Verlag | EDITION digital |
| Sprache | deutsch |
Schlagwörter
MühlhausenLeipzigTschechienBulgarienRumänienDDRSchuleStudiumAlexander KrögerHelmut RoutschekEgo-EpisodenAnekdotenBergbauLausitzBergakademie FreibergRammelsbergStasi-Akteheiter-besinnlichSatire86 GeschichtenKurzgeschichtenLeseprobe
Verdacht
Im Allgemeinen hatten die West-Kommilitonen die Exkursionen so organisiert, dass möglichst geringe Kosten entstanden, das hieß, im Wesentlichen wurden solche Orte und Objekte ausgesucht, in denen spendable Leute das Sagen hatten, die dann, als krönenden Abschluss des Treffens sozusagen, für die mit Mitteln nicht reichlich gesegneten Studenten >etwas springen< ließen. Meist waren es >Alte Herren< der akademischen Burschenschaften.
*
An einem Tag stand ein modernes Salzbergwerk auf dem Programm, das man uns stolz zeigen wollte. Der für die Führung Zuständige, ein Obersteiger, sollte jedoch, im Gegensatz zu dem oben Gesagten — so unsere Betreuer —, dem Ruf nach ein ausgesprochener Geizkragen sein. Wir wurden schon vor dem Aufbruch beim Frühstück angehalten, Stullenpakete zu bereiten — für unterwegs.
Wir kamen pünktlich an, wurden mit neuer Arbeitskleidung versorgt und fuhren — auf für uns Neues gespannt — ins Bergwerk ein. Die Besichtigung wurde sehr sachkundig, freundlich und interessant von dem besagten Mann geführt. Nach dem Ausfahren kam das obligatorische Duschen, und wir standen zum Danksagen und Verabschieden bereit, als jener Obersteiger sichtlich erregt mit einem unserer Betreuer zu uns stieß — die Peinlichkeit stand letzterem im Gesicht — und er verkündete uns: die wertvolle Taschenuhr des Herrn, ein güldenes Erbstück, sei verschwunden.
(Ich hatte sogleich das Gefühl als stände die Frage im Raum: Einer von euch ...?)
Es hob ein großes Suchen an in allen Räumen, in denen sich jemand der Gruppe aufgehalten hatte. Die abgelegten Arbeitsklamotten wurden durchwühlt, schließlich krempelten wir die Taschen unserer Straßenkleidung nach außen ...
Ich machte mich zum Sprecher unserer Gruppe und erklärte, dass wir nicht eher die Räume verlassen werden, bis die Uhr wieder da sei.
Erneutes Suchen in peinvoller Verbissenheit ...
Dann endlich: Aus einer von ihm wenig benutzten Tasche, wie er behauptete, seines weißen Steigeranzuges zog er an goldener Kette das gute Stück!
Was dann stattfand, war selbst für unsere West-Kommilitonen ein nie da gewesenes Ereignis (für uns sowieso): Ein Fest, ein Gelage beinahe, bis zum Abend, gesponsert vom gewissensgeplagten Geizkragen.
Inhaltsverzeichnis
Arbeitnehmerisches
Frauentag
voreilig
Das Gleismädchen
errare humanum est
peinlich
Honorarverwirrung
Westhilfe
nie mehr blauäugig I
Potemkin
Sonstiges
Höflichkeit
Kennung
Selbstschuss
Dein Freund und Helfer
Malheur
Namensgebung
Täuschung
Datenschutz
Wunderblumen
Mei Leipzig lob’ich mir
Frühstück
Kalte Verbrennung
Stasistisches
nie mehr blauäugig II
Versteckspiel
Staatsgefährdung
Demaskierung
Kabarett
Reisiges
Sibiriaken
Rache
Völkerfreundschaft
Finnische Impressionen
Übermaß
Wagenhalsiges
Urlauberei
Gastfreundschaft
Finanzen
Stolz
Meister Sabo
Das Protokoll
Hochmut
Nachtwache
Notmontage
Häme
Das grüne Gewölbe
Zwetschkenknödel
Überraschung
Spitzbuben
Akademix
Bruderliebe
Tierliebe
Kristalle
Legale Arglist
Studiosisches
Schnurtelefon
nie mehr blauäugig III
Funken
musikalisch
Hasenfüße
Fehlschuss
Düngung
Praktikum
Rationalität
vorher - nachher
Schmierung
Durst
Seenot
Geburtstag
Wissenschaft
drum prüfe ...
Weckruf
Makabres
Der Rammelsberg
Verdacht
Thüringer Impression
Paukereien
Sangesfreuden
Wandel
Klassenwechsel
Unvorbildliches
Lob dem Teufel
Nachwüchsiges
Waldfrevel
Getreide
Obstverkäufer
Neugier
frommer Betrug
Götze West
Früherinnerliches
Wie ich Ossi wurde
Bildungsdrang
Wer nie sein Brot...
Trance
Schaustück
Alexander Kröger
Weitere Bücher von Alexander Kröger
Der Geist des Nasreddin Effendi. Science Fiction-Roman
Der Geist des Nasreddin Effendi - Originalausgabe
Andere. Utopischer Roman
Begegnung im Schatten. Science Fiction-Roman
Energie für Centaur - Originalausgabe. Wissenschaftlich-phantastischer Roman
Souvenir vom Atair. Wissenschaftlich-fantastischer Roman





