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Malgründe. von Johannes Helm
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Preis E-Book:
4.99 (6.99)) €
Veröffentl.:
30.03.2013
ISBN:
978-3-86394-962-4 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 146 Seiten
Kategorien:
Kunst / Europa, Kunst / Malen
Kunstgeschichte, Europa
Malerei, Naive Malerie, Neu Meteln, Mecklenburg, Berlin
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Etwas ähnliches Selbstporträt

Maler, die sich selbst porträtieren, schaffen sich nicht selten einen anderen als ihren üblichen Aufzug, wenn sie es nicht vorziehen, streng blickenden Auges und mit erhobenem Pinsel hinter der Leinwand zu sitzen. Selbst dann findet sich meistens noch irgendwo eine kleine Zutat, vielleicht ein bunt schillernder Käfer, eine schöne Blüte. Auch Totenschädel oder Sanduhren, die an die Vergänglichkeit gemahnen.

Was ist das schon gegen ein Selbstporträt im roten Samtumhang, ein großrandiger Hut mit breiter Schärpe macht sich ebenfalls gut, besonders, wenn sich dahinter eine weite Landschaft im Blauen verliert.

Nun habe ich meinen Aufhänger: Warum dieses gestreifte Unterhemd, die zerknautschte Mütze, die ich in Bulgarien kaufte und nur dort wegen der Sonne trug. Was soll die grobe Quadermauer mit den darauf gestapelten Schieferbrocken, davor die Glyzine und die etwas manirierte Rose, dahinter einige Distelblüten unter grünem Abendhimmel?

Es ist zwei Jahre her, ich will mich erinnern, wie das war. Auf dem Schreibtisch stand zwischen den Malsachen ein Spiegel. Es sollte mein erstes Porträt werden. Ich dachte, lieber an mir selbst als an anderen erkunden, wie das ausgeht. So wurde es auch mein erstes Selbstporträt.

Im gestreiften Unterhemd saß ich wegen der Zimmerwärme. Es war etwas heller gestreift, aber ich wollte einen dunkleren Abschluss im Bild. Bei der Mütze war ich gleich zweifach eitel. Sie verdeckt mein gelichtetes Haar und macht mich ein bisschen verwegen. Weiß, wie sie eigentlich ist, wollte ich sie nicht lassen. Rötlich stand sie schöner vor dem Himmel und ergänzte so auch besser die Farben von Rose, Hemd und Glyzine. Zur Mauer fällt mir nur ein, dass ich sie hinter mir haben wollte, nicht ganz unauffällig, nicht leer, eher berankt. Ein altes Gartenbuch lieferte mir die Glyzine. Rosen mochte ich immer, Disteln auch.

Aber warum das alles? Ich kann keine Regeln zum Entschlüsseln von Rose, Glyzine, Mauer und Mütze angeben. Eigentlich hätte ich auch etwas anderes um mich herum malen können.

Doch das stimmt nicht ganz. Anderes schon, aber es könnte nichts Beliebiges sein, kein tagblauer Himmel, vermutlich wieder eine blühende Blume, Fingerhut oder Akelei vielleicht. Bestimmt keine Krawatte. Zufällig war die Auswahl der Requisiten nicht, aber mir war auch nicht richtig bewusst, wonach sie sich richtete. Man sagt, da helfen Einfälle weiter.

Welche kommen mir, während ich das Bild ansehe? Rosen und Disteln stechen. Immer mit dem Rücken an der Wand bleiben. Wie ungern bin ich „gut angezogen". Ich möchte robuster sein, sogar tätowiert habe ich mich mit der Signierung. Abends fühle ich mich am wohlsten, besonders in der Unwirklichkeit bestimmter Dämmerungen. Rosenlieder berühren und amüsieren mich zugleich: Letzte Rose, Rose weiß - Rose rot, Rosenstock hold erblüh.

Auch innerlich nur ein etwas ähnliches Selbstporträt.

Malgründe. von Johannes Helm: TextAuszug