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Die Tote im Pfaffenteich. Ein Schwerin-Krimi von Christiane Baumann
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Preis E-Book:
8.99 €
Buch:
12.80 €
Veröffentl.:
03.07.2017
ISBN:
978-3-95655-785-9 (Buch), 978-3-95655-786-6 (E-Book)
Sprache:
deutsch
Umfang:
ca. 352 Seiten
Kategorien:
Belletristik/Krimis & Detektivgeschichten/Polizeiprozesse, Belletristik/Krimis & Detektivgeschichten/Weibliche Detektive, Belletristik/Thriller/Verbrechen, Belletristik/Verbrechen
Klassische Kriminalromane, Kriminalromane und Mystery: Polizeiarbeit, Kriminalromane und Mystery: weibliche Ermittler, Mecklenburg-Vorpommern, erste Hälfte 21. Jahrhundert (2000 bis 2050 n. Chr.)
Schwerin, Kindheitstrauma, Kommissarin, Krimi, Mord, Einbruch, Vergewaltigung, Drogen, Familie, Pfaffenteich, Lübecker Straße, Ziegelsee, Freundschaft, Badeunfall, Mobbing, Schweriner See, Rache, Geiselnahme
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In seinem Zimmer traf Doktor Peters Ellas Mutter allein an. War für den Arzt eher eine normale Situation, dass der Vater fehlte. Trotzdem erkundigte er sich. „Ist Ihr Mann wieder beruflich zu eingespannt?“

Frau Ziegler, die kerzengerade auf einem Stuhl saß, nickte nur. Doktor Peters wollte sie nicht länger warten lassen. Im Moment war einzig das Testergebnis wichtig.

„Es gibt eine gute Nachricht, eine sehr gute sogar“, eröffnete er der jungen Frau. „Ihr Ehemann kommt als Spender in Frage. Wir brauchen zwar noch eine Feintypisierung, aber nach aller Erfahrung und mit ein bisschen Glück wird das Ergebnis das gleiche bleiben. Wir können schon morgen mit den notwendigen Vorbereitungen für die Transplantation beginnen. Na, was sagen Sie!“

Ein Strahlen ging über Janine Zieglers Gesicht. Freudig sprang sie auf, als wolle sie den Arzt umarmen. Doch bevor es dazu kam, ließ sie die Arme sinken, und ihr Lächeln erstarb.

Doktor Peters war etwas enttäuscht von dieser Reaktion. „Haben Sie mich verstanden? Ihr Mann kann Ihrer Tochter Knochenmark spenden. Ella wird vollständig gesund.“

Frau Ziegler beugte sich vor und sah ihn zweifelnd an: „Mein Mann soll der Spender sein, den wir gesucht haben?“

„Ja, das ist ein Glücksfall, aber nicht ungewöhnlich. Angehörige ersten Grades sind oft …“ Die Mutter unterbrach den Arzt. „Sie müssen sich geirrt haben, Herr Doktor. Das ist absolut unmöglich.“

„Setzen Sie sich doch, Frau Ziegler. Der Befund ist eindeutig. Es gibt keine Zweifel. Sie dürfen sich ruhig freuen. Was folgt, ist beinahe Routine. Ihre Tochter ist bei uns in den besten Händen.“

„Kann es sein, dass der Befund verwechselt wurde?“

„Ausgeschlossen.“

„Er muss falsch sein. Ich will einen neuen.“

Doktor Peters wurde ungeduldig. Sein Date mit Schwester Susan war in Gefahr. „Ihr Ehemann ist der Vater von Ella und der passende Spender. Daran gibt es keinen Zweifel.“

„Er ist nicht der Vater.“

„Wie bitte?“

Frau Ziegler setzte sich langsam und holte hörbar Luft. „Mein Mann ist nicht der leibliche Vater von Ella. Deshalb ist es unmöglich, dass er der gesuchte Knochenmarkspender ist.“

Doktor Peters zeigte ein überlegenes Lächeln. „Das Eine geht auch ohne das Andere. Ein Knochenmarkspender ist ein Knochenmarkspender, unabhängig davon, ob er nun der leibliche Vater ist oder nicht.“

Frau Ziegler wurde eine Spur blasser im Gesicht, und Doktor Peters unterbrach sich. Dieses Gespräch würde länger dauern als von ihm gedacht. Sein Treffen mit Schwester Susan konnte er vergessen. Der Arzt brauchte ein paar Sekunden, den Unmut zu bekämpfen, den er in sich aufsteigen fühlte. Mit bemüht ruhiger Stimme sprach er auf die Mutter ein.

„Ich erkläre es Ihnen noch einmal. Sie sind sicher aufgeregt, das ist völlig normal. Also, nach den Laborergebnissen ist Ihr Mann als Knochenmarkspender geeignet. Das steht fest. Irrtum ausgeschlossen.“

Irgendwie kam das nicht bei Janine Ziegler an. Sie wiederholte nur stotternd und verängstigt. „Aber er ist nicht der leibliche Vater, Herr Doktor. Es kann nicht sein, bitte, Herr Doktor, es ist unmöglich!“

„Nun, ich ging davon aus, dass Ihr Mann der leibliche Vater von Ella ist. Sie haben mir niemals Gegenteiliges erzählt. Soweit ich beobachten konnte, hat Ihr Mann ein sehr enges Verhältnis zu seiner Tochter. Er liebt sie, wie ein Vater es tun sollte. Das allein ist wichtig.“

Frau Ziegler schüttelte den Kopf und wiederholte verbittert: „Er kann nicht der Vater sein, weil er es nicht sein darf!“

„Mit der Vaterschaft mag es ja sein, wie Sie es sagen. Das kann vorkommen, ist doch aber heutzutage kein Beinbruch. Es ist mir schleierhaft, warum Sie sich darüber dermaßen aufregen. Was genau ist denn Ihr Problem?“

Statt zu antworten, starrte die junge Mutter ihn nur an. Ihr Mund öffnete sich langsam wie zum Schrei, und sie wurde schneeweiß im Gesicht. Der Arzt ahnte, was passieren würde. Um zu helfen, sprang er aus seinem Stuhl auf und stieß dabei mit einem Knie gegen die Schreibtischkante. Der Schmerz war unerwartet und heftig, so dass Doktor Peters in seiner Bewegung innehielt. Er musste zusehen, wie die Frau vom Stuhl kippte und ohnmächtig auf dem Boden seines Behandlungszimmers liegen blieb.

 

Die Tote im Pfaffenteich. Ein Schwerin-Krimi von Christiane Baumann: TextAuszug